Lange bevor die ersten Einwanderer aus Übersee nach London kamen und so wunderbare Restaurants wie das pakistanische Tayyabs eröffneten, zog eine berühmte Gruselgestalt durch das Viertel: Jack the Ripper soll 1888 in den Seitenstraßen des East Ends fünf Frauen erstochen und mit seinem Messer verstümmelt haben. Nüchtern und präzise wie in einem Obduktionsbericht beschreibt Fiona, eine Schauspielerin und Jonglierlehrerin, auf ihrer Führung den elenden Alltag am Ostrand der Londoner Innenstadt. Als Tagelöhner schufteten die meisten in den nahen Fabriken und Docks 17 Stunden am Tag. Der Lohn: Zehn Pence. Ein Zimmer kostete fünfzig Pence die Woche.
Einwandererviertel an der Brick Lane
Die City frisst das East End auf
So lebten viele auf der Straße oder übernachteten in Flop Houses. Für zwei Pence die Nacht hatten sie dort ein Dach über dem Kopf und schliefen halb stehend in Seile gelehnt. Um zu überleben, mussten sich viele Frauen auf dem Straßenstrich verdingen. Auf dem Weg durch Gassen im East End erfahren die Touristen, dass von den damals 800.000 Londonern 11.000 kein Obdach hatten. Jedes zweite Kind starb, bevor es fünf Jahre alt war.

Brick Lane im Einwandererviertel
Unvorstellbar angesichts des neuen East Ends: Immer weiter frisst sich die City mit ihren glitzernden Glas-Beton-Bürotürmen in das ehemalige Arbeiter- und heutige Einwandererviertel. Block um Block wurde abgerissen und durch moderne Bürohochhäuser ersetzt. Was vom alten East End geblieben ist, wird luxussaniert. Rund 1,6 Millionen Euro kostet eines der frisch sanierten „Hugenottenhäuser“ mit vier Zimmern. Um 1750 bauten die protestantischen Flüchtlinge aus Frankreich die zweistöckigen Reihenhäuser mit den großen Fenstern. Für eine 2-Zimmer-Wohnung in der zu Lofts umgebauten ehemaligen Brauerei oder dem einstigen Obdachlosenasyl zahlt man eine Viertel Million Pfund.
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