Im Einfluss des Golfstroms
Auf den Kanalinseln Guernsey und Sark
Text: Axel Pinck / Fotos: Peter Frischmuth, agentur argus

Zwischen Frankreich und Großbritannien, umspült vom Golfstrom, liegen die Kanalinseln. Mildes Klima, ruhigen Alltag und einige Relikte des Feudalismus hat unser Autor bei seinem Besuch auf Guernsey und Sark vorgefunden.
Schwungvoll platziert Gunter Botzenhardt einen Teller mit dampfenden Jakobsmuscheln auf dem mit weißem Tuch gedeckten Tisch. Sein uriges Restaurant in St. Peter Port gehört zu den besten der Kanalinseln. Dunkle Eichenbalken tragen die Decke des Gastraums, das traditionelle Gasthaus ist aus grauem und rosa Inselgranit erbaut. Schon seit über 25 Jahren lebt der deutsche Patron des „Le Nautique“ auf Guernsey. In Neu-Ulm und Genf hat er sein Handwerk gelernt, doch der Weg von den Spätzle zum Fisch war nicht weit. Schon nach wenigen beruflichen Stationen hat er seine Liebe zu den Kanalinseln und zu Guernsey entdeckt.

Frische Meeresfrüchte aus dem Kutter
Der freundliche Chefkoch ist die Ruhe selbst. Morgens ist er stets im Hafen zu finden, wenn die Kutter mit ihrem Fang einlaufen. Mit seiner blauen Kappe erkennen ihn die Fischer schon von weitem, auch Richard Keen, der ihn mit verschmitztem Lächeln begrüßt und ihm stets die besten Muscheln und Fische präsentieren kann. Richard ist Fischer und Taucher, er steht in dem Ruf, auch über die Lage von so manch ungehobenem Schiffswrack gut Bescheid zu wissen. Und die Gewässer und Riffe der Kanalinseln im Golf von Saint Malo sind schon vielen Schiffen zum Verhängnis geworden, vor allem wenn Winternebel den Seeleuten die Navigation erschwerte.

Gut und frisch gekauft!
Während der letzten Eiszeit gehörten die Kanalinseln noch zum
europäischen Festland. Erst als das im Eispanzer der Nordhalbkugel
gebundene Wasser schmolz, wurden sie vom Festland getrennt. Schon Jäger
und Sammler der Steinzeit haben ihre Spuren hinterlassen. Und nachdem Julius
Cäsar 57 v.Chr. Britannien erobert hatte, wurden die Kanalinseln und
Guernsey eine Etappe im römischen Seehandel. Noch vor rund 20 Jahren
konnten Archäologen in der Hafeneinfahrt von St. Peter Port ein römisches
Frachtschiff freilegen, das Wein für die Garnisonen in Britannien
geladen hatte.
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