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Elfenbeinküste im Überblick

"Akwaba en Côte d`Ivoire - willkommen an der Elfenbeinküste! Träumen Sie . . . Sich sonnen, schwimmen, für einen Augenblick Europa vergessen . . . aber auch das tiefe Schwarzafrika entdecken!" - unter diesem inspirierenden Motto wirbt das Tropenland am Golf von Guinea um ausländische Gäste. Doch viele sind es noch nicht, die den Sechs-Stunden-Flug von Mitteleuropa bis nahe an den Äquator auf sich nehmen. Einige touristische Vorreiter wie der "Club Mediterranée" haben sich hier schon etabliert und irgendwann könnten die Großen der Branche folgen, denn das Land kann mit spektakulären Glanzpunkten aufwarten.

Lange, palmenbestandene Sandstrände und Badebuchten warten auf Strandurlauber, Tier- und Pflanzenfreunde finden einzigartige Naturreservate vor und die Vielfalt der Völker und Kulturen in diesem Teil Schwarzafrikas hat noch jeden Besucher gefesselt. Ob der Tourismussektor im erhofften Umfang aufblühen wird, die reichen touristischen Ressourcen zum Vorteil des Landes und seiner Gäste aus Übersee genutzt werden, läßt sich freilich noch nicht absehen.

Elfenbeinküste

Etwas kleiner als Deutschland und ziemlich genau von der Größe Norwegens, ist die Côte d`Ivoire ein Land voller naturräumlicher Gegensätze und entsprechend unterschiedlicher Klimazonen und Vegetationsformen. Sandbuchten und Kliffs, lange Strandpartien, Lagunen und Sümpfe mit Mangrovenwäldern gliedern die Atlantikküste, an die sich eine 100 bis 200 km tiefe Zone tropischen Regenwalds anschließt. Vielfach ist die dichte Vegetation durch Lichtungen aufgelockert, wo Kakao, Kaffee und Bananen angebaut werden. Aus dem tropischen Äquatorialklima dieser Region gelangt man auf dem Weg nach Norden in den sog. südsudanischen Klimabereich der intensiv landwirtschaftlich genutzten zentralen Hochebene. Sie nimmt den größten Teil des Landes ein. Den tropischen Regenwald haben zunächst Feuchtwälder, dann Feuchtsavanne abgelöst, die im nördlichen Landesdrittel in Busch- und Trockensavanne übergeht. Die hier herrschenden hohen Tagestemperaturen, die kühlen Nächte und ausgedehnte Trockenperioden deuten die Nähe zur Sahelzone an. Ganz anders das bergige Hochland im Westen, der dritte Naturraum der Côte d`Ivoire neben dem Küstenstreifen und dem Zentralplateau. In diesem waldreichen Gebiet liegen die Temperaturen deutlich niedriger, dafür erreichen die Niederschläge Rekordhöhen.

Die Millionenstadt Abidjan, angesiedelt auf mehreren Landzungen, die in die Lagune Ebrié hineinragen, präsentiert sich als das "Manhattan Afrikas" mit brodelndem Verkehr zwischen Nobelgeschäften, Prestigebauten und futuristischen Bürotürmen. Doch das Herz Afrikas schlägt in den traditionellen Stadtvierteln Treichville, Adjame, Cocody, Koumasi oder Marcory, wo sich das pralle, bunte Straßenleben der Vielvölkermetropole entfaltet, kleine Restaurants (die sich hier "Maquis" nennen) mit Leckereien locken, Märkte eine unglaubliche Warenfülle ausbreiten und die Nacht zum Tag wird. Auch das "Musée des Civilisations de Côte d`Ivoire" lohnt einen Besuch, vermittelt es doch einen umfassenden Einblick in die Kunst und Kultur der ivorischen Völkerschaften. Vor den Toren Abidjans liegt mit dem "Banco" einer der kleineren Nationalparks, der auf seinen 3.000 ha das zu bewahren versucht, was andernorts schon zu verschwinden droht: ursprünglichen tropischen Regenwald.

Östlich von Abidjan säumen Hüttendörfer und Palmenhaine die Straße zu den großen Badestränden. Man passiert die Lagunenstadt Grand-Bassam mit nostalgischen Überresten einstiger Prachtbauten der französischen Kolonialherren, die 1893 diese Siedlung zur Hauptstadt ihres neuen Territoriums ausriefen. Als Badeort ist Grand-Bassam beliebt bei den hitzegeplagten Abidjanern. Assini und Umgebung bieten herrliche, weiße Sandstrände. Hier liegt das bedeutendste Feriengebiet des Landes. Der "Club Mediterranée" und die Pfahlbauten des Clubdorfes "Les Paletuviers" sowie einige Bungalow-Siedlungen laden zu unbeschwertem Strandurlaub.

Ein längerer Abstecher nach Norden bietet die wohl einmalige Begegnung mit einem wahrhaftigen König in dieser Republik. König Bonzou II. residiert im Städtchen Abengourou. Er ist das Oberhaupt der Agni, einer Volksgruppe, die im 17. Jahrhundert aus dem heutigen Ghana einwanderte und das mächtige Königreich Indénié gründete. Bis in die Gegenwart verstanden es König und Untertanen, ihre alten Stammesstrukturen zu bewahren.

Elfenbeinküste

Westlich von Abidjan begeistern malerische Palmenstrände entlang des Lagunenstreifens. Jacqueville, Grand Lahou, Sassandra, Monogaga, San Pédro und Tabou heißen die mehr oder minder entwickelten Badeorte an diesem langen Küstenabschnitt. Wer das nahe Hinterland erkunden will, könnte dem großen Pfahlbaudorf Tiagba einen Besuch abstatten oder den nur mit Boot oder zu Fuß erreichbaren Nationalpark Assigny erwandern, ein rund 300 km² großes Urwaldreservat, in dem noch Elefanten leben. Zeitaufwendiger ist die Tour von San Pédro zum Tai-Nationalpark im Südwesten, nahe der Grenze zu Liberia. Von der UNESCO auf die Liste der Weltnaturdenkmäler gesetzt, ist dieses etwa 5.500 km² große Areal (doppelte Größe des Saarlandes) eines der letzten intakten Regenwaldgebiete. Seine üppige Vegetation und vielfältige Tierwelt werden in enger Zusammenarbeit von einheimischen Institutionen und der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) gehegt und gepflegt und auch dem Öko-Tourismus geöffnet.

Einige Stunden nördlich des Parks liegt die 300.000 Einwohner zählende "Stadt der 18 Berge" Man, Mittelpunkt einer waldreichen Berglandschaft mit Wasserfällen und Lianenbrücken, Bambushainen und Kaffeeplantagen. Es ist das Land der Yacouba, die bekannt sind für ihre rituellen Tänze (Messertanz, Stelzvogeltanz) und ihr handwerkliches Können (Masken, handgewebte Stoffe). Spätestens bei einer Fahrt in den Norden des Landes wird die so oft voller Stolz erwähnte Verwaltungshauptstadt Yamoussoukro berührt, Geburtsort des früheren Präsidenten Houphouet-Boigny. Es ist eine bizarre Retortenstadt gigantischen Ausmaßes, der nur noch die Menschen fehlen. Allein der Bau der Basilika "Nôtre Dame de la Paix", eines Nachbaus des Petersdoms in Rom, soll, wie es heißt, "300 Millionen DM aus der Privatschatulle des Präsidenten" gekostet haben . . .

Über Bouaké, mit fast einer Million Einwohnern zweitgrößte Stadt der Elfenbeinküste, und den für seine Töpferarbeiten bekannten Ort Katiola erreicht man den Parc National de la Comoé, eines der größten Wildreservate in Westafrika. Grassavanne oder Busch- und Baumsavanne, Hügelketten und vereinzelte Inselberge und der ganzjährig Wasser führende Comoé-Fluß prägen das Landschaftsbild des Schutzgebiets. Auf einer Fläche von 11.500 km² (das entspricht etwa der Größe von Kreta und Mallorca zusammen) finden Flußpferde und Elefanten, Antilopen und die vielen anderen Arten der Savannenfauna ein weitläufiges Rückzugsgebiet. Auch der Comoé-Park ist in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes aufgenommen worden.

In Höhe des Parks liegt das Land der Senoufo, das sich über Ferkéssédougou, Korhogo bis Boundiali nach Westen erstreckt. Im weiten Savannenland mit pittoresken Rundhüttendörfern pflegt dieses traditionsbewußte Volk seine überlieferte Handwerkskunst (Masken und Statuen aus Holz und Bronze, Webarbeiten und Leinenmalerei, Töpfer- und Schmiedearbeiten). Dazu zählt auch die traditionelle Architektur, in Lehmbauweise errichtete Gebäude mit Dachterrassen. Selbst Moscheen entstehen aus Lehm, wie in Kavara oder Kong. Aber nicht nur als Handwerker, auch als Bauern haben die Senoufo einen guten Ruf. Sie bauen Reis und Baumwolle an, Zuckerrohr und Tabak, Mais und Hirse.

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Eckart Fiene


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