Liebgewordene Sinnstiftungsbegriffe erscheinen inhaltsleer; vergessene Gefühle - Sehnsucht, Trauer, Stolz - drängen sich unwillkürlich auf, sprechen wieder für sich. Eingespielte Verdrängungsmechanismen versagen dagegen kläglich; nichts versteht sich von selbst, alles geht wild durcheinander. Sind Welt, Kopf, Ball rund, damit wir ihre Bewegungsrichtung verändern können? Wer weiß: Wahrscheinlich würde sich ein labyrinthisches Geflecht ergeben, wenn man alle Bewegungen einer Kugel innerhalb eines viereckigen Feldes bis zu ihrem Verschwinden von der Spielfläche nachzeichnen würde. Ich vermute: Es wäre in diesem Wirrwarr kein patentierbares System zu erkennen. Kurz: "Das nächste Spiel ist immer das schwerste"; denn Fußball ist in diesem Kontext unser Leben und weder das eine noch das andere verweist auf eine Moral der absurden, nur künstlich zu ordnenden Geschichte jenseits von Gut und Böse.
Epilog:
"Seufzer.- Ich erhaschte diese Einsicht unterwegs und nahm rasch die nächsten schlechten Worte, sie festzumachen, damit sie mir nicht wieder davonfliege. Und nun ist sie mir an diesen dürren Worten gestorben und schlottert in ihnen...". F. Nietzsche
Wenn jemand
eine Reise tut, so kann er was erzählen - so sagt man. Wenn
jemand eine Reise hinter sich hat, die noch anzudauern scheint,
dann kann er zunächst nur sehr wenig, dann plötzlich sehr
viel - Ekel über nur noch mechanisch abgespulte, übertrieben
stilisierte Episoden - und dann schließlich fast gar nichts
mehr erzählen. Was ihm bleibt sind Bruchstücke, Erinnerungssplitter.
Wenn er sich dann gegen besseres Wissen doch noch einmal aufrafft,
um etwas zu Papier zu bringen, dann entsteht ein Text wie dieser.
Verworrene Kurzgeschichten, Assoziationsmosaike, zusammengesetzt
aus über- und unterbelichteten Momentaufnahmen, (Bildungs-)Zitaten
und Augenblicken, die ein Wort, eine Geste, einen unvermittelten
Schrei ins Bewusstsein rücken. Der distanzierte Geschichtenerzähler
beschreibt bewegte und ihn noch immer bewegende Bilder, die langsam
laufen lernen, um sich dann erneut zu verflüchtigen.
Inzwischen wieder funktionierende Überlebensgarantiefilter
sind jederzeit unverkennbar. Kurze, jede erlebte Realität verratende
Filme helfen dem noch immer reisenden Heimkehrer, sich entgegen
der geradlinig fortschreitenden Chronologie, aufs nicht mehr vorhandene
Ganze bedacht, zu erinnern: Der einleitend angesprochene Videofilm
bricht tatsächlich, also nicht nur weil es mir ins Erzähl-Konzept
passt, kurz nach dem ersten Anstoß zu unserem Fußballturnier
unvermittelt ab; die Grenzen der Technik. Auf der Suche nach der
keineswegs verlorenen Zeit kann es dem Schreibenden ebenso wenig
gelingen, den vielen scharfen Dias, die bereits verwackelnden Originale
nachzuliefern; das liegt in der Natur der Sache. Dennoch habe ich,
haben wir diesen zum Scheitern verurteilten Versuch unternommen.
Am Ende steht somit die Frage: Warum auch nicht?! "Allez Sans
Pitié!" ist ja nicht ganz zufällig der Titel dieses
fragwürdigen Reiseberichts und gleichzeitig ein Rundgesang
ohne.
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