DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Die viel zu kurze Ruhe der ersten Nächte hilft nur wenig, das gänzlich Unbekannte zu verarbeiten. Bild für Bild fließt mir unaufhaltsam zwischen den Fingern davon. Nichts lässt sich wirklich festhalten, vermessen, einordnen. Aussichtslose Versuche, Bewegungen zu stoppen. Ständig werden neue Eindrücke von neueren verdrängt.

Fragments d'un journal intime: Ich notiere Allewelt und muss erleben, dass Schreiben und Teilnehmen sich ausschließen oder Je mehr du fotografierst, um so weniger bist du drauf. Am Anfang war das Staunen.

Wir werden schonungslos mit einer in unseren Augen, denn niemand kann um seine Ecke sehen, verkehrten Ordnung konfrontiert, in der die Schlösser tatsächlich anders, nicht etwa falsch herum schließen. Wir bleiben immer draußen vor der berühmt-berüchtigten Tür. Wir müssen uns damit zufrieden geben, einen flüchtigen, sicher oft blauäugigen Blick durch das Schlüsselloch des Voyeurs zu werfen - Vorsicht: Entzündungsgefahr! Selbst die vermeintlich sichere Position hinter der Kamera des distanzierten Beobachters bietet letztlich keinen Schutz. Auch Objektive täuschen Objektivität nur vor. Verzerrte Perspektiven auf scharfen Fotos: bewusst eingesetzte Weitwinkel schaffen Entfernungen, die längst aufgegeben wurden; das unerkannte Tele suggeriert eine Nähe, die für uns im Grunde unerreichbar bleibt.

Trotzdem gute Vorsätze: Genau hinsehen, hinhören, miterleben, so intensiv und offen wie möglich. Doch wir bleiben zunächst von beengenden Kulturgütern umstellt; Möglichkeits- und Wirklichkeitssinn: "Greift nur hinein ins volle Menschenleben", das sagt sich so leicht. Schwerer wiegt die Frage, ob wir, was wir glauben auszuhalten, auch wirklich aushalten, aushalten können.

Unverstellte Neugier, unbegreifliche Gastfreundschaft, grenzenlose Einbeziehung in uns völlig unbekannte Traditionszusammenhänge, religiöse Zeremonien oder befremdende Rituale. Zum Beispiel, die offiziellen Diskussionen über Angelegenheiten des Dorfes, bei denen die Beteiligten nie direkt, sondern immer über gedächtnisstarke Mittelsmänner miteinander reden, die das Gesagte wortwörtlich wiederholen, bevor darauf geantwortet wird; oder etwa, die keinesfalls zu unterschätzende Bedeutung des streng reglementierten Begrüßungsrituals: mit wenigen Worten alles wirklich Wichtige herüberbringen: "Ja, danke; ich habe sehr gut geschlafen."

Jeder von uns lebt in einer ihm zugeteilten Familie: das einzige Bett wird natürlich für den Gast geräumt, die Gastgeber legen sich zu ihren Kindern auf den Lehmfußboden.

Seite 1 / 2 / 3 / 4 / 5 / 6 / 7 / 8 / 9 / zur Startseite



Reiseveranstalter Elfenbeinküste




Twitter
RSS