Erste Einblicke: Die Anmut in den stolzen Bewegungen der wie in Zeitlupe dahinschreitenden Frauen; ihre herrlichen, aus farbenfrohen Stoffen gewickelten Kleider; die hektische Aktivität der nur spärlich bekleideten Männer; Modellathleten, die kein bestimmtes Ziel zu verfolgen scheinen. Klischeebilder: Der erste Eindruck trügt. In diesem Fall geht es um die Organisation unseres Transportes in das 200 afrikanische Kilometer entfernte Dorf, eine für viele Menschen des Schwarzen Kontinents unvorstellbare Entfernung. Es dauert seine Zeit, aber es klappt. Ohne Probleme werden wir in einem kleinen Lieferwagen verstaut, von dem wir zunächst dachten, er sei nur für das Gepäck bestimmt.
Die Fahrt durch das Zentrum: Wir machen eine kurze, unfreiwillige Rast auf dem größten Markt der drittteuersten Millionenstadt der Welt. Greifbares Elend zwischen den Pfützen. Sofort wird unser Wagen von Händlern, die alles was sie besitzen bei sich haben, umringt. Die Menschenmenge wird immer dichter, kommt langsam näher, bedrohlich nah; fragende, Mitleid erheischende, zum Teil auch aggressive Blicke, denen wir nicht lange standhalten können: Was haben wir hier eigentlich zu suchen, hier, wo wir doch offensichtlich nichts verloren haben? Endlich, nach einer kleinen Ewigkeit, fahren wir weiter. Nur schnell raus aus der uns hoffnungslos überfordernden Großstadt.
Unterwegs auf einer gut ausgebauten Straße, die bezeichnender- weise an eine Transitstrecke erinnert, in eine andere Welt im gleichen Land: mit bunten Stoffen bedeckte Hügel, trocknende Früchte auf der Autobahn, junge Frauen mit schweren Lasten, ein alter Mann mit einer Nähmaschine auf dem Kopf; tropische Regenwälder; dichtes, undurchdringliches Grün; wild wucherndes Assoziationsgeflecht; plötzlich gerodete Flächen, Kahlschlag, breite Schneisen, unerwartete Ausblicke. Dennoch überfällt uns wie auf Kommando fast alle gleichzeitig die nicht länger zu unterdrückende Müdigkeit. Traumbilder: Einmal im Glashaus des Botanischen Gartens Fußball oder verrückt spielen...

Erwachen in
Nia-Dia: Wir werden bei subtropischen Temperaturen gleich zu Beginn
kalt erwischt, besser gesagt, von warmen Wellen der Sympathie umspült,
überschwemmt. Wir glauben noch immer zu träumen: unangemessene
Sprachbilder, überforderte Bildsprache.
Das Dorf, der wellige Fußballplatz - eine von Palmen umringte
Lichtung im Urwald. Das Spiel beginnt. Der Anpfiff geht im Lärm
unter, doch die Spielzeit von 16 mal 90 Minuten läuft von nun
an unwiderruflich ab. Der rhythmische Gesang der ca. 500 Einwohner:
"Allez, allez Sans Pitié! Sans Pitié allez, allez!"
Der schwarz-weiße Lederball beginnt zu rollen.

"Ayoka", ein scheinbar alles bedeutendes Zauberwort hilft uns über die unübersehbare Anfangsnervosität hinweg. Man spielt uns liebevoll schwindelig, dribbelt uns mit einfachster Körpersprache aus, offene Tore werden wie selbstverständlich eingerannt, ohne dass wir dadurch in Rückstand geraten würden. Die lautstark herausgeschrienen Emotionen der begeisterten Zuschauer klingen in unseren Ohren ungewohnt, phantastisch. Wir erleben den turbulenten Auftakt der Begegnung wie in Trance, das geht an keinem spurlos vorbei!
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