
Text:
Dieter Stolz
Fotos: Michael Hughes
Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Wenn zwölf Hobby-Kicker und ein professioneller Fotograf zu einem Fußballturnier an die Elfenbeinküste fliegen, gibt es demnach etwas "schwarzaufweiss" zu berichten.
Ungeordnete Tagebuchnotizen, farbige Dias und ein kurzer Videofilm helfen mir auf die Sprünge, setzen Erinnerungen frei, Bilder in Bewegung: Die Vorgeschichte ist schnell zusammengefasst. Hardy, die gute Sozialarbeiterseele unseres Teams, hatte die folgenreiche Idee zu diesem vierwöchigen Auswärtsspiel. Er pflegt seit geraumer Zeit freundschaftliche Beziehungen zu den Einwohnern eines kleinen Dorfes an der Côte d'Ivoire, die vor Jahren in den zweifelhaften Genuss allzu schnell wieder versiegender Entwicklungshilfe aus der Bundesrepublik Deutschland gekommen waren; doch diese Geschichte steht - im wahrsten Sinne des Wortes - auf einem anderen Blatt: "Nia-Dia - ein afrikanisches Dorf im Wandel. Entwicklungsprobleme in der Dritten Welt am Beispiel Elfenbeinküste", Schroedel Verlag 1982.

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Unser Spielführer war es dementsprechend auch, der seine schwarzen
Freunde über das neuerliche, diesmal allerdings keineswegs
missionarische Vorhaben der Weißen informierte. Postwendend,
das heißt nach ca. 5 Wochen, lag ein herzliches Einladungsschreiben
auf unserem nicht vorhandenen Vereinstisch. Wir, die sofort bestens
motivierte, wild entschlossene Dreizehn,
brauchten uns also nur
noch auf einen Zeitpunkt jenseits der Regenzeit zu einigen und einige
finanzkräftige Kreditgeber aufzutreiben. Was soll ich noch
sagen. Irgendwie ging die Rechnung auf und schon bald darauf ging
es endlich los.
Alle, außer dem leicht verspäteten Piloten des Fliegers, waren mehr oder weniger pünktlich am Flughafen Tegel. Niemand wusste genau, worauf wir uns eigentlich einließen, aber alle taten es mit Begeisterung. Wir wollten uns ganz ohne vorbereitendes Trainingslager, ganz bewusst ohne taktisches Anders-Reisen-Konzept in der Tasche, überraschen lassen, komme was da wolle. Kein Wunder also, dass wir unter diesen Voraussetzungen dann wirklich überrascht wurden, denn wo ein Wille ist ...
... weiche Landung in Abidjan: Feucht-warme Treibhausluft dampft uns entgegen. Eine Delegation aus unserem Gastgeberdorf wartet bereits seit Stunden auf unsere verspätete Ankunft; endloses Händeschütteln, merkwürdig undistanziert; strahlende Augen, neugierige, unglaublich tiefe Blicke, herzerfrischend lachende Gesichter, in denen man sich spontan verlieren möchte.
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