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Ecuador im Überblick

Ecuador heißt schlicht und einfach "Äquator". Und der läuft mitten durchs Land und übt am nördlich von Quito gelegenen Äquatordenkmal seine besondere Zugkraft auf Besucher aus. Ein Bein rechts, ein Bein links der legendären Linie - fertig ist das klassische Ecuador-Bild. Das Ziel ist als Mitad del Mundo ("Mitte der Welt") ausgewiesen und das Denkmal besteigbar. Rundherum haben sich zahlreiche Souvenirshops niedergelassen und bieten alle erdenklichen Variationen von Wollpullis und -jacken an - auch das typisch für Ecuador.

Äquatordenkmal bei Quito

Das Äquatordenkmal in der Nähe von Quito

In der "Mitte der Welt" zeigt sich die Andenkulisse längst nicht so spektakulär wie in der nahen Millionenhauptstadt , die sich auf einer Höhe von 2850 Metern im Schatten des grünen 4776-Meter-Vulkans Pichincha ausbreitet. Ein gewaltiges Häusermeer, eingefasst in ein andines Hochbecken, das man am besten vom Hausberg Panecillo aus einsieht - eine lohnende Auffahrt! Der Panecillo selbst wird von der Virgen de Quito überragt, einem überdimensionalen Marienbildnis, das seinen jungfräulichen Schutz über die Andenmetropole strahlt.

Besonders interessant an Quito ist nicht nur die Lage mit Dauerblick auf die Anden, sondern auch das quirlige Gewirr von Menschen und Märkten und die von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärte koloniale Altstadt. Diese geht - wie sollte es anders sein - auf die Spanier zurück, die Quito, ehemalige Hauptstadt des nördlichen Inkareiches, 1533/34 unter Sebastián de Benalcazar und Diego de Almagro eroberten und neu gründeten. Bereits 1534 trafen die ersten vier Franziskanerpadres ein, auf die weitere Glaubensbrüder wie Mercedarier, Augustiner und Jesuiten folgten und Quito zu einem wichtigen Ausgangspunkt der Indio-Missionierung machten. Im Laufe der Zeit entstanden mehr als 30 Kirchen und Klöster und brachten der ecuadorianischen Hauptstadt Beinamen wie "Kloster Amerikas" und "barockes Juwel der Anden" ein. Später gab's mit "Licht Amerikas" weiteren Namensschmuck. Der Grund: 1809 forderte Quito als erste lateinamerikanische Metropole die Unabhängigkeit ein. Im Goldenen Konvent von San Agustín wurde am 10. August 1809 die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet. Ohne durchschlagenden Erfolg. Bis es 1822 endlich soweit war, sollten 13 weitere Jahre ins Land ziehen. Allerdings hat man den ans Jahr 1809 erinnernden 10. August als Nationalfeiertag beibehalten.

Sakrales Prunkstück Quitos ist die an der weit ausgreifenden Plaza de San Francisco gelegene San-Francisco-Kirche. Im einstigen Franziskanerkloster entwickelte sich - unter Anleitung der Mönche - eine bekannte Kunstschule, in der die Indios ihre Talente in Malerei, Bildhauerei und Buchillustration unter Beweis stellten.
Die Vielzahl der Kirchenbauten aus der Kolonialzeit machen die Hauptstadt zu einem richtigen Freilichtmuseum. Mit üppig dekorierten Fassaden, hinter denen Räume mit bunten Kirchenfenstern, kunstvollen Holzdecken und überladenen barocken Altären stecken. Doch das ist längst nicht alles in Quito. Auf den Straßen herrscht das pralle Leben, überall sind fliegende Händler und Schuhputzerarmadas unterwegs, die Fußgängerzone nahe der Plaza de la Independencia lädt zum gemütlichen Bummel ein, Straßenstände quellen vor Obst über. Gewarnt sei an dieser Stelle ausdrücklich vor Taschendieben, die häufig im Team arbeiten - selbst Kinder und Großmütter werden bei Ablenkungsmanövern eingesetzt! Was auf der anderen Seite zeigt: Überall herrscht Not. Nicht umsonst gilt Ecuador als eines der ärmsten Länder Lateinamerikas. Vielen Provinzbewohnern bleibt nichts anderes übrig als die Landflucht. In Städten wie Quito enden Indiofrauen - im günstigeren Fall - als Verkäuferinnen von Plastikartikeln. Andere wiederum sehen keine andere Möglichkeit als ihren eigenen Körper zu verkaufen.

Beliebte Ausflüge führen ab Quito zum samstäglichen Kunsthandwerkermarkt nach Otavalo, in den Lederort Cotocachi und zur Laguna Cuicocha (traumhafter Bergsee), zu den Lagunas de Mojanda (Kraterseen), zu den Baños de Papallacta (Schwefelheilbäder), zum sonntäglichen Landwirtschaftsmarkt von Sangolquí, zur Reserva Geobotánica Pululahua (Kraterlandschaften mit Aussichtspunkt) sowie in den Parque Nacional Cotopaxi, benannt nach dem gleichnamigen majestätischen 5897-Meter-Gipfel. Noch ein Stück höher als dieser ragt der Chimborazo (6.310 Meter) empor, den man von Riobamba aus erreicht. Ecuadors höchstes Massiv setzt sich aus faszinierenden Gletschern und insgesamt fünf Gipfeln zusammen. Ein Aufenthalt im beschaulichen Riobamba lässt sich gut mit Baños kombinieren, das im Schatten des 5016-Meter-Vulkans Tungurahua liegt und seiner Thermalwasser wegen bekannt ist. Bergwanderer können den Tungurahua besteigen, empfehlenswerteste Monate sind Oktober bis Januar.

Küstenflachland bei Guayaquil

Ein Flug über das Küstenflachland bei Guayaquil

Wer in den Bergen bleiben will, wählt von Riobamba aus die Südroute und erreicht auf dem Weg Richtung peruanischer Grenze weitere lohnenswerte Ziele: die bei El Tambo gelegenen Ruinen der Inkastadt Ingapirca und die geschichtsträchtige Kirchenstadt Cuenca, die ihrerseits als Sprungbrett in den von Seen und Tälern geprägten Parque Nacional Cajas dient. Ein weiteres lohnendes Naturschutzgebiet, der von Bergnebelwäldern durchzogene Parque Nacional Podocarpus, ist ab Loja erreichbar. Im Nationalpark leben zahlreiche Vogelarten wie Kolibris, Papageien und Tukane. Dass es sich in Ecuador gut leben lässt, zeigt das südlich von Loja gelegene Vilcabamba. Es ist bekannt geworden als "Ort der Langlebigen", in dem es schon viele auf ein biblisches Alter von weit über 100 Jahren gebracht haben sollen. Begünstigende Faktoren sind die ganzjährig konstanten Temperaturen um die 20° C, die Lage auf angenehmen 1500 Metern sowie eine unverbrauchte Höhenluft.

An der Costa, einem bis zu 160 km breiten Tiefland entlang der Küste, liegt Ecuadors größte Stadt: Guayaquil, rund 1,5 Millionen Einwohner stark. Sie breitet sich am Westufer des Guayas-Flusses auf, ist Sitz des Erzbischofs und mehrerer Universitäten. Viele Menschen finden in den Erdölraffinerien, der chemischen, Eisen- und Holzindustrie Beschäftigung - und natürlich im Vorhafen Puerto Marítimo, über den rund 90 % der ecuadorianischen Importe sowie die Hälfte aller Exporte abgewickelt werden. Auch wenn Guayaquil bereits 1537 von Francisco de Orellana gegründet wurde, sucht man das aus Quito bekannte koloniale Flair vergeblich. 1942 erlitt die Stadt schwere Erdbebenschäden und ist heute von so manch abstoßender Hochhausschneise durchzogen. Von grüneren Seiten zeigt sich Guayaquil an der jüngst neu herausgeputzten Uferstraße Malecón sowie im sehenswerten Botanischen Garten. Flora und Fauna vereinen sich auf befremdliche Art im zentralen Parque Bolívar, in dem Landleguane wie selbstverständlich über die Wege kriechen. Apropos Bolívar: Dem bekannten Unabhängigkeitsstreiter Simón Bolívar zu Ehren darf ein pompöses Denkmal vor der Kathedrale nicht fehlen.

Weit im Norden von Guayaquil - Richtung Grenze zu Kolumbien und der Erdölstadt Esmeraldas - liegen bekannte Strand- und Fischerdörfer wie Atacames, Súa und Same. Wer schönere Strände sucht, sollte sich auf die Gegend zwischen Portoviejo und Pedernales konzentrieren; Bahía de Caráquez gilt als schönste Küstenstadt des Landes und dient als Ausgangspunkt für Touren zu den Fregattvogelinseln Islas Fregatas.

Ein gänzlich anderes Gepräge zeigt der Oriente, Kontinental-Ecuadors dritte große Landschaftszone neben Costa (Küste) und Sierra (Gebirgsland). Es ist das östliche Tiefland, das von tropischen Regenwäldern bedeckt und in manchen Teilen kaum erschlossen ist. Flüsse wie der und der Pastaza münden in den bekannten Amazonas. Je nach Jahreszeit sind die Verkehrswege in katastrophalem Zustand - eine einzige Schlammschlacht! Kein Wunder, dass dieses amazonische Tiefland Ecuadors dünnstbesiedeltes Gebiet formt. Ein Vorteil für Reisende mit Entdeckungshunger, die z. B. ab Coca (auch bekannt als Puerto Francisco de Orellana) zu geführten Expeditionen durch den Dschungel aufbrechen. Unverzichtbar ist das Boot, mit dem man ab Coca Schutzgebiete wie den Parque Nacional Yasuní erreicht. Individualtouristen zieht es auch nach Misahuallí, um von dort aus Regenwaldtouren in Angriff zu nehmen; mehrere örtliche Agenturen haben sich auf die Nachfrage eingestellt.

Lama in den Anden

Ein Lama im Andenhochland

Rund 1000 Kilometer westlich der ecuadorianischen Küste stößt man in eine der faszinierendsten Welten dieser Erde vor: die . Der knapp 8.000 km² große Archipel setzt sich aus über 120 Inseln, Inselchen und Felsen zusammen, von denen gerade einmal ein Viertel nennenswert sind. Galápagos wird von insgesamt 10.000 Menschen bewohnt. "Hauptstadt" ist Puerto Baquerizo auf der Isla San Cristóbal, das sich ebenso wie das auf der Isla Santa Cruz gelegene Puerto Ayora als Ausgangspunkt für die verschiedensten Törns eignet. Bei den persönlichen Tierentdeckungen gilt es stets, auf den markierten Wegen zu bleiben.
Die Galápagos-Inseln sind vor drei bis fünf Millionen Jahren durch Vulkanausbrüche entstanden. Von vulkanischer Urgewalt zeugen die spektakulären Lavalandschaften auf der Isla San Bartolomé, Flora und Fauna sind überall einzigartig. Willkommen im Reich der Riesenschildkröten und Albatrosse, der Meerechsen und Flamingos, der Blaufußtölpel und Pinguine! Auch Pelikane, Seelöwen, Reiher, Kormorane und Landleguane sind in reichen Zahlen vorhanden. Die Darwinfinken und die 1961 in Puerto Ayora eröffnete Darwin-Forschungsstation sind nach einem berühmten Besucher benannt, der sich Ende 1835 mit dem Vermessungsschiff "Beagle" mehrere Wochen im Archipel aufhielt: der britische Naturforscher Charles Darwin. Wer die Berichte des damals 26jährigen liest, mag sich über seine unkonventionellen Forschungsexperimente wundern. Über seine "wissenschaftlichen" Begegnungen mit den Meerechsen schreibt er: "Ich warf eine dieser Eidechsen mehrere Male, so weit ich konnte, in einen tiefen, von der zurückgehenden Flut gelassenen Tümpel; sie kehrte aber ausnahmslos in einer gerade Linie nach dem Flecke zurück, wo ich stand."

Andreas Drouve

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