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Dubai: Glamour und Superlative

Text und Fotos: Hilke Maunder

Das moderne Dubai am Lake Dubai

Dubai, das kleine Emirat am Persischen Golf, will mehr sein als Sonne, Sand, Strand und Shopping. Mit kühnen Visionen und einer ungebremsten Liebe zum Gigantismus inszeniert sich der Hafen am Dubai Creek als sichere wie hochmoderne Garden City, als grüne Gartenstadt am Meer.

Dubai River - Moderne Wasserbusse ersetzen zunehmend die traditionellen Abra-Holzfähren
Dubai River - Moderne Wasserbusse ersetzen zunehmend
die traditionellen Abra-Holzfähren

Vor 20 Jahren, sagen die Einheimischen, hat es diese glühende Hitze im Sommer nicht gegeben. Wenn das Thermometer mittags weit über 40 Grad klettert, der Dubai River mit fast 30 Grad den Fischen die Luft zum Leben raubt und die Luftfeuchtigkeit so hoch ist, dass Brillengläser beschlagen – und Häuser verrotten. „Im Sommer lassen sich die Fenster und Türen in den Gästezimmern nicht öffnen“, erzählt der Zimmer-Boy vom Sheraton Dubai Creek. „Würde ein Gast lüften, wären die Wände trotz Klimaanlage feucht und begännen zu schimmeln – so feucht ist es hier!“ Und auch abends ist heute im Juni, Juli, August nach Sonnenuntergang keine Abkühlung zu spüren, hängt die Hitze mit weit über 30 Grad Celsius zwischen den Häusern. Schuld daran, sagen die Klimaforscher, ist die rasante Entwicklung der Stadt, die nach einem kurzen Innehalten während der Finanzkrise wieder an Tempo gewinnt. Wo vor 50 Jahren nur ein paar Wüstensöhne, Perlentaucher und Kaufleute lebten, die mit Indien, dem Iran oder Pakistan Handel trieben, ist eine hypermoderne Megapolis aus dem Boden gewachsen, ein Moloch der Moderne, der „höher, weiter, besser“ zur Maxime erhoben hat.

Dubai - Burj Khalifa
Burj Khalifa

Wahrzeichen des neuen, modernen Dubai ist ein 828 m hoher Büroturm, der sich als schlanke Stahlspitze in den blank geputzten Himmel reckt: Burj Khalifa. Das – noch – höchste Gebäude der Welt bildet den Mittelpunkt des neuen Viertels „Downtown Dubai“, das fast 20 km vom historischen Herzen des Wüstenemirats entsteht: als Mekka der Superlative mit künstlichen Welten, die an die arabischen Wurzeln erinnert. Während in der „echten“ Altstadt nur rund um die Große Moschee und das Fahidi-Fort das Bastakiya-Viertel für die Bewerbung zum Weltkulturerbe perfekt saniert wurden, verfallen ringsum die mitunter noch mittelalterlichen Bauten, in den Familien sich auf einem Raum zusammendrängen, Sanitäranlagen noch abenteuerliche Aborte sind und sich der Duft der Gewürze mit den Ausdünstungen und Exkrementen von Mensch und Tier mischt.

Dubai - Die Große Moschee und das Fahidi-Fort im Bastakiya-Viertel
Die Große Moschee und das Fahidi-Fort im Bastakiya-Viertel

In Downtown Dubai indes ist die Welt klinisch rein, blank geputzt und perfekt inszeniert. Und so trifft man sich, mit Pradatasche, iPhone und Chanelkostüm unter der tiefschwarzen Abaya zu Lichtershow am Dubai Lake, bei der allabendlich die Wasserfontänen mit breitem oder feinem Strahl zu poppigen Klängen sich drehen, winden, tanzen, aufsteigen, neigen, sich zum Reigen vereinen oder wie „La Ola“ 150 m hoch in den Himmel schießen. Mit 6.600 Lichtern, 50 Farbprojektoren, 275 m Länge und einer ständigen Leistung von mindestens 80 Kubikmeter Wasser bilden die musikuntermalten Kaskaden seit Frühjahr 2009 die größte Springbrunnenanlage der Welt. Das Süßwasser wird mit ungeheurer Energie dem Meer in riesigen Entsalzungsanlagen abgerungen. Im Jebel Ali-Komplex der Dubai Electricity & Water Authority (DEWA) werden bis zu 1,5 Mio. m³ Meerwasser pro Tag entsalzt und zu Trinkwasser aufbereitet. In Dubai, wo es keine Flüsse und Seen, kaum Grundwasser und nur 150 mm Niederschlag gibt, ist die Produktion des nassen Golds längst teurer als die Herstellung von Erdöl und eine Dreckschleuder für die Atmosphäre: Mit 31 Tonnen CO2-Ausstoß pro Person liegt Dubai in im globalen Treibgasranking auf Platz zwei hinter Katar mit 40 Tonnen pro Einwohner. Noch kann sich Dubai diesen Luxus leisten, kann mit 15.000 Kubikmeter Wasser am Tag das frische Grün des Golfplatzes bewahren, die Schneehalle mit 22.500 qm großem Skihang von früh bis spät nachts betreiben, und die Fontänen in Downtown Dubai sprudeln lassen.

Wasserspiele auf dem Dubai Lake
Wasserspiele auf dem Dubai Lake

An den künstlich angelegten Dubai Lake grenzt die im November 2008 eröffnete Dubai Mall. Auch bei diesem Konsumtempel der Superlative zeigt sich wieder die Liebe zum Gigantismus: In das 50 Fußballfelder große Einkaufszentrum, das in weniger als vier Jahren fertig gestellt wurde, floss mehr Stahl als beim Bau des Eiffelturms. 95 Aufzüge und 150 Rolltreppen bringen die alljährlich mehr als 40 Millionen Besucher zu den 160 Lokalen und 1.200 Geschäften, die auf vier Stockwerken alle angesagten Markenwelten vereinten: In-Labels aus Europa, Asien und Amerika, die längst nicht mehr günstiger sind als daheim, sondern nur aufregender präsentiert werden. Shopping und Entertainment verschmelzen zu einem Gesamterlebnis, das trotz eisig kalter Air Condition die Besucher für Stunden im Bann hält. Dafür sorgen nicht zuletzt auch die Sega World mit ihren Video- und Computerspielen und das Aquarium, dass sich eines weiteren Superlativs rühmt: der weltgrößten Acrylscheibe, die gute 32 m breit den Blick auf Haie, Barsche, Rochen, Riffbewohner und Riesenkrabben, aber auch Robben und Pinguine eröffnet. Und nur vom 780 Millionen Dollar teuren Einkaufszentrum geht es wirklich hoch hinaus: Im Untergeschoss liegt der Zugang zur Aussichtsplattform des Burj Khalifa in der 124. Etage. Um das Ticket kümmert man sich am besten rechtzeitig online: Pro Tag wollen bis zu 4.000 Besucher den Weitblick über den Wüstenstaat genießen – und das bis spät nachts um zehn.

Dubai Mall - Shopping der Superlative
Dubai Mall - Shopping der Superlative

Errichtet wurde der größte Bau der Erde auf den Rücken der Fremdarbeiter aus Indien, Pakistan und Bangladesh, die ihn in 22 Millionen Arbeitsstunden errichteten – im Schichtbetrieb für rund 350 Euro im Monat. 900 000 Ausländer leben in Dubai, rund 700 000 von ihnen sind asiatische Bauarbeiter. Ihnen stehen rund 200.000 Einheimische gegenüber, eine reiche Minderheit, die in klimatisierten Luxuslimousinen über die vier- und sechsstreifigen Boulevards der modernen City rollt. In die voll automatisierte Metro, die seit 2010 bis zur Dubai Mall fährt, steigen nur Fremdarbeiter und Besucher aus der Ferne. Für die Touristen führt die Fahrt nach Jumeirah, wo der „Turm der Araber“ Burj al Arab selbst luxusverwöhnten Ölscheichs das Staunen lehrt, zur Dubai Marina mit Trendlokalen und Luxusjachten, oder zur Palm Jumeirah, einer Palme im Meer, die holländische Deichbauer mit sieben Millionen Tonnen Fels als Fundament für die exklusiven Domizile der Reichen und Superreichen schufen. Die Schlafstätten der Arbeiter hingegen liegen im Osten, heißen Sonapur und liegen im Schatten des Glitzers: graue Betonwohnblöcke der Baumfirmen, mit Abfall übersäte Orten der Armen, die in Etagenbetten sich von den Zwölfstundenschichten erholen, beim ohrenbetäubendem Lärm und stechendem Geruch. Und doch ist das Leben in Dubai für sie besser als in der Heimat.

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