Dominica
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Fotos: © Discover Dominica Authority
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Kurzportrait
Es landen keine Massen auf dem „Nature Island“ der Karibik! Individualisten zieht es dorthin, Naturkundige zuallererst, Ornithologen zum Beispiel und Botaniker und dann und wann einen Vulkanologen, häufiger schon geübte Wanderer, Taucher und „Whale Watcher“. Mit ihrem forschen Leitspruch „Widersetze Dich dem Alltäglichen“ ermuntert Dominicas Tourismusbranche die nicht sehr zahlreichen Erstbesucher, dem Außergewöhnlichen dieser gebirgigsten Vulkaninsel unter den Kleinen Antillen nachzuspüren. Hilfestellung dabei leistet die auf Schritt und Tritt wahrnehmbare vulkanische Natur der Insel mit ihren heißen Quellen etwa, über denen Dampfschwaden wabern, brodelnden Schlammlöchern, beißenden Schwefelausströmungen, schwarzsandigen Stränden und rostroten Böden von unglaublicher Fruchtbarkeit. Das insulare Ökosystem erscheint intakt, der dampfende Regenwald voller rätselhafter Stimmen und aromatischer Düfte wie unberührt.

Dominica vibriert von ungebrochener karibischer Lebensfreude, auch wenn die meisten ihrer freundlichen und überaus hilfsbereiten Bewohner arm sind, oft Naturkatastrophen die Insel heimsuchen und in ihrer Entwicklung zurückwerfen. Vom Wohlstand der populären Badeinseln ringsum können die Dominicaner nur träumen. Auf der Habenseite bleibt ihnen die großartige, ursprüngliche Natur, deren Bewahrung erklärtes Ziel der Inselregierung ist. Mit der Einrichtung und fachkundigen Betreuung weitläufiger Schutzgebiete hat sie die Weichen für nachhaltige Ressourcenwirtschaft und Ökotourismus gestellt.
Der beste Weg, die Vielfalt Dominicas zu entdecken, ist zu Fuß zu gehen. Alle, die je auf der Insel unterwegs waren, teilen diese Auffassung wie schon 1948 der englische Novellist Alec Waugh in „The Sunlit Caribbean“: „Es gibt für Dich nur einen Weg, Dominica zu verstehen: Du musst es erwandern, kreuz und quer!“
Machen wir uns auf den Weg!
Doch bevor es losgeht, werfen wir noch einen Blick auf die „Relaxing-Areas“, die es nach den schweißtreibenden Touren anzusteuern gilt, schließlich hat auch Dominica schöne Strände, nur sind sie nicht karibisch korallenweiß und kilometerlang, sondern meistens kurz, grau und hier und da auch rabenschwarz. Es sind Vulkansande, die die Küsten säumen. Aber im äußersten Nordosten gibt es denn doch ein paar verschwiegene Buchten mit goldfarbenen Sandstränden.
Der „schlafende“ Vulkan Morne aux Diables formt die nördliche Spitze Dominicas, wo er mit seien Steilhängen eine über 300 m hohe Kliffküste bildet. Ein ganz passabler Wanderweg führt von der Westküste (Tanetane) zum Gipfel in 861 m Höhe und auf der anderen Seite hinunter an die Ostküste nach Vieille Case. Der „Berg der Teufel“ zählt zu den acht, wie Vulkanologen sagen, „potentiell aktiven“ dominicanischen Vulkanen. Es ist eine der größten Konzentrationen „schlafender“ Vulkane weltweit. Wohl sind aus historischer Zeit keine Ausbrüche bekannt, doch dass im Untergrund gewaltige Kräfte rumoren, zeigen die Serien von schwachen Erdbeben unter dem Vulkan, zuletzt 2002 und 2003, oder die heißen Quellen an seinem Fuß und brodelnde Tümpel, die strengen Schwefelwasserstoffgeruch absondern, im nordwestlichen Krater. In einem der größeren Krater beeindruckt ein 90 m hoher und 335 m breiter Lavadom – erstarrte Lava, die wie ein Pfropf auf dem Vulkanschlot aufsitzt und ihn verschließt. Zwei große Lavadome haben sogar vor der Südwestflanke des Vulkans eine Halbinsel geformt, die sich als Cabrits National Park einen Namen gemacht hat. Ein „Marine Reserve“ gehört dazu mit Korallenriffen und markierten Unterwasserpfaden für Schnorchler und Taucher und an Land Fort Shirley, eine historische Verteidigungsanlage, sowie der reizvolle Küstenstreifen entlang der Prince Rupert Bay und Dominicas größtes Sumpfgelände, wo man im Frühjahr Scharen von Silberreihern begegnen kann. Hier im Westen, im äußerst wirksamen Regenschatten des Morne Diablotin, haben sich Dornbuschformationen und Sekundärsavannen herausgebildet, wo der Orgelpfeifenkaktus gedeiht, Agaven, Feigenkakteen und der purpurrot blühende Carib Wood, Dominicas Nationalpflanze.
Fort Shirley spielte in den Kämpfen zwischen Engländern und Franzosen um die Vormacht in der östlichen Karibik eine bedeutende Rolle. An der Anlage wurde zwischen 1770 und 1815 gebaut, zunächst von den Engländern, dann waren es die Franzosen, als sie 1778-1783 auf der Insel das Sagen hatten. An die 50 Bauten entstanden, neben Kanonenbatterien auch Zisternen und Pulvermagazine, Mannschaftsunterkünfte und Offiziersquartiere und das alles aus dem schwarzen Vulkangestein der Insel. Aus gebranntem Korallenkalk, feinem Sand, Wasser und Melasse (Zuckersirup) mixte man den Mörtel, der die Steine zusammenhielt. Fort Shirley ist eine im klassischen georgianischen Stil errichtete Wehranlage. Sie war das Hauptquartier der britischen Truppen auf Dominica, wurde 1854 aufgegeben und von der Natur zurückerobert. 1982 begann man mit der Restaurierung der Anlage, aber noch viele Ruinen hält das Dickicht fest im Griff. Vergleichbar mit Fort Shirley sind in ihrer einstigen militärischen Bedeutung und architektonischen Gestalt die karibischen Festungen Brimstone Hill auf St. Kitts und Fort Rodney auf St. Lucia.

Von der kanonenbestückten Terrasse des Forts bietet sich ein prächtiger Blick über die Prince Rupert Bay hinweg auf den oft hinter Wolken verborgenen Morne Diablotin. Er ist mit 1.447 m Dominicas höchster Vulkanberg. Wer ihn besteigen will, sollte mit unwegsamem Gelände vertraut sein und die Tour keinesfalls ohne kundigen Führer unternehmen, der den auf nur wenigen Kilometern sich vollziehenden Übergang vom Trockenklima der Westküste über einige Zwischenstufen in eine der niederschlagsreichsten Klimazonen unseres Planeten zu kommentieren weiß und sich auch mit Pflanzen und Tieren auskennt. Es fängt harmlos an. Über den Syndicate Trail geht es in moderater Steigung die Westhänge des Morne Diablotin hinauf durch alten Bergregenwald, der gut geschützt ist gegen die Hurrikans, die sich in Dominicas Osthälfte austoben. Riesige, mehr als 500 Jahre alte und bis zu 2,50 m „dicke“ Sloanea-Bäume (eine tropische Hartholzkastanie) mit ihren charakteristischen Brettwurzeln und die Gommier-Bäume aus der Familie der Weißgummibaumgewächse, auch sie Giganten des Regenwalds, die ein brennbares Gummiharz absondern, vereinen ihre Kronen zu einem dichten Blätterdach. Man lernt Pfefferbäume kennen und die fiederblättrige, schlanke Kohlpalme, Mahagoni-Bäume und Zedrelen, den Nance-Baum mit seinen süßen, gelben Beerenfrüchten, Fleisch fressende Wasserschlauchgewächse, darunter den wegen der Form seiner Früchte Kuheuterpflanze genannten Vertreter, schließlich endemische Pflanzen wie die gar nicht so übel duftende Stinkende Passionsblume. Je höher man steigt, desto dunstiger wird es, Regenschauer stellen sich ein. Epiphyten (Bromelien, Orchideen, Anthurien), sog. „Aufsitzpflanzen“, die auf anderen Pflanzen gedeihen, ohne ihnen jedoch Wasser oder Nährstoffe zu entziehen, werden zahlreicher, ebenso Moose und Farne, die Bäume büßen an Umfang und Höhe ein. Jenseits der 1.000 m – Grenze beginnt der, wie man hier sagt, „Elfen-Wald“, richtiger ist: Krummholz-Nebelwald, den der ständige Wind auf Wuchshöhen von weniger als 3 m reduziert hat und ganz oben in Gipfelhöhe, wo die Stürme toben und alljährlich an die 10.000 mm Regen auf den Quadratmeter niedergehen, ist das kräftige Gesträuch nur noch knorrig und grotesk verdreht, Lobelien-Flechten-Gesellschaften krallen sich im Boden fest. Das letzte Teilstück ist harte Arbeit und nichts für schwache Nerven. Man muss sich an Luftwurzeln und bemoosten Ästen den matschigen Untergrund hinaufziehen, um zur Belohnung – wenn es denn die Wolken zulassen – ein spektakuläres Inselpanorama genießen zu können. Mindestens fünf miteinander verbundene Lavadome formen den komplexen Gipfel. 22.000 bis 40.000 Jahre sollen vergangen sein, seit zum bisher letzten Mal pyroklastische Ströme den Hang hinunterrasten und Asche und Gesteinsbrocken hinausgeschleudert wurden. Zahllose heiße Quellen erinnern daran, dass der „teuflische Berg“ potentiell aktiv ist. Seinen Namen verdankt er, so wird erzählt, dem Teufelssturmvogel, der einen „unheimlichen, teuflischen“ Ruf ausstößt und früher auf dem Gipfel gebrütet hat.
Beim Aufstieg durchquert man das natürliche Habitat der beiden endemischen Papageienarten Jaco (Blaukopfamazone) und Sisserou (Kaiseramazone). Ihr Überleben zu sichern, war ein Beweggrund, Teile dieser Gebirgsregion unter Schutz zu stellen. Am stärksten gefährdet ist der Sisserou, Dominicas Nationalvogel, ein gut 50 cm großer und bis zu knapp 1 Kilo schwerer farbenprächtiger, scheuer Vogel, der über 70 Jahre alt werden kann und sein ganzes Leben mit dem gleichen Partner in den höher gelegenen Regionen des dominicanischen Regenwalds verbringt.
Östlich des Morne Diablotin-Massivs leben die letzten indianischen Nachfahren vom Stamm der Kariben. Das Carib Territory ist seit 1903, als es von den Engländern eingerichtet wurde, Rückzugsort der weltweit größten, annähernd homogenen Kariben-Population. Wie viele Menschen sie umfasst, ist nicht genau bekannt. Kariben-Chief Charles Williams sprach im Mai 2008 von etwa 1.000, andere nennen höhere Zahlen, wobei sie vermutlich im Reservat lebende Nicht-Kariben mitzählen. Ihre Lebensumstände sind mehr als bescheiden. Traditionelle Laubhütten und kleine Holzhütten auf Pfählen dienen als Behausungen. Sie betätigen sich als Fischer und Kleinbauern (Kokospalmen und Bananen) und sind geschickte Vermarkter ihrer handwerklichen Fähigkeiten. Touristen wissen das zu schätzen: man kann den Kariben bei ihren althergebrachten Arbeiten z. B. beim Bau von Einbaumkanus oder beim Verarbeiten von Kräutern zuschauen und unter den angebotenen Schnitzereien und Flechtarbeiten ein einzigartiges Mitbringsel auswählen. Besonders die farblich attraktiven Körbe aus Larouma-Schilfrohr begeistern die Besucher.
Die südliche Inselhälfte wird vom Morne Trois Pitons dominiert. Das über 1.400 m hohe Vulkangebirge liegt im Zentrum des gleichnamigen Nationalparks, Dominicas einziger Weltnaturerbestätte. Ausschlaggebend für die Aufnahme in die UNESCO-Liste 1997 waren zum einen die noch immer andauernden geologischen Prozesse bei der Entwicklung von Geländeformen, zum anderen die Existenz natürlicher Habitats für die Bewahrung der biologischen Vielfalt. Es ist eine wilde, nahezu unberührte Bergkette, dicht bewaldet, von Flussläufen durchzogen, reich an Wasserfällen, Süßwasserseen und geothermischen Phänomenen. Man wird den phantastischen Zweifarben-Kolibri in den höheren Lagen zu Gesicht bekommen, häufig auf den Grauwaldsänger stoßen, die Perlaugen-Spottdrossel sichten, den Rostbauchtyrann, den Gelbbauch-Saftlecker, den Rotschnabel-Tropikvogel und viele andere, die hier brüten oder überwintern. Der Morne Trois Pitons erstreckt sich über nicht weniger als fünf Vegetationszonen. Einer der anspruchsvollsten Pfade des fast 500 km umfassenden dominicanischen Wanderwegenetzes führt zum Gipfel – acht Stunden für Hin- und Rückweg sollte man schon einplanen, natürlich auch den „Tour Guide“ und eine dem anstrengenden Vorhaben angepasste Ausrüstung.
mehr zu: Welt(kultur)erbestätten in Dominica
Zunächst passiert die Wandergesellschaft Sekundär-Regenwald, dann folgt bis in Höhen von etwa 450 m der eigentliche, üppige („mature“) Regenwald. Schon die Vegetationsstufe darüber, der Bergregenwald, zeigt reduzierte Baumhöhen, noch ausgeprägter stellt sich das in der Zone montanen Dickichts dar, wo die Bäume spindeldürr sind und kleine Kronen tragen. Die endemische Podokarp-Konifere und der Carapite-Baum sind hier zu Hause. Oberhalb von 900 – 1.000 m ist das Revier des Elfen- oder Nebelwalds. Es ist kühl und stürmisch, Unmengen Regen gehen nieder. Nur Zwergsträucher, Farne, Moose und das von Flechten überzogene verkrüppelte Gehölz des Kaklin-Baumes können hier überleben.
Am Rande des Nationalparks liegt eingebettet in üppige Regenwaldvegetation der Emerald Pool, ein wie sein Name schon sagt, smaragdgrüner, zum erfrischenden Bad einladender Dschungelteich, in den sich aus etwa acht Metern Höhe ein Wasserfall ergießt. Auch die meisten der anderen 16 großen Wasserfälle liegen im oder am Nationalpark. Besonders beeindruckend sind die Trafalger Falls, wo gleich zwei Ströme aus 38 bzw. 23 m Höhe nebeneinander in die Tiefe stürzen oder der Middleham Fall, der sein Wasser nach 60 m freiem Fall in einen natürlichen Felspool schüttet. Auf dem Weg hierher passiert man Stinking Hole, eine tiefe Höhle, in der die meisten der 12 einheimischen Fledermausarten ihren Unterschlupf haben. Pfade leichten bis mittleren Schwierigkeitsgrads führen zum Freshwater Lake in 762 m Höhe und zum Boeri-See (853 m) inmitten triefenden Regenwalds. Beide haben sich im Krater erloschener Vulkane angesiedelt. Höhepunkt der Exkursionen im Nationalpark ist die Ganztagstour in das Tal der Trostlosigkeit und zum Boiling Lake. Eine gute Kondition sollte man mitbringen, geht es doch häufig steil bergauf und wieder bergab und man muss sich über viel zu hoch geratene Holzbohlenstufen durch den dichten Regen- und Bergregenwald quälen. Dann lichtet sich das Grün, Schwefelgeruch hängt in der Luft, überall brodelt, zischt und dampft es. Nur stark angepasste Pflanzen überleben dieses Inferno aus schwefelgesättigter Luft, schwefelangereicherter und aufgeheizter Erde im Valley of Desolation. Dampf weist den Weg zum Kochenden See. Die Glut unterirdischer Lava bringt ihn zum Brodeln. Über ihm hängt hartnäckig eine niedrige Wolke, die nur dann und wann von einem Windstoß beiseite gefegt wird und einen kurzen Blick auf die Blasen an der Oberfläche und die verkrusteten Beckenwände erlaubt.
Vulkanisch geht es auch am südlichen Ende der Insel zu. Das von Schwefelschwaden durchwehte Valley of Desolation und der milchfarbene Boiling Lake liegen am Nordhang des sich gerade ein wenig ausruhenden Vulkans Morne Watt, mit 1.224 m dritthöchste Erhebung Dominicas. Vor vielleicht 1.300 Jahren zeigte er, welch` explosive Kraft in ihm steckt. Nur 4 km weiter in südwestlicher Richtung „schläft“ der auf einem anstrengenden Pfad zu erklimmende Morne Anglais (1.122 m) und auf der Südspitze Dominicas hat sich das 804 m erreichende Morne Plat Bas-Massiv breitgemacht, umgeben von mehr als einem Dutzend Lava- Domen – sogar ein unterseeischer wurde entdeckt.

Etwas abseits des geothermisch hochaktiven Inselsüdens wurde 1750 von der französischen Kolonialmacht Roseau als Hauptstadt angelegt. Das kleine Städtchen hat etwas von seinem karibischen Charme in die Gegenwart retten können. Bunte kreolische Holzhausarchitektur prägt noch manche Stadtteile, das ehemalige französische Quartier oder der kopfsteingepflasterte Alte Markt, wo früher Sklaven den Besitzer wechselten, der Botanische Garten und die betagten Kirchen laden zu Besuchen ein.
Roseau ist Ausgangspunkt für Bootsfahrten zur Wal- und Delphinbeobachtung, auch Tauchabenteuer an der artenreichen Westküste, die Kenner zu den Top-Tauchspots der Weltmeere zählen, werden hier organisiert.
Eckart Fiene
Adressen,
Links und Bücher

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Reiseinfos
Naturraum: Dominica ist wie die anderen Kleinen Antillen vulkanischen Ursprungs (einzige Ausnahme: Barbados). Ein Gebirgsmassiv durchzieht die Insel von Norden nach Süden. Es erreicht eine Höhe von 1.447 m (Morne Diablotin im Norden) und ist auch im Süden (Morne Trois Piton) fast gleich hoch. Die Hänge und Täler sind von üppigem, immergrünem Regenwald bedeckt. Eine derart urtümliche Pflanzenwelt ist auf den übrigen Antilleninseln schon lange nicht mehr anzutreffen. Etwa zwei Drittel Dominicas sind dicht bewaldet. Ihre tiefgrünen Forste weisen eine ungewöhnlich große Biodiversität auf: 1.000 Arten von Blütenpflanzen und über 60 Baumarten konnten pro Hektar nachgewiesen werden. Auf ihren extrem erosionsgefährdeten, fruchtbaren Vulkanböden haben sich neun Vegetationszonen entwickelt, vom „reifen Regenwald“ über „Sumpfvegetation“ bis zur „Fumarolen-Vegetation“, in der die Pflanzenwelt unter dem Einfluss von Wasserdampf oder vulkanischen Gasen steht. Während einige Bergspitzen noch intakte Vulkandome zeigen, sind andere bereits stark zerschnitten und mit Solfataren besetzt, die schwefelhaltige Dämpfe ausstoßen. Ein „kochender See“ zählt zu den ungewöhnlichen Naturerscheinungen der Insel wie auch ein „Tal der Trostlosigkeit“, wo ganze Solfatarenfelder ihre Gase ausströmen.
Dominica ist reich an Wasserläufen, die im gebirgigen Inselinneren entspringen und sich in den Atlantik oder ins Karibische Meer ergießen. Dutzende von Wasserfällen stürzen über steile Hänge in die Tiefe.
Das nutzungsfeindliche Relief erlaubt nur im schmalen Küstenstreifen landwirtschaftliche Aktivitäten und die Anlage von Siedlungen.
Die steile und schroffe Insel bringt ein ausgeprägtes warmtropisches Mikroklima hervor, das als Besonderheit Vollhumidität aufweist. Im Stau des Gebirgsmassivs regnen sich die von Nordosten heranziehenden Passatwolken ab, so dass östlich der Wetterscheide bis zu 4.000 mm Niederschlag fallen, während auf der Leeseite, im Windschatten, „nur“ 1.200 bis 2.000 mm gemessen werden. Ganz anders im Gebirge, wo Mengen niedergehen, die man auf 6.500 bis über 10.000 mm schätzt. An der weniger von Regengüssen heimgesuchten Westküste gibt es sogar eine ausgeprägte Trockenzeit von Februar bis Mai. In der regenreichsten Zeit zwischen Juli und November toben sich auch die Hurrikans aus. Eigentlich regnet es täglich – wenn auch nur kurz, dafür aber heftig. Die Temperaturmaxima und –minima schwanken innerhalb eines Jahres nur unbedeutend. Zwischen 29 und 33 Grad erreicht die durchschnittliche tägliche Höchsttemperatur bei allerdings hoher Luftfeuchtigkeit.
Dank seiner Unzugänglichkeit blieb im gebirgigen Inselinneren die ursprüngliche Flora weitgehend erhalten. Nebelwald dominiert in den großen Höhen, unterhalb gedeihen Koniferen, gefolgt von drei Regenwaldstufen. Allein 19 Palmen- und 78 Orchideenarten sind nachweisbar. Nicht weniger artenreich ist Dominicas Fauna. Allein die Vogelwelt ist mit 162 Arten vertreten. 55 Schmetterlingsarten wurden gezählt. Die Kolibri-Familie ist mit vier Arten dabei, die Welt der Schlangen mit fünf (alle nicht giftig!), darunter die 180 – 230 cm lange Boa Constrictor (Abgottschlange), die man hier Dominicaboa nennt. Der Grüne Leguan ist häufig, auch die kleinen Baumfrösche und die Landkrabben, die gerne zum traditionellen Kreolengericht „Crab Backs“ verarbeitet werden. Auch „Mountain Chicken“ ist ein populäres Gericht, wenn auch kein Hühnerschmaus, sondern der lecker zubereitete Antillen-Ochsenfrosch (Leptodactylus fallax), der ausnahmsweise schon mal 21 cm lang und 700 g schwer werden kann. Zu den wenigen wild lebenden Säugetieren gehört der Aguti, ein meerschweinartiges Nagetier, und die etwa katzengroße Opossumart Manicou.
Voller Leben sind auch die Küstengewässer Dominicas. Begegnungen mit den Giganten der Meere sind hier fast alltäglich: mit dem Großen Tümmler und Delphin, dem Pottwal und Zwergpottwal, dem Orca, Buckelwal und anderen Familienangehörigen und unzähligen farbenprächtigen Tropenfischen wie dem Schwarzstreifen-Soldatenfisch, dem Tüpfel-Ritterfisch und Harlekinbarsch oder der Gefleckten Muräne.
Geld/Währung: Offizielle Währung Dominicas ist der Eastern Caribbean Dollar (EC$) zu 100 Cent. Er ist seit 1976 im Verhältnis 2,7:1 an den US-Dollar gebunden. Die gängigen Kreditkarten wie AE, MC, Visa werden von vielen Hotels, Restaurants, Veranstaltern und Autovermietungen akzeptiert. Die Banken nehmen Traveller Cheques an und wechseln Euro, Pfund etc.
Einreisebestimmungen: Ein gültiger Reisepass ist Voraussetzung für die Einreise, der Personalausweis reicht nicht aus. Kinderausweise (immer mit Lichtbild!) werden anerkannt, sofern ein Elternteil bzw. Sorgeberechtigter das Kind begleitet.
Medizinische Hinweise: Pflichtimpfungen sind nicht vorgeschrieben. Als Vorsichtsmaßnahme wird auch bei Kurzreisen Impfschutz gegen Hepatits A, Diphtherie und Tetanus empfohlen. Malariainfektionen kommen nicht vor, aber das Dengue-Fieber ist verbreitet. Es wird daher zu verstärktem Schutz gegen Insektenstiche geraten. Da die medizinische Versorgung vor Ort Lücken aufweist, sollte die persönliche Reiseapotheke gut ausgestattet sein und vor Reiseantritt eine Auslandsreise-Krankenversicherung abgeschlossen werden, die einen Rücktransport im Notfall mit einschließt.
Statistik
Lage: Dominica liegt im ostkaribischen Inselbogen der Kleinen Antillen zwischen den französischen Überseedépartements Guadeloupe im Norden und Martinique im Süden. Die bogenförmige Inselkette der Kleinen und Großen Antillen trennt das Karibische Meer vom Atlantischen Ozean.
Fläche: 751 km². Gleichgroß ist der südwestpazifische Inselstaat Tonga, Bahrain im Persischen Golf ist etwas kleiner, die griechische Ägäisinsel Chios etwas größer.
Staat: Seit 1978 ist Dominica unabhängig. Der offizielle Staatsname der Präsidialrepublik lautet „Commonwealth of Dominica“, um Verwechslungen mit der Dominikanischen Republik auszuschließen. Das „House of Assembly“ fungiert als Volksvertretung. Von seinen 32 Abgeordneten werden 21 direkt vom Volk gewählt, die anderen vom Präsidenten ernannt.
Der Inselstaat zählt zu den rund 50 Mitgliedsstaaten des britischen „Commonwealth of Nations“.
Rückblende: Um die Zeitenwende erreichten indianische Arawak-Siedler die Kleinen Antillen. Kriegerische Kariben-Stämme aus dem nördlichen Südamerika unterwarfen um 1.000 n. Chr. die Arawaks und übernahmen deren Fertigkeiten im Bootsbau und in der Landwirtschaft. Die Kariben besaßen ein hoch entwickeltes Sozialsystem, sie betrieben Landwirtschaft auf gerodeten Urwaldparzellen und betätigten sich als Fischer und Jäger.
Während seiner zweiten Amerikareise erreichte Christoph Columbus am 3. Nov. 1493 die Insel und benannte sie, einem alten Brauch folgend, nach dem Tag der Entdeckung, einem Sonntag („Dominica“). Freilich erlosch das Interesse der spanischen Krone an dem neuen Territorium rasch, als sich herausstellte, dass hier keine Reichtümer zu holen waren. Später, in den 20er und 30er Jahren des 17. Jahrhunderts erhoben die Franzosen, dann auch die Engländer, Ansprüche auf die Insel. Die rivalisierenden Kolonialmächte konnten sich vorübergehend darauf einigen, Dominica den Kariben als neutrale Insel zu überlassen, ehe die alten Rivalitäten wieder aufbrachen und das Eiland mehrfach den Besitzer wechselte. Nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-63) kam es im Frieden von Paris zu einer vermeintlich dauerhaften Lösung, die den Engländern das Besitzrecht zusprach. Dennoch versuchte Frankreich noch drei Mal die Insel in seine Gewalt zu bringen, was auch kurzzeitig gelang. Die verworrene Lage jener Zeit verschlimmerte sich noch durch den Zustrom geflohener schwarzer Sklaven, die sich von den französischen Nachbarinseln auf das unzugängliche und wenig besiedelte Dominica in Sicherheit brachten. Ihre Angriffe auf die englischen Siedler und die sporadischen Überfälle der Franzosen prägten die Jahre der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. 1805 erst, mit der endgültigen Übernahme durch Großbritannien, war diese Phase Geschichte. Freigelassene Sklaven von den französisch beherrschten Nachbarinseln kamen ab 1834 in neuen Wellen ins Land, mit ihnen zogen sich auch die 1838 befreiten Sklaven Dominicas ins Inselinnere zurück.
Die Entwicklung der Kolonie ist kein Ruhmesblatt für die Engländer. Erst in den 1950er und 1960er Jahren kam es zu nachhaltigen Erschließungsmaßnahmen. 1967 erhielt die Insel eine weit reichende innere Autonomie als Mitglied der West Indies Associated States „in freier Zusammenarbeit mit dem UK“. Dieser immer noch halbkoloniale Status endete am 3. Nov. 1978 mit der Ausrufung der Unabhängigkeit.
Hauptstadt: Roseau an der Südwestküste mit ca. 16.000 Einwohnern
Bevölkerung: Im Juli 2006 wurden 68.910 Einwohner gezählt. Seit 1981 verzeichnet die Bevölkerungsentwicklung einen anhaltenden Rückgang. Die Geburtenrate liegt unter dem Weltdurchschnitt und sogar deutlich unter der für Entwicklungsländer typischen Größe. Die starke Arbeitsmigration auf andere prosperierende Antilleninseln, in die USA, nach Canada und England, verstärkt den Negativtrend.
Die überwiegende Mehrheit der Dominicaner hat afrikanische Sklaven als Vorfahren, die von englischen und französischen Pflanzern ins Land geholt wurden. So gelten 86,8 % als Schwarze, 8,9 % als weißschwarze Mischlinge (Mulatten), 2,9 % zählen zum Indianervolk der Kariben, die im Nordosten Dominicas in einem Reservat leben, 0,8 % werden zu den Weißen gezählt. Dominica ist die einzige Karibikinsel mit einem indigenen Bevölkerungsanteil.
Über 80 % der Einwohner bekennen sich zur römisch-katholischen Kirche, auch die Anglikaner, die Adventisten, Methodisten, Baptisten, Zeugen Jehovas, Bahais, Juden, Hindus und Muslime sind als kleine Glaubensgemeinschaften vertreten.
Die Sprache der Kariben ist vergessen. Wie die übrigen Dominicaner verständigen sie sich mehr oder weniger flüssig in der Amtssprache Englisch und problemlos in der Umgangssprache Patois (auch: Patwa oder Kwèyòl genannt), einem auf überwiegend französischen und einigen westafrikanischen Spracheinflüssen basierendem „Creole French“. Im Umfeld der Dörfer Marigot und Wesley im Nordosten der Insel wird ein aus dem Englischen und westafrikanischen Redewendungen hervorgegangenes „Creole English“ namens Kokoy gesprochen. Ein fast identisches Patois ist auch auf der Antilleninsel Saint Lucia, südlich von Martinique, und mit einigen Abweichungen auf der südlichsten der Inseln über dem Wind, Grenada, geläufig. Das Überleben der Umgangssprache Patois wie auch die starke Präsenz der katholischen Kirche und die Reste des alten Bodenrechts, ganz besonders aber die Ortsnamen wie Roseau, Marigot, Soufrière etc. dokumentieren den starken französischen Einfluss trotz lange existierender englischer Institutionen und englischer Amtssprache.
Verkehr und Transport: Auf Dominica wird links gefahren! Die Hauptstraßen sind oft schmal und kurvenreich, aber in der Regel ganz passabel ausgebaut. Nicht so die Nebenstraßen, die oft in miserablem Zustand sind. Ein dichtmaschiges Busnetz (Kleinbusse) verbindet die Ortschaften. Regionale Fährverbindungen bestehen nach Fort-de-France (Martinique, 1,30 Std.), Pointe à Pitre (Guadeloupe, 1,45 Std.) und St. Lucia (3,30 Std.). Wichtigster Flugplatz ist Melville Hall Airport nahe Marigot an der Nordostküste. Da er von Langstreckenflugzeugen nicht angeflogen werden kann, müssen sich Fluggäste aus den USA/Canada und Europa auf eine Zwischenlandung einstellen. Je nach Fluglinie kommen die benachbarten Inseln Antigua, Barbuda, Barbados oder Martinique, Guadeloupe, Puerto Rico oder St. Martin in Frage. Von dort kann die Reise an Bord von Expressfähren oder Zubringerflugzeugen fortgesetzt werden.
Alle großen in der Karibik aktiven Kreuzfahrtreedereien legen in Dominica an.
Wirtschaft: Die Lage ist Besorgnis erregend, denn Auslandsverschuldung und Leistungsbilanzdefizit, Arbeitslosigkeit, Haushaltsdefizit und Staatsverschuldung sind viel zu hoch. Die Probleme beim Aufbau einer modernen, diversifizierten und nachhaltigen Wirtschaft sind zu großen Teilen auf die Weichenstellungen zurückzuführen, die von den Kolonialmächten vorgenommen wurden. Ihr Interesse galt allein profitträchtigen Plantagenfrüchten, deren Anbau, Blüte und schließlich Ruin eine kontinuierliche wirtschaftliche Entwicklung nicht gerade beförderten. Zunächst war es Kaffee, den französische Plantageneigner seit 1725 anbauten. Die Engländer übernahmen ihre Plantagen und bauten zusätzlich Zuckerrohr an. Nach der Verdrängung des Zuckerrohrs durch die europäische Zuckerrübe versuchte man es mit Kokospalmen, Orangen und Mangos und vor allem mit Limonen. Als die Nachfrage einbrach, ersetzte man die Limonen durch Vanille und nach der Erfindung eines billigen Aromaersatzes stieg man auf eine andere, ebenso verwundbare Monokultur um, auf die Produktion von Bananen. Dabei ist es bis heute geblieben. 50 % der Ausfuhreinnahmen stammen aus dem Bananenexport. Insgesamt ist der Landwirtschaftssektor für 60 % der Deviseneinnahmen verantwortlich. Er stellt 40 % der Arbeitsplätze. Die hohen Risiken bei der witterungsabhängigen Produktion von Bananen und der nicht beeinflussbaren Preis- und Nachfrageschwankungen versucht man nicht ohne Erfolg durch die Herstellung von Seifen auf der Basis von Kokosfrüchten, von Zahncremes, Farben, Desinfektions- und Poliermitteln zu kompensieren.
Allein aus dem Tourismussektor werden Wachstumsimpulse gemeldet, obwohl dem Inselstaat mangels langer, weißer Sandstrände und bequemer Flugverbindungen die Voraussetzungen für Strand- und Badetourismus größeren Ausmaßes fehlen. Die Reisebranche trägt 27,7 % (2008) zum Bruttoinlandsprodukt bei und stellt über ein Viertel der Arbeitsplätze Dominicas. Es sind ganz überwiegend Passagiere von Kreuzfahrtschiffen und Tagesgäste aus Martinique und Guadeloupe, die als Kurzurlauber Devisen ins Land bringen. Ihre Zahl will man erhöhen und zugleich auch mehr Langzeiturlauber zu geführten Entdeckungs- und Studienreisen, zu Naturbeobachtungen, Tauchabenteuern und zum genüsslichen Relaxen auf die Insel einladen. |