Zugspitze im Winter
Text und Fotos: Dirk Schröder
Bergspitzen neben Bergspitzen, die Sicht reicht weit über hundert Kilometer bis nach Österreich hinein. Schnee pfeift uns bei eisigem Wind auf knapp 3000 Metern um die Nase. Die Dohlen scheinen dabei in ihrem Element zu sein und zeigen ihre Kunstflüge.

„Wenn die Sicht so klar ist, dann gibt es meist schlechtes Wetter!“ unkt ein älterer Herr neben uns. Er kommt aus München, ist sozusagen einheimisch auf seinem Hausberg und wird es wissen. Umso mehr genießen wir diesen Sonnentag, die lässigen Schwünge auf breiten Pisten, die wir nur mit wenigen teilen müssen. Viele der Urlauber aus aller Welt, für die ein Besuch der Zugspitze zum Pflichtprogramm gehört, kommen mit der Nostalgiebahn ohne Wintersportambitionen herauf. Sie wollen das Panorama genießen und vielleicht im Restaurant mit dem Kopf zur Sonne gedreht, die kulinarischen Spezialitäten und dann müssen sie schon wieder weiter.

Garmisch-Partenkirchen, die Doppelstadt am Fuße des 2962 Meter hohen Panoramagipfels, ist eng mit dem berühmten Neujahrsskispringen auf der Olympiaschanze verknüpft, ebenso wie mit dem Skiweltcup-Rennen auf der legendären „Kandahar“, bei dem die großen Stars um hundertstel Sekunden kämpfen. 60 Kilometer Abfahrtstrecken, die meist mit Schneekanonen präpariert werden, bieten in der Region den Skiläufern und Snowboardern viele Möglichkeiten, seine Lieblingsstrecke zu finden und das mit Schneegarantie von Oktober bis Mai auf dem einzigen Gletscher Deutschlands. Für Langläufer und Scater werden jedes Jahr 110 Kilometer Loipen der verschiedensten Schwierigkeitsgrade in den Schnee gespurt. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Die Region ist mit ihrem vielseitigen Angebot aus Sport, Kultur und Natur einer der besten Orte, um alle Aspekte des Winters zu genießen.

Mit dem Stellplatz Alpencamp am Wank haben wir den idealen Ausgangspunkt für unsere verschiedenen Interessen gefunden. Er bietet alles, was ein Wintercamper sich wünscht, inklusive Internetverbindung, für den, der es im Urlaub braucht.
Zwischen Nostalgie und Moderne
Was wäre die Zugspitze heute ohne die historische Zahnradbahn? Die Nostalgiefahrt beginnt direkt in Garmisch, führt nach Grainau und am Eibsee vorbei, um dann langsam aber stetig das Zugspitzplateau zu erklimmen. Die Schweizer, die bereits 1870 mit einer Zahnradbahn auf den Rigi begonnen hatten, gaben den Anstoß für den Bau einer Bahn auf den höchsten Gipfel Deutschlands, doch König Luitpold lehnte 1899 ab, weil er keine Notwendigkeit darin sah. Erst als die Tiroler am 5. Juli 1926 ihre Seilbahn von Ehrwald aus einweihten, da musste alles schnell gehen. Um das ehrgeizige Projekt zu realisieren, bohrten, gruben und sprengten in Spitzenzeiten 2500 Männer an fünf verschiedenen Stellen gleichzeitig. 4.453 Meter führt die Trasse durch den Tunnel, um so vor Stein und Schnee geschützt zu sein. Zu den Passionsspielen 1930 war das Wunderwerk damaliger Möglichkeiten dann vollendet. „Die Zugspitze jedem erlebbar machen!“ darin sehen die Betreiber heute noch ihren Auftrag. Die enge Verzahnung von Tourismus und Technik wird in den Ausstellungsräumen auf dem Zugspitzplateau sehr anschaulich präsentiert.

Traumpisten und Panoramablick
Wer sich der „Wiederentdeckung der Langsamkeit“ nicht stellen möchte, kann vom Eibsee mit der Gondel auf knapp 3000 Meter hinauf schweben. „In sieben Minuten ins Paradies“ unter dem Slogan wird seit dem Bau der neuen Gondel für das „Classic Gebiet“ Alpspitze, Hausberg und Kreuzeck geworben. Schon 1926 tummelten sich am Hexenkessel die ersten Skifahrer. Heute sind es die Weltcupabfahrt und die breiten Hänge des Osterfelder- und Längenfeldergebietes, die Skifahrer und Snowbaorder jeden Alters und Könnens begeistern. Insgesamt 40 Kilometer Abfahrten zwischen 700 und 2050 Metern Höhe. Hier ziehen Eltern mit Kindern gleichermaßen wie Experten nach Herzenslust ihre Schwünge. Übrigens liegt der Rekord auf der fast 3700 Meter langen Kandahar-Abfahrt bei zwei Minuten.

Wer noch weiter hinauf möchte, der schnallt sich die Tourenski oder Schneeschuhe an. Hier ist der Weg das Ziel und der wird mit einem Gipfelpanorama vom Feinsten belohnt. Allerdings sollten sich besonders Neulinge den fachkundigen Bergführern anvertrauen, die um die Lawinengefahr wissen.
Was wäre Skifahren ohne einen zünftigen Einkehrschwung bei einer der Berghütten mit ihren Sonnenterrassen.

Wandern – sonnen – relaxen! Das ist von der Gipfelstation der Hausbergbahn auch ohne Skifahrkenntnisse möglich. Vorbei am Garmischer Haus und der Trödelhütte geht es auf markierten Wegen zur Kreuzalm und weiter zum Kreuzeck. Wer dann noch nicht genug hat, kann eine Stunde weiter zur Hochalm laufen – traumhaft! Winterwanderungen sind auch am Wank, der als Sonnenberg bekannt ist, ein Genuss. Die Ausblicke auf das Wettersteinmassiv, Garmisch-Partenkirchen und weit über das Loisachtal hinaus sind überwältigend. Mehr als 100 Kilometer sind im Umkreis als Winterwanderwege markiert. Bei Skitourengehern und Schneeschuhwanderern ist der Wank ebenfalls beliebt.

„Machen Sie mit!“
Unter diesem Motto werden Urlauber ermutigt, in der Eishalle am Publikumslauf und Disco-Abendlauf teil zu nehmen oder es einmal mit Eisstockschießen und Curling zu versuchen.
Neueste Attraktion ist eine Fahrt mit der Pistenraupe, die mit ihren 400 PS in erstaunlicher Leichtigkeit die steilsten Hänge meistert. Bis zu 300.000 Euro kosten die hochmodernen Geräte, die mit aufwendiger Technik ausgerüstet sind. Die einzigartige Möglichkeit in Deutschland hat allerdings ihren Preis. Bei 170 Euro pro Fahrgast ist das Essen auf der Hütte und ein Modell des Pistenbully 300 Polar inbegriffen. Das ungewöhnliche Angebot ist auf drei Personen pro Veranstaltungstag beschränkt und im Voraus zu buchen.
Relaxen: Ayurveda, Heubad und mehr
Nach so viel sportlichem Engagement ist die Bandbreite an Erholung in Garmisch-Partenkirchen groß. Der Gast kann wählen zwischen den klassischen Wellness-Angeboten wie Ayurveda, Thalasso, Naturheubädern und Sauna. Doch wer hat sich schon einmal eine Schokoladenmassage oder Kaffee-Körperpeeling gegönnt?

Trotz seiner Internationalität haben beide Orte ihre urige Gemütlichkeit und reiche Tradition bewahrt. Besonders deutlich ist dies bei einem Bummel durch die Frühlingsgasse in Garmisch zu spüren und in der Ludwigstraße in Partenkirchen. Dort erzählen die berühmten bayrischen Lüftlmaler auf den Hausfassaden Geschichten über die Bewohner, die Region und die Brauchtümer. Zum Einkaufen locken die eleganten Geschäfte mit erlesenen Auslagen. Das Angebot reicht von modischer Sportswear bis zur Tracht. Juweliere und Goldschmiede, Kunst und Antiquitäten – neben traditionellem Handwerk stehen auch originelle Souvenirs zur Wahl.
Wer nicht am nächsten Morgen wieder auf die Skipiste möchte, kann in den zahlreichen Clubs, Discos und Bars die Nacht zum Tage machen. Und nicht zuletzt in der Bayrischen Spielbank sein Glück versuchen.
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