Piraten, Wale und ein U-Boot
Wilhelmshaven zwischen Legenden und klarem Auftrag
Text und Fotos: Hilla Finkeldei

Die gesamte Nord- und Ostseeküste lebt von einer Legende. Also starten auch wir unseren Tag in Wilhelmshaven unter dem Zeichen der kopfbetuchten Männer, die Sinnbild für Freiheit und Weite geworden sind. Sie selbst sahen sich als Lieke Deeler, Gleichteiler, die eine frühe Form von Demokratie und Gemeinschaftssinn praktizierten. Die Beraubten verschrien sie als Mörder, Diebe und stinkendes, skrupelloses Pack. Was davon stimmt, liegt wohl im Auge des Betrachters.
Kinder jedenfalls sind einhellig der Meinung, Piraten seien Helden. Schwarzbart, dessen Lunten unter dem Hut rauchten, um ihn besonders Furcht erregend aussehen zu lassen ebenso wie Sir Francis Drake, im Besitz eines Kaperbriefes seiner finanziell angeschlagenen Königin Elisabeth I. von England. Und nicht zuletzt der, von dem die ganze Nord- und Ostseeregion bis heute spricht: Klaus Störtebeker, der seine Bande in Bisby auf Gotland ansiedelte und von dort die Hanse enorm piesackte. Bis ihm leider der Kopf abgeschlagen wurde, ohne den er allerdings heldenhaft noch viele seiner Leute abgelaufen haben soll, um sie vor dem gleichen Schicksal zu bewahren.

Moderne Strandpiraten
Hineinspaziert ins Piraten-Amüsement Wilhelmshaven, dessen Klientel eindeutig die Fans unter 1,60 m sind und dessen Wahlspruch lautet: Die Ausstellung, in der die Kurzen keinen langen Hals machen müssen. Und so ist es! Zwar tun sie es trotzdem, aber nur, weil sie aus dem Staunen gar nicht herauskommen. Klein ist die Ausstellung, aber sie hat es in sich. Wir versuchen, die Schatzkiste zu erbeuten, doch vorher sind diverse Kaperaufgaben zu lösen, unzählige Bilder und verrückte Ideen zur Piraterie zu bestaunen, Planken zu erklimmen. Aus der Ecke grölt ein kleines Energiebündel nach Art der Pipi Langstrumpf, von links springt ein besäbelter Halbwüchsiger mit geschnitztem Holzmesser zwischen den Zähnen in die Szene.

Kommt jetzt Klaus Störtebeker?
Wen kümmert es da, wenn die Ausstellung nicht verhehlt, dass Piraten
oft von Maden zersetztes Fleisch essen mussten, das Wasser faulig stank
und der Seegang selbst den härteren Burschen arg zusetzte? Und vor
dem eindrucksvollen Armhaken kam schließlich die häufig angewandte
Amputation. Einmal kurz von Ekel geschüttelt, dann locken Silber,
Freiheit und Sand zwischen den Zehen die nimmermüden Knirpse wieder
ins Land der Träumerei.
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