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Zum Wohl! Getränke zwischen Kultur und Konsum
bis 14. Jan. 2018

Bier für das Ruhrgebiet, Schnaps für Westfalen - was ist dran an den regionalen Vorlieben für spezielle Getränke? Die Ausstellung "Zum Wohl! Getränke zwischen Kultur und Konsum" geht auf Spurensuche. Sie zeigt die Entwicklung der Trinkkultur und Kultgetränke in Westfalen und dem Ruhrgebiet im Industriezeitalter.

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Die Bude von Emmy Olschewski steht jetzt auf der Henrichshütte. Im Innern laufen historische Werbefilme. Foto: LWL/Appelhans

Die Bude, aus dem Pott nicht wegzudenken

Gleich zu Beginn stoßen wir auf den grün gestrichenen Kiosk, die Bude von Frau Emmy Olschewski. Schoers Eis gab es hier einst und beim Anblick der Eiskarte läuft dem einen oder anderen Besucher das Wasser im Munde zusammen. Jägermeister und auch DAB Pils gehörten zum Warenangebot. Gurken im Glas verkaufte Frau Olschewski einst und auch Gummimäuse und Weingummi. Hochprozentiges schien auch beworben zu werden, betrachtet man die Emailschilder von Jägermeister und Martini. Flachmänner wie Kümmerling warteten einst auf treue Kunden. So wie einst Herrengedeck und Branntweinpest den Zeitgeist widerspiegelten, so auch die Bude oder das Büdchen bzw. die Trinkhalle, die man an fast jeder Ecke in Ruhrgebietsstädten fand - und bis heute findet. Doch auch ein Sterben dieser Trinkkultur, die einst mit dem Ausschank von Mineralwasser begann, ist zu verzeichnen, wie man einer entsprechenden Diaschau zu den Buden und ihrer Architektur entnehmen kann.

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Prosit! Museumsleiter Robert Laube und Kuratorin Astrid Blum an der Ausstellungsstation zum Thema Schnaps. Foto: LWL/Appelhans

Schnaps, das war sein letztes Wort ...

Wo kommt denn das her? Wir hören nämlich „Oh, wie wohl tut Schinkenhäger ...“. Dieses Liedchen entstammt einem der zahlreichen Werbefilme aus den 1950er Jahren, die man in der Bude von Frau Olschewski zeigt. Da wurde ganz ungeniert für Hochprozentiges geworden, auch für den täglichen Underberg. Man suggerierte nicht allein Bekömmlichkeit von Schnaps, sondern unterstellte auch Verdauungsförderung und heilende Wirkung. Völlig aus dem Blick geraten war in der damaligen Wohlstandsgesellschaft der Tatbestand, dass einst in Preußen aus Kartoffeln hochprozentiger Alkohol für die Ärmsten gebrannt wurde, derweil in Westfalen Getreide der Grundstoff war. Wegen der guten Biere und der steigendenden Branntweinsteuer stand der Schnaps in Westfalen eher auf verlorenem Posten, wie man einem der gut gemachten Saaltexte entnehmen kann. Das Herrengedeck – Bier und Korn – ist heute aus der Mode gekommen, doch Obstler und Wacholderschnaps finden immer noch ihre Liebhaber. Unter den Jugendlichen hingegen sind es die sogenannten Alkopops zum Vorglühen vor der langen Disconacht, die hoch im Kurs stehen.

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Emmy Olschewsky vor ihrer Trinkhalle in Castrop-Rauxel 1981. Foto: LWL

Bei Bielefeld entstand der Hochprozentige

Nicht nur dieser Aspekt wird in der sehr interessanten Schau angesprochen, sondern es wird auch die Geschichte der Brennereitradition in Westfalen erzählt. Steinhagen westlich von Bielefeld war lange Zeit das Zentrum des Schnapsbrennens verbunden mit den Namen Schlichte und König. Steinhäger Urquell wurde ab 1873 gebrannt, und auf die Flasche kam ein Etikett, das ein westfälisches Frühstück mit Schinken, Pumpernickel, einem Bund Radieschen und einem Gläschen Klaren zeigt. Übrigens auch die heutigen Steinhäger-Flaschen tragen dieses Etikett. Geworben wurde für Schlichte Steinhäger mit dem Motto „besonders gut – nicht teuer“.

Zu sehen t auf einem ausgestellten Werbeplakat eine Hand mit Schnapsgläschen und in der unteren rechten Ecke durchgestrichenen Reichsmark. Ausgestellt sind nicht nur ein Schnapsglasständer um 1955, sondern auch allerlei Flachmänner mit und ohne figürliche Verzierung sowie eine Brennblase zur Herstellung von Wacholderschnaps.

Selters in der Seltersbude

Erste Mineralwasser wurden Mitte des 19. Jahrhunderts in eigenen Trinkhallen, viele von dem Schöpfer des Hamburger Rathauses Martin Gropius entworfen, ausgeschenkt. Sie nannte man daher auch „Seltersbude“. Teilweise errichteten Fabrikherren mit Weitblick derartige Hallen auf dem Werksgelände oder an den Werkstoren. So sollte der Alkoholkonsum vor und nach der Arbeit eingedämmt werden.

Neben Quellwasser gab es auch künstliche Mineralwasser, bei denen künstliche Kohlensäure zugesetzt wurde. Dazu dienten sogenannte Cüvetten, die man in einer Abbildung sehen kann, die aus der Illustrirten Zeitung stammt. Ein einfacher Abfüllapparat wird auch gezeigt. Drei Handgriffe genügten, um die jeweilige Seltersflasche zu füllen. Typisch sind auch die Flaschen mit Perlendekor für die Einheitsflasche. Erdacht hatte sich dies Günter Kupetz, der mit diesen Perlen auch die Kohlesäure im Wasser in ein entsprechendes Design überführt hat.

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Historische Sinalco-Werbung. Foto: Deutsche Sinalco GmbH

Sinalco aus Detmold

Mit dem Genuss von Mineralwasser befasste sich auch Franz Hartmann, der diesem Wasser Fruchtzusätze zufügte. Vermarktet wurden diese Getränke als „Bilz“-Brause, ein Vorläufer von Sinalco – der Name ist schlicht aus dem Lateinischen "sine alcohol" abgeleitet, sprich ohne Alkohol. Bilz war ein bekannter Naturheilkundler in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts.

Das Logo von Sinalco zeigt ein überschäumendes Sektglas in einem roten Punkt, jedenfalls seit 1937 bis heute. Sinalco ist übrigens eine Erfolgsgeschichte aus Detmold. Produktionsgebäude, Büro und Lager befinden sich in der dortigen Bahnhofstraße. Gezeigt werden in der Schau entsprechende Fotodokumente aus der Zeit um 1980.

Erst die Senkung der Steuer machte Kaffee erschwinglich

Dass Kaffee einst aus Äthiopien den Weg auf die Arabische Halbinsel und von dort nach Persien und ins Osmanische Reich fand, erfährt man beim Rundgang ebenso wie davon, dass 1511 in Mekka (!!) das erste Kaffeehaus eröffnet wurde. Kaffee war in Europa – das vergisst man angesichts von Grande und Regular Latte Macchiato oder Café Latte sowie Kaffee to go – als Genussmittel den Reichen und Wohlhabenden vorbehalten. Wundert es da, dass Friedrich der Große 1766 ein Einfuhrverbot für den privaten Kaffeegenuss erließ?

Um Kaffee genießen zu können, gab es spezielle Tassen und auch Kannen, so auch diejenige aus den 1920er Jahren in Brauntönen und mit geschachtelter Dreiecksmusterung im Stil der Art déco. Man brauchte aber auch Vorratsdosen zur Lagerung nicht nur für Laars Kaffee, der mit „ist der Beste“ für Aufsehen sorgte. Bereits 1900 gab es eine Tischkaffeemaschine mit Aufbrühsystem, wie man sie auch in der Schau – allerdings nicht in Betrieb – sehen kann. Zahlreich sind die ausgestellten Kaffeebecher mit Aufdrucken wie „Immer auf gleicher Augenhöhe mit dem Chef – DGB“.
Übrigens, man schlürfte zeitweilig den Kaffee aus der Untertasse, wie man einer Darstellung von 1862 entnehmen kann. Kaffee war gewiss nach dem II. Weltkrieg etwas für Gutverdiener, kostet doch ein Pfund mehr als 8 DM. Erst mit der Senkung der Kaffeesteuer um 70 % war in den nachfolgenden zehn Jahren eine Steigerung des Kaffeekonsums um 600% zu verzeichnen. Schon für die Kleinste gab es nicht nur den Kaufmannsladen, sondern auch das Puppenkaffeeset. So wurde der Nachwuchs an den Kaffeegenuss herangeführt.

Der Teebeutel – eine Erfolgsgeschichte

Einer chinesischen Legende nach soll es Tee als Heilpflanze bereits im 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung gegeben haben. Die ersten Europäer, die den „Tee entdeckten“, waren die Portugiesen. Sie wurden allerdings beim Tee-Handel von der niederländischen Vereenigde Oostindische Companie vom Markt gedrängt. Dass in Ostfriesland Tee sehr beliebt ist, liegt wohl daran, dass in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Emden die Preußische Handelskompanie entstand, die im Tee-Handel sehr aktiv war.

Eine Revolution erfuhr der Teegenuss, so erfahren wir, durch die Entwicklung des Teebeutels ab 1913. Da der Teebeutel so ausschaute wie das Handtäschchen der Mätresse Madame Pompadour, erhielt dieser den entsprechenden Namen.

Erst seit der Einführung des Teebeutels ist Tee ein Jedermanngetränk geworden. Ein Aufgussbeutel war in den 1950er Jahren bereits für 10 Pfennig zu haben. Selbst auf den Zechen wurde Mineralwasser durch Tee verdrängt. So gab es auf der Zeche Pluto in Herne eine Teeküche, die von den Arbeitern genutzt wurde, die sich ihre Trinkflaschen mit Tee füllten. Bei der Arbeit am Hochofen verlor jeder Arbeiter nahezu 10 Liter Flüssigkeit je Schicht. Mineralwasser hatte bei Dauergenuss zu Magen-Darm-Problemen bei den Beschäftigten geführt, sodass die Werksärzte stattdessen für Teegenuss plädierten. Welche Bedeutung Tee für die sogenannten Gastarbeiter, vor allem der Männer vom Bosporus, hatte und noch hat, wird in diesem Kapitel der Ausstellung gleichfalls behandelt.

Milch ist gesund

Angesichts des Überangebots von Milch und des aktuellen Preisverfalls kann man sich heute kaum vorstellen, dass Milch in der Zeit des Ersten Weltkriegs Mangelware war. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg gab es ähnliche Probleme, die man mit Milchpulver löste. Die Schulspeisungen und die Schwedenspeisung für Vorschulkinder gehörten in den 1950er Jahren zum Alltag, genauso wie der Milch-See in den 1970er Jahren. Früher, also vor der Erfindung des Kühlschranks, gab es Probleme bei der Kühlung. Dabei half wie man einer ausgestellten Grafik entnehmen kann auch mal die gute Kühlkiste.

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Aus den 1930er Jahren stammt dieses Emailleschild, das Werbung für Milch macht. Foto: LWL

Dass man mit einer Rollerskaterin versuchte Milch zum Lifestyle-Produkt zu stilisieren, mutet ein wenig bizarr an, betrachtet man die entsprechende Werbung. Ähnliches muss man über die Werbung sagen, bei der Milch für den Mann, in diesem Fall den hart arbeitenden Schmied, propagiert wurde. „Milch macht müde Männer munter“ – einst von Paul Kuhn gesungen und auch in der Ausstellung zu hören – fällt dabei dem einen oder anderen Ausstellungsbesucher ein. Dass James Dean in „Rebel without a cause“ auch zur Milchflasche griff, erfährt man dank eines Trailers des Films. Zu den Skurrilitäten der Schau gehört ein Bauchmelker aus Belgien, der der Kuh mit einem Ledergurt umgebunden wurde. Wer sich schließlich als Melker ausprobieren möchte, der hat an einem Kuh-Modell ausgiebig Gelegenheit dazu.

Gambrinusbräu für trockene Kehlen

Wir erfahren, dass die Industrialisierung mit dem Fortgang des Brauens, vor allem von untergärigem Bier, Hand in Hand ging. Nicht nur neue Erkenntnisse zu den Bierhefen, sondern auch die Entwicklung der Linde-Kühlmaschine und von modernen Abfülltechniken beflügelten den Prozess einer stetig wachsenden Brauindustrie. Getrunken wurde aus Steinkrügen und Gläsern, ob Ritter Bier oder Dortmunder Thier Bräu. Bier kam einst in Fässern zu den Wirtschaften. Flaschenbiere waren die Ausnahme. So hat man bei der Inszenierung dieses Kapitels auch eine Fasskarre, den Fasssack und Fässer zusammengetragen. Zudem sieht man aber auch eine Kühlkiste für Natureis, in der Bier kühl gelagert werden konnte.

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Die nickerflaschen, deren Name auf die Verschlusskugel im Hals zurückgeht, waren bis in die 1950er Jahre für Limonade und Mineralwasser in Gebrauch. Foto: LWL

Begleitprogramm
Samstag, 24. Juni, 18-2 Uhr Extraschicht - Die lange Nacht der Industriekultur. Mit Musik, Theater, einem ganz speziell beleuchteten Hebewerk und Aktionen rund um die Ausstellung "Zum Wohl!". Sondereintritt Infos: www.extraschicht.de

Samstag, 15. Juli, 17 Uhr Whisky-Tasting: Irish Folk meets Irish Whiskey, Leckeres von der grünen Insel, mit Sebastian Büssing, max. 25 Teilnehmer, Anmeldung erforderlich, 29,90 Euro pro Person

Freitag, 21. Juli, 15.30 Uhr Exkursion: Bier, zur Privatbrauerei Moritz Fiege, max. 25 Teilnehmer, 15,85 Euro pro Person inkl. Verpflegung und ÖPNV. Anmeldung erforderlich

Samstag, 19. August, 19.30 Uhr Whisky-Tasting: Whisky in Cocktails - Wie kombiniere ich Whisky mit weiteren Zutaten? mit Sebastian Büssing, max. 25 Teilnehmer, Anmeldung erforderlich, 29,90 Euro pro Person

Samstag, 2. September, 19.30 Uhr Whisky-Tasting: Die Whisky Universität - 2. Semester: Von Single Malt über Bourbon bis hin zu Blend, mit Sebastian Büssing, max. 25 Teilnehmer, Anmeldung erforderlich, 29,90 Euro pro Person

Freitag, 8. September, 15.30 Uhr Exkursion zum Bauernhof von Familie Billmann, Dauer: ca. zwei Stunden, Eintritt frei (max. 20 Teilnehmer), Anmeldung erforderlich

Dienstag, 26. September, 19 Uhr Vortrag zum Thema Bier von Jorma Wagner, Eintritt frei

Freitag, 6. Oktober, 19.30 Uhr Whisky-Tasting: Fassstärke - Caskstrength frisch aus dem Fass, mit Sebastian Büssing, max. 25 Teilnehmer, Anmeldung erforderlich, 29,90 Euro pro Person

Freitag, 10. November, 19.30 Uhr Whisky-Tasting: Whiskey aus ungewöhnlichen Holzfässern, mit Sebastian Büssing, max. 25 Teilnehmer, Anmeldung erforderlich, 29,90 Euro pro Person

Dienstag, 7. November, 19 Uhr Vortrag zum Thema Kaffee von Willi Kulke, Eintritt frei

Dienstag, 21. November, 19 Uhr Vortrag zum Thema Milch von Robert Laube, Eintritt frei

Freitag, 8. Dezember, 19.30 Uhr Whisky-Tasting: Ein Whisky-Weltreise - Whiskys aus aller Welt und für jeden Geschmack, mit Sebastian Büssing, max. 25 Teilnehmer, Anmeldung erforderlich, 29,90 Euro pro Person

Samstag, 6. Januar, 19.30 Uhr Whisky-Tasting: Old and Rare - Alte Whiskys und Raritäten, mit Sebastian Büssing, max. 25 Teilnehmer, Anmeldung erforderlich, 50 Euro pro Person

LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Am Hebewerk 26
45731 Waltrop
http://www.lwl-industriemuseum.de

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