Reisemagazin schwarzaufweiss

Streifzug durch die Heimat des „Bullen“

Das Tölzer Land braucht sich auch im Winter nicht zu verstecken

Text und Fotos: Axel Scheibe

Als Wintersportmekka hat sich das Tölzer Land bis heute nicht geoutet und als typische Destination für einen Urlaub in der kalten Jahreszeit wohl ebenfalls nicht. Das ist gut für all jene, die es etwas ruhiger mögen, vielleicht sogar besinnlich, auf jeden Fall abseits von Après-Ski und Pistenrummel.

Tölzer Land - Fernab vom Schuss – die Jachenau ein sehr ruhiges und romantisches Fleckchen mit tollen Loipen und Winterwanderwegen. Ein Bilderbuchdorf

Dabei hat die Region natürlich trotzdem so manchen Berg zu bieten, auf dem es rasant ins Tal geht, so z.B. in Lenggries oder am Tölzer Hausberg, dem Blomberg. Aber: und das ist nun für viele Winterurlauber, die auf den Skispaß auf den Pisten verzichten wollen oder können ein Argument: Es gibt so viel zu erleben auch abseits der weißen Pracht, dass es immer mehr „Wiederholungstäter“ gibt, die es Jahr für Jahr ins Tölzer Land zieht. Wer als „Frischling“ in Bad Tölz (1) ankommt, ist bei den Stadtversucherinnen in den besten Händen.

Die Versucherinnen warten schon

Mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten sorgen sie dafür, dass sich die Gäste schnell wohl und vielleicht sogar heimisch fühlen. Eine der „Versucherinnen“ ist Angelika Schmidt. Seit vielen Jahren gehört sie zum Team und führt die Besucher auch gern so richtig in Versuchung. Dann nämlich, wenn sie zur Kulinarisch-Historischen Führung durch die Altstadt einlädt. Bereits der Name sagt es, da lauern die Versuchungen.

Tölzer Land - Mit Käse ganz nach oben, Spitzenköche stehen auf die Produkte von Wolfgang Hofmann vom Tölzer Käseladen

Mit Käse ganz nach oben, Spitzenköche stehen auf die Produkte von Wolfgang Hofmann vom Tölzer Käseladen

So im berühmten Tölzer Käseladen direkt an der Marktstraße. Wolfgang Hofmann ist dort der Herr über dutzende ganz verschiedene Käsesorten. Allein deren „Duft“ lässt Feinschmeckern das Wasser im Mund zusammengelaufen. Als Rohlinge bei Bauern und Käsereien der näheren und weiteren Umgebung eingekauft, kommen sie in den Reifekeller von Wolfgang Hofmann, wo sie ihre ganz besondere Veredlung erhalten. Das hat sich herum gesprochen und so sind die Produkte aus dem Tölzer Käseladen bei manchem Sternekoch fester Bestandteil der Zutatenliste. Nach wenigen Metern und einigen Sätzen rund um die Geschichte der Stadt ist Anlaufstelle 2 erreicht. Hier, im „Rendezvous der Genüsse“, stehen eher Süßigkeiten auf dem Plan. Der perfekte Kontrast. Um das alles abzurunden endet der Altstadtbummel bei der Enzianbrennerei Schwaighofer. Nicht umsonst sagt man, dass ein guter Enzian nach reichlichem Essen für bessere Verdauung sorgt. Auch wenn mittlerweile die moderne Medizin eine andere Meinung hat, ein Gläschen Enzian und ein Gläschen vom Tölzer Leonhardischnaps lassen den Rest des Tages gut angehen. Besonders wenn man nach den Versuchungen von Angelika Schmidt zum Mittagessen im Wirtshaus Starnbräu gleich gegenüber einkehrt. In dem Traditionshaus in der Altstadt atmet jede Stube Geschichte und das was auf der Karte steht, lässt deftige bayerische Kulinarik erwarten.

Tölzer Land - Spezialität der  Enzianbrennerei Schwaighöfer ist der Tölzer Leonhardischnaps, den Clauß Janssen auch gern in der historischen Weinstube des Hauses serviert

Spezialität der Enzianbrennerei Schwaighöfer ist der Tölzer Leonhardischnaps, den Clauß Janssen auch gern in der historischen Weinstube des Hauses serviert

Besuch beim Bullen von Tölz

Eines dürfte jedem Touristen den es hierher verschlägt klar sein. An einem kommt man garantiert nicht vorbei – am Bullen von Tölz. In immerhin 68 Folgen hat Ottfried Fischer dem kauzigen Kriminalkommissar Benno Berghammer Leben eingehaucht. Und das fast ausschließlich in Bad Tölz. Der Name lässt nichts anderes erwarten. Eingefleischte Bullenfans haben fast an jeder Straßenecke, an jedem Haus, in jeder Gasse eine Episode rund um die Dreharbeiten parat. Auch dazu sind die Stadtversucherinnen unterwegs. Mittlerweile jedoch ist ein Wunsch der Bullen-Fans wahr geworden. Endlich gibt es ein Bulle von Tölz Museum. Und wo es das dann auch schon gibt, sollte man den Blick hinein nicht scheuen. Das historische Mauthäusel mit Isarblick ist der perfekte Rahmen für rund 300 Quadratmeter rund um die Darsteller und die Kriminalfälle, die über Jahre Millionen Fernsehzuschauer vor die Geräte gelockt haben.

Die Hauptstraße und Fußgängerzone in Bad Tölz. Hier war der Bulle viel unterwegs

Die Hauptstraße und Fußgängerzone in Bad Tölz. Hier war der Bulle viel unterwegs

Es sind gerade mal 77 Stufen, die von der Altstadt hinauf auf den Kalvarienberg führen. Ein kurzer Weg zu einer tollen Aussicht. Nirgends sonst öffnet sich ein so beeindruckender Blick über die Altstadt und das Isartal. Der Blick allein ist es aber nicht, der den Weg herauf lohnt. Die Kalvarienbergkirche überrascht durch eine sehr außergewöhnliche Innengestaltung. Unweit steht ein Kreuzigungshügel und die Leonhardikapelle vervollständigt das Ensemble auf dem Berg. Dabei war die kleine Kapelle noch vor der Kirche am Platz. Jedes Jahr am 6. November ist sie Ziel der bekannten Leonhardifahrt. Vom Kalvarienberg hat man zwar die beste Sicht auf die Stadt, doch der Hausberg der Tölzer ist der Blomberg (2).

Wahrzeichen von Bad Tölz, die Kalvarienbergkirche

Wahrzeichen von Bad Tölz, die Kalvarienbergkirche

Der Winter wartet vor der Tür

Im Winter tummeln sich an seinem Hang gleichermaßen Ski- wie Schlittenfreaks. Besonders die Rodelbahn lockt Tag für Tag Jung und Alt gleichermaßen an. Wenn man den Aufstieg per Sessellift bequem hinter sich gebracht hat, stellt man fest – auch ohne Ski- und Schlitten kann man das winterliche Wunderland hoch über der Stadt ausgiebig erkunden. Besonders der Rundweg wird auch im Winter gern genutzt. Er ist perfekt geräumt für Winterwanderer und einige der Kunstwerke am Rande des Weges sind sogar mit einer weißen Haube recht reizvoll. Also die Kameras nicht vergessen. Und im Blomberghaus ist man auf hungrige Wandersleute bestens eingerichtet.

Tölzer Land - Wenn auch tief verschneit, einige der Kunstwerke entlang des Kunstwanderweges auf dem Blomberg haben auch im Winter ihren Reiz

Wenn auch tief verschneit, einige der Kunstwerke entlang des Kunstwanderweges auf dem Blomberg haben auch im Winter ihren Reiz

Noch winterlicher präsentiert sich zumeist das Skigebiet am Brauneck (3) in Lenggries. Kein Wunder, während es der Blomberg gerade mal auf gut 1.800 m bringt, geht es dort deutlich höher hinauf. Bei allem Pistenspaß, die winterliche Attraktion am Fuße des Brauneck ist der Hirschkuss von Alois Oswald. Schon bevor man zur Reiseralm aufsteigt, wo der Alois als Almwirt residiert, kann man das Spektakel auf manchen Plakaten und Broschüren bewundern. Vor Ort beweist Alois dann gern, dass es sich wirklich nicht um eine Fotomontage handelt. Um die leckere Kastanie zu erhaschen, nimmt der stattliche Hirsch das Prozedere gern in Kauf. Es tut ja nicht weh. So kommt jeder Besucher dann zu seinem ganz individuellen Hirsch-Kuss-Foto. Wo kann so etwas sonst fotografieren?

Tölzer Land - Ziel einer Winterwanderung in Lenggries ist die Reiseralm unterhalb des Brauneck. Die besondere Attraktion, der Hirschkuss von Alois Oswald

Ziel einer Winterwanderung in Lenggries ist die Reiseralm unterhalb des Brauneck. Die besondere Attraktion, der Hirschkuss von Alois Oswald

Wer nun von Lenggries aus noch etwas weiter Isaraufwärts fährt, kann in ein Seitental einbiegen, an dem auf dem Wegweiser die Jachenau (4) ausgeschildert ist. Dieses malerische Tal bezeichnet sich selbst als Sonnental und übertreibt kaum. Sanft zieht es sich entlang der Jachen, eines kleinen Baches in Richtung Walchensee. Mächtige Bauernhäuser zeugen bis heute davon, dass man hier sehr gut von der Landwirtschaft gelebt hat und geben den Ortsteilen ihr typisches Gepräge. Genießerloipen ziehen sich durchs Tal und an den sanften Hängen warten zahlreiche Winterwanderwege auf Sonnenhungrige. Wer Ruhe sucht und in ein Stück bayerische Vergangenheit eintauchen will, ist hier an der richtigen Stelle. Fast scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

Bayerische Gastfreundschaft und unverfälschtes Brauchtum machen den weitläufigen Talboden an der Südseite der Benediktenwand zu einem Geheimtipp. Große Hotels sucht man vergeblich. Die zwei Gasthöfe bieten gerade mal zusammen 14 Zimmer. Die meisten Gäste bevorzugen die kleinen Privatvermieter oder freuen sich auf urige Urlaubstage auf dem Bauernhof. Für Traditionen steht auch Holzschnitzer Josef Schell, der schon vor Jahrzehnten seine Zelte im Tal aufgeschlagen hat und vielleicht die Topadresse für ein Mitbringsel aus der Region sein könnte.

Tölzer Land - Besuch bei Holzschnitzer Josef Scheifl in der Jachenau

Besuch bei Holzschnitzer Josef Scheifl in der Jachenau

Marionetten in Hochform

Bevor der Urlaub zu Ende geht, könnte ein weiterer Abstecher nach Bad Tölz für einen schönen Abschluss sorgen. Am Schloßplatz gibt es gleich doppelt Gelegenheit, dem vielleicht nicht mehr so sonnigen Wetter zu entgehen. Das ist zum einen das moderne Planetarium, das zu 45-minütigen Ausflügen in die Welt der Sterne einlädt und direkt daneben das Marionetten Theater. Im Gegensatz zum Planetarium, das von Albert Maly-Motta erst vor wenigen Jahren aus der Taufe gehoben wurde, kann das Marionettentheater bereits auf eine über hundertjährige Geschichte zurück blicken.

Tölzer Land - Albert Maly-Motta (links) und Karl-Heinz Bille sind die Chefs des Marionettentheaters

Albert Maly-Motta (links) und Karl-Heinz Bille sind die Chefs des Marionettentheaters

Karl-Heinz Billes Familiengeschichte rund um die „Puppen an der langen Leine“ reicht sogar noch weiter zurück. Gemeinsam mit Albert Maly-Motta begeistert er jährlich Tausende kleine und große Besucher. Dabei reicht das Repertoire vom Gestiefelten Kater über den Froschkönig bis zum Tapferen Schneiderlein. Für die Großen gibt es am Abend unter anderem die Zauberflöte und die Entführung aus dem Serail. Deftig Bayerisches wartet mit dem Brandner Kaspar. Wer dann noch einen Blick hinter die Kulissen erhaschen sollte, wird vom technischen Standard der Bühne überrascht sein. Auch die hunderte Marionetten, die sich über die Jahrzehnte angesammelt haben, könnten viel erzählen aus der Geschichte des Theaters. Wer einmal dort war, kommt zumeist gern wieder. Vielleicht beim nächsten Ausflug ins Tölzer Land?

Informationen

Tölzer Land Tourismus
Landratsamt Bad Tölz
Prof.-Max-Lange-Platz 1
83646 Bad Tölz
Tel.: 08041/505260
www.toelzer-land.de

 

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