DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Ausstellungsorte in Stuttgart: Haus der Geschichte / Kunstmuseum / Lindenmuseum / Staatsgalerie / Naturkundemuseum Schloss Rosenstein

Stuttgart
Kunstmuseum

180°: Die Sammlung im Kubus bis 14. Oktober 2012

Ausstellungen 2012

180°: Die Sammlung im Kubus

Seit der Eröffnung des Kunstmuseum Stuttgart erlebten über eine Million Besucher das Zusammenspiel von Kunst und Architektur. Im Glaskubus fanden Sonderschauen statt, Erd- und Untergeschoss waren weitgehend der städtischen Kunstsammlung vorbehalten. Um die großformatigen Werke der Ausstellung »Michel Majerus« angemessen präsentieren zu können, hat das Museum ein radikales Experiment unternommen und das Raumkonzept des Hauses auf den Kopf gestellt: Die Drehung um »180 Grad«, mit der die eigene Sammlung auf Zeit in den Kubus wandert, schafft die Möglichkeit, Sehgewohnheiten zu hinterfragen und die scheinbar vertraute Kunst und definierte Architektur in ungewohntem Kontext neu zu erfahren.

sammlung1

Die aktuelle Sonderausstellung bietet dem Haus die Chance, die eigene Sammlung anders als bisher zu präsentieren, und zwar auf drei Etagen, denn Untergeschoss und Erdgeschoss bespielt Michel Majerus mit seinen künstlichen „Collage-Welten“ im Nachklang der Pop Art. „Mein Stuttgart wieder da“, eine Verszeile aus dem von Karl Gerok stammenden Gedicht „Gruß an Stuttgart“, bildet die Klammer für Werke, die von Nägele, Kokoschka, Forg und Roth stammen und bisweilen auch ironisierend die Stadt am Neckar betrachten. Ungewohnt ist beispielweise die Tatsache, dass Günther Forg nicht mit seiner konkreten Kunst in Erscheinung tritt, sondern uns fotografische Fragmente der Weißenhofsiedlung präsentiert, gleichsam ein Triptychon des Neuen Bauens.

naegele

Mein Stuttgart

1914, am Beginn des Ersten Weltkriegs, zogen die Grauröcke hinaus an die Front. Spärlich ist das Licht der Laternen, die auf die Frontkämpfer in spe fallen, derweil sie von Verwandten und Neugierigen bei ihrem „Ausmarsch“ - so der Titel des Gemäldes von Amandus Faure – begleitet werden. Mit Hermann Pleuer, der für seine Eisenbahnzeichnungen bekannt ist, schauen wir in die Lokomotivremise auf dem Stuttgarter Nordbahnhof. Dort sind gerade zwei Eisenbahnwerker dabei eine Lok zu warten, während sich eine zweite dem Lokschuppen nähert – auch dies eine, wenn auch eher außergewöhnliche Stuttgart-Impression. Reinhold Nägele hingegen betrachtete 1930 vom Bahnhofsturm aus das Lichtermeer der Stadt, erfasste die nächtliche Königstraße mit ihrer Leuchtreklame und auch den Turm der Stiftskirche im Hintergrund. Zwei Jahre später entstand eine Arbeit, die das gleiche Motiv bei Tageslicht zeigt. Stuttgart im Wandel war gleichfalls ein Thema, das Nägele bearbeitete, so in „Abbrucharbeiten am Alten Stuttgarter Bahnhof“. Nein, bei Dieter Roth darf man nicht auf Realismus hoffen, wenn er uns seinen Stuttgarter Fernsehturm präsentiert. Schokolade und Schokoladenpapier benutzte der Künstler, um fünf Fächer eines turmartigen Holzgebildes zu füllen.

laib

Es duftet im Haus nach Bienenwachs

Vergängliches Material ist auch der Stoff, aus dem der bei Biberach lebende Wolfgang Laib seine Kunst entstehen lässt. Er nutzt Pollen und Bienenwachs für seine raumgreifende Kunst. In Stuttgart wird nach langer Zeit wieder sein Treppentempel aus Bienenwachs gezeigt, der einen angenehmen Duft im Raum verbreitet. EinStuttgartbezug der Arbeit ist allerdings nicht auszumachen. Bezug zu Stuttgart haben hingegen der einst an der Stuttgarter Akademie lehrende Adolf Hölzel und dessen Schüler Willi Baumeister. Letzterer schuf mit archaisch anmutenden Motiven – beim Anblick von „Gilgamesch und Ischtar" denkt man an Felszeichnungen in der Sahara oder im Northern Territory (Australien) – eine ganz eigene Welt.

fleischmann

Abstraktion in der Sammlung

Farbe, Form und Linie – das sind die Elemente des Abstrakten in den aktuell gezeigten Arbeiten der Sammlung: Ja, die Farbe ist das wohl entscheidende Element in Hölzels „Fenster für das Treppenhaus der Firma J.F. Maerklin“ (1933/34). Teilweise glaubt man, noch Figuratives wie ein buntes pausbackiges Gesicht im Wirrwarr der mit Blei umschlungenen Farbflächen zu erkennen. Doch das ist wohl Augentrug. Von Hölzel stammt auch die Komposition für ein Glasfenster, in der die Farben dick aufgetragen wurden. Schwarze Konturen durchziehen das „Farbenmeer“, so als handele es sich um die Bleifassung des Buntglases. Betrachtet man „735 Mal Rot“ von Ekrem Yalcindag, dann flirrt es vor den Augen. Feuerschweifen gleichen die wie ein Puzzle zusammengesetzten Teile dieses Gemäldes, von dem der Betrachter nur annehmen kann, dass 735 Rottöne enthalten sind – denn wer zählt die Schweife schon. Oval ist die Bildform, die Adolf Fleischmann für seine „Komposition“ wählte: Schmale rechteckige Stäbchen in Braun- und Rottönen durchziehen das Oval. Eine besondere Auffassung des Abstrakten hat Lucio Fontana, der verschiedene „Konzepte des Raums“ schuf. In Stuttgart sind nicht seine aufgeschlitzten, monochromen Leinwände zu sehen, sondern punktförmig perforierte Leinwände. Schließlich sollte man sich beim Rundgang auch auf die gestische Malerei von Peter Brüning einlassen.

Wörter und Dinge…

...lautet das Motto für die Präsentation der zweiten Etage. Dieser Titel hebt auf die Bedeutung des Wortes als genuinen Bestandteil der Kunst ab, ob bei Stöhrer, Krieg oder Kounellis. Dieter Krieg konfrontiert uns mit „Fleisch mit Schrift“. Auf der Leinwand, die von Fleischfarben – zwischen Rosa und Ochsenblutrot verlaufend – überzogen ist, ist zudem zu lesen „Jesus ißt Bilder“. Der Betrachter stutzt, liest nochmals und… geht weiter zu „Modifikation von 0“, einer Arbeit von Heinz Gappmayr. Ja, die Subtraktionen, die der Künstler auf weißer Leinwand vornimmt, ob 7-7 oder 5-5, ergeben immer 0. Auf weißer Leinwand erscheinen in einer zweiten Arbeit die Worte white und weiss in Wiederholungen, vier Mal das eine und vier Mal das andere – und das in 18 Zeilen. Auch Hölzel hat sich in „Streit und Kampf“ mit der Schrift als Teil einer künstlerischen Komposition befasst. Die Lichtkunst von Martin Creed nennt sich zwar „Work No 338“, aber wer denn glaubt dieser Schriftzug erscheine nun in kühlem Neonlichtschein, der wird enttäuscht. „Things“ blinkt auf. Doch welche Dinge meint Creed?

dixtaenzerin

Stillleben

Die gezeigten Arbeiten reichen von solchen von Dix, der ein Stillleben in seinem Atelier malte, bis zu Dieter Krieg, dem wir eine riesige Tasse mit Schaumkrone verdanken. Auch Max Beckmann hat nicht nur malerisch ein „Weltentheater“ inszeniert, sondern sich auch mit dem Stillleben beschäftigt: Blaue Orchideen wie auch blaue Früchte auf einem Teller sind Teil seines Stilllebens, dessen Farbflächen von schwarzen Konturen umgeben sind. Aus Silberguss bestehen die filigranen „Liebesherzen“ von Mariella Mosler, die ihre „Lovehearts“ jeweils datiert hat. Kunst des Verfalls hingegen war die Vorliebe von Dieter Roth, der Materialbilder, wie das „Karnickelköttelkarnickel“, aus Stroh, Erde und Kaninchenkacke schuf.

dix2

Dix, Dix und nochmals Dix

Wer Arbeiten dieses als neusachlich zu kategorisierenden Malers sehen möchte, kommt um den Besuch des Kunstmuseums Stuttgart nicht herum. In der dritten Etage des Kubus des Hauses ist allein Dix zu sehen, ob nun das Bildnis seiner Frau Martha Dix mit halblangen schwarzen Haaren, hochgezogenen Schultern, gezupften Brauen und einem verkniffenen Mund oder die ganz in grelles Rot gehüllte Tänzerin Anita Berber, die an die Kokotten vom Potsdamer Platz erinnert, denen sich Kirchner verschrieben hatte. Das Elend einer Schwangerschaft angesichts ärmlicher Lebensumstände bündelt sich in dem Gemälde „Die Schwangere“ (1930). Der Blick der schwangeren Frau ist leer. Sie scheint sich ihrem Schicksal hingegeben zu haben. Die Schwangerschaft ist Last und nicht Freude. Ein besonderer Hingucker ist das dreiteilige Werk „Großstadt“, in Mischtechnik auf Holz entstanden. Es ist der Tanz um das Goldene Kalb, dem Teile der Gesellschaft der Weimarer Republik frönten. Das Elend blieb außen vor. Das Elend aber hat Dix ins Blickfeld gerückt, weil er dem Tanzsalon mit seinen dekadenten Gästen in einem Teil des Opus die Huren und die Kriegskrüppel hinzufügte, die auf der Straße leben, im Dunkel und nicht im Licht. Den Krieg und das Elend der Nachkriegszeit thematisierte Dix mehrfach, so auch in „Grabenkrieg“, einer Arbeit, in der die mit Schlamm bedeckten Soldaten mit dem Morast der Schützengräben an der flandrischen Front zu verschmelzen scheinen. Dix malte sich als Kriegsgefangenen, porträtierte seinen Nachwuchs und provozierte auch mit dem Gemälde „Ungleiches Liebespaar“ (1925): Auf den Schenkeln eines alten Greis – halbnackt und mit Seidenhemd bekleidet – sitzt eine dralle nackte Dame. Auf dem Busen der Gespielin liegt der Kopf des alten Mannes, dem am Ende des Lebens der Sinn nach wildem Sex abhandengekommen ist. Wie auf einer Theaterbühne stehend hat sich Dix in einem Selbstbildnis mit Palette in der Hand vor einem roten Vorhang inszeniert. © fdp

Ausstellungen 2012

Rasterfahndung
bis 7. Oktober 2012

Das Raster bestimmt wie keine andere Struktur die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Für die Avantgarde, für Piet Mondrian oder die Bauhaus-Bewegung, ist dies weitreichend erforscht; die Bedeutung des Rasters in der Kunst seit 1945 hingegen wurde noch nie im Überblick dargestellt. Die Ausstellung schließt diese Lücke und beschreibt die Bedeutung des Rasters in der Kunst am Beispiel von rund 50 Künstlern. Dabei lassen sich zwei große Stränge herausarbeiten: In der konkret-konstruktiven Kunst wird das Raster wegen der formalen Strenge und als Wiederholungsprinzip geschätzt. Parallel dazu begreifen Künstler wie Sigmar Polke oder Roy Lichtenstein das Raster als gesellschaftliches Muster, das der Medienwelt, der Architektur, dem Städtebau oder der Datenerfassung zugrunde liegt. Viele junge Künstler wie Esther Stocker, Sarah Morris, Michiel Ceulers und Tim Stapel unterscheiden heute nicht mehr zwischen diesen beiden Ansätzen, sondern sind von dem immensen gestalterischen Potenzial der Rasterstruktur fasziniert.

Das Auge der Welt. Otto Dix und
die Neue Sachlichkeit 1920-1945
10. November 2012 bis 7. April 2013

Selbstbewusst nimmt Otto Dix eine der großen Strömungen der Kunst im 20. Jahrhundert für sich in Anspruch: »Die Neue Sachlichkeit, das habe ich erfunden. « Tatsächlich vereinen zentrale Werke von Otto Dix wie das »Bildnis der Tänzerin Anita Berber« von 1925 verschiedene Aspekte der Neuen Sachlichkeit: ihre Kälte, unter deren Oberfläche es gleichwohl brodelt; aber auch ihre Klassizität und Nüchternheit, die alle subjektiven Gefühle verbannt. Neben Meisterwerken von Dix präsentiert die Sonderschau Arbeiten wichtiger Zeitgenossen wie George Grosz, Christian Schad, Georg Scholz und Franz Radziwill.

360°: DIE RÜCKKEHR DER SAMMLUNG
ab 17. November 2012

Vor einem Jahr hatte es die große »Michel Majerus«-Sonderschau notwendig ge- macht, die Dauerausstellung aus dem Erd- und Untergeschoss des Museums in die drei Etagen des Kubus zu verlegen. Nach dieser experimentellen Umkehrung dreht sich die Ordnung des Hauses jetzt ein weiteres Mal, sozusagen wieder vom Kopf auf die Füße: Die Werke sind in den ursprünglichen Räumlichkeiten zu sehen, kuratiert von Ulrike Groos wird die Präsentation auf 4.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche einen völlig neuen Blick auf die Stuttgarter Sammlung werfen.

Kunstmuseum
Kleiner Schlossplatz 1
70173 Stuttgart
Tel.: 07 11 / 2 16 21 88
info@kunstmuseum-stuttgart.de
Öffnungszeiten
Di., Do, Sa., So. 11 - 18 Uhr, Mi./Fr 11 - 21 Uhr

Stuttgart-Marketing GmbH
Lautenschlagerstr. 3
70173 Stuttgart
Tel.: 07 11 / 22 28 - 240
info@stuttgart-tourist.de

TOURISTIK-INFORMATION "i-PUNKT"
Königstraße 1A
70173 Stuttgart
(gegenüber dem Hauptbahnhof)

zur Gesamtübersicht Ausstellungen

Twitter
RSS