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3. Der Westweg: ein Urgestein der Wanderwege

kniebis

Bei Freudenstadt-Kniebis

Wer in Freudenstadt die Nacht verbracht hat, sollte sich zunächst in der näheren Umgebung umschauen und einen kurzen Spaziergang auf dem Heimatweg unternehmen, auf dem nicht nur ein Skihang passiert wird, sondern auch zahlreiche aufgeschichtete Mauern, die man eher in England als im Schwarzwald erwartet. Vor einigen Mauerabschnitten rollen sich frühmorgens Adlerfarnwedel auf. Im Frühjahr sorgen Frühblüher für violette, rote und weiße Farbtupfer im Grün.

ginster

Im Frühjahr blüht der Ginster im Schwarzwald

Nach dieser kurzen Aufwärmphase geht es auf dem mit blauer Raute markierten Weg bergan zur Alexanderschanze. Flächen des Einschlags oder der Orkanverwüstungen der letzten Jahrzehnte sind von Krautschichten und einzelnen Birken besiedelt. Auch gelb blühender Ginster findet sich hier und da. Auf einem Teil des Weges wandert man unter hoch aufragenden Fichten und Tannen. 2,5 Kilometer lang ist der Aufstieg vom Kniebis auf die Alexanderschanze. Etwa 500 Meter westlich von hier, auf dem Waldparkplatz, beginnt der Einstieg in den Westweg, ideal für Wanderer, die sich mit dem Auto hierher bringen lassen.

blick-petersbach

Ausblick auf dem Neuen Höhenweg

Die Tour führt oberhalb der Bundesstraße 28 am Waldrand entlang. Nach wenigen Minuten Laufzeit gabelt sich der Weg. Auf der rechten Wegforke geht es nun auf den ausgeschilderten Neuen Höhenweg bis zur Vogtsmaierskanzel, dem ausgewiesenen Startplatz für Gleitschirmflieger. Von hier aus hat man einen guten Blick auf das im Tal liegende Griesbach mit der auf einer Anhöhe erbauten Kapelle des Hotels Dollenberg und auf Bad Peterstal. Sanfte Berghügel gehen jenseits des Tals ineinander über, deren dunkles Tannengrün das Landschaftsbild bestimmt. Fichten und Tannen, gelegentlich am Wegesrand von Ebereschen durchsetzt, sind links des Neuen Höhenweges vorzufinden.

An der nachfolgenden T-Kreuzung – hier geht es links nach Kniebis und rechts nach Palmspring –, sind  die Hildahütte und der Glaswaldsee ausgeschildert. Der breite Weg wird zu einem von Erika und Heidelbeeren gesäumten Zwei-Fuß-Pfad. Zwischen nachwachsenden Tannen und vom Sturm gespaltenen Bäumen sowie einzelnen skelettierten Wurzeltellern setzen wir die Wanderung fort, bis zunächst die auf 920 Meter gelegene Hildahütte erreicht ist.

Palmen im Schwarzwald?

kastanien

Das sind nicht die Palmen des Schwarzwaldes, sondern Esskastanien, die man hier auch findet

Nahe der Hildahütte unterbricht gelber Hahnenfuß das Grün der Ebereschen. Einzelne Ahornbäume haben eine Nische gefunden, und auch Farne gedeihen am Weg. Polster verrotteter Farne  sind von Disteln besiedelt. Vorbei an einem Bannwald – hier überlässt man den Wald sich selbst, um einen »Urwald« zu erzeugen – lenken wir unsere Schritte zur nächsten Kreuzung. Hier verlassen wir den mit roter Raute markierten Weg und nutzen den mit gelber Raute markierten Pfad, um zum Seeblick zu gelangen, der sich oberhalb des Glaswaldsees befindet. Um diesen See, der auch als Wildsee bekannt ist, ranken sich Sagen und Mythen.

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Pause in der Hildahütte

Vom Seeblick kommend, wendet sich der Wanderer Richtung Palmspring  und läuft über das breite Obere See-Ebenesträssle bis zum Abzweig links den Hang hinab Richtung Palmspring. Auf einem Zick-Zack-Pfad geht es stetig hinab. Oberschenkel und Knie tragen die Last. Schatten spendende, dicht an dicht stehende Tannen und Fichten schützen gerade im Hochsommer vor der am Himmel brennenden Sonne. Auch einem tief eingekerbten Weg, über den Baumstämme zu Tal geschickt wurden, führt uns die Wanderung bergab in die Gemarkung Im Palmenspring. Nähert man sich dem Hotel Palmspring, dann fallen nicht nur einzelne Brunnen auf, sondern auch niedrigstämmige Stechpalmen mit roten Beeren. Diese hier wild wachsenden Stechpalmen führten ebenso wie die Trinkwasserquellen zur skurril anmutenden Namensgebung für das Hotel. Nach einer Vesper mit Schwarzwälder Schinken, Blut- und Leberwurst, Weißkäse, Bohnen- und Wurstsalat und kaltem Fleischkäse setzt man die Tour auf dem Westweg fort.

bettelfrau

Weiter geht es auf die nächste Etappe. Vom Waldparkplatz unterhalb der Bettelfrau  aus bewegt man sich zunächst über den Hirzwasenweg. Die Markung Bettelfrau liegt auf 805 Metern. Nach einer Überlieferung sei an diesem Ort ein altes Weib bei einer Wanderung über den Pass nach Hausach im Schnee erfroren. Nach einer anderen soll die Bettelfrau Wallfahrern, die von Oberhamersbach nach Maria Einsiedeln (Schweiz) unterwegs waren, hier aufgelauert und ihnen Schrecken eingejagt haben. Als endlich ein Mann für sie eine Messe hat lesen lassen, wurde sie von ihrem Fluch befreit.

Den Wolfacher Kopfweg lassen wir links liegen und biegen auf einen stetig bergab führenden Pfad ein, der mit der roten Raute und Raute mit schwarzem Schlapphut markiert ist. Farne sprießen am Wegesrand. Nadelhölzer tauchen den Weg in ein Halbdunkel. Ein kleines Rinnsal ergießt sich den Hang hinab.

Zielstrebige Fernwanderer und ein verirrtes Kleinkind

Nach der Querung einer Forststraße haben wir den nächsten Wegweiserknoten erreicht. Flotten Schrittes gehen wir zum Hirzwasen auf 780 Metern. Der Name erinnert an das altmittelhochdeutsche Wort für Hirsch und „wasen“ bedeutet „Rasen“, gemeint ist also eine grasbedeckte Lichtung, auf die Hirsche in der Dämmerung zum Äsen kamen. Nicht zu übersehen ist der Bildstock, der 1848 errichtet wurde. Zunächst als so genanntes Wetterkreuz gedacht, erinnert es zugleich an ein verirrtes Kleinkind, das im Oktober 1931 an diesem Ort erfror. Immer noch „talwärts“ laufend, nimmt man die knallgelben Blüten von Ginster und dornenreiches Brombeergestrüpp wahr.

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Zum Gedenken

Im weiteren Wegverlauf stehen auch einzelne Birken und Ahorn am Waldrand. Langsam sind die Knie und Oberschenkel vom ständigen bergab Laufen müde geworden. Auf einer Lichtung mit zwei Fußballtoren macht man am besten kurze Rast, um sich ein wenig zu erholen. Weiterlaufend erreicht man auf 620 Metern Ebenacker. Der stetige Abstieg von der Bettelfrau nach Hausach setzt sich ohne Unterbrechung fort. Eine Bank am Weg lädt zum Verweilen an. Weit reicht von hier der Blick. In der Ferne kann man – oftmals im Dunst gelegen – die Vogesen ausmachen.

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In den 1920er Jahren ist diese Wanderhütte errichtet worden

Trift man Wanderer unterwegs, was eher selten ist, so kommt ein Schwätzchen gelegen, kann man doch ein wenig verschnaufen. Die drei Wanderinnen aus der Nähe von Hamburg, die unseren Weg kreuzten, wanderten mit vollem Rucksack. Schon seit Jahren würden sie immer wieder Teile des E1 erwandern, der von Flensburg nach Genua führt und auch auf der Trasse des Westwegs verläuft. Sie hätten spät angefangen, jenseits der 60. »Natur ist doch wie Meditation«, erklärt eine von ihnen ihre Beweggründe, mit Sack und Pack zu Fuß unterwegs zu sein. In der Nähe des Titisees seien sie aufgebrochen und wollten noch nach Freudenstadt.

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Am Hohenlochen gibt es am Wochenende Tee und Kaffee

Nun setzten wir unsere Tour  zur nächsten Höhe, Am Hohenlochen (648 m), fort: Nur am Wochenende geöffnet ist die dortige Hütte, die von Mitgliedern der Wolfacher Sektion des  Schwarzwaldvereins betrieben wird. Kaffee und Tee warten auf den Wanderer an Wochenenden, manchmal gibt es auch einen Hefezopf. Noch schnell ein paar Zeilen ins Hüttenbuch geschrieben, dann geht es zum Spitzfelsen, einem »Ausguck« über das Kinzigtal – hier befindet sich auch eine Schutzhütte. Nach dem Abstieg von dem Felssprung erreicht man Hausach, einen wichtigen Industriestandort im Kinzigtal.

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Hoch über dem Ort thront die Ruine der Burg Husen. Ältestes Bauwerk der Stadt ist die Dorfkirche, die auf das frühe 12. Jahrhundert zurückgeht. Sehenswert ist außerdem das Museum im Herrenhaus, untergebracht in einem Bau aus der Barockzeit. Dass einst Blei-Silber-Erze, Flussspat und Eisenerz in Hausach abgebaut wurden, daran erinnert man im Bergbaumuseum Erzpoche. Wer ein Fan von Modelleisenbahnen ist, der kommt beim Besuch der Schwarzwald-Modellbahn auf seine Kosten. Einen Katzensprung ist es ins benachbarte Gutach, wo sich das Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof befindet. Auf fünf Hektar erlebt man das bäuerliche Leben im Schwarzwald, besucht das Schauinslandhaus von 1730, den Lorenzenhof von 1608 und den Vogtsbauernhof von 1612. Damals ist man noch nicht zum Vergnügen durch den Schwarzwald gewandert.

 

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