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Deutschlands schönster Fjord

Die Schlei

Text und Fotos: Ralf Falbe

Mit einer Länge von 42 Kilometer erstreckt sich die Schlei von der Stadt Schleswig über Arnis, Kappeln und Maasholm bis hin zu Schleimünde an der Lotseninsel, wo die Ostsee mit der Geltinger Bucht auf den Fjord trifft. Mit einer durchschnittlichen Breite von 1 Kilometer und einer Fahrrinne von knapp 3 Metern Tiefe scheidet die Förde als klassische Seefahrtsstraße aus und ist von großen Frachtern nicht schiffbar. Die Ufer säumen Halbinseln, Waldstücke, Schilfgürtel, alte Güter und geschwungene Wiesenlandschaften. Zustrom erhält der Fjord von unbedeutenden Auen, so dass die Strömung gering ist und der obere Lauf Salzwasser führt, während von Lindaunis bis Schleswig Brackwasser vorherrscht. So können Angler Fische wie Brasse, Zander, Plötze, Hecht, Hering, Aal, Barsch, Lachs oder Schleie aus dem Wasser ziehen.

Deutschland - Schlei

An der Mündung der Schlei in die Ostsee

An der Mündung des Fjords liegt die Lotseninsel Schleimünde, die unter Naturschutz steht und nur mit dem Schiff zu erreichen ist. Der Leuchtturm von 1871 wirkt als markantes Wegzeichen für Seefahrer, während das Lokal „Giftbude“ Anlaufstelle für müde Touristen ist. Der größte Yachthafen der Schlei findet sich in dem nahe gelegenen ehemaligen Fischerdorf Maasholm, wo 450 Liegeplätze zu verzeichnen sind. Gleichzeitig ist dies der Heimathafen für den Seenotkreuzer „Nis Randers“, der auch besichtigt werden kann. Der Landarzt wohnt in Kappeln, auch bekannt aus der gleichnamigen Fernsehserie als „Dekelsen“. Ein Besuch der Drehorte per Schiff und Rad steht hoch im Kurs, können Touristen doch bei einigen Szenen als Komparsen mitwirken. Klassische Herrenhäuser und historische Reetdächer, aber auch die Angelner Dampfeisenbahn, Museumshafen oder der 500 Jahre alte Heringszaun sind in Kappeln sehenswert. Unweit östlich des Ortes liegt der Weidefelder Strand, der Ostsee-Strandvergnügen für alle bietet: Tretbootverleih, Surfschule, Strandkorbvermietung, Beachvolleyball.

Nur wenig weiter flussabwärts am Nordufer der Schlei liegt Bad Arnis, die kleinste Stadt Deutschlands mit nur rund 350 Einwohnern. Die alte Schifferkirche aus dem Jahre 1669 ist einen Besuch wert, aber auch drei Werften, die einst für Handel und Fischerei fertigten. Urig und malerisch erscheinen die kleinen Fachwerkhäuser, die Rosenstauden und die von Linden gesäumte Straße, die „Lange Straße“. Die Schleidörferstraße führt weiter gen Westen.

Sieseby steht unter Denkmalschutz und beeindruckt seine Besucher durch reetgedeckte Häuschen und seine dreistufige Kirche aus dem 12. Jahrhundert, die fast am Ende der Dorfstraße liegt. Mit Blick aufs Wasser lässt es sich trefflich im Restaurant „Schlie Krog“ verweilen, das im ehemaligen Bürgermeisterhaus untergebracht ist. Von Sieseby aus führt auch ein Fahrradweg direkt am Schleiufer in Richtung Winnemark, wohl einer der schönsten Streckenabschnitte für Radwanderer entlang der Förde. Fahrradverleihe gibt es in der Region wohl in fast jedem größeren Dorf.

Deutschland - Badestelle an der Schlei

Badestelle an der Schlei

Das im Jahre 1415 erbaute Gut Dänisch-Lindau, ein reetgedeckter Backsteinbau, verfügt auch über einen Rittersaal und muss in der Landarzt-Fernsehserie als Praxis herhalten. Unweit liegt die Klappbrücke von Lindaunis, eine alte Stahlkonstruktion aus den 30er Jahren, die alle dreißig Minuten von der Regionalbahn der Strecke Flensburg-Kiel frequentiert wird. Weltumsegler Wilfried Erdmann hat sich im Schleidorf Goltoft niedergelassen und plant von hier aus seine Reisen. Berühmt ist sein Buch „Alleine gegen den Wind“, aber auch seine Dia- und Filmvorträge.

Weiter Richtung Schleswig folgt die Missunder-Enge, auch „der Schlund“ genannt, die schmalste Stelle der Schlei. Eine urige Seilfähre verbindet hier auf der Angelner Seite den Ort Brodersby mit Missunde, das auf der Schwansener Seite liegt. Das „Missunder Fährhaus“ (www.missunder-faehrhaus.de) bietet Touristen Einkehr, während alte Befestigungsanlagen noch heute von den strategisch wichtigen Handelsorten dieser verengten Fördekrümmung zeugen. Die Bootswerft von Brodersby fertigt weltweit gefragte Yachttypen der Kiel Classic-Modelle, die zwischen 23 und 33 Fuß messen. Rund 400 Yachten überwintern hier regelmäßig in den Werkshallen und auf dem Außengelände. Die Marina ist aber auch Anlaufstelle für Ausflügler, die mit dem Segelboot die Landschaft Angelns erkunden wollen (www.marina-brodersby.de). Die Halbinsel Schwansen bietet Strandurlaubern ungeahnte Horizonte, findet man hier doch sowohl feinsandige Ostseestrände als auch hoch aufragende Steilküsten. Der Neue Strand der Gemeinde Waabs ist mit Grillplatz, DLRG-Station und Kiosk vorzüglich ausgerüstet. Im Brodersbyer Ortsteil Burg erwartet Badenixen ein flach abfallender Strand mit Weitblick bis zum Schleswiger Dom.

Deutschland - Schleswig

Schleswig

Schleswig wurde bereits 804 n. Chr. schriftlich erwähnt und kann damit als älteste Stadt Nordeuropas bezeichnet werden. Bis heute wartet die ehemalige Siedlung „Sliesthorp“ mit einem faszinierenden Reichtum an Kunst- und Kulturschätzen, Kulturdenkmälern und Museen auf. Die Altstadt wurde 1798 im klassizistischen Stil errichtet, deren bedeutendstes Baudenkmal der mittelalterliche St.-Petri-Dom ist. Die Bauperioden aus Gotik, Renaissance und Barock spiegeln sich in dieser Sehenswürdigkeit wider. Malerische alte Fischerhäuser reihen sich um die Siedlung auf dem Holm, erstmals in einer Urkunde des St.-Johannes-Klosters aus dem Jahre 1285 erwähnt. Das Volkskunde Museum bietet mit Aktionstagen Einblicke in das vielfältige Leben der Menschen Schleswig-Holsteins, während im Landesmuseum Schloß Gottorf die bedeutendsten Sammlungen zur Kunst, Kultur und Archäologie in Nordeuropa präsentiert werden. Der Stadthafen dient als Ausgangspunkt für Schleirundfahrten und für den Schiffsshuttle zum Wikinger Museum bei Haddeby (www.schleswiger-stadtwerke.de).

Die Wikingersiedlung Haithabu

Deutschland - Haus des Fischers in der Wikingersiedlung Haithabu

Haus des Fischers in der Wikingersiedlung Haithabu

Bereits die Wikinger kannten den Seeweg der Förde, wie zahlreiche Funde in der Schlei belegen. Die Siedlung Haithabu bei Schleswig wurde in den Jahren 2005 – 2008 nach archäologischen Funden an historischer Stelle rekonstruiert, nicht zuletzt unter Mitwirkung örtlicher Handwerksbetriebe. Der Nachbau von insgesamt sieben Gebäuden und einer Landungsbrücke dokumentiert den Besuchern auf eindrucksvolle Weise die Lebenswelt dieser frühstädtischen Handelsstation aus dem Jahr 833 n. Chr. bis in das 10. Jahrhundert. Charakteristisch ist die Ausrichtung der Häuser auf den zentralen Bohlenweg, der einst parallel zum Noorufer verlief, und von dem kleinere Wege auch zur rekonstruierten Hafenanlage führen. Dort fanden sich mehrere Landebrücken, die alle weit in das Haddebyer Noor hinausragten. Die Anlage ermöglichte so auch den tiefgängigen Handelsschiffen ein schwimmendes Anliegen, wurden zuvor doch die leichteren Kriegsschiffe einfach ans Ufer gezogen oder an kleinen Steganlagen festgemacht. Die originalgetreu aufgebaute Handelssiedlung besteht aus Versammlungshaus, Landebrücke, Herberge für Handelsreisende, Haus des Fischers, Haus der Händler, Haus des Holzhandwerkers, Haus des Kammmachers und Haus des Tuchhändlers. Die lehmverputzten Flechtwandhäuser dominieren, aber man findet auch Blockhauskonstruktionen aus übereinander geschichteten Kanthölzern und Wandgerüstbauten mit schrägen Außenstützen. In den einzelnen Gebäuden werden unterschiedliche Bauweise und typische Arbeitsgeräte aus dem 9. Jahrhundert n. Chr. dokumentiert sowie Inhalte des wikingerzeitlichen Lebens exemplarisch dargestellt. Im benachbarten Museum wird in der Schiffshalle das königliche Langschiff aus dem Hafen von Haithabu präsentiert. Dort laufen Filme über die archäologischen Forschungen und die Welt der Wikinger. Die Schausammlung informiert auch über Bekleidung, Schmuck, Bestattungssitten, Runensteine und Alltagsleben der Wikinger an einem der bedeutendsten Siedlungsplätze Nordeuropas.

 

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