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Ausstellungsorte in Rolandseck: Arp-Museum

Rolandseck – Remagen
Arp-Museum

Belvedere: Warum ist Landschaft schön?
bis 4. März 2012


Rheinromantik. Mythos und Marke

bis 4. März 2012

Belvedere: Warum ist Landschaft schön?

Die Bilder, die wir uns in dieser romantischen Tradition von der Landschaft machen, genauer zu untersuchen und mit künstlerischen Mitteln zu befragen, ist das Thema der Ausstellung, die aktuelle Arbeiten von 24 Künstlerinnen und Künstlern, u. a. von Gerhard Richter, Roy Lichtenstein, Cyprien Gallard, Thomas Ruff, Corinne Wasmuht sowie Laurence Weiner, versammelt.

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Thomas Ruff Courtesy Collection Roberto & Mary Ellen Marziale
© VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Dank eines Faltblattes kann man einer thematischen Ausstellungsstruktur folgen, wenn man will und so die „politischen Pfade“ und „romantische Wege“ oder die „inneren Bilder“ entdecken. Doch einen solchen Parcours kann man auch verlassen und sich einfach von den jeweiligen Motiven anziehen lassen oder von den White Cubes, die Teil der Ausstellung sind und eine Vertiefung auf dort gehängte Werke möglich machen.

Ja, vom Bahnhof Rolandseck und von dem von Richard Meier konzipierten Neubau des arpmuseums aus hat man einen schönen Blick auf das Siebengebirge und den Rhein, auch wenn beide Bauwerke eigentlich kein Belvedere im klassischen Sinne sind, vergleicht man sie mit dem Brühler Schlösschen Falkenlust, von dessen Dach aus die fürstliche Gesellschaft der Falkenjagd zuschaute und die schöne Aussicht genoss.

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Ausstellungsansicht mit Arbeiten von Vallotton und Lichtenstein
foto fdp

Doch auch ohne eine „Aussichtsplattform“ kann man vom Hang von Rolandseck aus die Ansichten der sieben Kuppen des Siebengebirges, der Insel Nonnenwerth und der am Rhein gelegenen Städtchen Bad Honnef, Erpel und Unkel genießen. Nicht zu übersehen sind zudem der Drachenfels und das Schloss Drachenstein. Doch all diese „romantischen Rheinansichten“ interessieren die nun präsentierten Künstler in ihren Arbeiten nicht. Ihnen geht es um ein anderes Bild der schönen Ansicht und Aussicht. Der Rheinblick bleibt hingegen der gleichzeitig im Haus stattfindenden Ausstellung zur Rheinromantik vorbehalten.

Ehe wir uns der Ausstellung widmen, fällt unser Blick auf den Hang hinter dem Neubau von Richard Meier, wo sich Jonathan Meeses „Feuerrotes Erzdrachenbaby“ befindet. Zudem hat Peter Hutchinson auf dem Rasen sein „Himmlisches Dreieck“ platziert.


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Roy Lichtenstein Painting in Landscape, 1984 Fondation Beyeler, Riehen/Basel © VG Bild-Kunst, Bonn 2011 Foto: Peter Schibli

Doch nun zur eigentlichen schönen Schau: Auf zwei hohen Sockeln ruht die Arbeit von Mariele Neudecker, zwei tropfenformige Glasgebilde mit angedeuteten geschmolzenen Polkappen. Im Inneren sieht man Eisberge mit Gipfelkreuzen, die auf dem Kopf stehen. Steht die Welt Kopf oder das Klima, dem auch die Arktis zum Opfer fallen wird? Gibt es gar in dieser Welt des ständigen Eises eine schöne Aussicht und wo befindet sich die – über oder unter der Wasseroberfläche?

Arrangierte und komponierte Landschaften aus verschiedenen Segmenten präsentieren uns die Fotografin Beate Gütschow in ihren C-Prints. Dabei meint man, sie zitiere die Landschaftsmalerei eines John Constable oder eines Caspar David Friedrich. In einem der White Cubes, die in die Ausstellungsetage eingefügt wurden, stoßen wir auf ein Landschaftsbild in der Landschaft, das der Pop-Art-Künstler Roy Lichtenstein in grellem Blau und Gelb gemalt hat. Abbild und Abgebildetes bilden gleichsam eine Einheit, wobei das Bild im Bild eben nur einen eingeschränkten Blick auf die Landschaft zulässt. Dialogisch und durchaus kontrovers zu Lichtenstein gesetzt wurde ein Atelierbild des französischen Malers Vallotton, der den Maler Max Rodrigues-Henriques im Atelier seines Stiefvaters beim Malen zeigt. Doch das Atelier gibt keinen Blick auf die Landschaft frei, die der Maler auf seiner Leinwand festhält. Er sitzt in einem blauen Anzug und nicht etwa in einem Malerkittel vor der Leinwand, so als ob er in der guten Stube säße. Der Kamin lodert und gemalt wird eine Landschaft, die im Kopfe entstanden ist, sich vor dem geistigen Auge des Künstlers abbildet und nicht unter freiem Himmel entsteht.

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Corinne Wasmuht Huari, 2004 Sammlung LBBW, Stuttgart Foto: Gunter Lepkowski, Berlin

Auf Spurensuche begab sich Jussi Kivi in seiner finnischen Heimat nach vergessenen Orten, die er fotografisch dokumentierte. Es handelt sich unterirdische Höhlen, die Teil eines Festungswerks waren, das vor dem Ersten Weltkrieg begonnen und nie vollendet wurde. Dabei entdeckte Kiri Höhlen mit Stalagmiten und Stalagtiten, tauchte ein in die Unterwelt und schien den Vorstellungen von Böcklins „Toteninsel“ und den Grottenidyllen der Romantiker so nahe.

Arrangiert sind auch die apokalyptisch anmutenden Ansichten von Corinne Wasmuht, die im Betrachter Assoziationen an japanische Tuschezeichnungen von gigantischen Meereswellen, an den Tsunami von Fukushima, an die schrill bunte Comicwelt oder Computermalerei wecken. Mit der für Gerhard Richter so typischen Unschärfe ist der „Regenbogen“ entstanden, der eigentlich keine Landschaft im eigentliche Sinne, sondern eine Himmelserscheinung wiedergibt.


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Elisabeth Stumpf Big Mental Exit, 2009 Courtesy: Elisabeth Stumpf

Dass wir zuweilen die Landschaft nur mit eingeschränkten Blicken wahrnehmen, also wie in einem Guckkastentheater nur einen Teil des Ganzen sehen, führt uns Mark Dion mit seinem „Papiertheater“ vor Augen. Das Theater hat er bewusst vor eine der großen Fensterflächen des Museumsneubaus platziert hat. Mit seinem „The course of Empire (after Cole)“ knüpft er an die romantischen Vorstellungen von arrangierten Landschaften an, an die Ruine mitten in der Landschaft, an klassische Architektur der Antike, an wilde Natur und an menschliche Spuren in der Natur. Zugleich nimmt der Künstler Bezug auf Theaterinszenierungen wie im Schwetzinger Schloss, wo sich der Bühnenraum bis in den Park, also die Landschaft erstreckt, und die Landschaft somit selbst Bühnenbild wird.

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Guy Allott: Landscape with Tree II, 2008 Courtesy: RECEPTION, Berlin

Surreal wirken die Bilderwelten des Guy Allot, der alte knorrige Bäume malt, in die er wie mit einer Laubsäge große Durchblicke „gesägt“ hat, die den Blick wie durch ein Fernrohr auf die bergige Landschaft im Hintergrund freigeben, so auch in dem Gemälde „Ivenacker Eiche“. Mit Anette Weise besuchen wir das Ende der Welt und Thomas Ruff zeigt uns die grob verpixelte Ansicht eines Waldes und eines Wasserfalls. Erst wenn wir weiter von den vergrößerten Fotografien weggehen, verwischen die Pixel zu einem ganzheitlichen Bild. Wie Fieberkurven oder EEG-Kurven mutet die Arbeit von Pia Lanzinger an, die die Konturlinien des Watzmannes festgehalten hat. Wie Landschaften sich nach menschlichen Eingriffen verändert haben, dokumentiert Inge Rambow in ihren schonungslosen Aufnahmen von Braunkohleabbaugebieten in der ehemaligen DDR. „Wüstungen bei Zwickau“ ist der Titel ihrer beeindruckenden Arbeiten.

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KP Brehmer Aufsteller Ideale Landschaft II, 1968 Sammlung Block, Leihgabe im Neuen Museum in Nürnberg © VG Bild-Kunst, Bonn 2011 Foto: Guillermo Mendo

Mit Witz und Ironie schuf K.P. Brehmer seine „Ideale Landschaft“, die einem Farbmusterbuch gleicht. Jeder möge sich dann das passende Grün seiner Lieblingslandschaft selbst wählen, so als ob man Tapeten- oder Wandfarbmuster auswählte.

Der Brocken als urdeutsch wird in einer Fotoserie behandelt, die am ehemaligen Tag der Deutschen Einheit, am 17. Juni, angelegt wurde. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang umrundeten die Fotografen Haberkorn und Sven Johne die Harzer Höhe und fotografierten unter Zeit- und Koordinatenangabe ihren Weg. Dass der Weg auch ein Ziel sein kann, um sich der Landschaft zu nähern, unterstreicht Hamish Fulton mit seiner Arbeit „Seven Paces“, die Teil des Skulpturenpfades am Rhein entlang ist und zugleich auch zumindest, was die Sohlenabdrücke betrifft, im Museum zu sehen ist. Anreiz auch selbst der Landschaft auf die Spur zu kommen! © fdp

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Ausstellungsansicht mit Arbeiten von Uwe Henneken und KP Brehmer foto: fdp

 

Rheinromantik. Mythos und Marke

Die Ausstellung verschränkt den realen Blick auf den Rhein mit dem künstlerischen Blick: von der Bildenden Kunst – hier liegt der Schwerpunkt – bis hin zum Kitsch. Seit seiner Fertigstellung 1858 ist der Bahnhof Rolandseck ein kulturhistorisch bedeutender Zugang zum romantischen Rhein. Die Ausstellung wird auf ihn, als ein bedeutender Ort der Rheinromantik, und seine sagenhafte Umgebung ihr besonders Augenmerk richten.

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Inszenierung von Bowlegefäßen mit Rheinmotiven im Museumsfoyer foto: fdp

Gleich im Foyer des Museums stößt man auf „Rheinromantik“. Zahlreiche Steingutgefäße mit und ohne Rheinburgen als Verzierungen sind hier in einem Ausstellungsregal und einer „Etagenauslage“ zu bewundern. Gleichfalls inszeniert wurde der Eselsritt hinauf zum Drachenfels. Wer gerne ein Erinnerungsfoto von seinem Ritt machen möchte, ohne am Drachenfels gewesen zu sein, der ist herzlich dazu eingeladen, die Museumsinszenierung dazu zu nutzen. Ob man den künstlerischen, den politischen oder den sagenhaften Blick auf den Rhein sucht, man wird sie beim Besuch des Alten Bahnhofs Rolandseck alle finden. Sagenhaft ist der Blick von den verschiedenen Stockwerken des nunmehr museal genutzten Bahnhofs.

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Rheinblick vom Bahnhof Rolandseck aus auf das Siebengebirge
foto: fdp

Auch von der Restaurantterrasse kann man hinüber auf die Hügel des Siebengebirges schauen oder auf den Rhein, eine der wichtigen europäischen Wasserstraßen. Nicht nur Kohle und Sand wird auf dem Wasser transportiert, sondern, wie man sich selbst überzeugen kann, mehr und mehr auch Containerfracht. Ausflugsschiffe durchkreuzen das Rheinwasser ebenso wie Boote von Hobbykapitänen. Hin und wieder sind auch Paddler und Ruderer vom nahen Gymnasium Nonnenwerth auf dem Rhein unterwegs. Einzelne Rahmen, die vor die Fenster des ersten Stocks des arpmuseums gehängt wurden, geben den jeweiligen Ansichten des Rheins in besonderer Weise eine ganz besondere „bildhafte Form“.

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Auf den Rahmen kommt es an, oder? foto: fdp

Künstlerischer und sagenhafter Blick

Ähnlich wie andere Landschaften hat auch der Rhein Künstler magisch angezogen, so auch Carl Hilgers, der Mitte des 19. Jahrhunderts den Eisgang auf dem Rhein malte. Parallelen zu Caspar David Friedrichs berühmtem Werk des Eisgangs auf der Elbe sind nicht zu übersehen: Verhangen ist der Himmel über dem Drachenfels. Vögel im Formationsflug sind am Himmel zu entdecken. Aufgetürmt zu bizarren Gebilden ist das Eis auf dem Rhein. Auch Karl Bornheim, hat sich, allerdings fotografisch, gleichfalls mit dem Thema Eisgang auseinandergesetzt. Doch dieser Fotografie aus den 1950er Jahren fehlt es an der Dramatik, die Hilgers Gemälde ausmacht: Einzelne Eisschollen schwimmen auf dem Rhein, über den Dunstschwaden hinwegziehen. Ein einsames Schiff ist auf dem Rhein unterwegs und passiert Oberwinter.

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Anton Ditzler Rolandseck und Siebengebirge, 1831
© Sammlung RheinRomantik, Bonn

Zu den künstlerischen Arbeiten gehört auch ein Schmuckdöschen mit aufgesetzter Miniatur-Godesburg. So wie Stephan Kaluza in seinem fotografischen Rheinblick können wir den Rhein nicht auf einmal erfassen. Wir haben schließlich keine Chamäleon-Augen. Im Gegensatz zu Kaluzas Sicht auf den Vater Rhein hat sich August Sander in seinen Schwarzweiß-Aufnahmen auf die klassischen Ansichten von Burg Drachenfels und Nonnenwerth beschränkt, die er in den 1930er Jahren vor seine Linse bekam. Das auch mit Techniken der Grafik ein Gesamtbild des Rheins vermittelt werden kann, unterstreicht Heinrich Rosenkranz mit seinem „Panorama des Rheins von Coeln nach Mainz“ (1830). Links und rechts des Flusslaufes entdeckt der Betrachter die Burgen auf den Rheinhöhen wie Rheinstein und Braubach. Zudem sind aber auch Persönlichkeiten zu finden, die mit dem Rhein in Verbindung zu bringen sind: Ludwig van Beethoven zum einen und Karl der Große zum anderen.

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Andreas Johann Müller Der Knabe vom Berge, 1836 © Sammlung RheinRomantik, Bonn

Stets wiederkehrendes Motiv der Rheinromantik scheint der Drachenfels zu sein, ob als Aquarell über Feder eines unbekannten Künstlers oder in einem Ölgemälde von Anton Ditzler. In der Arbeit von Ditzler mit dem Titel „Rolandseck & Siebengebirge“ liegt das Schwergewicht auf der Landschaft. Der Reitersmann und die Bäuerin mit einer Kiepe auf dem Rücken - am unteren Bildrand zu entdecken - sind hingegen nur Staffage. Zum „künstlerischen Rheinblick“ zählt schließlich auch die Gouache von Eugene Isabey. Warum Caspar Johann Nepomuk Scheurens „Lustige Rheinfahrt“ dem „sagenhaften Blick“ zugeordnet wurde, ist nicht ganz einsichtig. Auch die „Rheinische Ideallandschaft“ von Christian Georg Schütz d.Ä: hat man diesem „Ausstellungssegment“ zugeordnet, auch wenn in diesen Arbeiten ebenso wie in den zuvor dargestellten Werken auch der „künstlerische Blick“ manifest ist.

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Bowletopf mit Rheinmotiv foto: fdp

Der touristische Blick

Ja, der Ritt auf dem Esel hinauf zum Drachenfels gehört zu diesem „touristischen Blick“ ebenso dazu wie die Rheinfahrt auf einem Rheinschiff. Recht früh wurde auch über die Rheinfahrten berichtet, so in der Allgemeinen Illustrirten Zeitung aus den 1860er Jahren. Insbesondere für Touristen von der britischen Insel gehörte eine Rheinfahrt zum Pflichtprogramm. Entsprechend wurden die Besucher zum Beispiel im Saturday Magazine auf eine romantische Rheinreise vorbereitet. Dass man bei einer solchen Fahrt auf dem Rhein auch angemessen speisen und wohnen wollte, versteht sich fast von selbst. Das Silbergeschirr aus dem Gasthof Düsseldorfer Hof steht gleichsam für gehobenes Ambiente links und rechts des Rheins. Einst gab es ein Stereoskop mit Drachenfels- und Rolandseck-Motiven, ein längst vergessenes Souvenirprodukt. Viel geläufiger dürfte da der Diabetrachter in TV-Form sein. Darüber hinaus gibt es auch die Souvenirtasse mit dem Motiv des Rolandsbogens als gern gewähltes Mitbringsel vom schönen Rhein.

 

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Johann Caspar Nepomuk Scheuren
Die preußische Rheinprovinz, 1860
© Sammlung RheinRomantik, Bonn

Postkartenmotive mit und ohne Loreley oder vom Bahnhof Rolandseck erfreuten sich großer Beliebtheit. Rheinromantik war über Jahrzehnte in aller Munde. Dazu trug auch Stanfield Clarkson mit seinem Gemälde von St. Goar und der Burg Katzenellenbogen bei. 1859 konnte noch niemand voraussehen, dass das Mittelrheintal zum Weltkulturerbe ernannt werden würde. Ebenso wenig war vorauszusehen, wie sich der Schienenverkehr im Rheintal entwickeln würde. Heute ist der Lärm der Tag und Nacht durch das Rheintal ratternden, bis zu 700 Meter langen Güterzüge unerträglich. Romantik ade, oder? Doch mit diesen Auswüchsen der Verkehrsplanung am Rhein befasst sich die Ausstellung nicht. Stattdessen richtet sich der Blick in die Vergangenheit, als am Rhein noch Ruhe und Beschaulichkeit herrschte, Souvenirtassen mit einem Loreleygemälde ihre Käufer fanden und Fotografen vor der Kulisse der Festung Ehrenbreitstein Schaufelraddampfer ablichteten.


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Emil Hundrieser Vorderteil des Kaiserkopfes des ehemaligen
Kaiser-Wilhelm-Denkmals am Deutschen Eck, 1893
© Mittelrhein-Museum Koblenz

Zum Schluss werfen wir noch den „nationalen Blick“ auf den Rhein, auf die Burg Stolzenfels als Sinnbild für die Macht Preußens im Rheinland und auf den Kaiserkopf, der einst zum historischen Reiterstandbild am Deutschen Eck gehörte. Dieses Sinnbild von Preußens Gloria wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, jedoch in den 1990er Jahren wiedererrichtet. Dabei handelt es sich um ein Standbild, das sich gegen den Erzfeind Frankreich richtet. Doch mit Frankreich hatte man sich damals längst ausgesöhnt. Umso mehr erstaunt die Wiederherstellung dieses Denkmals des preußischen Chauvinismus.

Die Ausstellung ist abwechslungsreich gestaltet und dankenswerter Weise nicht mit Exponaten überfrachtet. Besucherfreundlich ist die thematische Gliederung der sehenswerten Schau, die hier und da ganz neue Blicke auf den Rhein und die Rheinromantik erlaubt. © fdp

Ausstellungen 2012

Hans Arp
Wolkenpumpen
29. Januar 2012 bis 27. Januar 2013

Bezugnehmend auf Arps Gedichtband »Die Wolkenpumpe« (1920) zeigt das Museum in seiner zweiten Sammlungspräsentation rund 100 Werke von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp. Als Pionier der organischen Formensprache bildet Hans Arp seine Skulpturen analog zur Natur. Fließende Konturen sind charakteristisch für deren lebendige Plastizität, und auch seine Reliefs, Zeichnungen und poetischen Collagen zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung mit natürlichen Prozessen. Die »Metamorphose«, der »Zufall« und das Prinzip der »Konstellationen« kennzeichnen sein facettenreiches Werk. Im Kontrast hierzu basiert das ebenso vielfältige OEuvre seiner Frau Sophie Taeuber auf elementaren Formen wie Quadrat oder Kreis. Diese klaren Ordnungen machen sie zu einer Schlüsselfigur der konstruktiven Kunst. Den Besucher erwartet ein spannungsreiches Miteinander von Werken der »organischen« und der »geometrischen Abstraktion«. Als einzigartige Pionierleistung bilden Sophie Taeubers seltene, architektonische Entwürfe im Kontext unseres Architekturjahres einen besonderen Schwerpunkt.

Kunstkammer Rau: Köstlich! Stillleben
von Frans Snyders bis Giorgio Morandi
10. Februar bis 14. Oktober 2012

Anhand von 45 Gemälden aus drei Jahrhunderten lässt sich die Architektur der Dinge gleichsam unter der Lupe entdecken. In den nahsichtig angelegten Stillleben tastet sich der Blick des Betrachters durch das Unterholz und über köstliche Tischlandschaften hinweg. Immer wieder bieten sich ungewöhnliche Perspektiven. Scheinbar griffbereit liegt das Messer am Bildrand bereit, stehlen sich die wilden Heckenrosen über den Rahmen hinweg auf uns zu. Die reiche Schatzkammer der Sammlung Rau für UNICEF bietet einen faszinierenden Spiegel der Welt vom 17. Jahrhundert bis zur Moderne. So kann man an den reich gedeckten Barock-Tischen des Flamen Frans Snyders Platz nehmen. Im Vorgriff auf die Moderne präsentiert dagegen Anne Vallayer-Coster im 18. Jahrhundert ihre poetischklaren Früchtestillleben. Sie leiten über zu den Küchenimpressionen Carl Schuchs, den farbstarken Atelier-Stillleben des Symbolisten Édouard Vuillard und zu den nahezu abstrakten Flaschen und Gläsern von Giorgio Morandi.

Die Eroberung der Wand
Nazarenerfresken im Blick der Gegenwart
25. März bis 9. September 2012

Nach rund 50 Jahren im Verborgenen zeigt das Arp Museum Bahnhof Rolandseck erstmals wieder gemeinsam die frisch restaurierten Fresken der zwölf Apostel des Nazarenerkünstlers Johann von Schraudolph (1808 –1879). Die in den 1960er Jahren abgenommenen monumentalen Wandmalereien, die ursprünglich die Apsis des Speyerer Doms schmückten, nehmen die lichtdurchfluteten Räume des Neubaus ein und fordern zwölf Künstlerinnen der Gegenwart auf, sich mit ihnen auseinander zu setzen. Sonja Alhäuser, Fides Becker, Ariane Epars, Martina Klein, Zilla Leutenegger, Christiane Löhr, Franziska Nast, Johanna Reich, Karin Sander, Swoon, Dorothee von Windheim und Heike Weber treten in den verschiedensten Medien wie Video, Graffiti, Silikon oder einem Fresko aus Seife in einen fruchtbaren künstlerischen Dialog mit den historischen Wandgemälden. Dabei spielt die Architektur – als unabdingbare Voraussetzung für ein Fresko – eine entscheidende Rolle. In ihren innovativen Wandarbeiten interpretieren die Künstlerinnen Farbe, Oberfläche, Ornamentik, Figürlichkeit sowie Religion und machen so auch die Kunstwerke des 19. Jahrhunderts auf eindrucksvolle Weise neu erlebbar.

Joachim Manz Bauspiele
27. April bis 12. August 2012

Joachim Manz nutzt die Räume des spätklassizistischen Gebäudes des Bahnhofs Rolandseck als Bezugsgröße, um dort mit Wirklichkeiten, Dimensionen und Ausdehnungen architektonischer Welten zu spielen. Die von ihm entwickelten Skulpturen aus feinstem Beton in Form von Miniaturmodellen besitzen in ihrer Gestaltungsform und ihren Details eine strenge und schnörkellose architektonische Sprache. Ihren Platz finden sie auf Metallgestellen, an der Wand, oder versteckt in Wandeinlässen. Dort begegnen sie dem Betrachter auf den ersten Blick als zweidimensionale Zeichnungen. Auf den zweiten Blick jedoch entpuppen sich die Linien einer vermeintlichen Zeichnung als Schlitze, die mit der Neugierde der Betrachter spielen und dazu animieren, durch Berührung Verborgenes freizulegen. Und tatsächlich, die Skulpturen sind beweglich und sollen es auch sein. Um die eigenen Achsen gedreht wölben sich plastische Formen halbkreisförmig vor die Wand. In den Hohlräumen oder den Halbschalen selbst entdeckt man detailreich ausgearbeitete Architekturen, die man nur zu gerne in große Dimensionen übertragen würde, um sich dort frei bewegen und diese entdecken zu können.

Kunstkammer Rau: Lichtgestöber. Der Winter im Impressionismus
9. November 2012 bis 14. April 2013


Sechs grandiose Winterlandschaften der berühmten Impressionisten Claude Monet, Gustave Caillebotte und Alfred Sisley aus der »Sammlung Rau für UNICEF« bilden den Ausgangspunkt für eine qualitativ herausragende und groß angelegte Impressionisten- Ausstellung in der Kunstkammer Rau. Rund 40 hochkarätige Leihgaben mit Werken von Courbet, Pissarro, Liebermann, Slevogt u. a. aus internationalen Museen wie dem Musée d'Orsay oder der Sammlung Thyssen-Bornemisza schildern den Winter in seinen vielfältigen Facetten vom lichten Schneegestöber bis zum frühlingshaften Tauwetter. Ursache für diese weiße Farb- Explosion sind die außergewöhnlich strengen Winter im Europa der 1870er bis 1890er Jahre. Unmittelbar reagieren die impressionistischen Künstler auf diese extremen Wetter-Bedingungen. Zeitgenössische Presse-Illustrationen und Fotografien veranschaulichen erstmals die Realität hinter den Gemälden und stellen so einen direkten Bezug zwischen Leben und Kunst her.

 

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Johann Caspar Nepomuk Scheuren
Die Burg am Rhein, 1836
© Sammlung RheinRomantik, Bonn

Landes-Stiftung Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Hans-Arp-Allee 1
D- 53424 Remagen
Tel +49 (0)22 28/94 25 12
Fax +49 (0)22 28/94 25 21
info@arpmuseum.or
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen, 11 bis 18 Uhr
Winterpause 9, bis 28, Januar 2012 !!!!!

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