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Putbus – die „weiße Perle“ auf Rügen

Text und Fotos: Ferdinand Dupuis-Panther

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Putbus nicht nur eine fürstliche Residenz, sondern auch ein bekannter Badeort war. Das Städtchen wurde zwischen 1808 und 1841 nach dem Vorbild von Heiligendamm als Badeort planmäßig angelegt. Anders als im Putbuser Bahnhofsviertel sind die Häuser der Kernstadt einheitlich weiß geschlämmt. So kann man mit Fug und Recht von der „weißen Stadt“ auf Rügen reden.  

Putbus auf Rügen - Schlosspark

Schlosspark

Die Fürsten von Putbus hatten sich bereits im 14. Jahrhundert an diesem Fleckchen Rügens eine Burganlage erbauen lassen. Diese ließ dann Graf Moritz Ulrich I. zu einem barocken Repräsentationsbau umgestalten. Als Rügen von Schweden an Preußen fiel, veranlasste der damals regierende Fürst die Überplanung der barocken Gartenanlage zu einem englischen Landschaftspark. Wer diesen Park heute besucht, wird zahlreiche selten gewordene Baumarten wie Fächerblattbaum, Mammutbaum, Buchsbaum, Griechische Weißtanne oder die Kaukasische Flügelnuss entdecken können. Doch von dem zuletzt klassizistisch überformten Schloss fehlt jede Spur. Die einst in der Orangerie beheimateten exotischen Gehölze sind gleichfalls verschwunden, da man die Orangerie heute als Touristinformation und als Ausstellungshaus nutzt.

Wo ist denn bloß das Fürstenschloss?

Das barocke Schloss wurde im Laufe der Jahrhunderte dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst. So verwandelte man das Schloss 1827 in einen klassizistischen Bau mit vorgesetztem Säulenbau. Ein Brand einige Jahrzehnte später verursachte erheblichen Schaden und erzwang eine erneute Umgestaltung. Da das Schloss nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mehr und mehr baufällig geworden war und als Ausdruck feudaler Herrschaftsarchitektur nicht zum „Arbeiter- und Bauernstaat“ passte, wurde das Schloss zeitgleich mit dem Berliner und dem Potsdamer Schloss abgerissen. Ob das auf ausdrücklichen Wunsch des damaligen Staatsratsvorsitzenden der DDR Walter Ulbricht geschah, scheint naheliegend, ist aber nicht mit Gewissheit zu bestätigen. Heute erinnern nur der Treppenaufgang zur Pergola des Schlosses und eine Grundriss-Kennzeichnung an diesen einst größten Schlossbau Vorpommerns. Von der Pergola aus hat man im Übrigen bei gutem Wetter einen herrlichen Blick auf den Greifswalder Bodden.

Ein Rundgang durch den Schlosspark

Putbus auf Rügen - Orangerie

Orangerie

Lang gestreckt ist der Bau der Orangerie (1) an einem der Eingänge zum Schlosspark. In der Orangerie, im Stil des Klassizismus mit markanten Eckbauten und einem turmähnlichen Mittelbau errichtet, wurden ursprünglich in den Wintermonaten frostempfindliche exotische Pflanzen aufbewahrt. Wer sich für Architekturgeschichte interessiert, der wird bei dem Namen Friedrich August Stüler aufhorchen. Diesem Architekten ist der Umbau der Orangerie zum heutigen Erscheinungsbild zu verdanken. Nur wenig erinnert heute daran, dass an dieser Stelle auch Treib- und Weinhäuser betrieben wurden und man hier auch Pflanzen anzog.

Fürstliche Spuren sind bis heute beim Parkspaziergang nicht zu übersehen, so auch das backsteinerne Mausoleum (2) der Fürstenfamilie. Im Gartenhaus (3) fanden sich einst Gäste des Fürstenhauses wie der Schriftsteller Gerhard Hauptmann und der Reichskanzler Otto von Bismarck ein, wenn sie in Putbus zu Besuch waren. Auf der breiten und schattigen Kastanienallee – sie trägt mit Recht diesen Namen – gelangen wir zum Fürst-Malte-Denkmal. Dieses wurde auf Geheiß der Fürstin Luise so aufgestellt, dass der Fürst stets auf sein Schloss schauen konnte.

Putbus auf Rügen - fürstliches Gartenhaus

Füstliches Gartenhaus

Nach einem Blick auf die Pergola (4) – dies ist alles, was vom Schloss übrig geblieben ist – setzten wir unseren Spaziergang fort, bei dem wir den Schwanenteich umrunden. Ehe es soweit ist, gelangen wir zum Marstall (5), in dem die Pferde und Kutschen untergebracht waren. Heute ist der Marstall, auch ein Kind des Klassizismus mit Rundbogenfenstern und Rundbogenportalen sowie einem Pferderelief, der größte Veranstaltungssaal auf Rügen.

Putbus auf Rügen - Schwanenteich

Schwanenteich

Die Marstall Gastronomie betreibt hier ein Restaurant mit Sonnenterrasse. Wie wäre es denn mit Schnitzel „Hawaii“ mit Ananas und Käse überbacken? Oder darf es Strammer Max sein oder gar gebackener Camembert im Bierteig? In der benachbarten ehemaligen Schmiede kann man in den Sommermonaten die Ausstellung „Das verschwundene Schloss“ besuchen und Wissenswertes zur Geschichte des Putbusser Schlosses in Erfahrung bringen. Romantiker finden sich hingegen auf einer kleinen Insel im Schwanenteich ein und genießen für einen Moment die Stille und Idylle.

Zu einer fürstlichen Hofhaltung gehörte nicht nur ein Tiergehege, sondern auch ein Vogelhaus mit exotischen Vögeln. Diese waren nahe dem Schwanenteich im sogenannten Affenhaus untergebracht. Doch nur sechs Jahre lang hielt man am Fürstenhof exotisches Federvieh. Dann wurden die Volieren beseitigt, und das Affenhaus zu einem Parkhäuschen umgebaut. Liebhaber von Puppen und Spielzeug treffen sich heute hier, da unterdessen ein entsprechendes Museum im Affenhaus (6) residiert.

Putbus auf Rügen - Tiergehege

Tiergehege

Unweit davon stoßen wir auf eine Ruine. Es handelt sich um das einstige Fasanenhaus, wo man heute unter freiem Himmel dem Schachspiel frönen kann. Dem im Schlosspark befindlichen Kriegerdenkmal – errichtet in Erinnerung an die Opfer des Ersten Weltkrieg – schenken wir keine Beachtung und machen uns stattdessen direkt zur Schlosskirche (7) auf, die auf einer kleinen Anhöhe steht. Ursprünglich war dieser Bau der Kursaal, den Friedrich August Stüler entworfen hatte. Beinahe ein halbes Jahrhundert nach dem Bau des Kursaals veranlasste Fürst Wilhelm den Umbau zu einer Kirche. Dieser Sakralbau überrascht durch seine Schlichtheit und seine Helligkeit im Inneren. Nebenan erstreckt sich das Tiergehege, in dem heute Damwild äst. Ja, auch weißem Damwild schaut man Aug' in Aug'.

Pädagogium, Theater und Markt

Putbus auf Rügen - Pädagogium

Pädagogium

Beim Bummeln durch das Städtchen fällt der Blick gleich auf den größten Bau des Ortes: das Pädagogium. Es handelt sich im fürstlichen Auftrag errichtete höhere Lehranstalt. Einst wurden hier Staatsbeamte geschult, heute zukünftige IT-Spezialisten. Die Lehrenden dieser höheren Schule wurden in unmittelbarer Nähe in eingeschossigen Traufenhäusern untergebracht. Bis heute existiert beispielsweise des Haus des 2. Oberlehrers des Königlichen Pädagogiums Putbus.

Putbus auf Rügen - Haus des 2. Oberlehrers des Königlichen Pädagogiums

Haus des 2. Oberlehrers

In der Alleestraße (8) stoßen wir noch auf weitere derartige Traufenhäuser. In einem davon ist die Park-Buchhandlung untergebracht. Vor dem Eingang zu dieser Buchhandlung hat man verschiedene Arten von Stockrosen gepflanzt. Eine solche Bepflanzung findet man auch an anderer Stelle. Die roten und rosa blühenden Rosen bilden dabei einen schönen Kontrast zu den schlicht weißen Putzbauten. Zweigeschossig und achtachsig ist hingegen das Kaufhaus in der Alleestraße. Heute findet man hier bei „Alt & Neu“ allerlei Sanddornprodukte und bei „Maxima“ das richtige Outfit für den Rügen-Urlaub – oder auch nicht. Das ist ja eine Frage des modischen Geschmacks.

Pubus auf Rügen - Alleestraße

Alleestraße

Auf der Alleestraße mit ihrer geschlossenen Bebauung entdecken wir die Villa Lottum, auch eines der frühen Bauwerke des Ortes und nicht weiß, sondern im äußeren Erscheinungsbild zart beige-sandsteinfarben. Bei seinen Badeaufenthalten auf Rügen pflegte hier der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm zu nächtigen. Benannt wurde das Haus nach der Gräfin Lottum, die es in späteren Jahren als ihre Residenz nutzte. Auch das erste Badehaus in Putbus, das Bussert'sche Badehaus kann man in der Alleestraße finden. Dabei handelt es sich um das erste Seewasser-Warmbad mit zwei Marmor- und Fayencewannen, das bis 1818 betrieben wurde. Eine Volksschule war hier im Laufe der Jahre ebenso untergebracht wie die Buchbinderei Bussert. Heute ticken hier die Uhren mal lauter, mal leiser, da es im hiesigen Uhrenmuseum (9) nicht nur Wanduhren, sondern auch Schwarzwälder- und Kuckucksuhren zu bestaunen sind. Außerdem kann man sich an zahlreichen Spieluhren und deren Melodien erfreuen. Was es eigentlich mit Spionuhren auf sich hat und wie sie funktionieren, erfährt der Besucher obendrein.

Putbus auf Rügen - Villa Lottum

Villa Lottum

Unweit vom Badehaus steht das Haus des Badearztes, in dem der fürstliche Haus- und Badearzt Dr. G. Bendix einst lebte. Bei ihm logierte auch der preußische Wissenschaftler und Südamerikaforscher Alexander von Humboldt, wenn er in Putbus weilte. Größter Bau auf diesem Abschnitt der Alleestraße ist das ehemalige Hotel Fürstenhof, das die zahlreichen Badegäste beherbergte, die wie der Schriftsteller Theodor Fontane im Sommer nach Putbus kamen.

Putbus auf Rügen - Markt

Markt

Schlendern wir weiter, so erreichen wir den Markt (10), an dessen Beginn das hiesige Theater mit einem markanten Säulenvorbau steht. Es ist bis heute das einzige bespielte Theater Rügens. Ohne das Zutun des Fürsten Malte wäre dieser Bau nie realisiert worden, in dem alljährlich im Mai die Festspiele Putbus stattfinden. Dabei steht dann nicht allein Kammermusik auf dem Spielplan. Auch ein Konzert im Park und eine Musikveranstaltung für Kinder gehören zu diesen Festspielen.

Putbus auf Rügen - Theater am Markt

Theater

Im Übrigen handelt es sich beim Markt um eine ovale Platzanlage mit klassizistischer Bebauung. Zentral ist eine Grünanlage, auf der ein Denkmal an die Kriege von 1864, 1866 und 1870/71 erinnert. Umstanden wird die Grünanlage von konisch beschnittenen Bäumen. Zu den wichtigen und unter Denkmalschutz stehenden Bauwerken gehört die Fürsten-Apotheke, die urkundlich erstmals im Jahr 1820 erwähnt wird.

Zum Ensemble des Marktes zählt überdies das Honoratiorenwohnhaus, in dem heute „Die Optikerin“ für einen klaren Blick sorgt und das Restaurant „Essen und Trinken“ zum Verweilen einlädt. Ein weiteres Honoratiorenwohnhaus und Kaufmannsgeschäft, in dem der Brauer Schwartz im 19. Jahrhundert einen Viktualienhandel betrieb, dient nunmehr als Rathaus der Stadt Putbus. Gelbe Stockrosen zieren nebenan den Eingangsbereich der ehemaligen Speisewirtschaft für Bedienstete des fürstlichen Hofes.

Putbus auf Rügen - Rathaus

Rathaus

Ein Besuch des „Circus“ 

Zum Abschluss unseres Tagesausflugs geht es über die Alleestraße zum „Circus“ (11). Dabei handelt es sich um eine kreisrunde Platzanlage mit geschlossener klassizistischer Bebauung. Nicht zu übersehen ist der Obelisk im Platzrund. Wer bei dem Putbusser Circus an Bath denkt, der liegt nicht falsch, denn auch dort gibt es eine ähnliche runde Platzbebauung. Fürst Malte war mehrfach als Gast in Bath und ließ anschließend nach englischem Vorbild seinen eigenen „Circus“ anlegen.

Putbus auf Rügen - Circus

Circus

Der „Circus“ war die wohl feinste Adresse im fürstlichen Putbus. Unter anderem lebten hier der 1. Oberlehrer des Königlichen Pädagogiums und der Superintendent der Grafschaft Putbus. Auch die Freimaurer der Loge „Rugia zur Hoffnung“ trafen sich einst zu ihren Sitzungen am Circus.

Putbus auf Rügen - Circus

Reiseinformationen zu Putbus

Informationen 

Putbus: www.putbus.de/index2.html, www.residenzstadt-putbus.de

Festspiele Putbus: www.putbus-festspiele.de/

Gastronomie

Orangerie-Eiscafé: http://eiscafe-bistro-putbus.auf-ruegen.com

Marstall Gastronomie: https://de-de.facebook.com/Marstall.Gastronomie

Museen

Uhrenmuseum: www.uhrenmuseum-putbus.de

 

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