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„In Potsdam will ich sterben“

Eine Architek-Tour durch die Hauptstadt von Brandenburg

Text und Fotos: Ferdinand Dupuis-Panther

Wer von Potsdam spricht, denkt zunächst an barocke Gartenlandschaften mit dem Schloss Sanssouci. Doch das Weltkulturerbe Sanssouci und seine Gartenanlagen stehen diesmal nicht im Mittelpunkt unseres Interesses, sondern die Architektur von Potsdams Mitte und die der beiden historischen Stadterweiterungen. Wie sich die Stadt auch der Moderne öffnet, sieht man bei einem Besuch des Kulturstandortes Schiffbauergasse in der so genannten Berliner Vorstadt.


Brandenburger Tor, ein römischer Triumphbogen als Zugang zur Innenstadt, nach Plänen von Karl von Gontard und Georg Christian Unger im 18. Jh. erbaut

Ursprünglich lebten an der Havel nur einfache Fischer und Ackerbürger, die ein eher kärgliches Dasein fristeten. Den Markgrafen von Brandenburg, dem Großen Kurfürst und Preußens Königen wie dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. und Friedrich dem Großen, verdankt Potsdam den Aufstieg zur zweiten königlichen Residenz neben Berlin. Diese Entwicklung war mit ehrgeizigen Bauvorhaben verbunden, die sich im Stadtschloss ebenso niederschlugen wie im Holländischen Viertel. Italienische Villen im Geiste Palladios - außerhalb der Stadtmauer gelegen - zeugen davon, dass nicht nur ein kunstsinniger Fürst wie Friedrich Wilhelm IV. eine Vorliebe für die Villenarchitektur der Renaissance besaß.


Ehemaliges Rathaus, 1753 nach Entwurf von Jan Bouman (Johann Boumann) und Carl Ludwig Hildebrandt in Anlehnung an Andrea Palladios Palazzo Angarano (Vicenza) erbaut

Quadratisch, praktisch, holländisch

Ein anderer preußischer König, der Vater des Alten Fritz, war durch und durch ein absolutistischer Herrscher, der soldatische Tugenden schätzte und der jedwede Form von übertriebenem Luxus ablehnte. Friedrich Wilhelm I. ließ Potsdam von seinen Baumeistern zu einer Soldatenstadt formen, so dass am Ende seiner Regentschaft jeder dritte Stadtbewohner dem Militär angehörte. Wie sehr der Monarch seine zweite Residenz liebte, wird aus dem Umstand ersichtlich, dass er sich todgeweiht in eine Kutsche heben ließ, die ihn von Berlin zu seinem Schloss an der Havel brachte. Der König soll, so die Überlieferung, zum Abschied gesagt haben: »Leb wohl, Berlin, in Potsdam will ich sterben.«


Das Holländische Viertel - Klein Amsterdam in
Brandenburg - nur die Grachten fehlen

Ein Stadtgrundriss mit Schachbrettstruktur war ein Muss bei der Anlage des Holländischen Viertels unweit des nun in ein mausgraues Gewand gehüllten, von Zinnen gekrönten Nauener Tors, das in seiner neogotischen Ausformung an die Staffagenarchitektur englischer Parkanlagen des 18. Jahrhunderts erinnert. Die Idee zum Bau des Quartiers mit seinen Backsteinhäusern, hinter denen sich intime Höfe mit Nebengebäuden wie Stallungen befinden, geht auf den Soldatenkönig zurück. Während einer Reise in die Niederlande im Jahr 1732 konnte er einige Amsterdamer Bauhandwerker, darunter Jan Bouman (Johann Boumann), für die Errichtung eines neuen Quartiers in seinem geliebten Potsdam anwerben.

Errichtet wurden zu Beginn Häuserzeilen an der heutigen Friedrich-Ebert-Straße und die sich anschließenden Karrees. Schmuck sind sie, diese holländischen Häuschen, denen eigentlich nur der Blick auf eine Gracht fehlt, um echt holländisch zu sein. Teilweise dreiachsig gestaltet und mit schmalen, hohen, kreuzförmig ausgeformten Fenstern durchzogen, werden sie von Glocken- und Halsgiebeln bekrönt. Die oberste Giebelfront läuft in typisch barocken Kringeln, Voluten genannt, aus. Ursprünglich standen in den Höfen hinter den Häusern Nussbäume, aber auch Fachwerkhofgebäude, die teilweise noch erhalten sind oder aber rekonstruiert wurden.

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