Reisemagazin schwarzaufweiss

Wo Könige Urlaub machen

Unterwegs im Allgäu zwischen Pfronten und Falkenstein

Text: Renato Diekmann
Fotos: Diekmann, EPS Schäffler, Pfronten Tourismus

Deutschland Pfronten Panoramablick

Hier oben ist die Aussicht traumhaft! Aus 1.284 Metern Höhe wandert der Blick weit über Pfarrkirchen und blinkende Türme, rotschillernde Dächer und einsame Höfe in geschwungener Landschaft. Bis hin zu den imposanten Dolomiten und der schneegepuderten Zuspitze, die majestätisch in den blauen Himmel ragen und weiße Schäfchenwolken küssen. Wie grüne Matten liegen die gelb gesprenkelten Wiesen zwischen dunklen Tannen und tiefblauen Bergseen in der wärmenden Sonne.

Deutschland Pfronten Pfarrkirche

Die Pfarrkirche und blinkende Türme

Seit dem 13. Jahrhundert ist Falkenstein, Deutschlands höchstgelegene Burgruine, heiß begehrt. Die Grafen von Tirol nutzten die optimale Höhenlage des Felssockels bei Pfronten strategisch als Machtsymbol und drohten mit der Trutzburg dem Herzogtum Bayern. 1884 verliebte sich König Ludwig II. in diesen Platz. Er kaufte die Ruine und träumte fortan seinen letzten Traum, der als Alptraum im Starnberger See sein Ende fand.

Schlag auf Schlag in der Schmiede

Das Schicksal der Gemeinde Pfronten mit ihren dreizehn Ortschaften ist eng verbunden mit dem König von Bayern, dem Wald und den Bergen. Früh lockte die hügelige Gegend Sammler, Jäger und Siedler an. Cäsars Legionen durchquerten das breite Tal der Vils von Kempten nach Venedig über Reutte und die Tannheimer Berge. Gierig plünderten die Römer alles, was ihnen auf ihren Eroberungszügen durch Germanien in die Hände fiel. Später nutzten freie Bauern ihre Chance auf neuen Lebensraum. Sie rodeten Bäume und drängten die schattigen Wälder für Ackerbau und Viehzucht immer weiter zurück. Die Siedler bauten aus dem gewonnenen Holz Lagerspeicher, schufen Versorgungsbetriebe für ihren täglichen Bedarf, gründeten Brauereien, Schankwirtschaften und Plätze für christliche Feste und gesellige Anlässe. Kirchengemeinde, Gewerbe und Fuhrwesen gediehen prächtig und schnell entwickelte sich Pfronten zu einer Heimat für fromme Bauern, Handwerker und Künstler.

Deutschland Pfronten Schmiedemeister

Mit wassergetriebenen Hämmern formten Waffen- und Hufschmiede neben den vielen Eisen für die Armee und die Rösser dekorative Beschläge für Türen und Möbel. Beim Hummelbaur klingen die Hammerschläge vom Amboss noch immer hell, kraftvoll und rhythmisch. Die beiden Meister kommen gleich zur Sache, wenn es um die Kunst des Schmiedens geht. Schlag um Schlag saust der schwere Hammer auf das erhitzte Material aus Blech, Eisen und Stahl, dass die Funken sprühen und es in den Ohren dröhnt! Heiß ist es in der Schmiede und die Esse zischt, während das Feuer von dem fauchenden Blasebalg wieder und wieder zur Weißglut getrieben wird. Schweiß rinnt über die rußige Stirn, und der lahm gewordene Arm schmerzt von der ungewohnten Kraftarbeit.

Der Gipfel der Gefühle

Was man nicht alles tut, um eine eiserne Rose zu schmieden! Unbeholfen kämpfen sich die Finger mit der großen schweren Schere durch das widerspenstige Blech, biegen und formen es zu Blütenkelch und Rosenblatt. Wie mühselig und spannend! Nach fünf Stunden Hämmern, Klopfen, Schneiden, Meißeln, Löten und Polieren am Objekt wird das gemeinsam erschaffene Kunstwerk stolz vor der Schmiede präsentiert. Sie liegt idyllisch neben dem rustikalen Bauernhaus mit Holzvertäfelung und Geranienbalkon. Im Garten grünt und blüht es in Weiß, Gelb, Orange, Rosé, Lila, Rot und Blau. Zahlreiche Plastiken der Schmiedekunst zieren das Grundstück. Der gepanzerte Drache harmonisiert prächtig mit den knorrigen Obstbäumen und dornigen Rosensträuchern, als gehörte er schon immer hierher vor die Kulisse der Bergwelt mit dem Falkenstein.

Deutschland Pfronten Falkenstein

Eindruckvolle Kulisse der Bergwelt mit dem Falkenstein

Der freistehende Fels belohnt stets aufs neue mit einer fantastischen Fernsicht auf Berg und Tal, Stadt, Land und Fluss bis hinüber nach Füssen. Der Gipfel der Gefühle inspirierte vor allem Ludwig II., dessen Mythos Stoff und Bühnenbilder für ein Musical hergibt, das mit Roseninsel und einem putzigen Schwan im umwaldeten See so kitschig und berauschend ist wie der Märchenkönig selbst. Für den Wittelsbacher war das östliche Allgäu ein Paradies, wo Gott Natur ist und Könige urlauben. Eitel wie ein Pfau und ohne Herz für die Armee, war der 18-jährige Monarch mehr den schönen Künsten als der Kriegslist zugetan.

Deutschland Pfronten Häuser

Berg und Tal

Er liebte die Musik, finanzierte Richard Wagners „Ring der Nibelungen“, ließ romantische Schlösser bauen, dachte über Kraftwerke und Fahrstühle nach, träumte vom Fliegen, von Seilbahnen und von einem imposanten Prachtschloss der Superlative, das die Schönheit von Neuschwanstein, Herrenchiemsee und Linderhof bei weitem übertrumpfen sollte. Vom despotischen Vater Max II. streng erzogen und eingesperrt im goldenen Käfig von Schloss Hohenschwangau, bot sich dem jungen Thronfolger wenig Gelegenheit, die Natur mit ihren Licht- und Schattenseiten kennen und lieben zu lernen.

König Ludwig auf Wildbachtour?

Deutschland Pfronten Wildbachtour

Vermutlich wäre Klein-Ludwig seinerzeit lieber mit einem erfahrenen Bergführer zur Wildbachtour aufgebrochen, die derzeit in Pfronten angeboten wird und großen Zuspruch findet. Besonders beliebt ist die Eroberung der Reichenbachklamm bei jungen Familien mit Kindern. Die Kleinen hüpfen spielerisch und trockenen Fußes über das eisige Wasser von Fels zu Fels, während Vater und Mutter in dem weglosen Gelände häufig nasse Füße kriegen.

Der Klettertrupp balanciert konzentriert über modrige Baumstämme, hangelt sich an schwankenden Seilen über Gebirgsbach, Stock und Stein, meistert mühsam glitsche Felsblöcke, zwängt sich ächzend durch enge, feuchte Höhlenspalten, seilt sich wie ein Profi ab und bezwingt tapfer die nächste schroffe Felswand.

Leichten Tritt haben aktive Pedalritter mit dem neuen „Flyer“, einem elektrobetriebenen Fahrrad aus Schweizer Fertigung. Mit der kraftsparenden Erfindung, die in Pfronten tageweise angemietet werden kann, surrt das leichte Aluminiumrad mit Akku, gefederter Gabel und Sattelstütze fast wie von selbst von Ort zu Ort durch das grüne Tal zum Falkensteingipfel empor.

Und zum Schluss: das Rosen-Menü

Oben angekommen, wartet bereits das nächste Abenteuer: die „König-Ludwig-Rutsche“. Für Unerschrockene auf der Suche nach dem ultimativen Kick das pure Vergnügen. Eine Mutprobe für Angsthasen. Aber nichts für Menschen mit Höhenphobie. Da soll es runtergehen? Niemals! Allein beim Anblick des Abgrunds überfällt einen der Schwindel. Die Knie werden weich, die Hände feucht, das Herz pocht bis zum Hals, der Atem stockt. Sekunden dauern eine Ewigkeit. Es ist beklemmend! Wer traut sich als erster? „Nur Mut! Na los!“, ruft die innere Stimme und drängelt zum Absprung.

Deutschland Pfronten Rutsche

Die Abfahrt kopfüber hängend.....

Hilfe!!! Sobald die Füße den Boden verlieren, rutscht einem das Herz in die Hose! Ist das jetzt das Ende? Alles aus und vorbei? Die Hände umklammern den Sicherheitsgurt, bis die Fingerknöchel weiß sind. Schwindelerregend geht es am Stahlseil über die gähnende Schlucht schier endlos steil hinab ins Tal. Dort gibt es zur Belohnung eine Überraschung.

Deutschland Pfronten Talwärts

....oder majestätisch gleitend

Bei Weißbier, Heuschnaps und Wasser aus heimischer Quelle lässt sich königlich speisen! Die festlich geschmückte Tafel auf der grünen Wiese mit Blick auf Pfronten, Falkenstein, Breitenberg und Alpenmassiv ist reich gedeckt mit erlesenen Köstlichkeiten. Das Rosen-Menü vom Silencehotel Bavaria überzeugt jeden Gourmet. Die geräucherte Hähnchenbrust auf Apfel-Sellerie mit Salatbouquet in Rosenblütendressing, die Kräuterrahmsuppe mit Spargelspitzen und das zarte Wallerfilet aus dem Aromadampf auf Duftreis sind fantastisch und munden ebenso köstlich wie das raffiniert zubereitete Limetten-Chili-Sorbet und der leckere Kalbsrücken im Kräutermantel auf Waldpilzen mit Trüffeln. Und erst das Rosenparfait mit Joghurt-Rhabarber-Eis auf Beerensalat – verführerisch wie die Sünde! Ganz zu schweigen von den exzellenten Weinen, die das Festmahl begleiten. So schmeckt es jedem. Hoch lebe das Land des Königs!

Deutschland Pfronten

Reiseinformationen zu Pfronten

Auskunft: Pfronten Tourismus, Tel. 08363/698-88 www.pfronten.de

 

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