DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Reiseführer Oldenburg

 

Ein Besuch im Prinzenpalais - 
Carus, Dahl und Böcklin

Hereinspaziert in die Galerie der Kunst des 19. und 20.Jahrhunderts: Gleich zu Beginn sehen wir „Wassermühle im Frühling“ von Emil Jacob Schindler. Leicht bewölkt ist der Himmel über der unterschlächtigen Mühle, die das Zentralmotiv bildet. Baumgruppen umrahmen sie und auch den Knaben, der seine Angel im rauschenden Mühlbach ausgelegt hat. Außerdem begegnen wir einem Mädchen, eine Schale tragend, geschaffen von dem aus der Bad Kreuznacher Bildhauerfamilie stammenden Ludwig Cnauer.

Franz von Stuck: Die Tänzerin Saharet, um 1906 (Prinzenpalais Oldenburg)

Emil Jacob Schindler: Bauerngehöft in felsiger Gegend, o.J.

Nibelungenlied und Dornröschen
Großformatig hat Julius Schnoor von Carolsfeld Teile des Nibelungenliedes in einer Kohlezeichnung umgesetzt. Titel des Werks ist „Etzels Boten bringen die Nachricht von Rüdigers Tod“: Die Musikanten halten im Spiel inne, Frauen und Männer scheinen in ihrem Schmerz und ihrer Trauer wie erstarrt. Auch die Miene des Boten verrät den tief empfundenen Schmerz. An der Umsetzung der biblischen Geschichte von der Anbetung der Könige arbeitete Arthur Fitger in einer  Zeichnung ebenso wie an „Dornröschen“ - in Kohle und Rötel auf hellbraunem Karton.

Italiensehnsüchte und ...
Mit Ernst Wilhelm Dietrich („Olivenhain bei Tivoli“)  Willers begegnen wir einem der zahlreichen Künstler des 19.Jahrhunderts, die sich für Italien, für die dortigen antiken Stätten und die Landschaft unter der Sonne des Südens begeistern konnten. Zu diesen gehört auch Adolf Senff, der die Sabriner Berge im ersten Sonnenlicht des Tages malte. Franz von Rohden hingegen hatte es eine rötliche Felsenlandschaft mit einer Klosterbehausung angetan:  In den Vordergrund gerückt ist ein Mönch, der auf einem Feld sitzend, zu meditieren scheint. Oder schaut er sehnsüchtig in die Ferne? Auch Anselm Feuerbach zog es in den Süden, ans Mittelmeer, wo er 1866 „Meeresküste Porto d'Anzio“ realisierte: Das Meer brandet an die Felsküste. Unter einer Felswand sitzt eine in Weiß gekleidete Person und starrt auf das tosende Meer. Auf einem Felsvorsprung nahe der Wasserlinie haben sich zwei Jungen zum Angeln eingefunden. Zu denjenigen, die von südlichen Landschaften angezogen wurden, zählt schließlich Carl Rottmann. In seiner „Griechischen Landschaft“ weiden Schafe unter den am Himmel vorbeiziehenden zartrosa Wölkchen.

Spitzweg und Co.
Zu sehen sind Carl Spitzweg und Carl Blechen, deren Sujets nicht unterschiedlicher hätten ausfallen können: hier eine sehr kleinformatige Arbeit, in der ein Wanderer in einer Landschaft mit Burgruine zu sehen ist, dort ein Hirtenknabe inmitten einer „italienischen Kulisse“. Das Motiv des Hirtenknaben findet sich zudem bei Franz von Lenbach , während sich Eduard Schleich d.Ä. für eine Abendstimmung mit Windmühle erwärmte.

Stimmungen
Sehr stimmungsvoll gehalten – das hängt auch mit der gekonnten „Lichtregie“ zusammen - ist Johan Christian Clausen Dahls „Vor der norwegischen Küste“. Stimmungen einzufangen, verstand außerdem Carl Gustav Carus, von dem das kleinformatige Gemälde „Meeresküste im Mondschein“ zu sehen ist. Dank Johann Adriaensz van der Drift können wir beim Besuch des Prinzenpalais auch an einer nächtlichen Jagd teilnehmen. „Mondlandschaft“ (um 1830) nannte der Künstler sein romantisches Gemälde. Zu denjenigen, die in diesem Kontext auch zu nennen sind gehört Andreas Achenbach. Ihm verdanken wir „Sturm an der Küste“ (1876): Wellen türmen sich auf, Gischtkronen sind zu sehen und auf dem Wellenkamm tanzt ein Segler mit vier Männern an Bord. Das Hauptsegel ist noch gesetzt, während das Vorsegel bereits zerfetzt ist – wagemutig scheinen die vier Herren der Natur zu trotzen.

Die Malerei des ausgehenden 19.Jahrhunderts
Drall ist die Susanna im Bade, die vergebens ihre Blöße zu bedecken versucht – so jedenfalls sah sie Arnold Böcklin 1888. In die Welt der Sagen tauchte Ferdinand Keller mit seiner Darstellung von Germania und vom hl. Michael ein.
Symbolismus und Jugendstil verschmelzen in Franz von Stucks „Die Tänzerin Saharet“. Verführerisch erscheint seine „Kleopatra“.

Franz von Stuck: Die Tänzerin Saharet, um 1906 (Prinzenpalais Oldenburg)

Franz von Stuck: Die Tänzerin Saharet, um 1906

Wenn auch überwiegend Zeichnungen und Gemälde ausgestellt sind, gibt es doch gelegentlich auch Werke der Bildhauerei zu sehen, ob nun Renée Sintenis „Stehendes Reh“ oder Edwin Scharffs „Büste Frau St.“

Gespür für das Licht
Georg Bernhard Müller vom Siel mag nicht jeder kennen. Das Schicksal dieses Landschaftsmalers  („Birkenwald am Teich“ und „Birken vor der Hunteniederung“) endete tragisch: Wegen einer unheilbaren psychischen Erkrankung wurde er 1909 ins Landeskrankenhaus in Wehen eingewiesen und ein Jahr später entmündigt. Der Vater von „Max und Moritz“, Wilhelm Busch, wurde zu seinem Vormund bestellt. 1939 verstarb der Maler im oben genannten Landeskrankenhaus. Was waren die genauen Umstände des Todes? Wurde der Künstler Opfer des Euthanasieprogramms der Nazis?
Heute stehen Besucher fasziniert vor seinen Gemälden, einer herbstlichen Landschaftansicht mit Birken und rötlichem Heidekraut oder vom Wind gezeichneter Birken an der Hunte. Immer wieder hat er sich mit der Umgebung seiner Wahlheimat Dötlingen beschäftigt, so auch in „Waldweg in den Goldbergen, Dötlingen“.

Vorhang auf für den Impressionismus
Den belgischen Bildhauer Georg Minne mit seinem „Jüngling I“ in Oldenburg zu sehen, ist für den einen oder anderen Besucher sicherlich eine Überraschung. Noch ein weiterer Bildhauer aus Belgien ist mit einer plastischen Arbeit im Museum vertreten: Constantin Meunier und sein „Schauermann“.

Wenig überraschend ist es, dass Arbeiten von Max Liebermann – er gehört mit Slevogt und Corinth zum „Dreigestirn des deutschen Impressionismus“ - gezeigt werden. Frühlingshaftes Grün findet sich in seinem Gemälde „Haus am Wannsee“ (1919). Zu den deutschen Impressionisten zählt aber auch Gottfried Kuehl, der mit „Im Dom zu Lübeck“ im Prinzenpalais vertreten ist. Bei diesem Künstler ist insbesondere auf die Lichteffekte im Kontext der Architektur hinzuweisen. Beim Betrachten von Karl Hagemeisters „Die Welle“ meint man, dass diese im nächsten Moment den Rahmen überrollt und sich im Raum ergießt, so plastisch geraten ist die Darstellung.

Gottfried Kuehl: Im Dom zu Lübeck, 1912 (Prinzenpalais Oldenburg)

Gottfried Kuehl: Im Dom zu Lübeck, 1912

Maler der Brücke und ...
Nein, nicht nur die Maler der Brücke sind in Oldenburg ausgestellt, sondern auch Max Beckmanns „Strand von Wangerooge“ oder Ludwig Meidners „Bauzäune in Berlin“ (1911). Emil Nolde ist mal nicht mit Seestücken und Blumengemälden zu sehen, sondern mit dem Stillleben mit Reiterfigur. Unter den deutschen Expressionisten dürfte Emma Ritter weniger bekannt sein. Doch ihre Arbeit kann man ebenso in Augenschein nehmen wie die von Heckel, Kirchner und Schmidt-Rottluff. Die Hängung des Hauses macht es im Übrigen möglich, Ritters „Ziegelei“ (um 1912) mit Heckels gleichnamigem Gemälde zu vergleichen.
Ernst Ludwig Kirchners „Bube mit Bonbons“ kann man ebenso bewundern wie Christian Rohlfs „Froschprinzessin“ sowie Alexander Archipenkos abstrakte Figur „Die Geometrie“ und Renée Sintenis' „Polospieler“ (1929).

Neue Sachlichkeit und Franz Radziwill
Zu den Malern der Neuen Sachlichkeit, die man im Prinzenpalais ausstellt, gehört beispielsweise Georg Tappert, der unter anderem eine Straßenecke in Hannover in seiner eigenen Bildsprache festgehalten hat. Gespenstisch anmutend und von einer nahenden Untergangsstimmung geprägt sind die Gemälde von Franz Radziwill. Nicht nur das Selbstbildnis mit roter Bluse wird gezeigt, sondern auch „Strand von Dangast mit Flugboot“ und „Auslaufendes U-Boot“. Die Welt als Bühne für Narren scheint er in „Der Mensch folgt dem Naiven lieber als dem Genius“ verewigt zu haben.

Nach 1945
Die gezeigten Arbeiten sind im Stil recht unterschiedlich: Farbkreise sind es bei Ernst Wilhelm Nay, der sich in das Formal-abstrakte flüchtete, während uns Bernhard Heiliger mit „Seraph“ einen Torso vorführt. Georg Meistermann wiederum setzt sich mit der Farbe Rot auseinander und Emil Schumacher als Vertreter des sogenannten Informel lässt mit gestischem Auftrag Farben auf der Leinwand gerinnen. Schließlich ist auch Walter Stöhrer von der Gruppe „SPUR“ in der Schau zu sehen.

 

Weitere Informationen

Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte
Schloss, Augusteum und Prinzenpalais

Damm 1
26135 Oldenburg
Das Schloss befindet sich Schlossplatz 1, 26122 Oldenburg, das Augusteum in der Elisabethstr. 1, 26135 Oldenburg und das Prinzenpalais befindet am Damm 1, 26135 Oldenburg.
http://www.landesmuseum-oldenburg.niedersachsen.de


 



Reiseveranstalter Deutschland

Reiseveranstalter Singlereisen

Reiseveranstalter Schiffs- und Radreisen




home | Länder A - Z | Reiseführer | Länderinfos | Kulinarische Reisen | Städtereisen Deutschland | Urlaub in Deutschland
Reiseführer Berlin | Reiseführer Bonn | Reiseführer Bremen | Reiseführer Dresden | Reiseführer Münster

 

Twitter
RSS