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Reiseführer Oldenburg

 

Das Museumsdorf Cloppenburg

Landleben zwischen Hunte und Ems

Nicht nur am Tag des Ostfriesen und Altoldenburgischen Pferdes oder beim Beginn der Kartoffelferien und zu Nikolaus zieht es Besucherscharen ins Museumsdorf Cloppenburg, sondern das ganze Jahr hindurch. Sonderausstellungen locken ebenso wie thematische Sonntagsspaziergänge zu Themen wie „Das Blaue Wunder“, „Dorfschulreife“ oder „Essen wie damals“. Über 50 historische Gebäude vermitteln einen nachhaltigen Eindruck von der Kulturlandschaft zwischen Hunte, Weser und Ems.

Eine der Mühlen des Museumsdorfs Cloppenburg

Eine der Mühlen des Museumsdorfs

Ländliches Alltagsleben steht im Mittelpunkt des Museumsdorfs. Es ist ein Alltag, der bedroht ist. Umso wichtiger ist es, dass nicht nur Landarbeiter- und Tagelöhnerunterkünfte, sondern auch Mühlen, eine alte Schule, ein Kirchlein und ein Dorfkrug in der Niederung der Soeste zu neuem Leben erweckt wurden. Dass es auch reiche Bauern gab,  belegt unter anderem die Hofanlage Quatmann.

Der Kornspeicher als Eingang
Dicht am stadtnahen Eingang befindet sich die Hofanlage Quatmann. Der Zugang zum Gelände des Museumsdorfes erfolgt durch den Speicher, der  einem Torturm gleicht. Einst stand dieser zweistöckige Ständerbau des 18. Jahrhunderts im Landkreis Vechta und diente dazu Korn zu speichern. Aus Findlingen bestehen die Grundmauern des Feldstalls für Heidschnucken, der gleichfalls zum Quatmannschen Hof gehört. Bis zu den Findlingsmauern reicht das Reetdach, das sich über den Baukörper aus verputztem Fachwerk wölbt. 1790 wurde aus Ziegeln die Viehscheune für Schweine und Jungvieh erbaut. Auch eine offene Wagenremise mit Reetdach gehört zum Hof, ganz abgesehen von einem Bauerngarten und dem mächtig erscheinenden Haupthaus.

Im Niederdeutschen Hallenhaus
Das Niederdeutsche Hallenhaus der Hofanlage ist eine Rekonstruktion des Originals, das 1945 in Flammen aufging. Auffallend ist die  von Geschoss zu Geschoss vorspringende Giebelfassade mit großem Tennentor. Die Ständer und Balken der Giebelfront sind so gesetzt, dass sich für die Hauptfront des Hauses ein „Schachbrettmuster“ ergibt.

Werfen wir einen Blick ins Innere des Hauses, so fallen die zahlreichen Alkoven, Schrankbetten, auf. Dass der Hofbesitzer gewiss nicht arm war, zeigen in einigen Räumen die Wandbemalungen mit floralen Motiven. Der mit einem Kaffeeservice eingedeckte Tisch der guten Stube und der Empire-Sekretär aus edlem Holz, sind weitere Hinweise auf den Wohlstand am Hofe Quatmann. Im Haus befindet sich auch eine Webstube, in der ab und an Kari Bottke aus Schöppenstedt ihr Können zeigt.

Der Bauerngarten des Hofes Quatmann

Der Bauerngarten des Hofes Quatmann

Schwarzbrot jeden Tag
Im einstigen Winterschafstall des Hofes zeigt man eine Ausstellung über das Teigtreten, Brotbacken und Grützekochen. Nein, der Schwarzbrotteig wurde zwischen Ems und Weser nicht überall mit den Händen geknetet, sondern bisweilen auch mit den Füßen. Dies ging schneller als mit den Händen. Voraussetzung für diese Art des Teigtretens waren Tröge mit hohen geraden Seitenwänden. Doch bereits um 1900 wurden auch Teigknetmaschinen eingesetzt. Dass man zum Brotschneiden des Schwarzbrots mit seiner harten Kruste nicht nur ein scharfes Messer, sondern auch einen Brustschutz aus Leder brauchte, wird vielen Besuchern nicht sehr geläufig sein.

Wie Brot gebacken wurde, erfährt man im Backhaus neben dem Quatmannshof. Es wurde 1663 erbaut und ist fensterlos. Der außen angebaute Holzbackofen wird von innen bedient. Auf dem Museumsgelände gibt es noch ein weiteres Backhaus, das 1761 entstand und Teil der Hofanlage Wehlburg ist.

Haupthaus von Hof Quatmann

Haupthaus von Hof Quatmann

Vier Familien im Hallenhaus
Vier Familien lebten unter dem Dach des Heuerhauses, das die Familie Vogelsang erbauen ließ. Im Inneren kann man nicht nur einen Eindruck von den beengten Lebensbedingungen gewinnen, sondern auch vom Broterwerb der Bewohner, die sich als Schuhmacher, Weber und Tischler verdingten. Je zwei Familien teilten sich eine Diele. Geschlafen wurde auch in diesem Haus in Alkoven, die Teil der Werkstätten sind. Am Giebel sind die Bauherren in einer Inschrift verewigt. Man liest dort außerdem: „Durch eine Feuerflamm wurd' ich gerissen nieder Durch Gott und Menschenhand steh ich hier jetzt und wieder“.

Eine adlige Bleibe
Ganz andere Lebensverhältnisse herrschten im Herrenhaus des Gutes Arkenstede, das auf das ausgehende 17. Jahrhundert zurückgeht und heute für Ausstellungen wie „Adel auf dem Lande“ genutzt wird. Es stand ursprünglich gut 20 Kilometer südwestlich von Cloppenburg und gehörte über Jahrhunderte verschiedenen adligen Familien der Region. Dabei fungierte es vor allem als Witwensitz.

Die Herren von Arkenstede besaßen grundherrliche Macht und verfügten über die Bauern, die auf den adligen Ländereien arbeiten mussten. Weiße Pfautauben sind Gäste des adligen Landsitzes. Es handelt sich um eine alte, aber nicht gefährdete Rasse, die ursprünglich aus der Türkei stammt und sich seit dem 17. Jahrhundert in Adelskreisen großer Beliebtheit erfreute.

Gutshaus Arkenstede

Gutshaus Arkenstede

Nicht nur Federvieh
Schon einmal von Westfälischen Totlegern gehört? Nein, es ist eine alte Hühnerrasse, die in der Hofanlage Wehlburg zu finden ist. Sie wird eigentlich seit Ende des 19. Jahrhunderts aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr gehalten. Seither schwört man auf Legerassen wie die Leghorn-Hühner, die im Museum bei der Hofanlage Meyer gehalten werden. Außerdem haben Bunte Bentheimer Landschweine   ihre Suhle auf dem Museumsgelände, auf dem auch Oldenburger und Ostfriesen, zwei Pferderassen gehalten werden. Zudem findet man in Cloppenburg auch Emdener Gänse,die größte und älteste domestizierte Gänserasse.

Schule, Kirche, Mühle
Nur wenige Schritte sind es bis zur Schule. Hier wurden bis 1891 Kinder unterrichtet und gezüchtigt. In unmittelbarer Nähe zur Schule steht, von einer Hecke umgeben, die katholische Kirche von Klein-Escherde. Nicht zu übersehen ist die auf einer Anhöhe stehende Achtkant-Kappenwindmühle aus Borkel/Cappeln. Sie besitzt zwei Mahlgänge und wurde 1761 durch die Bauernschaft erbaut.

Ein Ort zum Schmausen
Eines der prächtigsten Fachwerkhäuser im Museumsdorf ist das Haupthaus des Dorfkrugs, zu dem auch noch ein Speicher gehört. Der Dorfkrug wurde aus zwei Hallenhäusern zusammengefügt. Sie stammen vom Hof Meier zu Lahr in Goldenstedt und vom Hof Enneking in Oldorf/Damme. Zu datieren sind beide Hallenhäuser auf das 18. Jahrhundert.

Wie wäre es mit Kutscherpfanne oder - zur richtigen Jahreszeit - mit Grünkohl und Pinkel? Dazu darf der Ammerländer Löffeltrunk selbstverständlich nicht fehlen. Besonders durstige Kehlen werden mit Museumsdorf-Jubiläumsbier gelöscht. Vesperteller mit Ammerländer Schinken und grober Landleberwurst, Strammer Max oder Hausmacher-Topfsülze kann man sich ebenfalls schmecken lassen. Eltern können aber auch Kaffee und Kuchen oder einen Pott Tee zu Rosinenstuten mit Schinken und Käse genießen, während ihre Sprösslinge auf dem Spielplatz vor dem Dorfkrug herumtoben.

Die Zehntscheune
Auf dem Weg zur Zehntscheune – hier ist die Kasse des Museumsdorfs -, kommen wir nicht nur an der Esserner Bockwindmühle vorbei, sondern auch an der Köterei Ahrens, wo man heute zeigt, wie ein Stellmacher arbeitet. Auch eine Schmiede liegt auf dem Weg zur Zehntscheune, in der sich Ausstellungsräume, Kasse und Buchladen befinden.

Dampfseil-Pfluglokomotive in der Scheune aus Badbergen

Dampfseil-Pfluglokomotive
in der Scheune aus Badbergen

In einer Übersichtsschau vor der Kasse sind farbige Möbel aus der Museumsammlung ebenso zu sehen wie bemalte Spanschachteln. Einige der weit über 3000 bemalten Fliesen aus dem Museumsbestand stellt man gleichfalls aus. Gemälde und Druckgrafiken besitzt das Museum außerdem. Auch diese Schätze zeigt man in einem sehr kleinen Ausschnitt, ganz abgesehen von Exponaten der Jahrmarktskultur sowie Keramik. Ein wahrer Hingucker ist die spätbarocke Schrankwand von einem oberschichtigen Bauernhof nahe Weener. Diese Schrankwand ist mit Darstellungen aus der biblischen Josephs-Geschichte versehen.

In der aus Badbergen stammenden Scheune mit Pferdestall, die neben der Zehntscheune ihren Platz hat, widmet man sich in einer Schau der Dampfpflügerei in Deutschland. Zu sehen ist eine Dampfseilpflug-Lokomotive, die 1100 Liter Wasser pro Tag brauchte und letztmals 1963 im Einsatz war. Billig waren derartige Maschinen nicht. Neun Jahreseinkommen eines leitenden Beamten kostete ein Dampfpflug des Unternehmens John Fowler beim Kauf im Jahre 1879, wie einem Saaltext zu entnehmen ist.

Gulfhaus Hinderks aus Stapelmoorerheide

Gulfhaus Hinderks aus Stapelmoorerheide

 

Bentheimer sind hier daheim
Machen wir noch einen Besuch in der Hofanlage Welburg, vor deren Haupthaus sich ein schmucker Garten mit Buchsbaumhecken und Eiben befindet. Über dem Garteneingang entdeckt man ein Wappenschild mit zwei Kreuzen und zwei Löwen.

Teil des Gehöfts – hier werden extrem gefährdeten Bunte Bentheimer Landschweine gehalten – ist ein Wagenschauer mit Schweinestall und Futterküche. In der Torscheune mit Werkstatt (1760) sind landwirtschaftliche Gerätschaften und Maschinen untergebracht.

Gulfhaus und Bleichwiese
Anschließend schauen wir bei der Zimmerei Lürding in Andorf vorbei, besuchen den aus Lehm konstruierten Speicher vom Hof Helmsmüller und Haus Hinderks, ein Gulfhaus aus Stapelfeldermoorerheide. Dass man auf dem Lande auch etwas vom Brauen verstand, begreifen wir auf dem Hof Haake aus Visbek. Zu diesem gehört einst ein Brauhaus mit entsprechender Einrichtung. Die Fläche vor dem Hof diente als Bleichwiese. Hier wurde Leinen gebleicht. Um „ungebetene Gäste“ fernzuhalten, beschäftigte man einen Wächter, der in der Bleichhütte seine Bettstelle besaß. Am Rande der Bleichwiese sehen wir ein Heuerhaus für zwei Familien. Damit wollen wir den Besuch im Niedersächsischen Freilichtmuseum – Museumsdorf Cloppenburg dann ausklingen lassen. Wiederkommen ist versprochen, oder?


Weitere Informationen

Museumsdorf Cloppenburg
Bether Str. 6
49661 Cloppenburg
www.museumsdorf.de

Dorfkrug
Museumsdorf 25
49661 Cloppenburg
www.dorfkrugimmuseumsdorf.de
Der Dorfkrug ist auch nach der offiziellen Schließung des Museumsdorfs für Gäste zugänglich.


 


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