Wie es hier wohl den Ochsentreibern und Tieren damals ergangen ist?
So manches Rad, manche Achse mag auf dem sandigen Triftweg am Rande
des Kropper Wäldchens gebrochen, mancher Karren stecken geblieben
sein. Dieses Teilstück muss schon im Mittelalter die anstrengendste
und gefährlichste Etappe gewesen sein. Marodierende Räuberbanden
werden die schlechten Wegeverhältnisse für sich ausgenutzt haben.
Der Spruch an der Vorderfront des Gasthofs "Kropper Busch" klingt jedenfalls wie eine unverhohlene Warnung: "Du büs Kropper
Busch noch Ni vörbi!" Frei übersetzt: Kropper Busch liegt noch vor
dir!
Mit dem Ausbau des Radwanderweges soll dem Binnenland touristisch
auf die Beine geholfen werden. Doch manchmal hinken die Orte mit
dem Angebot für Radler hinterher. Einige Gasthöfe sind ohne Charme
oder einfach zu teuer. Die nobleren Hotels wenden sich eher an Spesen-
als an Pedalritter. Die Jugendherbergen in den Städten sind vielleicht
die bessere Alternative. In dieser Hinsicht hatten es die Treiber
und Händler im Mittelalter besser. Im Durchschnitt lag pro Meile
ein Dorfkrug am Ochsenweg, der Unterkunft und Verpflegung für Mensch
und Tier sicherstellte.

Manch trutziges
Kirchlein entdeckt man
auf der Tour, so auch in Oeversee
Ochsendrift - damals war's
Der Höhepunkt
der Ochsentriften war das 16. und 17. Jahrhundert. Alte Aufzeichnungen
über entrichtete Zölle registrierten bis zu 50 000 Ochsen zur Haupttriftzeit
im Frühjahr. Herden mit 1 000 Ochsen waren dabei nichts Außergewöhnliches.
Der Ochsenweg ist seit alters her die wichtigste Verkehrsverbindung
zwischen Deutschland und Dänemark, sogar die Viehtreiber nutzten
einen bereits existierenden Weg. Archäologen entdeckten entlang
der historischen Trasse Grabhügel der älteren Bronzezeit, die belegen,
dass hier bereits in der Vorgeschichte eine gewisse Betriebsamkeit
herrschte. Auch die Wikinger werden diese Nord-Süd-Verbindung genutzt
haben, als Haithabu zwischen 9. und 11. Jahrhundert. ihr
bedeutendster Handelsplatz war. Seit der Christianisierung der nordischen
Welt im 10. und 11. Jahrhundert bevölkerten Pilger den Fernweg auf
ihrem Weg zu den heiligen Stätten nach Rom, Jerusalem und Santiago
de Compostela. Gaukler, Magier, Wunderheiler, Quacksalber, das gesamte
fahrende Volk des Mittelalters, werden sich gleichsam dorthin begeben
haben.
Schließlich zogen Soldaten auf dem Fernweg durchs Land, scharmützelten
während der Händel um das Herzogtum Schleswig und schlugen bei den
deutsch-dänischen Kriegen ihre Schlachten. Erst nachdem Preußen
und Österreicher 1864 die Düppeler Schanzen gestürmt hatten
und die Dänen besiegt waren, wurde aus den Herzogtümern Schleswig
und Holstein eine preußische Provinz.
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