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»Federle und Schorreweible«

Weiter geht es nach Bad Waldsee, vorwiegend bekannt als Kurort. Aber auch hier steht am Ortsrand eine Ölmühle, die bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch in Betrieb war. Ein unterschlächtig angetriebenes Mühlrad mit 32 Schaufeln diente dazu, Raps, Mohn und Leinsamen zu Öl zu mahlen. Heute ist die noch betriebsfähige Mühle ein Museum, das neben dem Rührofen auch die Presse beherbergt. Aus drei bis dreieinhalb Kilo Raps oder Leinsamen konnte man einen Liter Öl gewinnen, die man unter anderem zum Firnissen einsetzte.

Museal bewahrt: Larven und Kostüme vom alemannischen Fasnet / Foto: Tourismusgesellschaft Oberschwaben

Im Obergeschoss der Mühle befindet sich das Fasnetsmuseum, das sich der Geschichte der alemannischen Fastnacht widmet. Federle und Schorreweible sind die klassischen Masken dieser besonderen Fastnacht. Wer übrigens am Umzug teilnehmen will und eine traditionelle Maske und die Häs, das Kostüm, tragen will, der muss aus Bad Waldsee sein und dort wohnen. Will man gar mit einem neuen Kostüm und neuer Maske – beide werden normalerweise in der Familie vererbt –teilnehmen, muss man zwei Jahre Zunftmitgliedschaft nachweisen. Allerdings werden jedes Jahr nur zehn neue Masken genehmigt, so dass das traditionelle Bild des Umzugs weitgehend erhalten bleibt.

Der schwäbische Petersdom

In erhöhter Lage thront die Basilika über der Stadt Weingarten. Sie ist Teil einer Klosteranlage mit gotischem Kreuzgang, die von Benediktinern gestiftet wurde. Neun Jahre lang baute man an der wuchtig wirkenden Barockkirche. Das schwäbische St. Peter ist in Höhe, Breite und Länge halb so groß wie der Petersdom im Vatikan.

Auch Oberschwaben hat einen Petersdom. Foto: Tourismusgesellschaft Oberschwaben

Die Ausmalungen von tausend Quadratmetern Gewölbefläche dauerte zwei Jahre lang. 6000 Gulden gab es für den Auftrag. Zurückhaltend stuckiert ist das Kircheninnere, in dem das Weiß des Schiffes mit dem bunten Bildkanon harmoniert. Berühmt ist die Basilika für die Prozession des heiligen Blutes, an der am Freitag nach Christi Himmelfahrt 3000 Reiter und Pferde teilnehmen. Nach dieser Stippvisite zu einem Highlight der Schwäbischen Barockstraße ist, machen wir uns nach Amtzell auf, wo noch eine historische Mühle und ein mit Wasserkraft angetriebenes Hammerwerk existieren.

Mit dem Schlag des Hammers

Es ist schon beeindruckend, wenn Oskar Hafen und sein Sohn bei Vorführungen Amboss und Hammer in Betrieb nehmen und mit regelmäßigem Schlag aus einem »Normeisen« einen Türbeschlag formen. Die beiden Kunstschmiede aus Meckenbeuren sind nur hin und wieder im Hammerwerk von Amtzell tätig. Die Hafens gehen sonst ihrer Arbeit als Kunstschmiede nach, fertigen Gartenmöbel, Treppen, Toranlagen und Brunnen.

Auf den richtigen Schlag kommt es an

Während ihrer Vorführung weisen sie darauf hin, dass in einer Schmiede mit Hammer Hufeisen, Mistgabeln, Spaten, Haken und Schippen Schlag für Schlag geformt wurden. Mit speziellen Schlägen auf den Amboss verständigen sich die Schmiede bis heute, so Sohn Hafen, über die nächsten Arbeitsschritte. Denn beim Auf und Nieder der Hämmer kann man sein eigenes Wort nicht verstehen. Der helle Klang des Ambosses ist jedoch nicht zu überhören.

Stadtgeschichte statt Mehlstaub

Nebenan in der Mühle Kübler hat man den Eindruck die Zeit sei stehen geblieben. Im 13. Jahrhundert wurde diese Mühle erstmals urkundlich genannt. Schaut man in die gute Stube, in die Dachkammer mit Rauchkamin für das Rauchfleisch, in die Schlafzimmer und in die Mühle, so wird man in eine andere Zeit versetzt. Es scheint über Jahrhunderte alles aufbewahrt worden zu sein. Mal sieht man ein Möbelstück mit Jugendstilverzierung, mal glaubt man sich beim Anblick der Einrichtung in die 1930er Jahre versetzt. Und bis heute funktionieren auch die Mahlgänge noch.

Feines Mehl wird in Wangen nicht mehr produziert

In die Räume der Eselmühle in Wangen ist das städtische Museum eingezogen. Müllerstube und Küche sind wie einer von fünf Mühlgängen noch vorhanden. Statt Mehlstaub einzuatmen, kann sich der Besucher heute mit der Stadtgeschichte und dem ortsansässigen Schützenwesen vertraut machen. Vorgestellt werden Arbeiten des Hofmalers Joseph Anton von Gegenbaur, von dem unter anderem das Gemälde »Moses schlägt Wasser aus dem Felsen« zu sehen ist. Wer sich für mechanische Musikinstrumente wie die Schwarzwälder Flötenuhr oder das Piano-Orchester interessiert, sollte die Eselmühle unbedingt besuchen.

Der Museumskomplex, zu dem die Eselmühle gehört, beherbergt auch das Käsemuseum. Es erläutert dem Besucher den Prozess von der Milch zum Emmentaler. Man sieht ein Molkefass ebenso wie eine Milchwaage. Auch die Aufgabe eines Abrahamlöffels bleibt beim Besuch kein Geheimnis. Inszeniert wurde eine Almkäserei, so dass man einen Eindruck vom Käsekochen im Kessel erhält. Schließlich blickt man auch auf ein Kapitel regionaler Industriegeschichte zurück, da man sich im Museum mit dem Adler-Käsewerk und dessen Produktpalette von Kräuterkäse bis Sahnekäse beschäftigt.

Wie man aus Milch Käse gewinnt, erfährt man in der »Wangener Museumslandschaft«

Am Ende des Rundgangs durch die »Wangener Museumslandschaft« gelangt man in eine öffentliche Badestube, die seit dem Ende des Mittelalters Bestand hat. Im Laufe der Geschichte wurden in den Gemäuern des Bades zeitweilig Wanderarbeiter und Obdachlose untergebracht, ehe man das Haus dank musealer Inszenierung wieder zu einer Badestube umgestaltet hat. Doch im Zuber baden kann man leider nicht, und auch das Schröpfen wird hier nicht mehr praktiziert.

 

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