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Reiseführer Münsterland

Bauernhof, Hofladen und Café
Erlebnisbauernhof Heseker in Warendorf

Hof Heseker

Wer an Warendorf denkt, der denkt stets an Pferde, an das Landgestüt, an die Hengstparade und seit Neustem an den Warendorfer „Walk of Fame,“ der an die Olympiasieger in Dressur, Vielseitigkeit und Springen erinnert. Doch Warendorf ist mehr: Warendorf ist Hansestadt, auch wenn das kaum öffentlich bekannt ist. Warendorf war außerdem im Mittelalter eine Stadt der Wiedertäufer, woran noch das Wiedertäuferhaus erinnert. Eingebettet ist die Emsstadt in eine ländlich strukturierte Umgebung, in der Spargel, Gurken und Getreide angebaut werden und in der auch Viehwirtschaft betrieben wird. Doch von der Landwirtschaft allein kann kein Bauernhof heute leben. Neue Standbeine müssen her. Selbstvermarktung der eigenen Produkte ist angesagt. Ein Bauern-Café mit selbst gemachtem Kuchen und leckerer westfälischer Küche muss es schon sein, jedenfalls auf Hof Heseker südöstlich von Warendorf gelegen.

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Durch die Ems-Auen und die Naturschutzwiesen der Vohrer Mark geht’s zum Hof Heseker, auf dem Zuchtbullen, Kühe und Kälber gehalten werden. Dabei sieht man einen gemischten Herdenbestand aus Rindern der Rassen hellbraune Limousin, rötlich-braune Salers, dunkelbraun bis schwarze Aubrac. Texas-Longhorn und Shorthorn. Eine Besonderheit ist die Mutterkuhhaltung, sprich die Kälber bleiben sehr viel länger als bei konventioneller Haltung bei den Mutterkühen. Gehalten werden die oben genannten Rinderrassen, weil sie sehr gute Fleischlieferanten sind. Die Rinder haben einen Laufstall zur Verfügung, sodass sie frei zwischen drinnen und draußen wählen können. Ein Teil der Gesamtherde verdingt sich im Naturschutz. Dass die Rinder im Stall auf Stroh stehen wie auch die Schweine, darunter auch die alte Rasse des Bentheimer Landschweins und Ungarisches Wollschwein, aber vor allem eine Mischung aus Deutscher Landrasse und Pietrain, ist auf Hof Heseker selbstverständlich.

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Deutsche Landrasse und Pietrain geben sehr gut ausgeprägte Schinken, wie ich beim Hofbesuch erfuhr, und auf Fleisch kommt es auf Hof Heseker schließlich an. Ins Schwärmen kommt die Hausherrin Elisabeth Heseker, wenn sie vom nussigen Fleisch der Bentheimer erzählt, vor allem wenn man diesen Eicheln füttert. Zudem sei das Fleisch schön fein-marmoriert. Manche Teile vom Bentheimer, so auch der Schinken, ist allerdings auch recht fett.

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Junge Flugenten, die zu Weihachten als Braten besonders begehrt sind, fühlen sich auf Hof Heseker ebenso wohl wie Nil- und Kanadagänse, die als Gäste sehr schnell spitz bekommen haben, dass es auch ihnen auf dem Hof gut geht, zumal wenn sie von Felix Heseker aufgepäppelt werden. Nur die Hausgänse kommen übrigens in den Kochtopf, nicht etwa die „exotischen“ Nil- und Kanadagänse. Auf dem Erlebnisbauernhof findet man außerdem einige Schafe sowie braune Burgen- und gräuliche Zwergziegen. Zudem bietet man auf Hof Heseker Ponyreiten auf Mini-Ponys an, die eine Risthöhe von 80 Zentimetern haben, also für die ersten Reitversuche kleiner Kinder sehr gut geeignet sind. Für ältere Kinder steht ein Pferd bereit, das auf dem Warendorfer Fettmarkt gekauft wurde. Ansonsten können die jungen Hofbesucher mit Kettcars und Buggys über das Hofgelände düsen. An einem der Kinderfahrzeuge ist sogar ein Viehtransporter angekoppelt, sodass sich Mark und Michael, aber auch Lisa und Marie wie kleine Landwirte fühlen können.

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Bereits bei der Zufahrt auf die Hofanlage wird man vom Gemecker der Ziegen und von dem aufgeregten Geschnatter einiger Gänse empfangen. Ganz gemächlich bewegen sich die Mutterkühe mit ihren Kälbern zwischen Laufstall und hofnaher Weide hin und her. Hier leben vor allem die Mutterkühe, die erstmals gekalbt haben. An der Wasserstelle gibt es schon mal kleinere Revierkämpfe. Auch Kühe können halt zickig sein. Insbesondere die nur ein Meter große, schwarze Dexter-Kuh „Xena“ legt sich trotz ihrer geringen Körpergröße schon mal mit dem Grauvieh namens Resi an, auch wenn die Kleine dann den Kürzeren zieht.

Die Herde auf dem Hof besteht aus 80 Mutterkühen und fünf Zuchtbullen unterschiedlicher Rassen. Alle diese Tiere sind sehr robust und werden wegen der Superqualität des Fleisches gehalten, wie die Hausherrin Elisabeth Heseker anmerkt. „Die Rinder leben zwischen neun und elf Monate draußen. Die Zuchtbullen laufen übrigens immer in den Herden mit, immer ein Bulle in einer Herde, sonst gäbe es Probleme. Die Herde besteht aus 15 bis 20 Tieren. Es gibt einen Limousin-Bullen mit reinrassigen Limousin-Kühen, sodass man auch Zuchttiere bekommt. Dann lässt mein Mann aber auch gerne Salers mit Limousin zusammen, einfach wegen des besonderen Fleisches. Was auch prima ist, ist Limousin und Texas-Longhorn zu kreuzen oder auch den Shorthorn-Bullen mit Limousin-Kühen paaren zu lassen.“

Wenn die Sonne lacht, dann lädt der Außenbereich des Bauern-Cafés zum Verweilen ein. Hier kann man sich nicht nur leckere Torten schmecken lassen, sondern auch Deftiges. Wie wäre es denn mit Leberkäs mit Brot und zwei Spiegeleiern oder zwei Scheiben Bauernsülze mit zwei Spiegeleiern und Bratkartoffeln? Darf es zum Nachtisch vielleicht Pfannkuchen mit Zimt und Zucker oder Waffeln mit Kirschen sein? Der Hit vom Küchenbüffet ist die legendäre „Unwettertorte“, die sich die Tochter des Hauses ausgedacht hat. Was es damit auf sich hat, verrät Elisabeth Heseker: „Wir haben die gebacken, als der WDR mit „Kuchenbüffet“ zu uns kam. Das ist ein Nussbiskuit. Darauf sind Bananen mit Zitronensaft beträufelt, Kirschen mit Sahnepudding, dann eine dünne Schicht Biskuit, dann Vanillepulver und ein Hauch Sahne sowie Verzierungen mit Blitzen, schließlich Schokolade mit Sahne als Gewitterwolken. Mit Eierlikör wird sie dann 'scharf' gemacht.“ Potz Blitz, das klingt nicht nur nach Hüftgold, das ist es auch. Übrigens, mein Tipp: Unbedingt probieren, denn beim Radeln purzeln ja die Kalorien und Radeln kann man rund um Warendorf ausgiebig, nicht nur in den Ems-Auen, sondern auch nach Freckenhorst, Sendenhorst oder auch Telgte.

Wenn mal der Himmel über Warendorf grau sein sollte, dann kann man sich auch ins Café zurückziehen. Über den Köpfen der Gäste schwebt nicht nur ein Schaukelpferd, sondern auch eine auf ihrem Besen reitende Hexe. Auf dem Gebälk des Fachwerks hat allerlei Nippes seinen Platz, ob eine Milchkanne oder Steinzeug. Zur Dekoration gehört auch ein alter Puppenherd neben einem mächtigen „Kanonenofen“. Man findet auch landwirtschaftliches Gerät wie Reisigbesen, Rechen und Sense sowie einen eisernen Traktorsitz als „Wandschmuck“. Zaumzeug hängt von mächtigen Balken. Na dann, mal herein in die gute Stube.

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„Die Geschichte von Hof Heseker ist eigentlich die, dass das ein ganz gewöhnlicher Bauernhof war, und dann haben meine Schwiegereltern für die benachbarten Bauern gewurstet, allein im Winter. Weil man eben von der Landwirtschaft nicht leben kann, hat mein Schwiegervater, der Fleischer war, bei den Bauern geschlachtet und dann die Wurst gemacht. Das hörte aber irgendwann auf und dann wurde nur auf Hof Heseker geschlachtet. Man begann im Oktober mit der Wursterei und hörte zu Ostern auf. Da die Bauernfamilien nach und nach kleiner wurden, brauchten sie auch irgendwann keine ganzen geschlachteten Schweine mehr, sondern nur noch halbe. So habe ich dann nur Teilstücke verkauft. Die Familien wollten aber gerne Selbstgeschlachtetes auf dem Tisch haben. So haben sie denn gefragt, ob sie denn nicht dann, wenn wir Schweine schlachten, was abhaben können. Manchmal war das auch nur ein Braten. Da es immer mehr wurde, entstand der Laden, obgleich ich gesagt habe, man sollte das mal nicht so rumerzählen. Das bewirkte aber das Gegenteil, denn es sprach sich halt doch rum. Das war Wahnsinn. Dann haben wir den Laden gebaut. Aber wir haben nur samstags verkauft. Danach haben wir angefangen, Bauernmärkte mit 40 bis 50 Ständen, Grillen und selbst gebackenem Kuchen zu veranstalten und einige Zeit später am 1. Mai „Rast aufn Hof“. Dann kamen auch Kunden, die die Idee eines Cafés hatten. Erst habe ich gedacht: „Nee, ich mach doch kein Café.“ Jetzt machen wir das schon im sechsten Jahr. Aber das ist ganz langsam gewachsen. Den Kuchen backen wir selbst. Erst habe ich alleine gebacken. Nun habe ich ein Mädel dabei, das mir Rohlinge backt. Na und dann sagte auf einmal meine Tochter: „Ach Mama, ich helf' dir.“ Dann hat die so 'nen Spaß daran gekriegt, und nun steckt sie mich in die Tasche, was das Tortenmachen angeht.“ So erzählt Elisabeth Heseker auch ein wenig stolz über ihr Kind „Bauern-Café".

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In der eigenen Landmetzgerei versteht man es, aus den hofeigenen Schweinen, auch aus den bunten Bentheimern, und den hofeigenen Rindern leckere Braten, Schinken und Wurst zu produzieren. Dabei achtet man darauf, keine Farbstoffe, keine Geschmacksverstärker und keine Laktose bei Wurst- und Schinkenherstellung zu verwenden. Gesundes vom Hof, so lautet die Devise auf Hof Heseker. Na, sieht die hausgemachte Blutwurst nicht einladend aus? Oder vielleicht soll es doch der Westfälische Knochenschinken sein? Nicht für Kalorienzähler gedacht sind Mettwurst, Mett-Enden, Bier- und Feuerbeißer, die Fleischermeister Frank Heseker, der Sohn der Hofbesitzer, eigenhändig herstellt und im Hofladen vertreibt. Und wenn die Grillsaison vor der Tür steht, dann finden die ohne Phosphate und Konservierungsstoffe hergestellten Grillwürste reißenden Absatz.

 

Touristische Informationen

Hof Heseker
Vohren 92
48231 Warendorf
www.hofheseker.de


 

 

 

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