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Reiseführer Münsterland

Von Tecklenburg durch den Teutoburger Wald
zu den Dörenther Klippen

 

Enge Gassen und Stiegen, an denen in Reih' und Glied zahlreiche schmucke Fachwerkhäuser stehen, machen den Reiz des Bergstädtchens Tecklenburg aus, das sich einen Namen als Luft- und Kneipp-Kurort gemacht hat. Dass Tecklenburg die einzige Höhenburg des Münsterlandes war, ist nicht allen bekannt. Wer im Mittelalter gen Santiago de Compostela pilgerte, der kam auch über Tecklenburg, das einst Teil einer Grafschaft war, ehe es preußische Provinzstadt wurde und heute eine Gemeinde des Landkreises Steinfurt ist. Einen Abstecher zum Haus Marck sollte man unternehmen, wenn man seine Wanderung zu den Dörenther Klippen unternimmt. Von dort aus empfiehlt sich zudem ein Abstecher zu Loismanns Botanischem Garten am Dortmund-Ems-Kanal. Dieser hat nicht nur eine interessante Entstehungsgeschichte, sondern ist auch ein idyllisches Fleckchen zum Picknicken.

Tecklenburg

Von der Tecklenburger Höhenburg ist nur noch das im 17.Jahrhundert entstandene Burgtor mit üppigem Wappenfries erhalten. Zudem sehen wir als Schildhalter zwei Löwen links und rechts außen. Die Frauenfigur in der Mitte des Frieses trägt eine Rüstung und wird als Minerva gedeutet.

Auf dem ehemaligen Burgareal hinter dem Burgtor befindet sich die Freilichtbühne, die im Sommer Schauplatz von Musicalaufführungen ist. Der wuchtige Turm auf dem ehemaligen Burgareal ist kein Burgfried, sondern der Wierturm, 1884 in Gedenken an Dr. Johann Wier errichtet. Ihm, dem Leibarzt der gräflichen Familie, ist es zu verdanken, dass es im 16. Jahrhundert in der Grafschaft Tecklenburg keine Hexenverbrennungen gab.

Fachwerk, wohin das Auge blickt

Stehen wir unterhalb des Burgbergs an der Bastion, so sind wir nur Schritte von der sogenannten Legge entfernt. Dieser Torbau wurde 1577 errichtet und diente ursprünglich als erste landesherrliche Leinenprüfanstalt Westfalens. Hier musste Leinen vorgelegt und versteuert werden. Wanderhändler zogen mit ihrem derben Leinen, aus denen Segel, Arbeitskleidung und Planen gefertigt wurden, über Land und boten ihre Ware feil. Nach dem Niedergang der Leinenherstellung durch das Aufkommen von Baumwolle und Jute wurde die Legge Rathaus und Arrestanstalt.

Tecklenburg

Von der Legge aus gelangen wir zum Markt, der von Fachwerkbauten des 17.Jahrhunderts umstanden ist. Teilweise wurden diese Häuser auf der alten Stadtmauer erbaut. Zu den sehenswerten Bauwerken gehört das Haus an der Linde, das einen Anbau, die sogenannte Utlucht besitzt. Hier fanden Webstuhl und Spinnrad einst ihren Platz. Vorhanden sind noch Reste des Junker- oder Meesenhofs, der im 16.Jahrhundert für den Drosten Christopher von Tecklenburg erbaut wurde. Teile des historischen Hofes – bestehend aus Fachwerk- wie auch Putzbauten – beherbergen heute die Stadtbücherei. Schräg vor dem historischen Hof steht das Krummacher Haus, das Geburtshaus des Schriftstellers und Hofpredigers Friedrich Adolf Krummacher. Auffallend ist die große Deelentür, ein typisches Merkmal für ein Ackerbürgerhaus. Schaut man auf die andere Straßenseite, so erblickt man das Schiefe Haus (siehe oben), in dem bis zu 13 Personen auf engstem Raum lebten. Es ist ein Tagelöhnerhaus, in dem gelebt und gearbeitet wurde. Der bläuliche Putzanstrich war die typische Farbe für die Behausung ärmerer Tecklenburger und sollte außerdem Ungeziefer abhalten.

Tecklenburg, Puppenmuseum

Puppen und Spielzeug

Begeben wir uns nun talwärts zur sogenannten Welle, wo von den Bewohnern der Stadt in früheren Zeiten ihre Wäsche in ausgemauerte Becken gelegt wurde, um sie zu spülen. Wer sich für Puppen, Kinderspielzeug und die Geschichte der Leinenweberei interessiert, der sollte das Puppenmuseum besuchen, das in einem vierachsigen Fachwerkbau von 1684 untergebracht ist.

Eine alte Gräftenanlage und ein Bismarckturm

Lassen wir die sogenannte Welle, den historischen öffentlichen Waschplatz, in unserem Rücken und wenden uns gen Süden, so erreichen wir den Königssee, an dem Angelfreunde aus Lengerich ihrem Freizeitspaß nachgehen. Folgen wir der Wanderwegmarkierung A4 (Rund um die Talaue Wasserschloss Haus Marck) und I (Rundwanderweg Ibbenbüren) dann erreichen wir mit Haus Marck (siehe oben) eine Gräfteanlage, die ursprünglich im Renaissancestil konzipiert, aber dann im 18. Jahrhundert barock umgestaltet wurde. Hier kam man sich heute trauen lassen und auch Ferienwohnungen gibt es in diesem von Wasser umgebenen Herrenhaus zu mieten. Aus dem Wald herauswandernd erreichen wir den ehemaligen Bahnhof von Tecklenburg, der ab und an im Jahr Haltepunkt der nostalgischen Teuto-Bahn ist. Hinter dem alten Bahnhof wenden wir uns nach rechts. Nunmehr geht es stetig bergan, auch vorbei an einem Ilex kommend und durch einen dichten Buchenbestand wandernd. Etwas verwaschen ist der Hinweis „Hexenpfad“ an einem der Bäume. Auch eine auf einem Besen reitende Hexe entdecken wir als Wegmarkierung während des Fortgangs der Wanderung.

Aus der Straße Saatkamps Knapp kommend wenden wir uns nach links auf die Straße Am Weingarten, um den Bismarckturm zu erreichen. Die Form des Turmes macht stutzig, verjüngt er sich doch nach oben und weist einen mächtigen kegelförmigen Basisstumpf auf. Unter Zuhilfenahme eines Mühlenrestes erbaute man den Turm 1908 und ließ sich diesen Spaß 12000 Mark kosten. Nicht zu übersehen ist das vorgelagerte Portal mit dem Bismarckrelief. Nur wenige Meter von hier weist uns der Hinweis „Dörenther Klippen Sommer Rodelbahn „Brochterbeck“ und ein weißes H aus schwarzem Grund den Weg nach halblinks. Unterwegs sehen wir in der Ferne das Kohlekraftwerk von Ibbenbüren mit mächtigen Kühltürmen, eine Landmarke am Rande des Teutoburger Waldes, auf die man gerne verzichten möchte.

Klettergebiet Königstein

Wieder den Wald erreichend, sind wir auf einem Naturlehrpfad unterwegs, auf dem wir neben dem Faulbaum auch andere interessante Gehölze entdecken. Den nachfolgenden Abzweig nach Brochterbeck lassen wir links liegen und folgen der Ausschilderung „Waldkapelle Blücherfelsen“. Kurz bevor wir die Bahntrasse der Teuto-Bahn kreuzen, stoßen wir auf einen knorrigen Baum, den ein Zeitgenosse mit einem Drachenkopf verziert hat. Nun sind es laut Ausschilderung für den Hermannsweg nur noch vier Kilometer zu den Dörenther Klippen, unserem heutigen Tagesziel.

Streuobstwiesen sind anfänglich linker Hand auszumachen, ehe wir wieder den Wald und das Klettergebiet Königstein erreichen. Geklettert wird hier mit maximal zehn Personen zur gleichen Zeit und natürlich auf eigene Gefahr. Dass man unterwegs auch immer wieder einzelne Mountain Biker oder auch gar mehrköpfige Gruppen trifft, sei hier am Rande vermerkt.

Spuren des II. Weltkriegs

Kurz vor den Dörenther Klippen stoßen wir auf einen Friedhof: Hier liegen junge Reserveoffiziersbewerber beerdigt, darunter der am 27. Oktober 1927 geborene Ernst Hilmer, der jüngste Soldat, der hier fiel. Alle wurden Opfer während des Vormarsches der Alliierten, die bereits im Februar 1945 über 2000 Mal Ibbenbüren aus der Luft angegriffen hatten. Am 3. April 1945 kam es zu heftigsten Gefechten an den Dörenther Klippen. Diese erreichen wir nur Minuten nach dem Ehrenfriedhof. Doch zuvor kehren wir in der Almhütte ein, stärken uns bei Kaffee und Kuchen, wie unzählige Moutainbiker und Wanderer.

Dörenther Klippen

Hoch sich auftürmend oder wie übereinander liegende Pfannkuchen – so schauen die Felsgebilde aus, die die Dörenther Klippen bilden. Vor 135 Millionen Jahren rauschten an gleicher Stelle die Wellen eines Meeres. Das, was wir heute als Felsformationen wie das sogenannte Hockende Weib sehen, lag als Sand an den Gestanden dieses Urmeeres. Erst mit dem Verschwinden des Meeres und der Verfestigung des Sandes zu Sandstein erhoben sich durch Verwerfungen die Klippen. Durch fortschreitende Verwitterungen haben sie ihre heutige Form erhalten. Teilweise sieht man Poren an der Oberfläche des Gesteins, sodass man von Wabenverwitterung spricht.

Dörenther Klippen

Wer nicht auf der Almhütte eingekehrt ist, kann dies auch nach Passieren des sogenannten Hockenden Weibes noch nachholen. Ein Paar aus Schaben hat sich nicht nur mit einem Campingplatz einen Lebenstraum erfüllt, sondern auch mit dem Restaurant, das schlicht den Namen Schwäbischer Gasthof Dörenther Klippen trägt. Wem der Sinn nach Maultaschen geschmälzt oder Schwäbischem Sauerbraten ist, der wird nicht enttäuscht werden. Für Vegetarier gibt es unter anderem Käsespätzle mit Röstzwiebeln. Na dann, guten Appetit!

Loismanns Botanischer Garten

Will man zu Fuß noch Loismanns Botanischen Garten erreichen, setzt man von den Dörenther Klippen aus die Wanderung auf dem Hermannsweg fort und biegt dann an der Ausschilderung „Botanischer Garten“ nach links ab. Nach etwa einem Kilometer wird der Bushalt Botanischer Garten des Busses 163 (Ibbenbüren – Riesenbeck) erreicht, der jedoch nicht an Sonntagen verkehrt. Dem Loismannweg folgend gelangt man dann zu Loismanns Botanischem Garten unweit des Dortmund-Ems-Kanals. Dieser Garten mit Taschentuch- und Mammutbaum, Götterbaum und Magnolien ist eine Gartenperle am Rande des Teutoburger Waldes und gewiss einen Besuch wert.

Informationen
Tecklenburg Touristik
http://www.tecklenburg-touristik.de/

Botanischer Garten
Loismannweg 10
49479 Ibbenbüren-Dörenthe
Öffnungszeiten: ganztägig, April bis Oktober.
Der Eintritt ist frei

Anreise
Westfalenbahn von Ibbenbüren-Münster
http://www.westfalenbahn.de/

Bus S50 Dörenther Berg-Münster Hbf
http://www.rvm-online.de

Freizeitbus F2 Münster-Tecklenburg
Sonn- und Feiertags vom 1.Mai bis 3.Oktober
www.westfalenbus.de

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