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Ausstellungsorte in München:Pinakothek der Moderne / Alte Pinakothek / Stadtmuseum / Jüdisches Museum / Neue Pinakothek / Museum Brandhorst /Lenbachhaus / Museum für Völkerkunde / Ägyptisches Museum

München
Pinakothek der Moderne

Ausstellungen

Ausstellungen

Künstlerporträts. Fotografien der 1920er und 1930er Jahre aus der Stiftung Ann und Jürgen Wilde
bis 31.08.2017

In der Fotografie der Moderne ist das Porträt Experimentierfeld einer Kunstform, die sich stets selbst reflektiert. Das Künstlerporträt gibt dabei Zeugnis der dargestellten und darstellenden Künstler, und ist zugleich Spiegel von weitreichenden Beziehungsgeflechten und personellen Netzwerken. Die Präsentation zeigt Fotografien aus den 1920er und 1930er Jahren von Aenne Biermann, Florence Henri, Germaine Krull, Albert Renger-Patzsch, August Sander und Michel Seuphor aus den Beständen der Stiftung Ann und Jürgen Wilde.

LUCAS VAN LEYDEN (1489/94–1533) – Meister eer Druckgraphik
bis 24. Sept. 2017

Lucas van Leyden war der bedeutendste niederländische Kupferstecher der nordeuropäischen Renaissance. Der in Leiden geborene Künstler hatte sich von frühester Jugend an auf diese Kunstform spezialisiert und sie auf höchstes Niveau gehoben. Dass Lucas als "Wunderkind" seinen ersten datierten Kupferstich bereits im Alter von 14 Jahren geschaffen habe, berichtet 1604 der Kunsttheoretiker Karel van Mander (1548–1606). Die delikat gestochenen Blätter wurden bereits zu Lucas' Lebzeiten von Künstlern und Sammlern hoch geschätzt und hatten bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der europäischen Druckgraphik. Die Ausstellung präsentiert eine prononcierte Auswahl von mehr als 80 seiner Blätter aus dem reichen Bestand der Staatlichen Graphischen Sammlung München. Sie erlaubt einen detailreichen Einblick in den künstlerischen Entwicklungsprozess Lucas van Leydens, von seinen Anfängen um 1506 bis in sein letztes Schaffensjahr 1530. Berühmt ist Lucas für seine subtilen Grauabstufungen, mit denen er den Eindruck räumlicher Tiefe und atmosphärischer Stimmungen zu erzeugen wusste. Doch war es auch Lucas' erzählerisches Talent, mit dem er das Publikum zu fesseln verstand. Oft verlegt er das eigentliche Hauptereignis seiner theaterhaften Inszenierungen in den Hintergrund und stellt den Moment kurz zuvor oder danach als Schwerpunkt seiner Erzählung in den Vordergrund. Hinzu kommt eine Fülle an Details. Schon Giorgio Vasari und Karel van Mander rühmten seinen Variantenreichtum in der Darstellung von Gesichtern sowie die Vielfalt der Gewänder und Kopfbedeckungen. Das genaue Studium von Lucas' Kupferstichen eröffnet eine Welt für sich, die viele Überraschungen – auch amüsanter Art – bereithält. Noch heute ziehen Lucas' eigenwillige Sujets und seine phantasievolle Erzählkunst in ihren Bann. So gibt das bekannte Blatt mit der "Milchmagd" von 1510 auf einen ersten Blick vor, Zeugnis des realen Landlebens zu sein. Beim näheren Hinsehen offenbaren sich die erotischen Anspielungen auf eine sich anbahnende Liaison des hinterwäldlerischen Knechts mit der offenherzigen Magd. Mit seiner ironischen Sicht auf die Macht weiblicher Anziehungskraft und der Warnung vor der List und Tücke der Frauen traf Lucas den Geschmack seiner Klientel aus dem Kreis des gutgestellten Bürgertums. Ausstellung und Katalog bieten die vergnügliche Gelegenheit, einen umfangreichen und bedeutenden Sammlungsbestand der Staatlichen Graphischen Sammlung München neu zu entdecken, das Auge für die delikaten Kupferstiche zu sensibilisieren, sich in die reiche Bildwelt des Lucas van Leyden zu vertiefen und sich an dessen phantasievollen, bisweilen rätselhaften Erzählungen zu erfreuen.

Global prekär Flucht, Trauma und Erinnerung in der zeitgenössischen Fotografie
bis 01.10.2017

Politische und gesellschaftliche Konflikte zu dokumentieren gehört seit jeher zu den zentralen Aufgaben von Fotografie. Die neu eingerichtete Präsentation aus den Sammlungsbeständen widmet sich der künstlerischen Auseinandersetzung mit Krieg und Vertreibung sowie Entwurzelung und Flucht. Die ausgestellten Künstlerinnen und Künstler entwickeln ihre Arbeiten aus der Beschäftigung mit den noch immer nachwirkenden Folgen des 2. Weltkriegs. Sie fokussieren ihren Blick jedoch auch auf die Konflikte zwischen der sogenannten Ersten und der Dritten Welt, sei es entlang des amerikanisch-mexikanischen Grenzzauns oder an den europäischen Außengrenzen. Ihre vielschichtigen visuellen Erzählungen gehen von konkreten Ereignissen aus, deren historische Überlieferung und gesellschaftliche Relevanz sie kritisch reflektieren. Den Bildern der Medien wie den offiziellen Verlautbarungen setzen sie eine andere, aus der persönlichen Perspektive gewonnene Lesart entgegen. Zu den ausgestellten Werken: In der als 124-teilige Serie angelegten Arbeit »There and Gone« (Dort und Fort) entwickelt John Gossage (*1946, New York City) in drei Kapiteln einen fotografischen Essay über das zwischen den USA und Mexiko liegende Grenzgebiet. Von US-amerikanischer Seite aus betrachtet, zeigt er schemenhaft Menschen am Strand von Tijuana, das Bildmaterial wurde mit Teleobjektiven aufgenommen oder stammte aus Überwachungskameras. Im zweiten Kapitel »Spurenlesen« dokumentiert er in präzisen Ausschnitten das Niemandsland des durch einen Zaun gesicherten Grenzstreifens mit ausgetretenen Pfaden, Verstecken und illegalen Durchbrüchen. Das letzte Kapitel verbindet Detailansichten aus dem kalifornischen Alltagsleben mit Begriffen, wie sie auf mexikanischen Lotteriekarten zu finden sind, ohne dass sich zwischen Bild und Text ein unmittelbarer Sinnzusammenhang herstellen lässt. Eva Leitolf (*1966, Würzburg) untersucht in der Serie »Postcards from Europe«, die sich seit 2006 als work in progress fortschreibt, das Verhältnis Europas zu seinen Außengrenzen und dem zunehmenden Strom von Flüchtlingen. Nicht das vielfach dokumentierte Leid der Migranten, sondern der gesellschaftliche und politische Umgang mit ihnen steht im Mittelpunkt. Die dargestellten Orte sind Schauplätze von Konflikten, die sich hier abgespielt haben, bevor die Künstlerin sie aufgesucht hat. Die in den Fotografien nur andeutungsweise sichtbaren Spuren von Ausgrenzung, Gewalt und Elend nehmen durch sachliche, auf Fakten gestützte Texte, die in Form von Postkarten mitgenommen werden können, konkret Gestalt an und verschränken Bild und Text zu einer gleichermaßen bedrückenden wie aufrüttelnden Zeitstudie. In Form eines fotografischen Re-Enactements zeigt Jeff Wall (*1946, Vancouver) einen aus Anatolien stammenden jungen Mann, den er kurz zuvor kennengelernt hatte. Seine nachträglich in Szene gesetzte Ankunft ereignet sich in Mahmutbey, einen durch monotone Ansiedlungen und ausufernde Gewerbegebiete stark expandieren Vorort von Istanbul. Mahmutbey erscheint weder urban noch dörflich, sondern wie ein Transitraum, der weder Orientierung noch Halt bietet. Die gewählte Ansicht öffnet den Blick in die Ferne, nicht aber zu dem Ort, der Ziel der Reise ist. Roy Arden (*1957, Vancouver) widmet die Serie »Abjection« (Unterwürfigkeit) dem lange in der kanadischen Geschichte verdrängten Thema der Enteignung, Internierung und zeitweisen Deportation der japanisch-stämmigen Bevölkerung nach dem Angriff Japans auf Pearl Harbor im Dezember 1941. Aufnahmen von beschlagnahmten Automobilen, die in einem Freizeitpark abgegeben werden mussten, sind eingerahmt von Darstellungen eingesperrt wirkender, sich unterwürfig und ergebend bewegender Asiatinnen. Die historischen Zeitungsaufnahmen werden in der vertikalen Bildkomposition jeweils von schwarzen monochromen Flächen dominiert, die stellvertretend für das gelesen werden können, was nicht als Bild überliefert ist. Die beiden auf Dokumentenpapier vergrößerten Aufnahmen zeigen den Blick in das Dachbodenatelier von Anselm Kiefer (*1945, Donaueschingen). Erst bei genauerer Betrachtung sind auf dem sandigen Boden kleine Figuren und Modelle zu erkennen. Es handelt sich um Panzer und Soldaten, die Szenerie erinnert an die Versuchsanordnung einer Schlacht oder eines Angriffs. Während über einer Aufreihung von Soldaten eine Dreieinigkeit aus Modellstühlen schwebt, zeigt das zweite Bild unvermittelt herabhängende Seile, die wie gekappt scheinen. Kiefer verwendete diese und weitere Fotografien, die er teils mit Sand und Öl überarbeitete, in seinen 1976 erschienenen Künstlerbüchern mit dem Titel »Märkischer Sand«. Sie nehmen Bezug auf die deutsche Geschichte, auf Krieg und Verwüstung. »Waffenruhe«, ein Buch- und Ausstellungsprojekt, das rund 50 Bilder umfasst, kann als eine Art mentaler Zustandsbericht gelesen werden, ins Bild gesetzt anhand von Aufnahmen, die Michael Schmidt (1945-2014, Berlin) in den 1980er-Jahren im Westteil Berlins geschaffen hat. Kein funktionierendes Stadtgefüge mehr, sondern nur noch Fragment einer einstigen Metropole, durch die Mauer von der westlichen Welt wie vom Ostteil abgetrennt, als kapitalistischer Outpost wie ein dahinsiechender Patient am Tropf bundesdeutscher Zuschüsse hängend hatte sich in Berlin eine streitbare Subkultur entwickelt, von einer radikalisierten Hausbesetzer-Szene bis hin zur Punk-Bewegung. Obwohl in einer Vielzahl der Bilder die Mauer erkennbar ist, geht es nicht um eine Dokumentation der geteilten Stadt, sondern um eine Analyse, in der Trauer, Verlust, Schmerz und Widerstand auf verstörende Weise unvermittelt aufeinandertreffen.

Pinakothek der Moderne
Barer Str. 29
80799 München
Öffnungszeiten
Di, Mi, Fr.–So 10–18 Uhr, Do bis 20 Uhr

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