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München
Alte Pinakothek

• Brueghel, Rubens und Konsorten
laufend

Teilweise geöffnet ab April 2016!

Als eine der wichtigsten Gemäldesammlungen der Welt birgt die mehr als 800 Werke umfassende Sammlung Meisterwerke europäischer Malerei vom 14. bis zum 18. Jahrhundert. Ein Schwergewicht liegt dabei auf der deutschen sowie flämischen und niederländischen Kunst jener Jahrhunderte. Gut lässt sich bei einem ausgiebigen Rundgang die Entwicklung der mittelalterlichen Malerei bis ins ausgehende Spätbarock und Rokoko nachvollziehen.

Wie die Welt im 17. Jh. wahrgenommen wurde, vermittelt Jan van Kessel in seinen Gemälden über die Kontinente der Welt. Dabei ist ihm allerdings die Zuordnung der spezifischen Flora und Fauna und geografischer Daten nicht immer gelungen. Für Europa steht die Stadtansicht von Rom, umgeben von Städten wie Wien, Moskau und Stockholm. Vor den Toren Amsterdams erblicken wir grasende Wiederkäuer, einen Esel und einige Hasen. Lissabons Fauna besteht aus Kraken, Sepias und anderem Meeresgetier. Asien wird von der Ansicht Jerusalems dominiert. Doch was sucht ein Buddha in der Arkadenarchitektur der heiligen Stadt? Vor Mekkas Mauern schlängeln sich Lindwürmer, Esel und Kamele haben sich vor Bethlehem eingefunden. Und auch das Kap der Guten Hoffnung ziert van Kessels Gemälde, das sich dem asiatischen Kontinent widmet. Doch wir wissen, dass das Kap der Guten Hoffnung Teil Afrikas ist und nichts mit Asien gemein hat. Der Schwarze Kontinent besteht in van Kessels Vorstellungen unter anderem aus Nashörnern und Löwen, aus Städten wie Ceuta und Tripolis. Nach diesem Auftakt begegnen wie einer bunten Bauernhochzeit, die uns Pieter Brueghel d. J. hinterlassen hat. Doch irgendetwas fehlt an der Darstellung der ausgelassenen Gesellschaft: ja, die Musiker, die Geiger und Schalmeienspieler, die Drehleierspieler und die Teufelsbassspieler – Absicht oder Vorsatz ? Ein ganz anderes buntes Treiben finden wir bei Jan Brueghel d. Ä. und seinem Gemälde „Großer Fischmarkt“. Nicht nur die vornehmen Bürger der Stadt sind beim Einkauf zu sehen, sondern auch zwei Herren aus dem Morgenland, derweil die Marktfrauen und einige Händler ihre Waren in Holzwannen und in Körben oder auf dem Boden feilbieten.Großsegler haben an der Reede festgemacht. Auf einer Halbinsel im Hintergrund stehen drei wuchtige Windmühlen. Überwacht wird der Hafen durch eine trutzige Burganlage und auch die Stadt ist dank wuchtiger Mauern wehrhaft. 1614 entstand das Werk „Überschwemmte Landstraße“: In einer hügeligen Landschaft fahren Gespanne gemächlich über die durch einen heftigen Regen aufgeweichte Straße, und ein Hirte treibt seine Schweine vor sich her. Doch nicht allein solche Stadtansichten mit Marktszenen und Landschaften hat Jan Brueghel d.Ä. gemalt, sondern auch christliche Themen wie „Jonas und der Wal“ oder „Sodom und Gomorrha“ – Letzteres eine apokalyptische Szene, ein feuriges Inferno. Zum calvinistischen Gesellschaftskonzept, auf dem die Niederlande fußen, gehört, das kaufmännische Gebaren, der Handel, das Profitstreben, auch als Banker und Wechsler. Marinus van Reymerswaele hat einen Profiteur des Geldgeschäfts nebst Gattin beim Zählen der Goldmünzen verewigt. Einen Eindruck vom Reichtum des gehobenen Bürgertums des 17. Jh. vermittelt auch Frans Francken d. J. in seiner Arbeit zum Kunstkabinett des Antwerpener Bürgermeisters Rockox. Eine illustre Gesellschaft hat sich im Haus des ersten Mannes der Stadt zum Austernessen eingefunden. Zwei Aras sitzen auf ihren Sitzstangen und beobachten die Szene. Im Hintergrund bringt gerade ein Lautenspieler seiner Herzdame ein Ständchen. Nicht zu übersehen sind die Kunstschätze, darunter Gemälde von Rubens, einem Freund des Gastgebers.

Der Rembrandt-Saal der Alten Pinakothek ist um ein bedeutendes Werk reicher: Nach rund 70 Jahren wird das fast vier Meter breite »Bildnis von drei Kindern in einer Landschaft mit Jagdbeute« des führenden holländischen Tiermalers des 17. Jahrhunderts, Melchior d’Hondecoeter (1636-1695), erstmals wieder der Öffentlichkeit präsentiert. Das um 1670 entstandene Gemälde wird mit den drei zugehörigen und bereits seit vielen Jahrzehnten in der Pinakothek befindlichen Werken wiedervereint. Gemeinsam schmückte das eindrucksvolle Ensemble ursprünglich die Wände eines Saals im Haus Driemond, dem feudalen Landsitz des Amsterdamer Zuckerbäckers und Kunstsammlers Adolf Visscher. 1791 erwarb Herzog Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken die Saaldekoration, ehe diese 1799 mit dessen Sammlungen nach München gelangte. Auf einer Breite von mehr als 13 Metern entfaltet sich ein landschaftliches Panorama, das von zahlreichen heimischen und exotischen Vögeln belebt wird und in dessen Zentrum die drei Kinder des Auftraggebers erscheinen. Dass die Alte Pinakothek das Gemäldeensemble d’Hondecoeters jetzt wieder geschlossen präsentieren kann, ist der Rudolf August Oetker Stiftung zu danken, die die aufwändige Restaurierung des Kinderporträts ermöglichte. Zuvor war die Rudolf August Oetker Stiftung, die den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen seit langem freundschaftlich verbunden ist, bereits als Stifterin der neuen Wandbespannung im Rembrandt-Saal aufgetreten, vor der sich die Bildfolge d’Hondecoeters nun so prachtvoll präsentiert.

Das auch das einfache Volk von einem Leben in Saus und Braus träumte, ist Gegenstand der Mär vom Schlaraffenland, in dem jedem gebratene Tauben in den Mund fliegen und man sich durch einen dicken Brei fressen muss. Angesichts all der Völlerei gibt man sich im Schlaraffenland am liebsten dem Müßiggang hin, so auch in Pieter Brueghels d. Ä. „Schlaraffenland“. Hier tragen bereits die Schweine das Tranchiermesser in ihrem Borstenkleid, und ein laufendes Ei hält einen Löffel bereit. Unter einem Baum liegen zum Verdauungsschlaf ein Ritter, ein Kaufmann und ein Landmann. Gebratene Tauben hat Brueghel in seinem Schlaraffenland allerdings ausgespart.

Dürer und Altdorfer laden ein
Neben der niederländischen Malerei besitzt die Alte Pinakothek eine umfangreiche Sammlung altdeutscher Malerei. Zu den Malern, die man im Bestand sehen kann, gehört Albrecht Altdorfer, der seine Schlacht von Issos ins Mittelalter verlegt. So sieht man keine streitbaren Truppen von Darius und Alexander, sondern mittelalterliche Ritter in Harnisch und Kettenhemd. Inmitten der Kampfszene erkennen wir Darius mit seinem Streitwagen, der von drei Schimmeln gezogen wird. Die Apostel Paulus, Markus, Johannes und Petrus hat Albrecht Dürer mit den jeweils typischen Attributen dargestellt: So hält beispielsweise Petrus den goldenen Schlüssel in der Hand. Von Dürer stammt auch das Porträt von Oswolt Krel, einem ernst blickenden Mann in schwarzem Umhang. Seine langen Haare wellen sich über einen üppigen Pelzbesatz. Den Poträtierten hat Dürer vor ein offenes Fenster platziert, so dass man einen Blick auf eine Flusslandschaft werfen kann. Lucas Cranach d. Ä. zeigt uns nicht allein das Leiden Jesu, sondern auch den betenden Kardinal Albrecht von Brandenburg, den Stifter und Auftraggeber des Werks, so ist zu vermuten.

Sanierung der Alten Pinakothek

Rubens und Rembrandt in neuem Licht! Sanierte Säle in der Alten Pinakothek wieder geöffnet. Zwei Jahre den Blicken verborgen, sind in der Alten Pinakothek die Rubens- und Rembrandt-Säle im Obergeschoss (Säle VII bis IX) wieder für das Publikum geöffnet. Noch konnten nicht alle zugehörigen Kabinette eingerichtet werden, doch soll dies bald geschehen. Die drei sanierten Säle präsentieren sich nicht nur in neuem Licht, sondern werden auch in den kommenden Wochen mit neuen Objektbeschriftungen in Deutsch und Englisch versehen. Nach Ende der Arbeiten im Dachbereich, der Installation von Verschattung, Licht und Sensoren hat die Steuerungstechnik in diesen Sälen die Probeläufe erfolgreich bestanden. Die Staubdecken der Oberlichtsäle sind mit neuem lichtstreuendem Glas versehen, die defekten Fenster in den Kabinetten wie übrigens auch im westlichen Treppenhaus ausgetauscht. Ab sofort also können die Besucher in diesen drei Sälen erleben, wie die Zukunft der Alten Pinakothek aussehen wird: Mit einem besonders in der hellen Jahreszeit wirksamen Tageslichtanteil und einem Kunstlicht, das stufenlos regelbar für gleichbleibende Helligkeit sorgt. Der Unterschied zur schummrigen alten Beleuchtung macht sich derzeit besonders an der Nahtstelle zu den unsanierten Sälen, zwischen Van-Dyck- und Rubenssaal, bemerkbar. Für knapp drei Wochen bietet die Alte Pinakothek damit eine beachtliche Folge von neun großen Sälen, bevor mit dem 18. April auch die Obergeschosssäle der altniederländischen und altdeutschen Malerei (Säle I–III) in die Sanierung einbezogen werden. Diese vorgezogene Maßnahme wird sicherstellen, dass die energetische Sanierung des Gebäudes Ende 2017 abgeschlossen ist. Aus den Mitte April geräumten Sälen I–III wird ab Ende Mai/Anfang Juni eine Auswahl altdeutscher, altniederländischer sowie früher flämischer Gemälde im Rahmen der Interimsausstellung »Neue Nachbarschaften III« gezeigt werden; ein Teil der dafür vorgesehenen Gemälde ist bereits jetzt in den östlichen Erdgeschosskabinetten ausgestellt (Zugang durch den provisorischen Museumsshop).
Aktuelle Informationen auf www.pinakothek.de/sanierung-alte-pinakothek.

Nicht nur Kaiser Karl V.
Auf italienische Malerei von Tizian oder Tintoretto oder gar Veronese muss der Besucher des Hauses nicht verzichten. Einen üppigen Amor mit zwei gefleckten Jagdhunden schuf Veronese (eigentlich Paolo Caliari). Tizian ist mit der „Dornenkrönung“ und dem Porträt Kaiser Karls V. in der Dauerpräsentation vertreten. Auf einem roten Samtstuhl hat der Monarch Platz genommen, vor seinem schwarzen Wams hängt der Orden vom Goldenen Vlies. Hinter dem habsburgischen Regenten öffnet sich eine typische flämische Landschaft.

Auf zur Sauhatz
Zu den wohl bekanntesten Porträtmalern des Barock gehört Anton van Dyck, der aus Antwerpen stammt, aber am englischen Hof zu Ansehen gelangte. Zu sehen sind ein Herren- und ein Damenbildnis. Beide Porträtierten tragen feinen schwarzen Zwirn, der durch Spitzenbesatz veredelt wurde. Der Herr hat ein keckes Zwirbel- und Kinnbärtchen; die Dame hat ihre echten Perlenketten angelegt. Neben dem Selbstbildnis eines jugendlichen van Dyck mit gelocktem blonden Haar gehören auch das Porträt der Anna von Thielen mit Tochter und des Organisten Heinrich Liberti zum Kunstschatz des Museums. Ganz andere Themen hat ein Zeitgenosse von Rubens und van Dyck auf die Leinwand gebracht: Jacob Jordaens präsentiert uns die brillante Darstellung einer Sauhatz. Die Sau ist gewillt, den Kampf mit Hund und Mensch aufzunehmen, versucht den wütend gesetzten Lanzenstichen der Jäger und den Mäulern der kläffenden Jagdhunde zu entkommen. Einige Hunde haben blutende Verletzungen davongetragen, andere sind Opfer der Hauer der Sau geworden. Ähnlich dramatisch wie in Jordaens Gemälde geht es auch bei der Sauhatz zu, die Jan Tyt gemalt hat. Opulent sind die Stillleben von Frans Snyders, darunter „Küchenstück“: Ein junger Mann bedient sich an den Trauben; die Katze ist auf dem Sprung, sich ein Stück Wildbret einzuverleiben. Der Hund schaut unter dem Tisch hervor, nimmt den Geruch von Hummer, Hase und Huhn wahr. Doch wird er wohl nichts von den Leckereien bekommen.

Engelssturz und Löwenjagd
Die Präsentation niederländischer bzw. flämischer Barockmalerei wäre ohne Peter Paul Rubens unvollständig. Nun sind nicht seine drallen Damen in München zu finden, aber auch seine „Löwenjagd“ weiß durch die Art der Komposition und Dramaturgie zu überzeugen: Einer der Jäger wird von dem König der Steppe am Boden gehalten. Der Dolch für den Todesstoß ist gezückt. Mit Entschlossenheit haben zwei Lanzenträger zum tödlichen Stoß bereits angesetzt. Am Boden liegt hingestreckt ein weiteres Mitglied der Jagdgesellschaft. Die Pferde der Lanzenträger bäumen sich in Panik auf. Die Augen der Rösser sind weit aufgerissen. Ähnlich bewegt geht es auch auf der „Nilpferdjagd“ zu, die ebenso von Rubens gemalt wurde. Am Kopf eines der Bogenschützen ist eine klaffende Wunde zu sehen, die tödlich war. Mit aller Macht versucht sich ein Krokodil aus den Fängen eines Jagdhundes zu befreien. Das Maul des Nilpferdes ist aufgerissen, die Hauer sind Furcht erregend. Hunde fallen über den Dickhäuter her; und einige Jäger versuchen ihre Lanze zum Einsatz zu bringen. Barocke Lebensfreude strahlt der „Trunkene Silen“ aus, der über eine zwei Kinder stillende Mutter hinwegzutaumeln scheint. Gemeinsam mit Jan Brueghel d. Ä. malte Rubens schließlich eine Madonna im Blumenkranz. Sehenswert ist auch das Porträt des Ehepaars Rubens in der Geißblattlaube.

Aus der Kunstgeschichte des 17. Jh. ist ein Frans Hals nicht wegzudenken, zumal er - ähnlich wie van Dyck - ein Gespür für das Geltungsbewusstsein des aufstrebenden Bürgertums besaß und zahlreiche Bürger porträtierte, so auch Willem van Heythuyzen. Zu sehen sind außerdem Stillleben von Juriaen van Streek, wie „Stillleben mit Mohr und Porzellangefäß“. In bestem Zwirn zeigen sich die Vorsteher der Amsterdamer Weinhändler, die Ferdinand Bol gemalt hat.

Venedig sehen und sterben
Hinzuweisen ist auf Arbeiten italienischer Maler, wie Reni und Raffael sowie Tiepolo („Anbetung der Könige“), die zum globalen Stellenwert des Museums erheblich beitragen. Besonders zu erwähnen ist die Vedutenmalerei von Antonio Canaletto und Francesco Guardi, die jeweils auf ihre Weise beeindruckende Ansichten von Venedigs Palästen und Kanälen schufen, so in „Rialto und Palazzo des Camerlenghi“. Meisterlich sind Murillos Arbeiten von Würfel spielenden Buben, von der häuslichen Toilette, von Melonen und Trauben essenden zerlumpten Kindern.

Idealtypische Landschaften
Jacob van Ruisdael und Salomon van Ruisdael haben uns Landschaften hinterlassen, die nie existierten, mit einem Kirchlein, das den Ort überragt, und mit Schäfern, die über Land ziehen, mit solitären knorrigen Bäumen, die unter der Dichte des Laubdaches zusammenzubrechen scheinen. Der Grauschleier, der im Winter über dem Land liegt, ist in der Ansicht eines winterlichen Dorfes zu entdecken. Geschaffen hat sie Aert van der Neer, der auch das winterliche Vergnügen am Eislaufen gemalt hat. Und schließlich entführt uns Frans Post in brasilianische Landschaften, in denen Ananas und andere Tropengewächse gedeihen, sich Ameisenbär und Gürteltier zuhause fühlen, Bananen und Kaffee wächst. (c) fdp

Alte Pinakothek
Barer Str. 27, Eingang Theresienstr.
80333 München
Öffnungszeiten
Mi-So. 10-18 Uhr, Di. bis 20 Uhr

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