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Salz – Lüneburgs historisches Lebenselixir

Doch ehe wir vor lauter kulinarischen Verführungen überhaupt keinen Blick für die Stadt haben, sollten wir uns aufmachen, die teilweise kopfsteingepflasterten, sich schlängelnden Sträßchen und Gassen Lüneburgs zu durchstreifen. Begeben wir uns zunächst in die westliche Altstadt, in der einst das weiße Gold gewonnen wurde. Allerdings sind die Zeiten, in denen in 54 Siedehäusern drei- bis vierhundert Männer schufteten, um bis zu 30 000 Tonnen Salz im Jahr zu gewinnen, längst Vergangenheit. An die Blütezeit der Salzgewinnung und des Fernhandels über die Alte Salzstraße nach Lübeck erinnert heute nur noch das im ehemaligen Siedehaus untergebrachte Deutsche Salzmuseum, in dem man bei historischen Führungen auch erleben kann, wie einst Salz aus Sole gewonnen wurde.

Deutschland / Lüneburg / Brunnenhaus

Das Brunnenhaus der Saline Lüneburg

Zur einstigen Saline gehören außerdem das Brunnenhaus, der Eselstall und der Wallrest mit Solebehältern. Das nur von außen zu besichtigende Brunnenhaus im klassizistischen Gewand steht über dem Solebrunnen, in dem verschiedene unterirdische Quellen der Sole zusammengeführt wurden. Bis 1961 wurde aus dem Brunnen unter dem Brunnenhaus die gesamte Sole für die Salzgewinnung in Lüneburg empor gepumpt. Heute gewinnt man nur noch die Sole für die „Salztherme Lüneburg“. Zweitältestes Gebäude des Salinenkomplexes ist der Eselstall, der ursprünglich zur Lagerung von Soda, Schwefelsäure, Salzsäure und Chlorkalk und als Stall für die störrischen Lasttiere diente.

Türme und Giebel

Deutschland / Lüneburg / Architektur

Schmucke Giebel am Wasser: der Stintmarkt

Nördlich der ehemaligen Saline und unterhalb des Kalkbergs erhebt sich die ein wenig trutzig wirkende gotische Backsteinkirche St. Michaelis. Sie ist eine der drei Hauptkirchen der Stadt. Die beiden anderen sind die Kirche St. Nicolai, einst Kirche der Schiffer und in der Bautradition der nordfranzösischen Kathedralen gehalten, und die Kirche St. Johannis, eine gotische Hallenkirche mit fünf Schiffen sowie himmelwärts strebendem Kirchturm.

Deutschland / Lüneburg / Architektur

Backstein überall: Am Sande

Eines der pittoresken geschlossenen Ensembles der Stadt befindet sich Am Sande. Blickt man auf die Giebel der dort stehenden Häuser, so entdeckt man eine Meerjungfrau und ein vorwärts trabendes Ross als Wetterfahnen. Neben Backsteinfassaden entdeckt man verputzte Giebel in Rosa und Hellblau. Im so genannten Wasserviertel stößt man auf Mühlen, die längst kein Korn mehr mahlen. Auch die Ratsmühle, die von 1407 bis 1999 in städtischem Besitz war und der Wasserversorgung diente, hat längst ausgedient. Unbewegt hängt ein Sack am Haken des Alten Krans, dem Wahrzeichen der Stadt, das nur noch ein stummes Zeugnis des emsigen Handelsverkehrs ist.

Deutschland / Lüneburg / am Fluss

Blick vom Alten Kran aus auf schmucke Fachwerkhäuser

Wer durch die Stadt schlendert, sieht auf Schritt und Tritt Backstein in allerlei Rotbraun, rote Dachlandschaften und putzige Dachgauben, bisweilen auch backsteinerne Zopfverzierungen. Pferdegetrappel zu hören, ist keine Sinnestäuschung, sondern Wirklichkeit: Stämmige Rosse ziehen eine Kutsche mit Gästen durch die Straßen. Dumpfer Glockenschlag übertönt das geschäftige Treiben. Schwäne und Gänse, die unweit der Abtsmühle auf der Ilmenau dahintreiben, trompeten und schnattern im Wettstreit miteinander. Und nahe der Abtsmühle hat auch die Lüner Mühle, eine Wassermühle aus dem 16. Jahrhundert, aufgehört im Takt zu schlagen.

Deutschland / Lüneburg / Rathaus

Im Herzen der Stadt steht das barocke Rathaus (Foto), dessen so genannte Gerichtslaube wegen der prächtigen Ausgestaltung unbedingt einen Besuch wert ist. Nur wenige Schritte von hier entdeckt man den ehemaligen Franziskanerklosterhof und Reste der inneren Stadtmauer. Zur Museumslandschaft der Stadt gehören neben dem Deutschen Salzmuseum das Ostpreußische Landesmuseum mit dem Schwerpunkt auf Kultur, Geschichte sowie Flora und Fauna Ostpreußens, das Museum für das Fürstentum Lüneburg mit dem Schwerpunkt Vor- und Frühgeschichte sowie Lüneburger Stadtgeschichte, das Brauereimuseum und schließlich das Naturmuseum.

Deutschland / Lüneburg / Stadtmauer

Dicke trutzige Mauern unweit des Rathauses

Das Ereignis im Oktober: Lüneburger Sülfmeistertage

Im Oktober lockt die Stadt mit den Lüneburger Sulzmeistertagen. Veranstaltet wird ein großes Spektakel rund um das Salz. Nach fünf Jahrhunderten lebt dieses Fest wieder auf, das auch als „Kopefest“ bekannt war. Zehn Tage lang gibt’s Musik, Tanz und Theater rund um das Thema Salz. Höhepunkt ist der Festumzug, an dem sich mehr als fünfzig Gruppen beteiligen. So wird man am Tag des Umzuges Patrizier, reiche Sülfmeister und Mitglieder verschiedener Zünfte treffen.

Ursprünglich wurde das Fest zur Einführung der neuen Sülfmeister begangen, die alleine das Siederecht und die Siedpfannen besaßen, um das weiße Gold zu gewinnen. Bei der Einführung der neuen Sülfmeister wurden Kopen, von Pferden gezogene, mit Steinen gefüllte Fässer, durch die Straßen gezogen. Begleitet wurde diese von einer Schar von Kaufleuten, Handwerkern, Dienern, Narren und Ratsherren, die dem Abschluss des Tages und der Verbrennung der Kopen entgegenfieberten.

 

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