Ausstellungsorte in Leipzig: Musikinstrumentenmuseum / Museum der Bildenden Künste / Stadtgeschichtliches Museum / Zum Arabischen Coffe Baum / Zeitgeschichtliches Forum / Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig / Grassimuseum
Leipzig
Zeitgeschichtliches Forum
Dig, Dag, Digedag. DDR-Comic 'Mosaik"
bis 28. Mai 2012
"Traum und Tristesse. Vom Leben in der Platte"
Fotografien von Harald Kirschner
bis 24. Juni 2012
Die abenteuerlichen Bildgeschichten faszinierten Kinder und Jugendliche, aber auch viele Erwachsene. "Dig, Dag, Digedag" entführten ihre Leser aus der engen Welt der SED-Diktatur. Sie reisten mit Piraten in die Südsee und erlebten die Römerzeit, noch bevor in Frankreich der erste Asterix-Comic erschien. Sie eroberten den Weltraum, begegneten berühmten Erfindern und begleiteten "Ritter Runkel von Rübenstein" auf seiner Schatzsuche von Venedig bis nach Konstantinopel. In Amerika trafen sie auf Weiße und Indianer, im Orient durchstreiften sie märchenhafte Schauplätze. Dabei vermittelten die "Digedags" historisches, geografisches sowie naturwissenschaftlich-technisches Wissen und sorgten so für anspruchsvolle Unterhaltung im Comic-Format. Viele Ostdeutsche prägt die Lektüre des "Mosaik" bis heute.
Als im Juni-Heft 1975 die kleinen Comic-Helden Dig, Dag und Digedag auf ihren Kamelen in eine Fata Morgana ritten, ging die Ära des „Mosaik von Hannes Hegen“ zu Ende. Zugleich war ein Mythos geboren, denn keiner der zahlreichen Leser konnte ahnen, warum die Digedags für immer verschwanden. Erst nach dem Ende der SED-Diktatur kam die Wahrheit ans Licht.
Die Ausstellung macht die Faszination anschaulich, die "Mosaik" auf seine Leser ausübte. Sie widmet sich ebenso den Hintergründen dieses außergewöhnlichen Projekts und dokumentiert die Anfänge der Zeitschrift sowie die Begleitumstände einzelner Themenreihen. Dabei werden die historischen Rahmenbedingungen und Bezüge zur gesellschaftlichen Situation in der DDR erkennbar. Neben dem Comiczeichner kommt auch der Grafiker und Karikaturist Johannes Hegenbarth in den Blick, der bis 1955 unter anderem für die Satirezeitschrift "Frischer Wind", später "Eulenspiegel", zeichnete. Nicht zuletzt würdigt die Ausstellung den Beitrag seiner Mitarbeiter zum Gesamterfolg und gibt Einblicke in den Produktionsprozess. Ein gesonderter Ausstellungsbereich beleuchtet die Rolle der Fans für das Entstehen des Mythos "Mosaik".
"Traum und Tristesse. Vom Leben in der Platte"
Fotografien von Harald Kirschner

Zwischen Alte Salzstraße und Wilhelm-Pieck-Allee, 1983
1976 fiel der erste Spatenstich für die Neubausiedlung Leipzig-Grünau. 1981 zog der damals 37-jährige Harald Kirschner mit seiner Familie aus der Leipziger Innenstadt hinaus nach Grünau, in eine der begehrten "Atelierwohnungen" im 15. und 16. Obergeschoss eines so genannten PH 16 im WK 4 – die Abkürzungen stehen für "Punkthochhaus" bzw. "Wohnkomplex" und gehörten zum alltäglichen Sprachgebrauch. Kirschner hatte sich – nach Studium und Lehre an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig – gerade als freiberuflicher Fotograf selbstständig gemacht.

Ringstraße 1983
Als persönlich "Betroffener" und zugleich professioneller Beobachter dokumentiert Harald Kirschner seither die Entwicklung von Leipzig-Grünau. Mit der Kamera hielt er die euphorische Aufbruchstimmung der ersten Jahre fest, das Bemühen der Menschen, dem Leben in den "Arbeiterschließfächern" in "Schlammhausen", wie Wohnungen und Stadtteil im Volksmund bald hießen, Individualität zu verleihen. Kirschners besonderes Interesse galt den Kindern und Jugendlichen, die mit viel Phantasie ihren Lebensraum in Besitz nahmen – für sie war die entstehende Neubausiedlung mit ihren Baustellen ein großer Abenteuerspielplatz. Die Bilder offenbaren die Mängel der Planwirtschaft, die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit im "real existierenden Sozialismus", aber auch die Umbrüche 1989/90 und zeigen dabei viel Sympathie für die Menschen, die im Mittelpunkt vieler Arbeiten stehen.

Straße der Bauarbeiter (heute Breisgaustraße), 1987
Berichterstattung folgt.
Stiftung Haus der Geschichte
der Bundesrepublik Deutschland
Zeitgeschichtliches Forum Leipzig
Grimmaische Straße 6
04109 Leipzig
Tel.: (03 41) 22 20-0
zfl@hdg.de
Öffnungszeiten
Di– Fr: 9–18 Uhr, Sa, So und an Feiertagen: 10–18 Uhr
Eintritt frei