Ausstellungsorte in Leipzig: Musikinstrumentenmuseum / Museum der Bildenden Künste / Stadtgeschichtliches Museum / Zum Arabische Coffe Baum / Zeitgeschichtliches Forum / Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig / Grassimuseum
Leipzig
Stadtgeschichtliches Museum
• Von Leipzigs Anfängen bis zu den Befreiungskriegen
laufend

Festsaal im Alten Rathaus (c) Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Das Alte Rathaus, ein Renaissancebau mit barockem Turm, dominiert aufgrund
der Länge des Gebäudes mit seinen Arkaden den Markt. Die Reste
alter Gefängniszellen im Keller, die historischen Räume des
Hauptgeschosses sowie die Turmkugel und die Wetterfahne sind selbst Zeugnisse
Leipziger Stadtgeschichte. Die Zeit von den Anfängen Leipzigs bis
zur Völkerschlacht wird dank 1100 Objekten erlebbar. Der Festsaal,
gleichsam die gute Stube des Rathauses und der Empfangssaal für die
Museumsbesucher, beeindruckt mit seiner einmaligen Galerie von Stadtrichterporträts
vom 17. bis 19. Jahrhundert sowie den großformatigen Bildnissen
vor allem der wettinischen Landesfürsten, unter ihnen August der
Starke, Christian I. und Kurfürst Moritz. Nicht minder beachtenswert
sind die Steinkamine mit ihren meisterlich gefertigten Steinmetzarbeiten.
Mit dem Schwert wurde gerichtet
Schaut man sich im Festsaal um, so wird man des beschwingten Paares gewahr,
das als Konsole für die Deckenbalken dient. In Vitrinen an der Fensterfront
des Festsaals dokumentiert man das Leben des Mörders Johann Christian
Woyzeck – ihn hat Büchner in seinem Drama »Woyzeck«
bekannt gemacht – und stellt Münzen und Gedenkmedaillen aus.
Zudem erinnert man zum Beispiel mit dem ausgestellten Richtschwert an
die Tatsache, dass im Alten Rathaus seit 1304 nachweislich Recht gesprochen
und Todesurteile gefällt wurden. Das Recht mit dem Schwert zu richten,
so erfahren die Besucher, lag in den Händen der Familie Gebhardt.
Julius Gebhardt war 1856 der letzte Scharfrichter Leipzigs.
Innerhalb der ständigen Ausstellung zur Stadtgeschichte im ersten Obergeschoss des Alten Rathauses wurde der Ausstellungsteil zur Siedlungsgeschichte und frühen Stadtwerdung Leipzigs grundlegend überarbeitet. Ausgangspunkt waren bedeutende Funde bei Leipziger Ausgrabungen des Landesamtes für Archäologie Sachsen, die zu neuen Erkenntnissen zur Stadtkernforschung führten. Die Ausstellung beginnt mit altsteinzeitlichen Siedlungsspuren aus der Zeit um 200 000 v.Chr. und schlägt den großen Bogen über Bronze- und Eisenzeit bis hin zu den slawischen Wurzeln Leipzigs im hohen Mittelalter. Dank der hochmodernen Dokumentations-Technologie, über die das Landesamt für Archäologie mit dem Laserscanning verfügt, konnten für eine ergänzende Medienstation attraktive Fundobjekte in 3D aufbereitet werden.
Leipzigs Stadtmodell
Das 1823 vollendete, etwa 20 Quadratmeter große Stadtmodell
vermittelt auch heute noch ein plastisches Bild der noch von Festungsmauern
und Bastionen sowie einem Stadtgraben geschützten Stadt vor den großen
Veränderungen im 19. und 20. Jahrhundert. Zu sehen sind der Apels
Barockgarten vor den Toren der Stadt, außerdem vier Mühlen,
darunter die Thomas- und die Angermühle. Nicht zu übersehen
ist die Thomaskirche mit ihrem weißen Turm. Längst verschwunden
ist die Burg – hier steht heute das Neue Rathaus in historistischem
Gewande – und der Rossplatz mit Zelten und Holzbuden.
Leipzig im Mittelalter
Nein, um Leipzig im Mittelalter erlebbar zu machen, hat man keine Architekturkulisse
errichtet. Die Säule aus einem Leipziger Bürgerhaus, eine Inschriftenplatte
– vermutlich für den Grundstein der Nikolaikirche –,
eine Becherkachel aus dem frühen 15. Jahrhundert, eine Pilgerflasche
in Schildkrötenform und eine Hanseschale aus Kupferbronze mit einer
Engelsdarstellung im Schalengrund sind einige der Exponate aus dem Mittelalter.
Zweischneidig ist das so genannte Ulfberhtschwert aus dem 10. Jahrhundert.
Kartografisch aufgearbeitet sind die Siedlungskerne und die Siedlungsentwicklung
Leipzigs. So ist für den Goerdeler-/Dittrichring eine slawische Siedlung
des 8./9.Jahrhunderts nachgewiesen.
Sehenswert sind die Tafelbilder aus der Nikolaikirche, darunter Arbeiten wie »Krönung Mariens« (1516). Die Stadtgrenze markierte einst das Connewitzer Kreuz aus Porphyrtuff und Sandstein. Ursprünglich standen derartige Kreuze an den vier großen Handelswegen der Stadt.
Die Reformation
Porträts von Johannes Tetzel und von Martin Luther, den Gegenspielern
zur Zeit der Reformation, sind ebenso zu sehen wie die 95 Thesen Luthers
und eine Ablasstruhe, in der das Ablassgeld gesammelt wurde: »Sobald
das Geld in der Kiste klingt, die Seele aus dem Fegefeuer in den Himmel
springt.« Neben Luther und Tetzel sieht man auch ein Porträt
des Reformators Johannes Bugenhagen, das aus der Werkstatt Cranachs stammt.
Leipzig spielte, so ist zu erfahren, in der Reformation eine nicht unwesentliche
Rolle, wurden doch von Leipziger Buchdruckern allein zwischen 1517 und
1519 achtunddreißig Lutherwerke gedruckt.
Ins Auge springt die Kanzel aus der alten Johanneskirche: Moses trägt
den Kanzelkorb. In den Händen hält er nicht die Gesetzestafeln,
sondern Passagen aus Kapitel 22 des Matthäuskapitels. Aus der Werkstatt
Lucas Cranachs d. Ä. entstammt das Gemälde »Verklärung
Christi auf dem Berg Tabor« (um 1525). In einer Art mittelalterlichem
Comic spricht Gott zu seinem Sohn – und der Schriftzug ist entsprechend
platziert: »Das ist mein lieber Son in welchen ich ein Wohlgefallen
hab gehorchet im.«
Ausstellungen 2012
Inspirierte Orte
100! Künstlerateliers in Leipzig
25.1.-4.3.2012
Mit Panoramafotografie beschäftigte sich Christoph Sandig bereits lange, bevor diese durch die digitalen Techniken erleichtert wurde. Durch seine jahrzehntelange Tätigkeit als viel gefragter Fotograf lernte er Leipziger Künstler und die Kunstszene „von innen“ kennen, an den Entstehungsorten der Kunst. Zwei Jahre lang fotografierte er im Panoramaformat Leipziger Künstler in ihren Ateliers. Entstanden ist eine Serie von über 100 Aufnahmen, die vielfältiger nicht sein könnten. Die Bilder erlauben neugierige Blicke hinter die Kulissen, verraten Ordnungsfanatiker ebenso wie das kreative Chaos und erzählen zugleich auf ungewöhnliche Weise ein Kapitel Leipziger Kunstgeschichte.
Cantate!
Zum 800. Geburtstag der Thomaner
20.3. – 17.6.2012
Thomaskirche, Thomanerchor und Thomasschule schauen 2012 auf ihr 800-jähriges Bestehen zurück. Thomanerchor und Thomasschule sind die beiden ältesten Bildungs- und Kultureinrichtungen der Stadt Leipzig und mit ihrer reichen Tradition auch die Garanten für eine sinnvolle Gestaltung städtischen Lebens. Anlässlich dieses Jubiläums werden Besucher auf Entdeckungsreise in die Geschichte des Thomanerchors gehen und anhand wertvoller Ausstellungsstücke und unbekannter Dokumente aus acht Jahrhunderten ein Gefühl dafür entwickeln, was es in verschiedenen Zeitepochen bedeutete und bedeutet, Thomaner zu sein.
Ergänzt wird die Schau durch eine Fotoausstellung des Leipziger Fotografen Gert Mothes über den heutigen Alltag der Thomaner.
Leipziger Kriminalfälle
4.7.2012 – 30.9.2012
Anhand von Leipziger Kriminalfällen vom 18. Jahrhundert bis heute spürt die Ausstellung dem Wandel und dem Umgang der Gesellschaft mit Verbrechen und Verbrechern nach. Auf der Grundlage von Gerichtsakten und Dokumenten werden rund 30 repräsentative, zum Teil spektakuläre Fälle dargestellt. Einige von ihnen dienten als Inspiration für literarische Werke, z.B. das Drama „Woyzeck“ von Georg Büchner oder die Novelle „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ von Gottfried Keller.
Städtebau und Architektur in Leipzig 1945 – 1961
17.10.2012 – 27.1.2013
Die Ausstellung zeigt neben bekannten Bauten zahlreiche unveröffentlichte Pläne und Fotos, gibt ein umfassendes Bild vom Baugeschehen in den ersten Nachkriegsjahren und würdigt die Leistungen des Wiederaufbaus.
„Sechzehn Grundsätze des Städtebaus“ von 1950 forderten, dass die Architektur in der DDR der Form nach „national“ und in ihrem Inhalt „demokratisch“ sein müsse. Die Architektur der Nationalen Bautradition war ihrem Charakter nach eine spezielle Form des Historismus, der eine von Ort zu Ort verschiedene lokale Färbung erhielt. Nach den Prämissen dieser Grundsätze entstanden in den fünfziger Jahren eine ganze Reihe von Gebäuden und Ensembles wie die DHFK, das Sportforum oder die Ringbebauung am Rossplatz.
Die lange Planungs- und Baugeschichte des Leipziger Opernhauses bis zur ihrer Einweihung am 8. Oktober 1960 zeigt die Wandlungen im Architekturverständnis der fünfziger Jahre wie kein zweites Bauwerk.
Die Leipziger Messe
Die Präsentation der Leipziger Messe beinhaltet nicht nur das Faksimile
des Zweiten Großen Messeprivilegs Maximilians I. (23. Juni 1507),
sondern auch den reich verzierten Innungspokal der Leipziger Kürschner
(1676). Der Pokaldeckel wird vom Apostel Jakob gekrönt, dem Schutzpatron
der Kürschner. In der Mitte des Raumes entdeckt man die Handelswaren
der Leipziger Messe, Gewürze, Mineralien, Spitze und Glaswaren. Ein
Diorama stellt den emsigen Handel auf dem Brühl nach. Man blickt
in Auerbachs Hof und das dortige Treiben, das mit Zinnfiguren nachgestellt
wurde. Erläutert werden die Leipziger Höfe, darunter die so
genannten Durchgangshöfe, die im 18. Jahrhundert entstanden, so Hohmanns
Hof zwischen Neumarkt und Peterstraße.
Ratsstube im Alten Rathaus (c) Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Barockstadt mit Komfort
Thematisiert wird in der Ausstellung neben der Architektur und Gartengestaltung
im 19. Jahrhundert auch die barocke Wohnkultur. Besonders beeindruckend
ist die Stofftapete aus Kochs Hof. Der Entwurf stammt vom Hofmaler Benjamin
Calau, der sich in seiner Arbeit an flämische Wandteppiche und deren
Dekors und Bildinhalte anlehnte. Man entdeckt auf der Tapete eine italienische
Park- und Architekturkulisse mit Brunnenanlage, aber auch florale »Bordüren«.
Barockarchitektur findet man in Hohmanns Haus am Markt, einer Federzeichnung
von 1714 und in der germalten Ansicht der Westvorstadt mit Apels Garten
aus dem Jahr 1740. Weitere Ansichten Leipzigs aus dem 18. und frühen
19. Jahrhundert stammen von Johann Anton Castell und Christian Friedrich
Heinrich Schildbach. Auf diesen ist noch die befestigte Stadt zu sehen
mit ihren Bastionen und der Burganlage im Südwesten der Altstadt.
Zum städtischen Alltagsbild Leipzigs gehörten die Sänftenträger
und die Laternenanzünder. Damit beim Handel alles mit rechten Dingen
zuging, vertraute man auf die Leipziger Elle, die 68,6 Zentimeter misst.
Dass man recht früh auf Hygiene in der Stadt wert legte, belegt der
Röhrenwasserplan, eine der ersten städtischen Katasterpläne
mit 872 Grundstücken.
Der Herr Kantor Bach
In der Ratsstube unterschrieb Johann Sebastian Bach seinen Anstellungsvertrag
als Thomaskantor und städtischer Musikdirektor. Das Thema »Bach
und seine Zeit« sind in einem Nebenraum der Ratsstube zu sehen.
Es sind weniger die Exponate des Raums, sondern die Hörstation, die
den Besuch lohnt. So erfährt man mehr über die Arbeitswoche
des Angestellten Johann Sebastian Bach und über Leipzig zur Barockzeit,
nimmt an einem Markttagteil und lauscht einer der Kantaten des Komponisten.
Stadtgeschichtliches
Museum
im Alten Rathaus
Markt 1 und Neubau (Sonderausstellungen) Böttchergäßchen 3
04109 Leipzig
Tel.: 03 41 / 96 51 3-0
stadtmuseum@leipzig.de
Öffnungszeiten
Di – So 10 – 18 Uhr
Schatzkammer, Gefängniszellen, und Turmbesteigung: Do 16 Uhr