Leipzigs neue Kleider
Die sächsische Metropole startet durch
Text und Fotos: Renato Diekmann

Man muss kein Sachse sein, um Leipzig zu mögen. Die Metropole an Elster und Pleiße ist lebendig und reich an Genies: Johann-Sebastian Bach, Richard Wagner, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Robert Schumann und Johann Wolfgang von Goethe lebten und wirkten hier. Als besonders couragiert gelten Leipzigs Bürger. Mit Friedensgebeten in der Nikolaikirche und Montagsdemonstrationen auf dem Leipziger Ring jagten sie 1989 die Diktatur der SED zum Teufel. Die friedliche Revolution war der Ausgangspunkt für die vom Westen längst abgeschriebene Wiedervereinigung Deutschlands. Noch heute ist diese Geisteshaltung das emotionale, politische und gesellschaftliche Fundament für die hier lebenden Menschen.
Leipzig im Video auf unserer Seite www.reisevideos-online.de
Ob Thomas-Kirche oder Bach-Museum, Edvard Grieg-Gedenkstätte oder Goethes Stamm-Café „Zum Arabischen Coffe Baum“ - wer Sachsens Wirtschafts- und Kulturmetropole besucht, ist überrascht von der Entwicklung dieser Stadt in den vergangenen Jahren. Die liebevoll und mit viel Geld restaurierten Wohn- und Handelshäuser, Messehöfe und Passagen erstrahlen im neuen Glanz. Ihre barocke und jugendstiltypische Architektur erinnert an die historischen Geschäftspassagen in Mailand, Rom, Venedig und vermittelt mediterranes Flair. Im Gespräch ist das sorgfältig renovierte Waldstraßenviertel. Der filigrane Stuck an den Fassaden der herrschaftlichen Altbauten aus der Gründerzeit zeugt vom Repräsentationsbedürfnis der Stadtväter und wohlhabenden Bürger am Ende des 19. Jahrhunderts.

Leipzig: "Wie in Italien!"
Das ganze Jahr über zeigt Leipzig mit vielseitigen Kultur- und Freizeitangeboten seine Anziehungskraft. „Wie in Italien!“ schwärmen Gäste, die zur Sommerzeit die größte Stadt Sachsens bereisen. Dann verwandelt sich der Marktplatz zwischen Gewandhaus, Oper und Thomaskirche in ein Freilichttheater - zu „Classic Open“ wird gefeiert, gemodelt und gerockt. Hier trifft Elvis auf Mozart, Robbie Williams auf Johann Strauß. In der Mädler Passage, seit Jahrhunderten das Filetstück der Stadt, kommunizieren Gäste aus ganz Europa. An lauen Sommerabenden lauschen die Menschen zu Cappuccino und Pinot Grigio den Darbietungen der Straßenkünstler. Heute erklingen klassische Klänge eines Quintetts. Erst gestern sind die fünf Letten in Leipzig eingetroffen. Jetzt bessern sie ihre Reisekasse mit musikalischen Ständchen auf. Unter ihren Füßen befindet sich Auerbachs Keller. Der Sage nach soll hier Goethes Dr. Faustus mit Bravour seinen legendären Fassritt absolviert haben.

Lichtkuppel in Specks Hof
Die stilvoll, teilweise mit bunten Ornamenten verzierten Passagen unter gewölbten Glaskuppeln beeindrucken mit Erlebnis-Gastronomie und vielseitigen Shoppingangeboten. Ob im Specks Hof und Steibs Hof - hier kann jeder abschalten, entspannen, einkaufen und speisen. Im Barthels Hof serviert das gleichnamige Gasthaus den deftigsten Schmaus der Stadt. Der Mutzbraten mit grünen Klößen hat Tradition seit 1497. Das schmackhafte Menü besteht aus einer delikaten Kartoffelsuppe, einem raffiniert gewürzten Schweinenacken und leckeren Quarkkeulchen auf Apfelsoße mit Zucker und Zimt zum Dessert.
Wo Goethe der Kopf verdreht wurde
Vis á Vis der Passage glänzt das Alte Rathaus. In dem ehrwürdigen Renaissancegebäude lässt sich die Geschichte Leipzigs bis ins Detail nachvollziehen, während Goethe vor der Alten Handelsbörse nebenan noch immer über die Geschicke der Stadt zu wachen scheint. Bevor der Schöngeist dem Ruf seines Gönners, Carl August Herzog von Weimar, folgte und die Stadt zur deutschen Hochburg für Dichter und Denker machte, studierte Goethe an der Uni Leipzig Jura, lauschte aber immer gebannter den Literatur-Vorlesungen der Professoren Gottsched und Gellert, nahm bei Adam Friedrich Queser Zeichenunterricht und widmete sich schließlich nur noch der Dichtkunst.

Herr Goethe auf dem Denkmal
Die älteste deutsche Messestadt, die im Geiste des Rokoko eine viel
modernere Atmosphäre ausstrahlte als das konservative Frankfurt am
Main, beeindruckte Goethe so nachhaltig, dass er die Stadt des Buches,
der Pelze, Caféhäuser und Ballsäle liebevoll sein „Klein-Paris“ nannte.
In seine Leipziger Zeit fällt auch Goethes erste große Liebe:
Käthe Schönkopf, die attraktive Tochter der Wirtsleute einer
Gose-Schänke, hatte dem Heißsporn mit ihren verführerischen
Augen gehörig den Kopf verdreht.
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