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Gotischer Himmelsstürmer und Rokoko-Ensemble

Köln und Brühl: Weltkulturerbe am Rhein

Text und Fotos: Ferdinand Dupuis-Panther

Der lange währende Streit um den Kölner Dom scheint beigelegt: Die Kölner Politiker haben eine Begrenzung des Hochhausbaus beschlossen, und die Unesco belässt Deutschlands Paradekirche in ihrer Liste des Weltkulturerbes. Unser Autor hat sich den berühmten Bau einmal näher angeschaut und in seiner Nähe gleich noch ein weiteres Weltkulturerbe besucht: die Rokoko-Schlösser in Brühl.

Blick auf den Dom in der unmittelbaren Nachbarschaft zum Museum Ludwig

Wer mit der Bahn nach Köln reist und im Hauptbahnhof den Zug verlässt, der kann den wohl mächtigsten gotischen Sakralbau Deutschlands gleichsam mit den Händen greifen: Ist es doch nur ein Katzensprung von den Bahnsteigen hinüber zur Domplatte. Auf ihr erhebt sich der Himmelsstürmer, reckt sich mit seinen Turmspitzen nach oben: Der Nordturm schafft es auf 157,38 Meter, der Südturm ist nur sieben Zentimeter kleiner. Auch die sonstigen Ausmaße der Kirche sind beeindruckend.

Fassadenschmuck am Südportal des Doms

Angesichts dieser gewaltigen Dimensionen wird der Mensch zu einem Menschlein, muss beim Betrachten der lichten Höhe des Bauwerks den Kopf in den Nacken legen und wird doch nicht alle Details des Bauwerks wahrnehmen. Unentdeckt von den Augen der ungezählten Besucher thront John F. Kennedy im Schaukelstuhl und in Schwindel erregender Höhe wurde auch der Dombaumeister vergangener Tage, Professor Dr. Arnold Wolff, beim Erkraxeln des mächtigen Steingebirges verewigt. Schließlich soll es auch Fußball spielende Gören als Bauschmuck geben. Wer solche Kuriositäten entdecken möchte, sollte beim Dombesuch unbedingt ein Fernglas mitnehmen.

Ein schwieriges Jahrtausendprojekt

Generationen von Dombaumeistern und Bauhandwerkern waren seit der Grundsteinlegung des Doms mit der Konstruktion des mächtigen Sakralbaus beschäftigt, ganz abgesehen von Schreinern, Glasmalern, Goldschmieden und Schmieden. Gebaut wurde mit Unterbrechungen: In der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde das »Jahrtausendprojekt« aus Geldmangel eingestellt, wenn auch die Dombauhütte bestehen blieb. Für die nächsten Jahrhunderte behalf man sich mit einem Provisorium.

Gebaut wird am Dom bis heute

Jahr für Jahr kamen Abertausende nach Köln, auch und gerade um die Reliquie der heiligen drei Könige zu bestaunen. Diese Kostbarkeit war von Erzbischof Reinald von Dassel nach Köln gebracht worden und soll der eigentliche Anlass gewesen sein, einen neuen Dom im Stil der französischen Hochgotik zu bauen. Der neue Kölner Dom sollte sie alle übertreffen, die Kathedrale von Chartres ebenso wie die von Amiens. Doch es bedurfte einer »nationalen Besinnung« während des wilhelminischen Kaiserreichs, ehe mit Spenden Kölner Bürger das »Nationalmonument« Kölner Dom 1880 fertig gestellt werden konnte. Dass überhaupt nach historischem Vorbild der Dom vollendet wurde, ist dem mittelalterlichen Fassadenplan zu danken, den man zu Beginn des 19. Jahrhunderts wieder entdeckte.

Vom Kunstsinn eines Erzbischofs

Ein etwas verschlafenes Städtchen wäre das zwischen Bonn und Köln gelegene Brühl, gäbe es dort nicht mit dem deutschen Surrealisten Max Ernst einen berühmten Sohn der Stadt und dank der Schlösser Augustusburg und Falkenlust als Gesamtkunstwerke des deutschen Rokoko ein weiteres Weltkulturerbe. Schloss Augustusburg war im 18. Jahrhundert die Lieblingsresidenz des Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Clemens August von Wittelsbach, der weltliche und kirchliche Macht in einer Person vereinte. Er genoss diese Stellung ausgiebig und entspannte hier bei der Falkenjagd. Ora et labora oder ein Leben in Keuschheit und Demut scheinen ihm eher fremd gewesen zu sein.

Eine dreiflügelige Schlossanlage für einen Kurfürst und Erbischof: Schloss Augustusburg

Nach Plänen des in jener Zeit wohl bekanntesten Architekten Westfalens, Johann Conrad Schlaun, wurde die fürstliche Bleibe des Erzbischofs erbaut, wobei auf das Mauerwerk der im Spanischen Erbfolgekrieg zerstörten Wasserburg zurückgegriffen wurde. Doch unzufrieden mit den Arbeiten Schlauns übergab der Bauherr nach kurzer Zeit den Auftrag für den weiteren Ausbau an den kurbayerischen Hofbaumeister François de Cuvilliés. Dieser leitete über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten die Ausgestaltung der Schlösser Augustusburg und Falkenlust.

Orangerie und barocke Gartenanlage sind Teil des Weltkulturerbes Schloss Augustusburg

Berühmt ist das Prunktreppenhaus des Schlosses Augustusburg, das nach den Plänen Balthasar Neumanns gestaltet wurde und dessen gewagte Konstruktion den Statikern bis heute ein Rätsel geblieben ist. Spätbarocke Pracht findet sich im Inneren des Schlosses, das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und erst 1989 wieder vollständig hergestellt wurde. Nicht nur das Treppenhaus mit Stuckmarmorsäulen und der Triumpharchitektur an der Nordwand, sondern auch die Deckenfresken in Garten- und Musiksaal sind Beispiele für den Kunstsinn des fürstlichen Bauherrn und der von ihm engagierten italienischen Künstler. Neben dem Deckenstuck sind es Deckenmalereien und geschnitzte Holzvertäfelungen, die Bewunderung verdienen. Die Raumfolge des Sommerappartements ist ebenso beeindruckend wie das Gelbe Appartement im Nordflügel der Schlossanlage.

Vom Jagdfieber beseelt

Clemens August von Wittelsbach liebte nicht nur fürstlichen Luxus, sondern auch die Jagd, vor allem die Falkenjagd. Daher ließ er sich im Schlosspark von Brühl als Maison de Plaisance Schloss Falkenlust erbauen. Das Schlösschen liegt in einem kleinen Waldstück unweit der Rheinebene. Es war bestens geeignet, um mit Wander- und Gerfalken Jagd auf Reiher zu machen, die sich zum Nisten im Schlosspark einfanden. Das Schlösschen war nicht nur Treffpunkt der Jagdgesellschaft, die dem Treiben vom Belvedere auf dem Dach des Schlosses aus zusehen konnte. In Nebengebäuden und Stallungen wurden auch die Falkner, die Falkonierjungen und die Stallknechte sowie die Pferde der Reiter untergebracht. Und auch die kostbaren Falken, die ständig gepflegt werden mussten, fanden hier Unterschlupf.

Schloss Falkenlust - ein Hort der Falkenjagd

Die Zweckbestimmung des äußerlich schlichten Schlosses lässt sich am dezenten Bauschmuck – Falken mit Hauben, Falken und Reiher sowie Aufsatzvasen mit Falkennestern – und an der Innengestaltung mit prächtigen, vergoldeten Stuckaturen erkennen. Man findet Medaillons mit Falken- und Reihern, Halbfigurenporträts von Falknern in blausilbernen Uniformen und eine Stuckdecke, die eine Falkenjagd thematisiert. Auch im Lackkabinett mit seiner vergoldeten Stuckdecke entdeckt man Falken und Reiher als Motive. Schließlich zieren Fliesen mit Falknerbildern das Treppenhaus. Ob sich der Kirchenmann bei soviel Ablenkung auch einmal im Kölner Dom hat sehen lassen?

 

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