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Wasserturm Ravensberg und Botanischer Garten

 Mancherorts stehen sie noch, die alten Wassertürme, die ehemals der Trinkwasserversorgung der Bürger dienten, so auch in Kiel auf dem Ravensberg. Der 34 Meter hohe und fast 24 Meter breite Backsteinturm mit einem 1.500 Kubikmeter fassenden Ringbehälter wurde 1896 gebaut und erweiterte einen 10 Jahre zuvor errichteten Hochbehälter, der für die Versorgung des neu entstehenden angrenzenden Viertels in technischer Hinsicht nicht mehr ausreichte. Seit 1976 ist das Bauwerk als „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ (13) geschützt. Vierzehn Jahre später wurde der Wasserturm schließlich außer Dienst gestellt und im Jahre 2000 verkauft. Nachdem der Rundbau zunächst als Veranstaltungsort genutzt wurde, bietet das Innere heute nach umfangreichen Umbaumaßnahmen Platz für 34 Wohnungen.

Kiel - Seerose im Außengelände des Botanischen Gartens

Seerose im Außengelände des Botanischen Gartens

Architektonisch weniger anspruchsvoll und ansehnlich sind die Zweckbauten auf dem Uni-Campus, doch Schönheit und Vielfalt erwarten den Besucher jenseits des Gebäudekomplexes, der Botanische Garten (14). Die rund 8 Hektar große Anlage wurde ab Mitte der 1970er Jahre angelegt und ist seit 1985 auch für die Öffentlichkeit frei zugänglich. Die Wege im Freilandbereich des Gartens führen durch die Pflanzenwelt Amerikas, Europas und Asiens sowie durch einen hügeligen, steinigen Teil, in dem Gewächse aus Gebirgsregionen in Amerika, über die europäischen Alpen bis zum Himalaya und Neuseeland gezeigt werden, das Alpinium. An mehreren Teichen, Bächen und in einem moorigen Bereich wird die dort jeweils vorherrschende Vegetation veranschaulicht, etwa Wüstenpflanzen an Nord- und Ostsee. Je nach Jahreszeit blüht es wunderbar und vielfarbig oder es herrscht eher das blütenlose Grün der Blätter im Botanischen Garten vor.

Kiel - Botanischer Garten - Fleischfressende Pflanzen - Venusfliegenfalle

Fleischfressende Pflanze: die Venusfliegenfalle

Ein besonderes Highlight sind die ebenfalls frei zugänglichen Schaugewächshäuser. Bei einem Rundgang durch die verschiedenen Glashäuser kann man durchaus mal ins Schwitzen kommen, herrschen doch in manchen für uns ungewohnte Klimaverhältnisse so wie im Tropenhaus, dem Nebelwaldhaus oder dem Victoriahaus - da beschlägt sogar das Glas des Kamera-Objektivs. Wieder andere Temperaturen und andere Luftfeuchtigkeitsverhältnisse empfangen den Besucher im Mediterranhaus, dem Amerika- oder Afrikahaus und dem Subtropenhaus. Man kann exotische Gewürze wie Vanille ebenso entdecken, wie Kaffee- und Kakaopflanzen, Südfrüchte wie Ananas, Bananen und Zitrusgewächse wie Zitronatzitronen, sieht wie der Rohstoff vieler Kleidungsstücke am Strauch wächst - Baumwolle, findet sich lebenden Steinen oder fleischfressenden Pflanzen gegenüber, hält bei großen Kakteen lieber Abstand und steht plötzlich im Mangrovenwald, während die riesenhaften Blätter der Victoria-Seerosen nebenan auf dem Wasser treiben.

Kiel - Botanischer Garten  - Kakteen

Die mit viel Arbeitsaufwand gehegten und gepflegten Anpflanzungen dienen einerseits dazu, Besuchern einen tieferen Einblick in die Vielfalt der globalen Natur und die Funktionsweise verschiedener Ökosysteme zu vermittelt und sind andererseits Forschungsgebiet universitär-wissenschaftlicher Stellen. Wer offenen Auges durch die Gewächshäuser geht, wird feststellen, wie bedroht viele Pflanzen weltweit in ihren Lebensräumen sind, denn die Beschilderung weist erschreckend viele der Gewächse als auf der roten Liste der bedrohten Pflanzen stehend aus. So leistet der Botanische Garten einen wichtigen Beitrag Pflanzen wenigstens in solch geschützten Bereichen vor dem Aussterben zu bewahren und für nachfolgende Generationen zu erhalten.

Kiel Botanischer Garten

Nord-Ostsee-Kanal und der Leuchtturm in Holtenau

 Der Nord-Ostsee-Kanal verläuft nördlich vom Botanischen Garten. Die knapp 100 Kilometer lange künstlich angelegte Wasserstraße ist die meistbefahrenste der Welt für Seeschiffe. Mehr als 30.000 Schiffe passieren die Verbindung im Jahr, statt den weiten Umweg über den Skagerrak zu nehmen. Die Idee, eine Verbindung zu Wasser zwischen Nord- und Ostsee zu schaffen ist viel älter als der heutige Kanal, denn Handel zur See war im Norden Europas auch schon lange vor der Hanse Teil des Lebens an den Küsten. Nach verschiedenen Versuchen in Zeiten davor war es schließlich Kaiser Wilhelm I., der 1887 in Kiel im Stadtteil Holtenau den Grundstein legte, für den Bau einer Wasserstraße von dort bis Brunsbüttel auf der Nordseeseite. Acht Jahre gruben sich Tausende Arbeiter und Ingenieure durch schleswig-holsteinischen Boden, bauten Brücken und Schleusen, bis der Enkel und Nachfolger des alten Kaisers, Kaiser Wilhelm II., den Kanal eröffnen konnte. Zu Ehren seinen Großvaters hieß der Kanal bis 1948 Kaiser-Wilhelm-Kanal, während er international bis heute Kiel Canal genannt wird.

Kiel - Nord-Ostsee-Kanal

Abendstimmung am Nord-Ostsee-Kanal

Ein Trend im Schiffbau heute, war auch damals kein anderer: die Schiffe wurden immer größer. So wurde der Kanal seit der Fertigstellung mehrmals verbreitert, vertieft und die Schleusen durch größere erweitert. Und auch heute wird immer wieder am Nord-Ostsee-Kanal gebaut - natürlich bei laufendem Betrieb.

Aus Brunsbüttel kommende Schiffe müssen also erst durch eine der Schleusen, bevor der Weg in die Ostsee frei ist. Genau dort am Südufer kann man als interessierte Landratte besonders gut einen Blick auf die Schiffe werfen, denn hier befindet sich eine eigens dafür angelegte Aussichtsplattform (15), die teilweise sogar überdacht ist, falls es denn mal regnet, was in Norddeutschland manchmal vorkommt. Da Zeit auch in der Seeschifffahrt Geld ist, werden Schiffe mitunter während der Liegezeit in der Schleuse mit Nachschub an Verbrauchsgütern mittels schiffseigenem Kran vom Kai aus versorgt.

Kiel - Nord-Ostsee-Kanal - ein Container-Frachter wird geschleust

Ein Container-Frachter wird geschleust

Am Nordufer des Kanals, also auf der anderen Seite vor der Schleuseneinfahrt, steht mit dem Holtenauer Leuchtturm (16) einer der schönsten seiner Art. Der 24 Meter hohe Backsteinturm wurde zeitgleich zum Kanal gebaut und als Einfahrtsfeuer ebenfalls 1895 in Betrieb genommen. In der sogenannten Drei-Kaiser-Halle im Turminneren erinnert eine Gedenktafel an die drei deutschen Kaiser, die während der Bauzeit des Nord-Ostsee-Kanals regiert haben, Friedrich III., allerdings nur 99 Tage bis zu seinem krankheitsbedingten Tod. Anlässlich des 100. Geburtstages nicht nur des Kanals wurde das Seezeichen 1995 umfänglich renoviert. Wer als Brautpaar einen nicht ganz alltäglichen Raum für die Trauung sucht kann sich heute in der Drei-Kaiser-Halle im Beisein von bis zu 10 Gästen trauen lassen.

 

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