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Reiseführer Kaiserslautern

 

Auf Geißbockspuren von Lambrecht nach Deidesheim

Vom Pfälzerwald geht es auf gut ausgeschilderten Wegen zu den Weinbergen vor den Toren von Deidesheim, wo jedes Jahr ein Geißbock versteigert wird, den die Lambrechter als Tributbock abzuliefern haben. Sechs Jahrhunderte alt ist diese Tradition, die alle fünf Jahre in Lambrecht auch mit den Geißbockspielen wieder belebt wird. Dem Geißbockmarsch von Lambrecht nach Deidesheim folgt auch der Wanderer, der in Lambrecht aufbricht.

Von Lambrecht nach Deidesheim

Die von Lambrecht ausgehenden Wanderwege sind recht zahlreich, ob nach Neidenfels, Lindenberg oder Silbertal. Mal weist ein gelbes Kreuz, mal ein blau-roter oder ein blau-gelber Balken als Wegmarkierung in die richtige Richtung, dank sei dem Pfälzerwald-Verein. Elmstein, Breitenstein und Neustadt Bahnhof über Heidenbrunnertal sind weitere Ziele, die man auf Schusters Rappen von Lambrecht aus erreichen kann.

Eine Stippvisite in Lambrecht
Wie sehr bis heute die Geschichte vom Tributbock – sie geht auf das 14.Jahrhundert zurück - in der ehemaligen Tuchmacherstadt Lambrecht gegenwärtig ist, unterstreicht der seit 2000 existierende Geißbockbrunnen inmitten der Stadt. An die alte Walkmühle erinnert wenige Schritte entfernt vom Brunnen nur noch ein Denkmal. Auch das einstige Kloster existiert seit den Tagen der Reformation nicht mehr. In dieser Zeit wurde das Kloster der Heidelberger Universität übergeben und wallonische Glaubensflüchtlinge im Kloster angesiedelt. Die im 14. Jahrhundert erbaute Klosterkirche wurde in eine reformierte Kirche umgestaltet und von den Hugenotten genutzt. 1707 verwandelte man die Kirche in eine Simultankirche für Reformierte und Katholiken. Umgestaltungen wie der Abriss der Trennwand für die „beiden Gotteshäuser“ der Reformierten und Katholiken blieben keine singulären Ereignisse. In der letzten Dekade des 19.Jahrhunderts wurde in das Langhaus eine Vorhalle eingebaut, die die Orgelempore enthält. Typisch für den gotischen Sakralbau sind die Sandsteinquader der Fassade und getreppte Strebpfeiler. Der ausnehmend wuchtige Turm des Sakralbaus ist eine Ergänzung aus den frühen 1920er Jahren.

Oberhalb des Bahnhofs und an unserem Weg nach Deidesheim steht die ehemalige Webschule, die um 1900 erbaut wurde und der Fachausbildung von Webern diente. Hier war nach dem Krieg die Höhere Fachschule für Textilindustrie zeitweilig untergebracht, ehe 1981 aus dem Schulbau durch Umbauten das Verwaltungsgebäude der Verbandsgemeinde Lambrecht wurde.

Mit dem Bock nach Deidesheim
Nachdem wir den Bahnhof verlassen, über die Brücke die Gleise gequert haben und am Sitz der Verbandsgemeinde vorbeigekommen sind, beginnen wir zunächst noch auf geteerter Straße unsere Tagestour nach Deidesheim. Das Symbol des Geißbocks ist dabei unsere Orientierung, wenn wir den Rand des Buchen-Eichen-Waldes erreichen. Durch diesen setzen wir auf Hangwegen unsere Tour fort. Dabei müssen wir gelegentlich auf- und absteigen. Unterwegs stoßen wir auf den Hinweis „Heimatpfad“ und die Markierung blau-gelber Balken. Ein sprudelnder Quell, die Joppenholz-Quelle, liegt ebenso auf unserem Weg wie „Waldkunst“, darunter ein fliegender Adler auf einem Baumstumpf und ein geflochtenes Iglu. Teilweise ändert sich der Charakter des Waldes im Laufe der Wanderung. Hohe Kiefern erheben sich dann über unseren Köpfen. Doch dominant bleibt der Buchenbestand, unter dessen Blätterdach sich unterwegs weitere „Kunstobjekte“ finden, ob ein hängendes hölzernes Herz oder halbfertige, geflochtene Körbe.

Von Lambrecht nach Deidesheim

 

Von der Alten Schanz zum Paradiesgarten
An der Passhöhe „Alte Schanz“ berühren wir die Kreisstraße K16, oberhalb der der von uns bisher genutzte Wanderweg liegt. Nächstes Etappenziel ist die Schutzhütte Weißerstich. Um sie zu erreichen, müssen wir zunächst die Kreisstraße queren.

Auf unserem Weg passieren wir danach kleine Heidestreifen unter hohen Kiefern. Über knorrige Wurzeln führt nun der Weg, teilweise auch bergan und dann wiederum talwärts. Wem der Magen knurrt, der wird sich freuen, unterwegs den Hinweis auf die Öffnungszeiten der Waldschenke Deidesheim zu finden. Doch montags und dienstags sowie freitags sollte man nicht unterwegs sein, da an diesen Tagen die Waldschenke geschlossen hat.

Erreichen wir nach einem steten Anstieg die Schutzhütte Am Weißenstich, so sind wir auf 471,8 Meter geklettert, wie ein Hinweis an der Hüttenwand verrät. An dieser Stelle stoßen Wanderer auf den Rotsteig sowie den Weg nach Spielstein und Knoppenweth – alle mit rot-weißer Balkenmarkierung. Wir ignorieren diese Hinweise und folgen dem Lauf des Weinbaches, wobei wir auch an der Weinbachspring vorbeilaufen. Am Ufer und auf den Bachterrassen setzen wir unsere Wanderung im nunmehr dichten Buchenwald durch das Madental fort, ehe wir auf den Herrenbrunnenhang hinaufsteigen und den Wanderwegen 5 und 3 in östliche Richtung folgen. Nun sind am Wegesrand auch vermehrt Esskastanien zu sehen.

Weingut Geheimer Rat Dr. von Bassermann-Jordan

Weingut Geheimer Rat Dr. von Bassermann-Jordan

Schließlich gelangen wir ins Mühltal. Dort stoßen wir auch auf den Wanderweg Deutsche Weinstraße. 900 Meter sind es von hier aus  zur oben genannten Waldschenke, die an bestimmten Öffnungstagen bis 18 Uhr hungrige Wanderer beköstigt. Ausgedehnt sind die Weinanbauflächen, die sich nunmehr bis an den Ortsrand von Deidesheim ziehen. Darunter sind auch Reben des Weinguts Dr. Deinhard aus Deidesheim und des Winzervereins Deidesheim. Neben der Straße verläuft ein offener Frischwasserkanal, bei dem es sich um eine Wasserleitung aus dem Gimmeldinger Tal handelt. Wie eine Gedächtnistafel an einem Hochbehälter (1898) erläutert, wurde diese Wasserleitung von einer gewissen Serafine von Stichaner gestiftet. Weiter geht es von den Reben im Paradiesgarten zum Freibad „Oase im Paradiesgarten“. Das beheizte Freibad mit angeschlossenen Sportanlagen wie Beachfußball und – volleyball ist auch der Ausgangspunkt verschiedener Nordic-Walking-Strecken.

Jahr für Jahr heißt es am Pfingstdienstag auf der Geißbockbühne vor dem Deidesheimer Rathaus: „Wer mit dem Schlag der sechsten Stund' das höchste Gebot abgibt, dem ist der Bock zu eigen und er erhält ein urkundlich Vermerk hierfür. Der Bock ist zur Versteigerung zu stellen!" Nun sind die Bieter an der Reihe Gebote für den aus Lambrecht stammenden Tributbock abzugeben. Was heute ein folkloristisches Spektakel ist, hat historische Wurzeln: Die Lambrechter hatten auf Deidesheimer Gemarkung seit dem Mittelalter Weiderechte, allerdings nur gegen die Abgabe eines wohl gehörnten und gut ausgestatteten, potenten Ziegenbocks. Dieser musste vom jüngsten Lambrechter Paar nach Deidesheim gebracht und am Rathaus von Deidesheim angebunden werden. Brauch war dann den Bock zu versteigern, um die Deidesheimer Stadtkasse zu füllen. Die Beschaffenheit des Bockes wurde auch in der Zeit der französischen Besetzung durch ein Dekret Kaiser Napoleon I. Erneuert: „Die alten Weiderechte werden weiter gewährt, jedoch dass sie die gewöhnliche Recognition eines wohlgehörnten und wohlgebeutelten Geißbockes auch fernerhin entrichte ...".



Deidesheim

Hier residiert der Deidesheimer Stadtschreiber

Sind wir in Deidesheim in der Deichelsgasse, so fällt unser Blick auf eine besondere Sorte von Straßenbegleitung: Feigenbäume stehen vor den gelblichen Sandsteinfassaden der Häuser. Von einer Hauswand grüßt gar St. Urban. Teilweise ranken sich Weinreben entlang der einzelnen Hausfronten. Nicht zu übersehen sind im Stadtbild die Weingüter mit ihrer markanten geschlossenen Hofarchitektur. Zu den größeren Höfen gehörte einst der Ketschauer Hof mit dem alten Kelterhaus und einem kleinen Park. Heute sind hier ein Hotel, eine Vinothek, ein Restaurant und ein Weinbistro untergebracht.

Weitere Informationen

Lambrecht
http://www.lambrecht-pfalz.de/
http://www.vvlambrecht.de/

Deidesheim
http://www.deidesheim.de/de/weinstrasse-und-die-pfalz.html

Pfälzerwald-Verein
http://www.pwv.de/

Anreise
Bf. Lambrecht und Bf. Deidesheim über Bf. Neustadt
www.vrn.de
www.zspnv-sued.de
www.der-takt.de

 



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