"Unser Luxus ist Zeit"

Muße, Maler und Meer auf der Insel Hiddensee
Text und Fotos: Hilke Maunder
Dreißig Minuten trennen Hiddensee von der Hektik der Welt. Das autofreie Ostsee-Idyll, das einst Gerhart Hauptmann begeisterte, lockt heute Hamburger und Berliner auf „dat söte Länneken“ im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft.

Endlose Strände locken zum Spaziergang
Wie ein Wellenbrecher legt sich die Insel, fast neunzehn Kilometer lang und dreihundert bis dreitausend Meter breit, schützend vor die Westküste Rügens – zur Seeseite mit einem endlos langen Sandstrand, zur Boddenseite stark zerrissen und zerlappt in unzählige Buchten und Binnenseen. Seine Seepferdchen-Form, im Wappen verewigt, erinnert an Sylt. „Wir sind die Antithese!“ widerspricht Alfred Langemeyer, Kurdirektor, Baumeister, Landschaftsplaner in Personalunion. „Kein Golfplatz, kein Schickimicki, keine Shoppingstraßen oder Szenekneipen. Unser Luxus ist: Zeit. Zeit für ein Buch, für Muße, fürs Miteinander.“
Auch der Pastor fährt Rad
Hiddensee führte schon immer mit den Errungenschaften der Zivilisation wenig im Schilde. Der Flughafen wurde stillgelegt, die Autos bereits 1923 von der Insel verbannt. Statt Abgasen und Ampeltakt prägt das gleichmäßig-ruhige Klackklackklack vieler Pferdehufe den Verkehr.

Einziges Verkehrsmittel auf der
Insel: die Kutsche
Nicht breite Straßen, sondern gewundene Wege und Trampelpfade laden ein, die Insel zu Fuß oder per Fahrrad zu entdecken. Selbst Bürgermeister, Kurdirektor und Pastor radeln. Durch Dünenheide und Salzwiesen, vorbei an wildem Thymian, windzerzausten Krüppelkiefern, weidenden Schafen und weiß verputzten Reetdachhäusern. Sie gehören zu Neuendorf. Das Dorf, um 1700 an der schmalsten Stelle der Insel erbaut, steht komplett unter Denkmalschutz. Dicht an dicht ducken sich hier die Fischerkaten in parallelen Reihen unter dem hohen Himmel und schützen sich gegenseitig vor dem Wind.
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