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Wenn keiner einen Vogel hätt´ ...

Deutschland / Harz / Kanarienmuseum
Eines der "Fundstücke" aus dem Harzer-Roller-Kanarienmuseum-Museum

Zwischen bewaldeten Hängen liegt im Tal von St. Andreasberg die Grube Samson, ein historisches Silberbergwerk, dass zwischen 1521 und 1910 in Betrieb war und im Gangerzabbau 98% reines Silbererz förderte. Zu besichtigen sind das mächtige hölzerne Kehrrad und das Kunstrad mit einem Durchmesser von beinahe zwölf Metern, das ursprünglich die Fahrkunst antrieb. Bis heute wird diese als Drahtseilfahrkunst betrieben und genutzt, um die Wasserkraftwerke auf 130 und 190 Meter untertage zu warten. Ursprünglich diente die Fahrkunst zum Ein- und Ausfahren bis in eine Tiefe von achthundert Metern.

Deutschland / Harz / Fahrtkunst-Modell
So funktionierte die Fahrtkunst, mit der
Bergleute in die Grube ein- und ausführen.

Im angeschlossenen Museum finden sich unter anderem zahlreiche Mineralienfunde, historische Trachten von Steigern und Bergbeamten, das Modell der Grube Samson von 1920 und außerdem Geleucht und Werkzeuge der Bergleute. Ganzer Stolz von Jochen Klähn, dem Museumsleiter, ist das Harzer-Roller-Kanarien-Museum, das wohl einmalig auf der Welt ist. Beim Rundgang zeigt er uns seine Schätze, nicht nur die kleinsten Kanarienvögel, sondern auch ein gerade erstandenes Grammophon mit einer Schellackplatte von 1908, auf der Kanarienvogelgesang erklingt. Wir sehen einen sorgsam gestalteten Heimarbeitsplatz, an dem Vogelkäfige gebaut werden, betrachten einige mit Intarsien gestaltete Gesangkästen, hinter deren geschlossenen Türchen die gefiederten Bergmannsfreunde bei Wettbewerben ihren Gesang anstimmen, stehen vor so genannten Reffs, unter deren Sackleinen gestapelte Transportkäfige zu finden sind, die dem Export von Kanarienvögel dienten.

Deutschland / Harz / Kanarienzüchter
In der Stube eines Kanarienvogelzüchters

Besonders auf Wilhelm Trute werden wir hingewiesen, dem wir heute den so genannten Harzer Roller verdanken. In der Kanarienvogelküche mit gusseisernem Ofen schilpen ein paar gefiederte Piepmätze, während in der eigenen „Kanarienschule“ sechs Stunden lang Kanarienvogelgesang mit acht verschiedenen Melodien „Kanarienschüler“ zum richtigen Gesang anhalten soll. „Zwischen November und Januar trällern die gelben Kanarienvögel am besten“, so verrät uns Jochen Klähn. „Aber nur die Männchen verstehen diese Kunst“, fügt er hinzu. Ungezählt sind die Nester und Käfige, ob Paar- oder Heckkäfige, die im Museum aufbewahrt werden. Und mit einem Schmunzeln liest man: „Das Leben wär´ nur halb so nett, wenn keiner einen Vogel hätt´.“ Und das scheint auch das Motto dieses urigen Museums zu sein.

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