Hannover Reiseführer

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Anke Spötter: Kinder in der Kunst – Kunst für Kinder, Deutscher Kunstverlag Berlin München / Niedersächsisches Landesmuseum Hannover 2009, 44 Seiten mit farbigen Abbildungen, Spiralbindung, ISBN 978-3-422-06926-8, Preis 9,90 Euro
Wenn auch ein Bub und ein Mädel, die aus einer Genremalerei des 17. Jahrhunderts entsprungen zu sein scheinen, als „Leitfiguren“ durch einen Teil der Sammlung des Niedersächsischen Landesmuseums führen und den dortigen Besuch vorbereiten und begleiten, so scheint dieser „Kunstgriff“ nicht gelungen zu sein. Die Autorin muss sich fragen lassen, warum die beiden Begleiter durch das Museum namenlos geblieben sind. Kann so eine Identifikation zwischen Leser und Kunstfiguren wirklich funktionieren? Hervorzuheben ist, dass die vorliegende Veröffentlichung sich ganz und gar auf Kinder in der Bildenden Kunst konzentriert. Daher werden auch nur diejenigen Werke vorgestellt, in denen Kinder eine zentrale Rolle spielen, ob nun das „Schlafende Jesuskind“, eine Holzfigur aus dem 16. Jahrhundert, oder Johann Heinrich Wilhelm Tischbeins „Familienszene“ (1778). Besonders auf die unterschiedliche soziale Lage der abgebildeten Kinder – festzumachen unter anderem an der Kleidung – verweist die Autorin Anke Spötter. Eine „Winterlandschaft mit Gehöft und Pferdeschlitten“ wird in ihrer bildlichen Gliederung untersucht. Dabei bleibt allerdings offen, warum man die Blicklenkung des Malers im Zuge der Betrachtung entdecken soll und muss. Teile des Buches muss man, will man bestimmte Aufgaben bewältigen, leider zerschneiden, so beim Puzzle der wunderschönen Prinzessin. Vielleicht hilft aber auch ein Farbkopierer aus dieser Misere? Das Thema Eltern und Kinder in der Bildenden Kunst wird ebenso angeschnitten – siehe Tischbeins „Familienszene“ - wie Kinder auf dem Lande. Original und Fälschung zu betrachten und die entsprechenden Fehler zu erkennen, gehört zum unterhaltsamen Teil des Buches. Dass man dabei ein Stück des alten Berlin – die Neue Wache – vorstellt, ist dabei nur Mittel zum Zweck. Auch bei der Vorstellung dieses Gemäldes von Wilhelm Brücke geht es darum, die Blicke der Kinder auf die im Gemälde auftauchenden Kinder und deren Kleidung zu lenken. „Balgende Buben“ - eine Studioszene und gekünstelt wirkend – gilt es ebenso zu analysieren wie Christian Klaus' „Belauschendes Idyll“. Wer mit seinen Kindern ins Niedersächsische Landesmuseum gehen möchte, sollte sich diesen Band zulegen, sich auf wenige Werke beschränken und die von Anke Spötter angebotenen Anregungen mitnehmen. Denn sonst ist doch ein Kunstmuseum für Kinder eher langweilig. © fdp