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Hannover
kestnergesellschaft
Made in Germany Zwei.
Internationale Kunst in Deutschland
17. Mai 2012 bis 19. August 2012
Made in Germany Zwei. Internationale Kunst in Deutschland

Cyprien Gaillard Artefact, 2011 Film, HD auf 35 mm transferiert, Loop, Ton Courtesy Sprüth Magers Berlin / London
Die Überblicksschau »Made in Germany Zwei« stellt mit ca. 40 KünstlerInnen aktuelle Werke einer jüngeren in Deutschland arbeitenden KünstlerInnen-Generation vor, setzt sie in Bezug zueinander und untersucht Gemeinsamkeiten, Tendenzen und künstlerische Entwicklungen. Die Präsentation aktueller Positionen zeitgenössischer Kunst aus Deutschland steht erneut im Mittelpunkt, wobei der Fokus von »Made in Germany Zwei« verstärkt auf dem Medium der Ausstellung und seinen Möglichkeiten einer vergleichenden und thematisch orientierten Auseinandersetzung liegt.

Kathrin Sonntag
FLIC-FLAC #1, 2009
Digitaler C-Print, 36 x 27 cm,
Courtesy Galerie Kamm, Berlin
Berichterstattung folgt!
Ausstellungen 2012
anthony cragg
freitag, 14. september 2012 - sonntag, 4. november 2012
Anthony Cragg (*1949 in Liverpool, lebt in Wuppertal) zählt zu den international einflussreichsten Bildhauern seiner Generation. Bereits 1985 präsentierte die kestnergesellschaft seine skulpturalen Arbeiten, die damals noch vorwiegend aus der Zusammensetzung von Alltagsgegenständen bestanden. Über das Sammeln, Ordnen und Verbinden von in seiner Umgebung gefundenen Materialien thematisierte Cragg die vielfältigen Beziehungen des Menschen zu seiner Umwelt. Diese bilden noch heute einen inhaltlichen Schwerpunkt in Craggs Werk, der sich uns bekannte Gegenstands- und Körperwelten auf immer wieder überraschende Weise aneignet und in einer variationsreichen Formensprache sowie durch den virtuosen Umgang mit verschiedensten Materialien zum Ausdruck bringt. Seit den frühen 1980er Jahren bis heute hat Cragg u.a. mit Marmor, Holz, Glas, Bronze und Fiberglas gearbeitet und seine zunächst figurativ geprägte skulpturale Sprache in komplexe Abstraktionen überführt. In seiner neuen Ausstellung werden eine Kombination aus aktuellsten Arbeiten und einer Auswahl früherer Werke des Künstlers präsentiert. Die ausgesuchten Einzelstücke werden gleich einer Matrix das gesamte Universum Craggs widerspiegeln.
lewis baltz
freitag, 14. september 2012 - sonntag, 4. november 2012
Lewis Baltz Lewis Baltz (*1945 in Newport Beach, lebt in Paris und Venedig) ist einer der bedeutendsten internationalen Vertreter der konzeptuellen Fotografie. Baltz arbeitete in den 1970er Jahren an der US-amerikanischen Westküste und wurde als erster mit Fotografie arbeitender Künstler in das Programm der renommierten Leo Castelli Galerie in New York aufgenommen. Mit einem sachlich nüchternen Blick richtete er seine Kamera auf den amerikanischen Alltag und seine Umwälzungen durch die Konjunktur der Nachkriegszeit: Neu geschaffene Industrieanlagen, boomende Vorstadtsiedlungen sowie die damit verbundenen sozialen Auswirkungen stehen im Zentrum seiner seriellen Arbeiten. Seine Werke fokussieren auf Bildreihen, die es ihm ermöglichen, verschiedene Facetten eines Themas zu beleuchten und dem Betrachter keine einzelne Bildikone, sondern die Darstellung von Bewegung und Veränderung zu zeigen. Die Serien zeichnen sich darüber hinaus durch eine minimalistische Gestaltungsweise aus und enthalten häufig nur wenige architektonisch Elemente, weshalb sie zu einer fast abstrakten fotografischen Arbeit werden.
kris martin | every day of the weak
freitag, 23. november 2012 - samstag, 2. februar 2013
Installationen, Fotografien, Videos und Zeichnungen präsentiert der aus Kortrijk stammende und in Gent lebende flämische Künstler Kris Martin einem teilweise irritierten Publikum bis 22. April 2012 im Bonner Kunstmuseum. Woher kommen diese Irritationen? Martin schafft „Leerstellen“, indem er Bekanntes verfremdet, aus dem angestammten Kontext entfernt und somit den für uns schnell erschließbaren Zusammenhang zerstört. Neue Seh- und Denkgewohnheiten sind erforderlich, um Martins Werke zu begreifen.
Bei seinen Arbeiten bedient sich Martin teilweise des „kollektiven Gedächtnisses“ der Menschheit: Zum Beispiel entnimmt er aus Büchern den Punkt des letzten Satzes und isoliert diesen. „End-points“ lässt die Literatur der Hochkultur in einem einzigen Punkt verschwinden. Auch gängige Bilder wie die Gipfelkreuze, die als Zeichen dafür, dass der Mensch in die Bergwelt vorgedrungen und sie „bezwungen“ hat, vereinnahmt Martin für sich und seine Kunst. Auf im Raum verteilten, teilweise von Flechten bewachsenen Felsen – sie ruhen auf niedrigen Sockeln – thronen bei Martins Installation „Summit“ kleine weiße Papierkreuze. Nicht allein, dass damit aus Sicht des Berichterstatters der Wahn des Menschen, sich die Natur untertan zu machen, hinterfragt wird, zugleich „paraphrasiert“ Martin die romantischen Vorstellungen der Bergwelt, wie sie insbesondere die Romantiker gepflegt hatten. Zu diesen gehört auch der Maler Caspar David Friedrich, dem wir das Gemälde „Das Kreuz im Gebirge“ zu verdanken haben.
Idiot und Vergänglichkeit
„I'm not an idiot“ ist eine Arbeit, in der der Künstler gefundene Steine in eine Reihung gebracht hat. Mit dem Thema „Idiot“ befasst sich Martin auch in anderer Weise, zeigt uns einen Eisenstab, den er als „Idiot (Scale)“ benennt. Aus einem umgedrehten Trichter schuf Martin hingegen seine „Idiot Chapel“. Begleitend zu diesen Arbeiten präsentiert man im gleichen Ausstellungsraum ein riesiges, diagonal im Raum liegendes Zweihandschwert, das sieben Meter lang ist. In vorherigen Ausstellungen, so in der Galerie Black E in Liverpool, hing dieses Schwert („Mandi XV“) bedrohlich über den Köpfen der Ausstellungsbesucher. Zu einer derartigen Hängung hat man sich aktuell jedoch nicht entschieden.
Wir kennen alle die Gedenktafel für Verstorbene. Auch Martin hat – allerdings wohl mit einer Mischung aus Ironie und Sarkasmus – eine solche entworfen. „Life after death for ...“ enthält nicht nur den Namen des Leiters des Kunstmuseums Bonns, sondern auch des Künstlers Mauricio Cattelan. Doch wer sind Jan Verlinden oder Ulrike Baumgart, derer gleichfalls „gedacht“ wird? Sind die Namen, die Martin hinzugesetzt hat, gar vielleicht nur persönliche Widmungen für die Erwerber eines Teils des Werks?
Nicht nur das oben genannte Schwert, sondern auch die „serielle Wiederholung“ des Schriftzugs „Life after death ...“ scheinen sich mit dem Thema „Leben und Tod“ auf eine besonders drastische Weise zu befassen, ohne in gängige Vanitas-Muster zu verfallen. Doch auch ein derartiges Muster, einen Totenschädel („Still alive“!), der ein Abguss des Schädels des Künstlers ist, finden wir beim Rundgang durch die Schau. Immer wieder tauchen in der Ausstellung Assoziationen zur Vergänglichkeit auf, ob die zerbrochene, riesige chinesische Vase, die mit Mühe zusammengeklebt wurde, ohne die Bruchstellen verwischen zu können, oder der Spiegel mit dem spiegelbildlichen Schriftzug „The End“.
Krieg und…
Das Umfunktionieren und damit die Bedeutungsveränderung von bekannten Alltagsobjekten gelingt Martin mit einer Anzeigentafel, deren einzelne Anzeigenelemente in einem zufälligen Rhythmus umgeblättert werden. Doch statt Uhrzeiten oder anderen Informationen zeigen diese Tafelsegmente nichts. Sie sind schlicht schwarz und leer. Völlig mit Erdreich bedeckt und mit kaputter Sohle ist der Wanderstiefel, den Martin mit dem Titel „Wanderer II“ zu einem Kunstobjekt erhob. Erinnert wird mit diesem „Objekt“ an die Gräuel des Ersten Weltkrieges, denn der Schuh gehörte einem gefallenen Soldaten. Das Thema „Krieg“ greift Martin zudem mit seiner Installation aus 705 polierten, teilweise getriebenen Granathülsen auf. So wie sie nun im Raum platziert sind, haben sie ihre tödliche Wirkung verloren, gleichem Zierrat, der mit Blumenmuster und Eichenlaub geschmückt ist.
Abschließend sei noch auf den liegenden Heißluftballon hingewiesen, das Objekt T.Y.F.F.S.H. Die Assoziation des Fliegens stellt sich beim Anblick ein, obgleich der Ballon sich kein Stück vom Boden abhebt, da die Befeuerung fehlt. Das Aufblasen der Ballonhülle geschieht mittels riesiger Ventilatoren und die schaffen eben nicht genug Aufwind, um abzuheben. Zudem hält der umgebende Raum den Ballon am Boden und setzt damit die Funktion des Heißluftballons außer Kraft – wieder eine Umdeutung der bekannten Funktion. Und warum? Das muss man eigentlich Kris Martin fragen. (c) fdp
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