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Reiseführer Hannover

Herrenhäuser Gärten, Sea Life und Berggarten

 

Gartenfreunde können sicherlich einen ganzen Tag im Großen Garten und Berggarten verbringen, so vielfältig sind die einzelnen Gartenteile, so umfangreich die Schaugewächssammlung, insbesondere die Orchideensammlung. Wer mit Kindern unterwegs ist, der sollte Sea Life einen Besuch abstatten, nicht nur weil man hier dem Hai ganz nah sein kann, sondern auch die heimische Fischfauna kennen lernen kann.

Große Parterre und Glockenfontäne der Herrenhäuser Gärten in Hannover

Große Parterre und Glockenfontäne

Der Große Garten gilt als eine der bedeutenden barocken Gartenanlagen Deutschlands. Angelegt wurde der Große Garten im Auftrage der Kurfürstin Sophie zwischen 1696 und 1714. Nicht mehr vorhanden ist das Schloss Herrenhausen, die Sommerresidenz der Welfen. An die Zeiten, als Herzöge, Kurfürsten und Könige die Geschicke Hannovers bestimmten erinnert heute die Orangerie, wo einst Zitrusbäume den Winter überlebten. Bei der Orangerie handelt es sich um einen lang gestreckten schlichten Bau mit vorgezogenen Mittel- und Eckteilen. Bis 1969 überwinterten hier die Kübelpflanzen des Gartens, ehe danach eine neue Anlage für diesen Zweck gebaut wurde. Baulich verändert wurde durch die Hinzufügung eines gläsernen Foyergebäudes das Galeriegebäude, das im ausgehenden 17. Jahrhundert erbaut wurde. Die Große Kaskade ist nach wie vor ein Hingucker im Großen Garten. Es ist das älteste, bis heute erhaltene Bauwerk des Gartens. Mythologische Figuren wie Hermes und Zeus sehen wir auf der Brüstung der Terrasse. Die Kaskadenflächen wurden mit Muscheln und Stalaktiten verziert. Wasser rinnt von Stufe zu Stufe und wird in einem Bassin aufgefangen. Nackte Schönheiten haben in Rundnischen ihren Platz. Wer sind sie? Leda mit Schwan, Venus oder Aphrodite?

Details der Großen Kaskade in den Herrenhäuser Gärten (Hannover)

Details der Großen Kaskade

Die von Niki de Saint Phalle gestaltete Grotte
Die Grotte gliedert sich in drei Säle, den Blauen und Silbernen Saal sowie die Details der von Niki de Saint Phalle gestalteten Grotte der Herrenhäuser Gärten (Hannover)Eingangshalle. Die Expo 2000 war Anlass, nicht nur den Grottenpavillon herauszuputzen, sondern auch den Großen Garten. Der Grottenpavillon war damals in einem erbärmlichen Zustand. Die Ausgestaltung des Inneren fehlte, wenn man auch bei der Umgestaltung durch Niki de Saint Phalle auf vierzig Wasseranschlüsse stieß, die die Vermutung einer Wasserkunst als Gestaltungselement nahe legen. Ein entsprechendes Inventar von 1689 bestätigt diese Annahme. Die Idee des begehbaren Kunstwerks war schnell geboren. In der nun erfolgten Ausgestaltung ist die Nähe zu Gaudís Park Güell nicht zu übersehen. Niki de Saint Phalle, die durch ihre Schießbilder und Nanas weltberühmt wurde, realisierte eine „Traumwelt“ mit tanzenden Frauen, funkelnden Farbbändern in Wellen und in Kurvenform sowie Mosaikbändern. Dralle Frauenkörper beleben den silber funkelnden Saal. Ja, die Nanas sind in der Grotte zu Hause. Wie im Paradies hat sich auch eine Details der von Nike de Saint Phalle gestalteten Grotte der Herrenhäuser Gärten (Hannover)Schlange eingefunden, die sich um ein riesiges Ei gewunden hat. Spinnen und Delfine entdecken wir, zudem einen roten Frauenkopf mit lilablauem Haar und Blumengesteck. Ein knallroter „Erdbeermund“ und drei Augen verzieren die aus Glasmosaiken zusammengesetzte Saalwand. Neben Flora und Fauna hat Niki auch das Symbol für Weiblich und Männlich, Yin und Yang, im Silbernen Saal verarbeitet. Meeresblau ist der Blaue Saal ausgeschlagen, wo unter anderem eine tanzende Frau nach den glitzernden Sternen greift und die indische Gottheit Ganesha zu bestaunen ist.

Der Große Garten
Von der Terrasse der Großen Kaskade aus hat man einen sehr guten Blick auf die Gesamtanlage, die streng geometrisch gegliedert ist. Man schaut auf die Große Parterre und den Schwanenteich, hinter dem verschiedene Gärten angelegt wurden, unter anderem der Inselgarten, der Rasengarten, der Niederdeutsche Rosengarten , der Renaissancegarten und der Barockgarten. Diese sollte man sich unbedingt näher anschauen, da sie den unterschiedlichen Zeitgeist verschiedener Epoche in der Gartenform zum Ausdruck bringen. Nicht versäumen sollte man den Besuch des Heckentheaters mit seinen goldenen Figuren.

Die Götter in Hannover zu Gast
In acht Beetfelder mit „schwungvollen“ Buchsbaumhecken ist die Große Parterre gegliedert. Jeweils an den Ecken der Felder haben 32 Sandsteinfiguren ihren Platz. Weiß gestrichen sind sie, damit sie sich vom allgegenwärtigen satten Grün abheben. Ganz im Nachgang zur italienischen Renaissance entschied sich der Bauherr des Gartens, das Kurfürstenpaar Ernst August und Sophie, Herkules, die vier Kontinente und Juno in der Gartenanlage aufstellen zu lassen. Diese Götterfiguren symbolisieren verschiedene Eigenschaften und Tugenden, so der Keule schwingende Herkules Stärke, zu der sich auch der fürstliche Herrscher bekannte. Vier Kontinente in Gestalt allegorischer Figuren findet man gleichfalls im Großen Garten: Afrika mit einem Elefantenrüssel auf dem Haupt und einem Löwen zu ihren Füßen, Amerika im Federkleid und mit Federschmuck auf dem Kopf, Europa in Gestalt der römischen Kriegsgöttin Minerva mit Schild und gezücktem Schwert in der Hand sowie Asien mit einem exotischen Kopfputz und einem Räuchergefäß. Um die Glockenfontäne haben sich „dramatische Paare“ eingefunden, die die Mann-Frau-Beziehung widerspiegeln, so auch die auf der Flucht begriffene Daphne und der lüsterne Apoll, aber auch Paris, der die Nymphe Syrinx mit allen Mitteln zu erobern versucht. Schmuckvasen gehören ebenfalls zum Dekor der  Parterre. Auf einigen werden die vier Elemente, Erde, Wasser, Feuer und Luft dargestellt.

Gärten, Gärten, Gärten ...
Achteckig ist die Form des Irrgartens, der einer gärtnerischen Rekonstruktion der 1930er Jahre zu verdanken ist. Umschlossen ist der Irrgarten von Hainbuchenhecken. Kreuzbandmuster aus Buchsbaumhecken finden wir im Renaissancegarten, der wohl nach dem Vorbild des Knotenparterres des Hortus Palantinus nahe des Heidelberger Schlosses konzipiert wurde. Sommerblumen blühen in den Beeten des Niederdeutschen Blumengartens, in dessen Mitte die Skulptur der Allegorie der Wahrheit steht. Buchsbaum-Arabesken hingegen sind typisch für den Barockgarten. Umschlossen von Wasser ist im Inselgarten eine quadratische Insel mit Kiesparterre und Buchsbäumchen in Kugelform zu sehen. Vergoldete Bleifiguren und Taxus im Pyramidenschnitt sind charakteristisch für einen weiteren Teil der ausgedehnten Gartenanlage, das Hecken- oder Gartentheater, das zwischen 1689 und 1692 angelegt wurde.

Nicht allein ein Lustgarten
Der Große Garten war nicht allein ein Lustgarten mit formaler Gartengestaltung, sondern diente auch dem Kultivieren von Nutzpflanzen. Neben dem bis heute bestehenden Feigengarten gab es das sogenannte Apfelstück. An Spaliermauern und in Gewächshäusern sowie auf Mistbeeten gediehen Südfrüchte sowie Frühgemüse und Melonen. Nach der Übernahme des Gartens im Jahr 1936 durch die Stadt Hannover verschwanden die Gewächshäuser für Zitrusfrüchte, wurden die Nutzpflanzenkulturen beseitigt. Aus dem Apfelstück wurde der Werkhof. Lediglich der Feigengarten hat bis heute Bestand. In Erdgewächshäusern reifen Feigen heran und in den benachbarten Hochbeeten Tomaten.

Außerhalb des eigentlichen Areals des Großen Gartens befindet sich das 1707 bis 1708 erbaute Pagenhaus, in dem die Pagen und die Dienerschaft des königlichen Hofstaates untergebracht waren.

Orchideen im Berggarten von Hannover

Bekannt ist der Berggarten für seine Orchideensammlung

Vom Küchengarten zum Berggarten
Leicht erhöht gegenüber dem Großen Garten liegt der sogenannte Berggarten, der Mitte des 17.Jahrhunderts als Küchengarten auf einer niedrigen Düne angelegt wurde. Hier wurden im Auftrage von Herzog Johann Friedrich einst das Gemüse und die Früchte für die Hofküche angebaut. Doch alsbald erfolgte auch der Ankauf exotischer Gewächse wie Tabakpflanzen und Maulbeerbäume. Nachdem der Küchengarten nach Linden umgesiedelt worden war, konzentrierte man sich in Herrenhausen ganz auf die Pflege botanischer Kostbarkeiten. 1757 wurde das erste Ananashaus erbaut, in dem bald auch Palmen und Kaffeebäume prächtig wuchsen. Wenige wissen, dass am 15. Juni 1851 in Hannover die erste Victoria regia auf dem europäischen Festland blühte und 1903 die Orchideensammlung als die umfangreichste Europas galt. Bis zum heutigen Tag pflegt und hegt man im Berggarten eine Vielzahl der mehr als 25 000 verschiedenen Orchideen. Neben 10% der weltweit bekannten Arten besitzt der Berggarten noch 1000 Hybride. Die in Hannover zu bewundernden Orchideen kommen aus fünf unterschiedlichen Klimazonen. Unter diesen sind Embreea herrenhusana und Paphiopedilum druyi sowie Disa uniflora.

Dickfuß, Fuchsien und ein Pflanzenmethusalem
Zu den exotischen Pflanzen des Berggartens gehört die auch Dickfuß genannte Madagaskarpalme, die zwar im Freiland gehalten wird, allerdings den Hannoveraner Winter in einem Gewächshaus verbringt. Unterschiedliche Fuchsien, so auch die Fuchsienhybride Checkerboard können Blumenfreunde ebenso bestaunen wie ein lebendes Pflanzenfossil, das in den Blue Mountains (Australien) heimisch ist: Wollemia nobilis. Von dieser ältesten Pflanze der Welt existieren weniger als 100 ausgewachsene, bis zu 40 Meter hohe Bäume in freier Natur. Keulenlilien, weder Palme noch Yucca, findet man im Berggarten neben der Engelstrompete – angesichts der Blütenform verwundert der Name dieses Nachtschattengewächses nicht. Aus Ecuador hat die gelb blühende Trompetenwinde ihren Weg in den Berggarten gefunden. Wer schon immer einmal wissen wollte, wie Baumtomaten aussehen und welche Prachtblüte Guzmania conifera entwickelt, der wird beim Besuch des Berggartens keine Enttäuschung erleben. Den Baum der Erleuchtung, den heiligen Feigenbaum, hegt und pflegt man im Berggarten ebenso wie Rote Mangroven.

Neben Sumpfschildkröten werden im Berggarten auch Buntbarsche und lebend gebärende Zahnkarpfen gehalten. Im Orchideen-Schauhaus sind auch gefiederte Gäste wie Reisfinken und Spitzschwanzamadinen zu beobachten.

Der Bibliothekspavillon im Berggarten von Hannover

Der Bibliothekspavillon

Regenwaldhaus, Bibliothekspavillon und Mausoleum
Zu den modernen Bauten im Berggarten gehören das ehemalige Regenwaldhaus, in dem heute Sea Life exotische und heimische Fische unter einem Kuppeldom präsentiert, sowie die Mitte der 1950er Jahre errichteten Gewächshäuser, in denen unter anderem Wolfsmilchgewächse und Kakteen zu bewundern sind.

Ein Werk des Hofbaumeisters Georg Ludwig Friedrich Laves ist der sogenannte Bibliothekspavillon am Rande des Berggartens. Dieser lang gestreckte Bau mit zweigeschossigen Eckbauten und einer zentralen Rotunde diente einst als Wohnhaus des Gärtnermeisters und beherbergte zwischen 1852 und 1936 die Wendlandsche Gartenbibliothek und Herbariensammlung. Zu verdanken ist diese Sammlung dem deutschen Botaniker Hermann Wendland, der von 1869 bis zu seinem Tod der Direktor der Herrenhäuser Gärten war. Wendland war der Erste, der 1891 das Usambaraveilchen beschrieb und es nach Europa einführte. Ebenfalls von Laves konzipiert wurde das Mausoleum, das 1842 bis 1847 erbaut und mit Carraramarmor verkleidet wurde. Diese Grabkapelle beherbergt die Sarkophage von Friederike, Königin von Hannover, und ihrem Mann Ernst August, Herzog von Cumberland und König von Hannover.

 



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