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Hamburg
Le Royal Méridien Hamburg
Kunst im Hotel – Lokalkolorit jenseits der Klischees
text und fotos ferdinand dupuis-panther
Die Sammlung bietet – und das ist recht einmalig – einen Überblick über das aktuelle Kunstgeschehen in der Hansestadt. Nicht Allerweltskunst, sondern ausgewählte Arbeiten aus allen Bereichen der bildenden Kunst sind zu sehen, ob Collagen, Wortbilder, Fotos, Videoinstallationen, Plastiken oder Skulpturen. Wolf von Waldow, Martin Conrad und Claudia Hoffmann sind unter anderem für die Wandgestaltungen im Spa, für die Malereifriese der Restaurants und Flure sowie für illuminierte, sandgestrahlte Objekte der Kopfteile einiger Betten verantwortlich.

Jaakov Blumas o. T.
Am Ende bleibt nur Pulver
Unbetitelt sind die Werke von Jaakov Blumas, die im Foyer zu sehen sind: Geriffelte Trichter in Sandfarben und Grün-Braunstufen beherrschen die Bildfläche. Vom gleichen Künstler, der aus Wilnius (Litauen) stammt und nun in Hamburg lebt, ist eine kreisrunde, unbetitelte Arbeit in de Bar im 9. Obergeschoss zu sehen: Motivisch greift Blumas auf kreuzende Kabel oder Wollfäden in Graublau, Grau, Gelb und Rot zurück.
Wie Cut Outs von Alex Katz erscheint die Ode an Johannes Brahms, die auf dem Flur vor dem Fahrstuhl (9.Etage!) ihren Platz hat. „Guten Abend, gute Nacht“ nannte Simon E. Waßermann sein dreiteiliges Werk, bestehend aus einem hockenden Saxofonspieler, einem Kerl mit Eselsohren und heruntergelassener Hose und eine auf einem Ast hockende Frau. Der Schlüssel unterhalb der auf dem Baum sitzenden Frau verweist auf eine Spieluhr mit mechanischen Puppen. Welche Melodie spielt der Saxofonist? Singt die Dame auf dem Baum und warum hat der Mann mit Eselsohren die Hosen heruntergestreift? Diese Fragen beantwortet uns Waßermann leider nicht. Betalo, Lesse, Margado, Itabire und Isatis nennt Martin Conrad seine mit kräftigen Farben strukturierten Arbeiten, die im Restaurant ausgestellt sind. Man könnte beim Anblick der Werke an bunte Plastiktüten und Stofffetzen denken, die bei Sperrmüllaktionen vergessen wurden und nun durch den Wind verweht einen neuen Platz gefunden haben. Eine im Licht funkelnde über der Bar schwebende Installation nimmt mit Flaschenpost und Anglern das maritime Hamburg motivisch auf, während nebenan einige Hotelgäste die Aussicht auf die Alster genießen.

Simon E.Waßermann Guten Abend, gute Nacht I-III (Ausschnitt) 2003
Enthüllung ist der Titel einer umfänglichen Arbeit von Inga-Svala Thórsdóttir. Was wir sehen, ist nicht die Enthüllung selbst, also ein Striptease, sondern nur das, was aus den Kleidern und dem Schmuck der schließlich Nackten nachträglich geschaffen wurde. Kleingemahlen sind Kleidung, Unterwäsche und Perlenkette in Konservengläser abgefüllt und in Regale gestellt worden. Pulverisiert wird das Materielle aufbewahrt, nachdem sich die Dame auf dem Weg vom Gläsernen Fahrstuhl durch die Flure entblättert hatte. Das edle schwarze Kleid und die teuren Designer-Dessous sind „verschwunden“. Hamburgensien eigener Art schuf Dorothea Goldschmidt mit ihren dreidimensionalen Jahrmarktsbuden, die aus Fotografien entstanden sind. „Carls-Eis“ ist in dieser "Puppenwelt" zu erstehen, und beim Whirlwind-Ballwerfen kann man von einem Hauptgewinn träumen. So sieht der Autor dieses Beitrags die präsentierten "Budenarbeiten", während die Künstlerin ihr Werk wie folgt beschrieben haben möchte: "Mit formalem Schliff inszeniert Dorothe Goldshcmidt fantasiereichen Budenzauber im Spielzeugformat. Ihre Buden tragen mit ihrer sinnlich glänzenden Schauseite geheime Wünsche wie Kleine Gewinnbude oder Himmlisches Früchtehaus. Doch dem Betrachter bleiben diese Träume verschlossen: die Rolläden sind heruntergelassenen und das Foto kaschiert den hohlen Körper."
Kunstgeld und andere Werte
Von materiellen Werten handelt Carmen Oberts Serie „Kunstgeld – Wertschätzung des Menschen“. Angesichts der Umstellung von DM auf Euro bearbeitete die Hamburger Künstlerin Banknoten und verwandelte diese zu Kunstgeld mit Selbstporträts und Porträts ihrer Freunde, die ihr wichtiger als Geld sind. Geschaffen wurden diese Blätter mittels fotomechanischer und chemischer Prozesse. Es sind ausschließlich Unikate, wenn auch als Kunstgeld eher unhandlich und nicht zu versilbern – oder doch?

Claudia Hoffmann Kanon, 2003
Die Kunst als Massenware aus Kaufhausbeständen mit und ohne röhrenden Hirschen nimmt Marc Lüders zum Ausgangspunkt einer Arbeit, die Malerei und Fotografie mit einander verbindet. Es ist eine Persiflage auf eben dieses typische Wohnzimmerbild der 1960er Jahre. In ähnlicher Weise sind auch Lüders’ Wolkenbilder zu verstehen. An die grellen Farben und Formen der Pop Art knüpft Christian Hahn an. Er schuf für die Präsidentensuite eine gemalte Collage, in der sich Gegenstände, Pflanzen und Tiere vereinen: Bunte Seifenstücke fallen aus einem ausgehöhlten Kürbis. Farbige Schablonen werden um Blattwerk und rote Knospen ergänzt. Eingelassen in eine Ablage ist die Edelstahlskulptur „God is a DJ“ von Wolf von Waldow.
Kunstführungen
Der nächste Termin ist der 4. Januar 09 (Weitere Termine: 1. Februar 09, 1. März 09, 5. April 09, ...). Treffpunkt ist immer um 16 Uhr am Concierge Desk. Für die Führungen mit mindestens sieben und maximal 20 Personen ist eine Anmeldung erforderlich. Anmeldung über Ruth Sachse I Kunst der Gegenwart, Tel. (040) 552 37 70, E-Mail: art@galerie-ruth-sachse.deart@galerie-ruth-sachse.de
Bunte Scherenschnitte und Blumenwelten
Rupprecht Matthies spielt nicht nur mit bunten Scherenschnitten in den Fußstapfen von Matisse, sondern schuf auch „Weite Wolken“. Es sind bunte Sprachbilder aus den Elementen Elbe, grün, reisen, Wellen, Alster, weltoffen und weiteren Begriffen – in Handarbeit ausgeschnitten und zu einem Objekt zusammengefügt. Netzkunst, digitale Bilder also, bietet Cornelia Sollfrank den Hotelgästen an. Es sind collagierte Bilder aus der Netzwelt eines Generators, der Zufallsbilder schafft. Damit scheint sie dem Gebot Beuys zu folgen, der ja meinte, dass jeder Künstler sei, also Kunst schaffen könne. Gibt man in den Generator ein Wort ein, so produziert dieser ein entsprechendes Bild, das mit anderen zufälligen Bildern vereint und bearbeitet werden kann. Schöne neue Welt!

Martin Conrad Betalo, Lesse, Magado, Itabira, Isatis, 2003
Auch der Fahrstuhl ist keine kunstfreie Zone. Strichzeichnungen in der Tradition der Fluxus-Bewegung sind hier zu finden, und auf einer der Zeichnungen wird die ins Leere gehende Frage „Wo ist mein Bleistift?“ gestellt. Diese „stillen Arbeiten“ sind ein Kontrapunkt zu der märchenhaften Blumen- und Pilzwelt von Miron Schmückle im 4. Hotelgeschoss. Kehren wir zum Foyer zurück und nähern uns der Rezeption so stehen wir vor Claudia Hoffmanns aus Beton und Blattaluminium geschaffenem Gebilde „Kanon“.
In einer Führung von 90 Minuten lassen sich nur einige Arbeiten vorstellen. Daher gibt es immer einen Anlass wiederzukommen, um mehr aus der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Volksfürsorge zu sehen.

Miron Schmückle Waldbodenstilleben (Ausschnitt), 2001
Le Royal Méridien
An der Alster 52-56, 20099 Hamburg, Tel. (040) 2100 0.
info.LRMHamburg@lemeridien.com
www.lemeridien.de
Anmeldung für die einmal im Monat an einem Sonntagnachmittag stattfindenden, 90-minütigen Führungen
Galerie Ruth Sachse
Tel. (040) 552 37 70
art@galerie-ruth-sachse.de
Hamburg
Tourismus GmbH
Steinstrasse 7
20095 Hamburg
Tel.: 0 40 / 30 05 13 00
info@hamburg-tourismus.de
Tourist Information am Hafen
St. Pauli Landungsbrücken
zwischen Brücke 4 und 5
1.10.-31.3.: täglich 10 - 17.30 Uhr
ab 1.4.: Mo., So., Mi. 8 - 18 Uhr, Di., Do., Fr. 8 - 19 Uhr