Ausstellungsorte in Hamburg: Altonaer Museum / Barlach Haus / Bucerius-Kunstforum / Deichtorhallen /Jenisch-Haus / Kunsthalle / Kunstverein / Museum für Kunst und Gewerbe /hamburgmuseum / kunsthaus / Le Meridien Hotel Hamburg / Kunsthaus Stade / Freilichtmuseum am Kiekeberg Medizinhistorisches Museum Hamburg
Hamburg
Kunstverein Hamburg
Gert & Uwe Tobias
bis 18. November 2012
Gert & Uwe Tobias

Gert und Uwe Tobias, Ohne Titel, 2010 Farbiger Holzschnitt auf Papier, 216 x 194 cm Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin VG Bild-Kunst Bonn, 2012
Erstmals bespielen zwei Künstler alle Ausstellungsflächen des Hauses, wie der Leiter des Kunstvereins Florian Waldvogel, bei der Ausstellungsvorstellung hervorhob. Weiter führte der Kurator der Ausstellung aus: Es existiert ein subtrahierendes Ausstellungsformat, d. h., die Ausstellung baut sich langsam ab und zum Schluss bleibt nur das Foyer übrig. Was dann im Foyer zu finden ist, ist so eine Art Surrogat oder konzentrierte Form der Ausstellung. Alle Ideen der Ausstellung finden sich dann nicht „in großen Sträußen“, sondern exemplarisch im Foyer wider. „Was mich fasziniert an Gert und Uwe Tobias, dass sie in Räumen denken.“ Die Ausstellungsarchitektur der beiden Künstler bezieht sich nicht auf Einbauten, sondern auf eine Wandmalerei, die sich durch das ganze Haus fortsetzt. Waldvogel wagt in seiner Einführung zur Schau, den Vergleich mit Hieronymus Bosch ins Feld zu führen. Wie dieser würden die in Köln lebenden und arbeitenden Künstler Themen in eine zeitgemäße Sprache übersetzen. Allerdings vermeiden sie eine Betitelung und damit die vorschnelle Lenkung des Betrachters in eine Richtung. Nicht zu übersehen seien bei der präsentierten Kunst die folkloristischen Versatzstücke, die viele ansprechen. Überwiegend zeigt der Kunstverein zu Hamburg neue Arbeiten, die teilweise auch extra für die Ausstellung geschaffen wurden, so die beiden großformatigen farbigen Holzschnitte im Foyer.

Gert und Uwe Tobias, Ohne Titel, 2011 Collage, Mischtechnik auf Papier, 29,5 x 21 cm Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin VG Bild-Kunst Bonn, 2012
Alexandra Bircken 12. Mai - 2. September 2012
Alexandra Bircken (*1967, lebt in Köln) kombiniert alltägliche, uns allseits bekannte und vertraute Materialien zu skulpturalen Objekten. Sie verwendet Fundstücke wie Äste, Steine, Draht und Folien ebenso wie Haare, Strumpfhosen, Zeitungsfetzen, Schaumstoff, die sie zu Bildern oder Skulpturen verwebt. Der Grundstoff in Alexandra Birckens Werk aber ist Wolle. Der Faden taucht immer wieder auf, verbindet und verknüpft einzelne Objekte zu einem offenen Gewebe wie in den "Units", großen Netzbildern, die sich zwischen Rahmenkonstruktionen spannen; oder er wird buchstäblich verstrickt zu narrativen Objekten. Dabei bauen sich ihre Arbeiten von innen heraus auf. So ist die Wolle zunächst ein Faden aus dem durch einfache Handarbeit etwas entsteht, sich ein Objekt aufbaut, das auf Ästen nisten kann oder anschließend von Mörtel eingeschlossen wird. Ihre Materialien schmiegen sich einander an, umhüllen einander und stehen oftmals in einem spannungsvollen Gegensatz: Pigmentiertes Wachs überzieht Maschendraht oder Haare umhüllen einen Ski. Die weichen Materialien stellen sich dabei ihren geschlechtsspezifischen Stereotypen, konterkarieren sie und verdeutlichen so auf implizite Weise ihre Widersprüchlichkeiten.

Gert und Uwe Tobias, Ohne Titel, 2010 Keramik, 2-teilig, 55,5 x 26 x 26 cm Courtesy Contemporary Fine Arts, BerlinVG Bild-Kunst Bonn, 2012
Ungehalten reagieren die beiden Künstler auf die ewigen Fragen nach ihren Wurzeln in Siebenbürgen, das – da unbekannt – mit Transsylvanien gleichgesetzt wird. Von Transsylvanien ist es dann nur noch ein kurzer Schritt zu den Geschichten um Dracula. Genauso ungehalten reagieren Gert und Uwe Tobias auf Vergleiche mit Künstlern der modernen Kunstgeschichte. Auf die Bemerkung, sie seien, betrachtet man ihre „surrealen Welten“, die Neffen von Max Ernst, kommt nur der lakonische Kommentar: „Max Ernst war ein bedeutender Maler, gewiss.“ Doch im luftleeren Kunsthimmel schweben die in Köln beheimateten Künstler nicht. Sie haben sich dem Holzschnitt verschrieben und zwar jenseits seiner expressiven Formensprache eines Kirchners und anderer Künstler der klassischen Moderne. Pappelholz – wenig bis gar nicht gemasert – bildet das Material für die quadratischen Druckstöcke der teils großformatigen Werke, die nur durch das Zusammenfügen einzelner Elemente zustande kommen. Als Collagen könnte man die Werke bezeichnen, von denen die Künstler sagen, sie seinen in Mischtechnik entstanden, weil Collagen eigentlich nur aus Schnipseln bestehen und keine malerischen Elemente enthalten. Doch das ist nur ein Aspekt, betrachtet man die Holzschnitte, die sehr stark vom Zusammenfügen einzelner Motive und Fragmente leben. Eigenwillig ist die Bildsprache, die tief in der europäischen Volkskunst, aber auch in surrealen Welten, ihre Wurzeln hat. Biomorphe Motive sind ebenso in den Arbeiten zu finden wie auch Rasterhintergründe mit „übermalten“ Versatzstücken der Typographie und Geometrie.
Florian Baudrexel 23. Juni - 2. September 2012
Florian Baudrexel (*1968 in München, lebt in Berlin) entwickelt für seine Einzelausstellung im Erdgeschossraum des Kunstvereins zwei unterschiedliche Raumkonzepte: einen Raum der Leere, der in schrägen Wänden zurückweicht und wenig Anhaltspunkte bietet – sowohl im Sinne eines physischen Erlebens als auch eines phänomenalen Sehens –, und einen Raum der Fülle, der in sein eigenes Zentrum dringt und die Trennung zwischen begrenzender Hülle und Raum auflöst. Der Übergang zwischen beiden ist angelehnt an ein menschliches Gesicht, durch dessen Mund man wie Luft ein- und ausströmt. Ein Innen- und ein Außenraum, Leere und Dichte, Kühle und vermutlich Wärme – eine Dialektik, die auf der Betonung von Form basiert. Der Außenraum ist der klassisch sich Zurückhaltende mit den vermeintlich unauffälligen Formen, während der Innenraum sich skulptural in den Vordergrund drängt. Dieser gegensätzliche Moment sollte aber natürlich keineswegs darüber hinwegtäuschen, dass beide bewusst so gestaltet werden, um ihren Gegensatz auszubilden.
In einem sehr dunklen Blauschwarz mit Verzahnungen an den Rändern sind die Räumlichkeiten ausgeschlagen. Auch das wird sich im Laufe des Jahres ändern. Dann werden lediglich das Foyer und das Treppenhaus noch derart farbig ausgeschlagen sein.

Gert und Uwe Tobias, Ohne Titel, 2010 Farbiger Holzschnitt auf Papier, 246 x 195 cm Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin VG Bild-Kunst Bonn, 2012
Die Welt, vielleicht kann man auch von Traumwelt reden, des Brüderpaars aus Köln ist geprägt von Wanzen, Motten, Faltern, Watvögeln und allerlei farbenprächtigen Blüten. Mischwesen zwischen Tier und Mensch findet man hier und da. Auch ein vierbeiniger Stuhl taucht immer mal wieder als Bildmotiv auf. Gleiches gilt für das Motiv der Tropfnase. Die Farben der Arbeiten sind in zarten Nuancen gehalten. Bisweilen erinnern die abgebildeten Blüten an hängende Fuchsienblüten. Die „Abbildungen“, die wir auf den Holzschnitten entdecken, sind allerdings weder Pflanzen noch Tiere im klassischen Sinne, auch wenn ein Strauß ebenso auszumachen ist wie ein Flamingo oder eine Bekassine. Doch alle diese gefiederten Gesellen wurden verfremdet, so auch eine Taube, die unter dem Fallbeil ihr Leben ließ. Derartiges Federvieh findet man neben einem Elefantenkopf auch in der einzigen in der Schau vertretenen Keramikarbeit.
Schreibmaschinenbilder, die im Kopf des Betrachters Assoziationen an Stickmuster auslösen, sind im sogenannten Archivraum zu sehen. Doch diese schwarz-weißen Arbeiten drängen sich längst nicht so auf wie die farbigen Holzschnitte, in denen Rebhühner, ein halber Widder, ein Stuhlfragment, ein umgedrehter Stuhl mit Flamingokopf, ein Erpel mit Fledermausflügeln, ein Madonnentorso mit Fliegenkopf, ein Eisvogel mit grauem Jackett oder ein vom Himmel fallender Vogel mit golden und roten Flügeln einen eigenen Bilderkosmos bilden. © fdp
Manuel Graf 15. September - 30. Dezember 2012
Der in Düsseldorf lebende Künstler Manuel Graf (*1978) verbindet in seinen raumgreifenden Installationen die Bereiche Architektur, Film, Musik und Kunstgeschichte zu einem dichten Gewebe an Verweisen und Bezügen. Oftmals ähneln seine Aufbauten animierten Stillleben, in den Menschen meistens abwesend sind und trotzdem zentrale Fragen der Menschheit verhandelt werden. In "Woher kommt die Kunst? Oder: Über die Blüte des Menschen" (2007) beschäftigt er sich mit der Idee der Zeit und der Frage, wie neue Ideen in die Welt kommen. Eine merkwürdig nostalgisch anmutende Fragestellung im Zeitalter des permanenten Ideentransfers, durch die das Ursprüngliche oder Originäre immer mehr in den Hintergrund tritt. Dabei geben seine Arbeiten oftmals nur eine Idee einer Antwort und stellen unterschiedliche Theorien oder utopische Denkansätze vor. Ausgangspunkt für diese Betrachtungen bilden Architektur-Modelle, die ihm als Allegorie oder Visualisierung dienen. Die von ihm eigenhändig aus Ton modellierten Objekte seiner Installationen entstammen einer folkloristischen Tradition, die in großem Widerspruch zu den technisch aufwendigen Animationen stehen, die sie bildlich oder musikalisch einrahmen. Eine Antwort bleibt er in den meisten Fällen schuldig, dafür aber eröffnet sich den BetrachterInnen ein breites Feld an Interpretations- und Betrachtungsmöglichkeiten.

Installationsansicht / Installation view Kunstverein Hamburg, 2011 Foto / Photo: Alistair Overbruck Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin VG Bild-Kunst Bonn, 2012
Der Kunstverein
Klosterwall 23
20095 Hamburg
http://www.kunstverein.de