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Hamburg
Kunsthalle

Herausragende Kunstwerke vom Mittelalter bis zur Neuzeit:
Niederländische Meister, aber auch die klassische Moderne laufend
text: ferdinand dupuis-panther

Noble Gäste. Meisterwerke des Impressionismus
aus der Kunsthalle Bremen bis Januar 2011

text: ferdinand dupuis-panther

Vorschau 2010/11

Herausragende Kunstwerke vom Mittelalter bis zur Neuzeit: Niederländische Meister, aber auch die klassische Moderne

1869 wurde die erste Hamburger Kunsthalle eröffnet. Im Zuge der Sammlungserweiterung war als Ergänzung des bestehenden Museumsgebäudes 1919 ein Neubau notwendig geworden. Jüngstes Kind der »Hamburger Museumsinsel« ist die 1997 eröffnete Galerie der Gegenwart, ein heller Kubus, dessen Entwurf von Oswald Mathias Ungers stammt.

Besonders stolz ist das Haus auf die niederländischen und flämischen Meisterwerke des 17. Jahrhunderts. In den Landschaftsansichten eines Jacob Isaacksz van Ruisdael (1628/29-82) dominieren die Naturmächte, während die Architekturansichten von Pieter Jansz Saenredam (1597-1665) durch Detailtreue bestechen. Die Romantiker des 19. Jahrhunderts, Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge, sind ebenso wie die so genannten Deutsch-Römer, Anselm Feuerbach und Arnold Böcklin, mit bekannten Arbeiten vertreten. Außerdem sind mehrere Gemälde Adolph von Menzels zu sehen, der als »malender Historiker« u. a. Werke wie „Die Aufbahrung der Gefallenen der Märzrevolution in Berlin“ (1848) schuf. Schließlich fehlt in der Sammlung weder der Impressionismus noch die klassische Moderne und die Kunst der Gegenwart.Caspar David Friedrichs (1774-1840) »Eismeer« versinnbildlicht die mächtigen Naturgewalten, während der »Wanderer über dem Nebelmeer« den (sehnsüchtigen) Blick in die Ferne eröffnet. Im Gegensatz dazu dominieren bei Philipp Otto Runge (1777-1810) Selbst- und Familienporträts, in denen sich bürgerliches Familienglück widerspiegelt. Nicht minder beeindruckend, Arbeiten des deutschen Impressionisten Max Liebermann, der nicht nur Hamburg-Ansichten wie »Abend am Uhlenhorster Fährhaus« schuf, sondern auch naturalistische Gemälde wie »Netzflickerinnen«.

Andy Warhol, der für amerikanische Pop Art steht, Joseph Beuys, Richard Serra, Bruce Nauman sowie Mario Merz sind einige der namhaften Künstler der Galerie. Minimalistisches präsentieren Donald Judd und Richard Long (»Ring aus Schiefer«, 1985). Klangfarben bringt Rebecca Horn mit ihrem »Chor der Heuschrecken« in die Galerie: Unter der Decke hängende alte Schreibmaschinen lassen ihre Tasten hörbar schlagen. Arbeiten aus dem Zusammenhang von Fluxus und Nouveaux Réalistes ermöglichen einen Eindruck von der Kunst der 1960er und 1970er Jahre. Um die umfangreichen Bestände der Öffentlichkeit wenigstens temporär zeigen und den Wandel der Gegenwartskunst nachzeichnen zu können, wird die Galerie in größeren Zeitabständen mit ihrer Werkschau »umgebaut«.

Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall
20095 Hamburg
Tel.: 0 40 / 4 28 54 26 14
info@hamburger-kunsthalle.de
http://www.kunsthalle-hamburg.de
Öffnungszeiten
Di.-So. 10-18 Uhr, Do. 10-21 Uh

 

Noble Gäste. Meisterwerke des Impressionismus
aus der Kunsthalle Bremen

Während der Umbauarbeiten in der Bremer Kunsthalle werden herausragende impressionistische Schlüsselwerke zwei Jahre lang die Sammlung der Hamburger Kunsthalle ergänzen und verstärken. Das 1889 gemalte Mohnfeld von Vincent van Gogh stellt den Mittelpunkt der Auswahl dar.

mohnfeld
Vincent van Gogh (1853-1890), Mohnfeld,1889/90, Öl auf Leinwand © Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen Photo: Lars Lohrisch

Heute ist Vincent van Goghs „Mohnfeld“ längst kein Aufreger mehr. Doch als das Gemälde 1911 für die Bremer Kunsthalle angekauft wurde, entbrannte ein heftiger Streit zwischen der akademisch geprägten Künstlerschar und den Anhängern des französischen Impressionismus. Von pathologischen Bildern aus van Goghs Irrenhauszeit war damals die Rede. Doch es fanden sich gegen die Einlassung der sogenannten Deutschen Künstler auch Maler wie Franz Marc und Max Liebermann, die den Ankauf unterstützten. Die wie mit einem Lineal gezogenen Feldstücke lagen neben der Anstalt, in der van Gogh zeitweilig untergebracht war. Gemalt wurde das Mohnfeld von einer erhöhten Position aus. Gestisch-dymanisch ist der Farbauftrag, sodass sich der Eindruck eines im Wind schwankenden Feldes von Mohnblumen ergibt. In der Kunsthalle Hamburg wird diese Arbeit van Goghs von Gemälden Camille Pissarros eingerahmt, Landschaft mit pflügendem Bauern (1868) und Märzsonne (1875) aus der Kunsthalle Bremen. Auffällig bei Pissarro sind die frühlingshaften Grün-Nuancen sowie der getupfte Bildaufbau. Ähnlich wie van Gogh mit „Mohnfeld“ so hat auch Pissarro seine unmittelbare Umgebung malerisch festgehalten. Die Landschaft in Märzsonne ähnelt der Umgebung des Wohnorts des Künstlers während der Entstehung des Gemäldes.


lautrec
Henri de Toulouse-Lautrec (1864-1901), Junges Mädchen im Atelier (Hélène Vary), 1888, Gouache auf Pappe © Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen Photo: Lars Lohrisch

Bestechend sind, das muss hier hervorgehoben werden, die Gemälde der französischen Impressionisten aus dem Bestand der Kunsthalle Hamburg. Unter Nebelschwaden liegt die Silhouette von London in Claude Monets „Waterloo Bridge“, erworben 1924. Ebenso im Besitz der Kunsthalle Hamburg ist die von Gustav Courbet gemalte Grotte der Loue, eine gewaltige Felsenkammer, durch die ein Flüsschen rauscht. Aus Bremen stammt die Plastik des Mannes mit der gebrochenen Nase von Auguste Rodin. „Anstatt die verschiedenen Teile des Leibes als mehr oder minder ausgedehnte Flächen zu sehen, stelle ich sie mir als Vorsprünge kubischer Masse vor.“ so äußert sich der französische Bildhauer zu seinem Frühwerk, das mit der akademischen Salonkunst brach. Modell stand Rodin ein Arbeiter des Pariser Pferdemarktes, dessen eingeschlagene Boxernase nicht zu übersehen ist. Ein Bart bedeckt die hohlen Wangen und das Gesicht ist tief vom schweren Leben gezeichnet. Eher an die drallen Damen von Aristide Maillol erinnert Rodins Kleinskulptur der Venus, die wir gleichfalls in der Kunsthalle entdecken. Dass Edgar Degas nicht nur Tänzerinnen gemalt hat, sondern auch skulptierte, unterstreicht die „Große Arabeske 2.Position“ (1882/95). Zu sehen sind außerdem die Modelle von drei Bürgern von Calais, Pierre de Wiessant, Jean de Fiennes und Jean d'Aire, gleichfalls eine Arbeit von Rodin.


camille
Claude Oscar Monet (1840-1926), Camille,1866, Öl auf Leinwand © Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen Photo: Lars Lohrisch

Beim weiteren Rundgang stoßen wir auf das Porträt aus Bremer Bestand „Junges Mädchen im Atelier“ (1888) von Henri Toulouse-Lautrec. Nebenan hängt Auguste Renoirs „Madame Heriot“ sowie Edgar Degas „Vor dem Spiegel“. Renoir wählte im Gegensatz zu Toulouse-Lautrec einen einfarbigen Hintergrund und einen blauen Vorhang als Andeutung des Interieurs. Orientalisch mutet das Dekor der Kleidung an. Auch das Sitzmöbel ist mit auffällig buntem Stoff bezogen. Lautrec hatte ein 17-jähriges Mädchen aus der Nachbarschaft als Modell gewinnen können, das er in einer Seitenansicht sitzend in seinem mit Bildern vollgestellten Atelier malte. Die Hände des Mädchens ruhen auf einer weißen Unterlage – vielleicht einem Kissen oder einer Tasche. Zu den noblen Gästen aus Bremen gehört auch Claude Monets lebensgroßes Porträt von Camille, einer Dame, die im Begriff ist wegzugehen. Sie ist in ein bodenlanges schwarz-grünes Kleid gehüllt und trägt eine Jacke mit Pelzbesatz. Angeblich wurde dieses Gemälde in vier Tagen vollendet. Neben diesem Porträt sehen wir auch Edouard Manets Gemälde des Jean Baptiste Faure als Hamlet. Ähnlich großformatig wie „Camille“ ist das Gemälde Renoirs von der Reiterin im Bois de Bologne, Teil der Impressionisten-Sammlung der Hamburger Kunsthalle. Schließlich sei noch auf Edouard Manets Porträt seines Freundes, des Schriftstellers Zacharie Astruc hingewiesen, den Manet 1866 in seinem Gemälde an einem Tisch platzierte, um ihn zu malen.

Vorschau 2010/11

Himmel auf Zeit. Die Kunst der 1920er Jahre in Hamburg
28.03.2010 - 16.05.2010

Segeln was das Zeug hält - Niederländische Malerei des Goldenen Zeitalters 4.06.2010 - 12.09.2010

Ernst Ludwig Kirchner 03.12.2010 - 27.03.2011

Philipp Otto Runge. Retrospektive 08.10.2010 - 10.01.2011


Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall
20095 Hamburg
Tel.: 0 40 / 4 28 54 26 14
info@hamburger-kunsthalle.de
http://www.kunsthalle-hamburg.de
Öffnungszeiten
Di.-So. 10-18 Uhr, Do. 10-21 Uhr

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