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Hamburg
Jenisch-Haus
Die Sammlung Pius Warburg
bis 29. Dezember 2013

Gustav Schönleber: Venedig, 1877 foto: fdp
Pius Warburg, ein Altonaer Spross der Familie Warburg, die im 19. Jahrhundert die Hochfinanz der Hansestadt repräsentierte, war ein ambitionierter Kunstsammler. Seine Sammlung vermachte er großzügig dem Altonaer Museum. Pius Warburg war das fünfte Kind des Altonaer Bankiers Wulf Samuel Warburg, der in der Breitestraße 15 sein Unternehmen betrieb. In das Bankhaus war auch Pius Warburg eingebunden, der sich zudem als Stadtverordneter und als Mitglied des Provinzialausschusses betätigte. Zudem war der musisch begabte und interessierte Warburg-Sprössling auch im Altonaer Kunstverein aktiv.
Ausstellungen 2012
Ab APRIL 2012
Louis Gurlitt (1812-1897) - Ein Künstlerleben
Anlässlich des 200. Geburtstags des wohl berühmtesten Land- schaftsmalers Schleswig-Holsteins zeigt das Jenisch Haus ausge- wählte Werke vornehmlich aus Familienbesitz und aus dem Be- stand des Altonaer Museums. Briefe und Tagebucheintragungen, persönliche Alltagsgegenstände, Skizzen, Fotos und Gemälde von berühmten Künstlerfreunden belegen das aufregende Leben des aus Altona stammenden Künstlers, der sowohl in Adels- als auch in Künstlerkreisen verkehrte, sich sowohl in Altona als auch an zahlreichen Orten Europas zuhause fühlte.
Das Geschenk eines Sammlers
Da Pius Warburg keine Nachkommen hatte, schenkte er seinen Besitz an Handzeichnungen, Radierungen, Ölgemälden und Aquarellen dem Altonaer Museum, mit dessen Direktor Dr. Otto Lehmann er befreundet war.
Vom umfangreichen Bestand der Warburg-Sammlung konnte nicht alles bis heute erhalten werden, auch wenn man sich im Zweiten Weltkrieg um gesicherte Auslagerungen bemüht hatte. Durch einen Volltreffer auf das Vordergebäude des Altonaer Museums wurde ein Wandschrank zerstört, in dem sich unter anderem Mappen mit Grafiken und Aquarellen aus der Warburg-Schenkung befanden. Heute können von dem ursprünglichen Bestand lediglich 35 Ölgemälde, 77 Aquarelle, 154 Zeichnungen, 42 Radierungen und 32 Stiche zusammengetragen werden.

Mariano Torra: An der griechischen Küste, 1889, foto: fdp
Der Geschmack eines Sammlers
Einige der Künstler, die in der Sammlung vorhanden waren und noch heute erhalten sind, hatten im 19.Jahrhundert durchaus Rang und Namen: Andreas und Oswald Achenbach, Friedrich August von Kaulbach, Carl Spitzweg, Louis Gurlitt, Anton Melby und Martin Feddersen sind nur einige, die hier zu nennen sind. Dabei muss allerdings angemerkt werden, dass sich in der Sammlung der Geschmack der aus dem höheren Bürgertum stammenden Sammler niederschlägt und daher „avantgardistische“ Bilder und die „ganz großen Namen“ des 19. Jahrhunderts eher fehlen. Trotz der vorhandenen Schwächen der Warburg-Sammlung lohnt sich ein Blick auf das Konvolut, ob man sich nun die „Normannische Küste“ anschaut oder eine Szene aus der Lagune von Venedig, die 1877 von Gustav Schönleber gemalt wurde.

Eduard Schleich: Klassische Landschaft,1854 foto: fdp
Wie es um einige Künstler im 19. Jahrhundert bestellt war, kann man dem Gemälde „Wandernder Künstler“ von Ludwig von Kurella entnehmen: Mit einem Eselskarren ist er unterwegs und präsentiert während einer Pause seinen abgerichteten Greif, während zwei am Boden Schlafende ihn keines Blickes würdigen. Im Hintergrund unterhalten sich ein Bauer und eine Bäuerin angeregt, und auch diese haben keinen Blick für den Greif. Die beiden Esel warten während dessen ausgespannt darauf, ob es weitergeht oder nicht. Der bereits oben erwähnte Gustav Schönleber hat in seinem Gemälde „Venedig“ das emsige Treiben in der Lagune von Venedig eingefangen. Am Horizont kreuzt ein Dreimaster und ein Zweimaster mit rotem Vorsegel nähert sich den Kähnen, auf die Güter umgeladen werden. „An der griechischen Küste“ betitelte Mariano Torra sein Werk, das eine abendliche Stimmung eingefangen hat. Einige Segler dümpeln im Wasser. Ein Ruderer ist in den küstennahen Gewässern unterwegs, während zwei Männer sich am Ufer auf den Heimweg machen.

Ludwig von Kurella: Wandernder Künstler, 1875 foto: fdp
Undatiert ist die „Wiesenlandschaft“ von Léon Richet: Nur an einer Stelle ist der gräulich bewölkte Himmel aufgerissen. Eine Bäuerin ist nach dem Gewitter auf einem sandigen Weg unterwegs, der teilweise nach dem Regenguss unter Wasser steht. Dramatisch ist der Himmel in „Klassische Landschaft“ von Eduard Schleich gestaltet worden. Über die sandfarbenen Felsen türmt sich eine ambossgleiche Wolke auf, die sich in der Ferne abzuregnen scheint. Eine typische ländliche Szene hat Johann Friedrich Voltz mit dem Gemälde „Kühe im Wasser“ eingefangen. Schließlich sei auch das „Französische Dorf“ erwähnt, eine undatierte Arbeit von Adrien Louis Demont.

Léon Richet: Wiesenlandschaft, ohne Datum foto: fdp
Die oben angeführten Arbeiten fügen sich nicht nur in die von Jenisch ab 1830 aufgebaute Gemäldesammlung ein, sondern reflektieren auch den Kunstgeschmack jener Zeit, die immer noch in der Romantik gefangen war. text und fotos: ferdinand dupuis-panther
Jenisch Haus
Baron-Voght-Straße 50
22609 Hamburg
Tel: (040) 82 87 90
info@altonaer-museum.hamburg.de
Öffnungszeiten
Di. - So. 11 - 17 Uhr