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Hamburg
Altonaer Museum

Alles im Fluss
bis 10. Juni 2012
text: ferdinand dupuis-panther fotos/(c) altonaer museum

Land am Meer: Die Küsten von Nord- und Ostsee
bis 4. März 2012
text: ferdinand dupuis-panther fotos/(c) altonaer museum


Vermessenes Altona. Die Firma Dennert & Pape ARISTO
bis 1. Juli 2012

Vermessenes Altona. Die Firma Dennert & Pape ARISTO

Die Ausstellung "Vermessenes Altona. Die Firma Dennert & Pape ARISTO" stellt ein spannendes Kapitel der Altonaer Stadtgeschichte vor, bei der über die Präsentation einer Firmengeschichte hinaus die wegweisende Rolle der selbstständigen Stadt Altona für die Vermessungsgeschichte des Nordens veranschaulicht wird. Denn Altona ist insofern "vermessen", als es damals neben Greenwich und Paris im 19. Jahrhundert eine eigene Nullmeridianlinie anlegte, von der aus die Vermessung der Längengrade nach Osten und Westen erfolgte und moderne Chausseen sowie die erste Eisenbahn durch Schleswig und Holstein ermöglicht wurden.

Die Firma Dennert & Pape stellte seit 1862 Instrumente zum Vermessen her – Maßstäbe, Wasserpegelmesser, Landvermessungsgeräte, Geodreiecke und Rechenschieber. Diese Produkte, Werbemittel, Fotografien und weitere Exponate beleuchten 150 Jahre Firmengeschichte. Die Sammlung bleibt dank des Engagements des letzten Inhabers Hans Dennert der Öffentlichkeit zugänglich, da sie jeweils in Teilen dem Museum der Arbeit und dem Deutschen Museum München zur Verfügung gestellt wurde. Die Familie Dennert ermöglichte in der Folge die Ausstellung im Altonaer Museum.

Neben der Firmengeschichte in Raum 1 der Ausstellung wird in Raum 2 die bis 1870 in Altona befindliche Sternwarte vorgestellt. Raum 3 widmet sich der Bedeutung eines herausragenden Produkts der Firma, des Rechenschiebers. Die feinmechanische Firma Dennert & Pape wurde 1862 von Johann Christian Dennert mit 10 Mitarbeitern in Hamburg gegründet. Der immense Bedarf an Vermessungsgerät für die Seenavigation und die Landvermessung ließ die Firma schnell größer werden, so waren um 1900 40 Mitarbeiter in der Firma beschäftigt (1973 waren es über 500). 1869 zog die Firma in größere Gebäude nach Altona, um für die Aufträge der staatlichen Vermessungsämter Berlins in Frage zu kommen.

• Alles im Fluss

Die Elbe zwischen Altona und Schulau wird aus kunst- und kulturgeschichtlicher sowie naturhistorischer Sicht in dieser sehenswerten Schau beleuchtet. Die Rolle der Schifffahrt für die Geschichte Altonas, die Elbe in der Kunst, auch der zeitgenössischen Kunst, das Beuys-Projekt im Zuge der Hafenerweiterung, die Flora und Fauna an und in der Elbe sowie das Leben der wenigen verbliebenen Fischer an der Elbe sind die Themen, die dem Besucher näher gebracht werden. Der Besucher folgt beim Rundgang gleichsam dem Verlauf des strömenden Flusses, erfährt durch O-Töne vom Schicksal von Matrosen, die auf Container-Schiffen über die Meere kreuzen, kann eine inszenierte Hafenbar betreten und „La Paloma“, „Hamburger Deern“, „Der Junge von St. Pauli“ oder „Auf der Reeperbahn nachts um halb Eins“ aus der Musikbox ertönen lassen. Fotos von Matrosen und ein gemaltes Pin-up-Girl sowie ein Drückerfisch als Lampe vervollständigen die Dekoration der Bar. Kolonialwaren und Schmugglergut, Artikel der Markenpiraterie wie beschlagnahmte gefälschte Nike-Schuhe und Preziosen werden dem Besucher anschaulich präsentiert.

altonia
Otto Marcus: Altonia, 1900, Altonaer Museum

Am Eingang weist uns ein konisches Seezeichen aus Holz den Weg zur Elbe. 1999 wurde es im Bereich des Schifffahrtsamtes Hamburg gefunden. Derartige Seezeichen wie auch feste Leuchtfeuer dienen zwischen Altona und Cuxhaven auf einer Länge von mehr als 100 km der Sicherheit auf dem Strom. Sobald der Besucher den ersten Ausstellungsraum betritt, begrüßt ihn eine Klanginstallation, die an die Schiffsbegrüßungsanlage in Schulau erinnern soll. Mancher Besucher wird das immer wieder einsetzende Erklingen gleicher Melodien als störend und ablenkend empfinden.

seetonne
Seetonne aus der Elbe, um 1680
Altonaer Museum

Kolonialwaren, Preziosen und andere Güter
In Ausstellungsboxen, die an geöffnete Containerboxen erinnern, werden u. a. die Güter vorgestellt, die mit Schiffen aus Amerika, Asien, Afrika und der Südsee nach Hamburg kamen und bis heute kommen. Im 18/19. Jh. waren es die Kolonialwaren wie Bananen und Tee, die man in der Hansestadt löschte, während Stoffe, Eisenwaren oder Stearin ihren Weg nach Übersee nahmen. Ein „Erbstück“ des Kolonialhandels ist die Figur des Tabakindianers, der aus einer Gewürzhandlung am Altonaer Fischmarkt stammt und um 1840 entstanden ist. Es handelt sich um eine stehende Figur mit Federkopfschmuck und einer langen Tonpfeife. Aufgrund des schwarzen Teints glaubt der Betrachter eher, einem Afrikaner und keinem Indianer gegenüberzustehen.

Ausstellungen 2012

Verzaubert. Von geheimen Wissenschaften und magischen Spektakeln
25.4. bis 7.10.2012


Die Ausstellung erläutert die kulturgeschichtlichen Hintergründe der Zauberkunst und zeigt, wie bedeutend Zauberkünstler zur naturwissenschaftlichen Forschung und Wissensvermittlung beigetragen haben. Zu sehen sind Requisiten der Zauberkunst sowie Zauberbücher und Werbemittel.

Bei uns nebenan. Bauen und Wohnen in Altona
9.5. 2012 bis 10.2.2013

Die Ausstellung präsentiert anhand der Geschichte des Altonaer Spar- und Bauvereins und seiner zahlreichen Bauvorhaben ein wichtiges Kapitel der Altonaer Stadthistorie. Gezeigt werden Originalobjekte aus vergangenen Zeiten wie Waschbottiche und Wohnungsverlosungskugeln, Sparbriefe, Dokumente und Fotos.

Im Schatten des Glanzes Weihnachten der Weihnachtslosen 27.10.2012 bis 6.1.2013

Die Weihnachtsausstellung widmet sich anhand von Objekten aus Heimarbeitsmanufakturen und historischem Spielzeug aus Materialresten einem bisher vernachlässigtem Thema: den Weihnachtsbräuchen der Armen und Mittellosen.

Zu den Sammelgütern und Preziosen wie englischer Keramik ist gleichfalls eine Ausstellungsbox vorhanden. Der Reeder Johan Cesar Godeffroy VI. ließ auf seinen Frachtseglern derartige Güter nach Hamburg verschiffen. Exotische Pflanzen und Tiere gehörten auch zum begehrten „Sammelgut“, das ab 1861 in einem Museum am Alten Wandrahm der Öffentlichkeit gezeigt wurde. Exotische Schmetterlinge können wir nur im ausgestellten Journal des Museums Godeffroy bewundern, allerdings hat man in der Ausstellung ein „Wunderkabinett“ mit Korallen, einer präparierten Harlekinkobra, einem mit einem maritimen Motiv bemalten Straußenei und einen Pottwalzahn mit Zeichnung inszeniert. Zu dieser Inszenierung gehören außerdem ein Skelett des Schnabeltiers, ein präpariertes Krokodil, ein Paradiesvogel und ein Rosa Kakadu.

matrosenbraut
Herbert Dombrowski: Matrose und Brau, 1956, Altonaer Museum

Der Wal musste daran glauben
Dass der Walfang einst von großer Bedeutung war und vor allem von mennonitischen Familien, wie den van der Smissens, betrieben wurde, beleuchtet die Ausstellung eingehend. 1685, so ist zu erfahren, entstand die erste Grönland-Reederei in Altona. Allein zwischen 1670 und 1679 wurden beinahe 4000 Wale erlegt. Erst die Kontinentalsperre von 1807 führte zum Erliegen der Walfängerei. Fürchterlich muss es gestunken haben, wenn die Tranbrennereien entlang der Elbe ihrem Gewerbe nachgingen, wenn Walspeck zu Tran verkocht wurde. Leider hat man in der Ausstellung auf „Geruchsdesign“ verzichtet. Zu gerne hätte der Besucher doch neben dem visuellen und akustischen Eindruck, noch einen „duftenden“ gewonnen.

Heute mag man kaum daran denken, was angesichts des jetzigen Walfangmoratoriums alles aus Wal gewonnen wurde. Vornehmlich in der Damenmode waren Walknochen unverzichtbar, um zum Beispiel Korsettstangen anzufertigen. Auch Spazierstöcke für den Herrn wurden aus Walknochen gefertigt. Selbst für einen Schemel wurde der Halswirbel eines Wals verarbeitet. Walamber aus dem Wal-Darm wurde bei der Parfümherstellung gebraucht. Auch Seifen, Salben, Suppen, Farben und die Beleuchtung zuhause konnten nicht ohne Waltran erzeugt werden.

Vergessen ist die Zeit, als Altona ein Zentrum der deutschen Dampfhochseefischerei war und der Altonaer Fischmarkt in Konkurrenz zum St.-Pauli-Fischmarkt ins Leben gerufen wurde. Hoch her muss es 1931 gegangen sein, als Emil Puls früh morgens sein Schwarz-Weiß-Foto von der Altonaer Fischauktionshalle geschossen hat.

handelsherr
Unbekannt: Der Handelsherr in seiner Villa in Neumühlen
um 1840 Öl/ Leinwand Altonaer Museum

Vom Unglück der Seeleute
Dass die Seefahrt nicht immer mit Unglück und Tod verbunden ist, macht eine weitere Ausstellungsbox deutlich. Malaria plagte so manchen Matrosen, der aus der Ferne an die Elbe zurückkehrte. Das Amt eines Hafenarztes war daher eine zwingende Notwendigkeit. Der wohl bekannteste war Bernhard Nocht, nach dem das 1900 gegründete Institut für Schiff- und Tropenkrankheiten benannt wurde. Dieses befindet sich auf dem „Balkon“ oberhalb der Landungsbrücken und versieht bis heute seinen Dienst.

Aus einem Briefwechsel erfährt der Besucher auch von tödlichen Unfällen, die u. a. die Kapitänsfamilie Petersen und ihre 13 Kinder ereilten. J. Mewes schrieb 1877, dass Hinrich Petersen am 24. Juni vom Fockmast heruntergefallen und dabei das linke Bein zerbrochen und den Kopf an der rechten Seite zertrümmert worden sei.

Tiefgang, Lotseneinsätze ...
Während der Besucher von Box zu Box schlendert, nimmt er beiläufig technische Daten über den Fluss war, die auf den Fußboden der Ausstellungsräume niedergeschrieben wurden: Rinnentiefe 13,90-14,80 m, Breite 400 m, Lotseneinsätze 2005: 33469. Und weiter geht es mit Zahlenwerk, zu dem uns die Vorstellung fehlt: 2006: 66,2 Mio. t Stückgut umgeschlagen sowie 4,2 Mio. TEU Container umgeschlagen.

Während man mit einem Auge noch einen Blick auf die blinden Passagiere wirft, die wie Vogelspinnen und Bananennatter bisweilen in Hamburg an Land gehen, wird die Aufmerksamkeit schon auf andere Exponate gelenkt. Man erblickt zum Beispiel die „Heinrich von Blankenese“ und andere Schiffe, die das Elbwasser durchfahren.

panoramaelbe
Panorama des Elbufers
von Hamburg bis Blankenese, 1857 (Ausschnitt)
Staatsarchiv Hamburg

„Gesine“, „Queen Mary“ und die anderen
Dass Künstler von der Elbe angezogen wurden, unterstreichen die gezeigten grafischen Arbeiten und Gemälde wie das sehenswerte „Panorama der Elbe“ von 1835: Ein Schoner dümpelt auf dem Wasser, eine Bark und ein Blankeneser Elbewer sind am Fährhaus zu sehen, ein Dreimast-Gaffelschoner liegt im Wind, derweil der Raddampfer „City of Hamburg“ seines Weges zieht. Zu sehen sind zahlreiche Schiffsmodelle, darunter ein kielloser Pfahlewer, der auf der Unterelbe seine Dienste versah. Hörstationen lassen den Besucher am Stapellauf der Schonerbark „Ernst Dreyer“ und am Zusammenstoß des Schoners „Eclipse“ mit dem Schoner „Catharina“ teilhaben.

Man entdeckt die 1865 gebaute Schonerbrigg „Orient von Blankenese“ und den Finkenwerder Hochseefischewer „Gesine“. In den Reigen der Schiffsmethusaleme reihen sich auch die „Queen Elisabeth II.“ und „Queen Mary“ sowie die MS Container „Houston Express ex Northern Jade“ ein, die 332 m lang ist und einen Tiefgang hat, mit dem das Schiff gerade noch die Elbe bei Hochwasser befahren kann.

Nicht nur Landhäuser
Das Thema „Am Fluss“ wird im Wesentlichen durch künstlerische Darstellung des Lebens am und mit dem Fluss abgedeckt. Eine moderne expressive Arbeit von Inga Kählke beschäftigt sich mit den Farben des Wassers, taucht ab in die Tiefe des Flusses und bannt dessen Grünschattierungen und Blaustufen auf die Leinwand. Zugleich erfahren wird, dass der neue Elbtunnel täglich 150000 Fahrzeuge aufnimmt und die Köhlbrandbrücke 30000.

Die Szenerie am Hafen in der Zeit um 1730 fängt eine Radierung ein, die die Armenkirche und die Baracken ebenso zeigt wie die St.-Pauli-Kirche auf dem Berg. Reiter sind unterwegs und ein Pferdegespann mit Waren fährt zu seinem Bestimmungsort. Unbekannt ist der Künstler, der uns ein Panorama des rechten Elbufers aus der Zeit um 1820 hinterlassen hat. Die Kirche zu Ottensen, Bennet’s Badeanstalt, die Mühle von Neumühlen und die klassizistischen Bauten Hansens sind zu erkennen. Auch die Ansicht von Rainville, vom dänischen Architekten Christian Frederik Hansen ausgedacht und von Johann Baptist Schmitt in Öl gemalt, ist in der aktuellen Schau zu sehen. Zu der Architektur, die glücklicherweise nie realisiert wurde, gehörten Gutschows Pläne für ein Verwaltungsforum an der Elbe. Gebaut werden sollte u. a. das 250 m hohen Gauhaus und das KdF-Hotel. Sie sollten Teil der „Führerstadt Hamburg“ sein. Doch der „Führer“ war von Gutschows Ideen wenig angetan.

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Unbekannt: Die Frau des Handelsherren in der Villa in Neumühlen
um 1840 Öl/ Leinwand Altonaer Museum

Zu dem m Leben an und mit dem Fluss gehören knallbunte Badeschuhe, eine grünweiße Badekappe, das Treibgut der Wegwerfgesellschaft, ein dunkelblauer Badeanzug, der auch züchtig die weiblichen Knie bedeckt und in der Zeit zwischen 1900 und 1910 in Mode war. Die Landhausbesitzer des 18. und 19. Jahrhundert sind Bestandteil der „Flusslandschaft“, unter anderem auch Georg Friedrich Baur. Genießen können Besucher den „Blick von Baurs Park nach Hamburg“ (1811, Ludwig Strack) und den „Blick vom Altonaer Balkon“ (1770/80). Wie beschaulich es noch Mitte des 19. Jh. in Teufelsbrück war, zeigt eine Arbeit von Heinrich Louis Theodor Gurlitt. Die Ungezähmtheit der Natur spiegel sich in Hermann Kaufmanns Gemälde „Nach der Sturmflut“ (1839) wider. Und damit wird gleichzeitig zum Thema „Sturmflut von 1962“ übergeleitet. Dank eines Filmberichtes von Peter von Zahn werden die Besucher über den Verlauf der Ereignisse hautnah und „live“ informiert, erfahren von der Nachlässigkeit und der Selbstsicherheit der Behörden angesichts der nahenden Fluten.

Land am Meer: Die Küsten von Nord- und Ostsee

Nein, hier werden nicht ausschließlich Seeblicke und Meereslandschaften ausgestellt, sondern das Altonaer Museum präsentiert einen bunten thematischen Bilderbogen, der sowohl die Landschaft im Wandel der Gezeiten zeigt als auch die Menschen in ihrem Alltag und schließlich auch das Bade- und Strandvergnügen zwischen Norderney und Heringsdorf. Tiefgrün ausgeschlagen ist die Raumfolge, in der Themen wie „Strandvergnügen“, „Kulturlandschaft Küste“ und „Maritime Interieurs“ vorgestellt werden. Medienstationen lockern die rhythmisch gestaltete Ausstellung ebenso auf wie andere Exponate, ob nun Souvenirs vom Badeurlaub oder Künstlerpostkarten von Erich Heckel und Max Pechstein. Gerätschaften zum Deichbau, ein Strandkorb und Geräte zum Krabbenfang und Krabbenkochen vervollständigen die sehenswerte Schau. Auf geht es zum Strandvergnügen, zu Wattwanderungen, zum Krabbenfischen und zum Spiel der Gezeiten ...


Karl Kluth, Nordfriesische Landschaft, 1964, Altonaer Nuseum, Inv.Nr. 1969-176

Nach einem schweren Sturm haben sich die Wogen noch nicht gelegt, überrollen den Strand – so in Wenzel Habliks Momentaufnahme des unbändigen Meeres vor Sylt. Gänzlich anders sieht hingegen Karl Kluth das Land an den Meeren: platt, giftig grün, die Häuser geduckt und nur die roten Dächer zeigend, ein hoher Himmel und eine riesige schwer auf dem Land lastende Wolke in Tintenblau. Mit diesen beiden Gemälden macht die aktuelle Ausstellung auf, die nach langer Zeit verborgene Schätze des Museums ans Tageslicht bringt – und das ist ein Glücksgriff.

Ein Land in den Fängen der Gezeiten
„Wo auch immer man den Ozean erblickt, er wird einem überall beeindruckend und beängstigend erscheinen“, schrieb der französische Universalgelehrte Jules Michelet in seinem Werk „Das Meer“, das in der Mitte des 19. Jahrhunderts erschien. So wundert es nicht, dass die Ausstellung auch das Thema der Schiffbrüche und Sturmfluten aufgreift. Bevor dies allerdings geschieht, erfolgt eine Annäherung an die Naturlandschaften an den Meeren: Zu sehen sind Steilküsten, an denen die Gezeiten nagen. Carl Hilmers Ansicht vom Morsumkliff verdeutlicht, wie gewaltig die Kraft des Meeres ist. Im Vordergrund ist bereits ein Teil der Küste abgesunken und wird bei den nächsten Fluten ins Meer getragen werden.

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Carl Hilmers, Morsumkliff auf Sylt, 1928, Altonaer Museum

Tief zerfurcht ist das gleiche Kliff, als es um 1880 von Magnus Weidemann gemalt wurde. Gut zu sehen sind die geologischen Schichtungen der Küste – von Ocker bis Anthrazit reichen die Erdfärbungen an der Bruchkante des Landes zum Meer hin. Bis an den Klippenrand bewaldet ist die Kreideküste von Rügen, die Weidemann malerisch festgehalten hat. Zur Naturlandschaft Küste gehört auch die Vogelwelt, die in der Schau nicht fehlen darf, ob nun Rotschenkel oder Raubmöwe, Schnepfe oder Säbelschnäbler, die als ausgestopfte Exponate im feinen Strandsand stehen. Nur auf das Schreien der Möwen und das Schlagen der Wellen muss man beim Ausstellungsbesuch verzichten, doch wie die Naturlandschaften ausschauen, das verrät uns Friedrich Kallmorgen mit seinem Werk, das uns eine in Rosa und Grün getauchte Hallig zeigt. Sind es Strandnelken oder gar Strandflieder, welche die Hallig überziehen?

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Charles Houget, Blick auf das Oberland von Helgoland, 1866,
Altonaer Museum Inv.Nr. 1977-1075

Strandvergnügen und Badelust
Das Meer und der Strand lockten bereits im ausgehenden 19.Jahrhundert und zu Beginn des 20.Jahrhunderts mehr und mehr Städter zur Sommerfrische an Nord- und Ostsee. Einige Plakate zeugen von der Tourismuswerbung für den Urlaub an der Nordsee, für Passagierfahrten mit dem Schnelldampfer „Atlas“ von Hamburg nach Helgoland und Badenixen sollen Lust auf einen Urlaub am Meer machen. Auch Johann Heinrich Sander betrieb mit einer Lithografie, die das Ausschiffen vor Föhr zeigt, Werbung für diese nordfriesische Insel. Bildpostkarten waren ein weiteres Mittel, auf die Badeorte aufmerksam zu machen, ob nun Badenixen Grüße aus Travemünde versandten oder eine Badegesellschaft in gestreiften Badekostümen aus Heringsdorf grüßte. Dass auch prominente Zeitgenossen ihren Urlaub an der Küste verbrachten, erfährt man, wenn man sich in einem Strandkorb verkrochen hat und den Aufzeichnungen von Otto von Bismarck und Wilhelm von Humboldt lauscht, die ihre Urlaube auf Norderney schildern. Wie der Badeurlaub zu Beginn des 20.Jahrhunderts ausschaute, das vermittelt ein Gemälde von Hermann Grimm: Statt Vergnügen in den Wellen bevorzugte man den Aufenthalt am Strand: Ein Herr mit Strohhut zeichnet, drei Damen plaudern im Strandkorb, Kinder spielen im Sand und nur ein einziger Mann steht knietief im Wasser. Anziehpuppen gleichen die Spaziergänger auf der Promenade, so jedenfalls in der Temperaarbeit von Hans Leip. Also nichts ist von dem zu sehen, was Otto von Bismarck erlebte. Der „Eiserne Kanzler“ schrieb in einem Brief, dass er eben noch knietief im Wasser stand, um dann im nächsten Augenblick von einer Welle zehnmal herumgewirbelt zu werden. Nur in Ivo Hauptmanns expressiv angelegtem Gemälde von Hiddensee sieht man beherzte junge Männer im Wasser, aber auch einen Herrn mit Pfeife im Mund in seiner Strandburg. Strandburgen und flatternde Fähnchen entdecken wir zudem bei Friedrich Dorsch. Im Stil des neuen Realismus malte Harald Duwe 1972 seine ganz eigene Strandszene: Ein dicklicher Kerl hat am Strand Platz genommen, hinter ihm das am Strand geparkte Auto – eine Szene, die aus St. Peter-Ording stammen könnte.

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Franz Radziwill, Helgoland, 1959, Altonaer Museum, Inv. Nr. 1974-13

Immer wieder Helgoland
Rote Felsklippen mitten in der deutschen Nordsee zeugen von einer wechselvollen Geschichte. Beliebtes Motiv war Helgoland bereits im 19. Jahrhundert. Vor allem Rudolf Jordans romantisierendes Gemälde „Ein Heiratsantrag auf Helgoland“ (1834) wurde recht rasch das Motiv für zahlreiche Souvenirs, zierte Tabakdosen und Etuis ebenso wie Tabletts oder Tassen. Doch Jordan ist nicht der Einzige, dem es Helgoland angetan hatte. Christian Ernst B.Morgenstern malte 1863 die Felsenküste der Insel, in deren Schatten wohl Strandräuber auf reiche Beute Ausschau halten, da ein Zweimaster die Insel passiert. Gezeigt werden außerdem Walter Leistikows Helgoland-Ansicht und das gespenstisch wirkende Helgoland, das wir Franz Radziwill verdanken. In einer Überblendung sind historische Aufnahmen der Insel zu sehen, beginnend im Jahr 1890 bis zum Jahr 1952, darunter ist auch eine Aufnahme von der Sprengung der Südspitze Helgolands am 18.4.1947.

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Moritz Melzer, Fischerboote am Strand 1911, Altonaer Museum, Inv.Nr. 1967-660

Maritime Arbeitswelten
Die Küstenwirtschaft mit typischen Fischerbooten sind dieMotive bei Otto Möller und Moritz Melzer. Gleichsam in ein grelles Farbenspiel tauchte Melzer seine Fischerboote, während Käthe Lassen ihre Boote in blauen Farbstufen realisierte. Wer mehr zur Wattfischerei erfahren will, kann sich die Überblendung von Schwarz-Weiß-Aufnahmen anschauen und einen Blick auf Krabbenkochpott und Schiebehamen werfen, mit dem man Krabben küstennah fangen kann. Während heute Schiffskutter nach und nach stillgelegt werden müssen, bestimmten sie in den 1930er Jahren noch das Bild der Nordseehäfen, so auch in Alma del Bancos Gemälde aus Cuxhaven. Welcher Wandel sich an der Nord- und Ostsee eingestellt hat, unterstreicht Heinz Schrad mit seinem im Stil der Neuen Sachlichkeit konzipierten Gemälde einer Autofähre. Als einziges Zeugnis menschlicher Arbeit muss ein liegen gebliebener Arbeitshandschuh angesehen werden. Auch Autos vermisst man in diesem Werk. Lediglich Radspuren führen in den Schlund des Schiffes.

fischer
Johann Jacob Gensler, Netzflicker, 1835.36, Altonaer Museum, Inv.Nr. 1996-98

Zum Abschluss der Schau besucht man die Stuben der Fischer und Seeleute, so auch in „Alter Mann in einer nordfriesischen Stube“ (1904). Doch das heutige Leben der Küstenfischer bleibt leider außen vor. Das große Finale des Besuchs am Meer bildet das Thema „Sturmflut, Schiffsbruch und maritimer Tod“. Zu diesem Thema steuerte unter anderem Walter Gramatté eine Gewitterstimmung über dem Meer bei: Ein Blitz zuckt vom Himmel, die Sonne ist tiefrot und aus den streifigen Wolkenbänken ergießt sich die Last des Himmels. Aufgewühlt ist die stürmische See in einer Arbeit von Max Pechstein von 1943, und nur mit aller Kraft gelingt es den Männern im Ruderboot, durch die hohen Wellen zu gelangen – auch diese Szene verdanken wir Max Pechstein. Nicht minder dramatisch ist die Szenerie in Eduard Schmidts „Schiffbruch vor der Küste Helgolands.“ Dass der Tod ein ständiger Begleiter der Menschen am Meer ist, erkennen wir unter anderem in Max Pechsteins „Kurengräber“ - ein von bunten Blumen gesäumter Kranz von schwarzen Kreuzen.

Altonaer Museum
Museumstraße 23
22765 Hamburg
Tel.: 0 40 / 39 23 04
info@altonaer-museum.hamburg.de
Öffnungszeiten
Di. - So. 10 - 17 Uhr

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