Text: Beate Schümann
Ein
Hamam ist ein Dampfbad. Und die Tradition, sich dorthin zum Bad,
zum Schwitzen, zur Körperreinigung zurückzuziehen, ist
Jahrtausende alt. In der Türkei, im gesamten Orient. Doch Beate
Schümann ist diesem besonderen Lebensgefühl auch in unseren
Breiten auf der Spur gekommen.
Wasser tropft von den Wänden. Die Temperatur liegt zwischen 43 und 48 Grad. So jedenfalls ist es an der Tür zum „Osmanischen Dampfbad“ zu lesen. In der Mitte des gedämpft beleuchteten Raumes steht eine Marmorsäule mit einem Bergkristall, so groß wie ein Murmeltier; er soll Kraft und geistige Klarheit auf die Schwitzenden abstrahlen und deshalb mit der Zeit auch kleiner werden. Vogelgezwitscher zu Computerklängen besänftigt aufgewühlte Nerven. Duftende Aromaöle balsamieren schachmatte Seelen. Zehn Minuten Schwitzen genügen. Dann haben sich die Poren geöffnet: die Haut ist für die intensive Körperreinigung vorbereitet.

Der Orient in Westerland
Natürlich gibt es in einem türkischen Hamam weder Bergkristall, noch New-Age-Musik, noch wohl riechende Aroma-Essenzen wie hier im Syltness-Center auf der Nordseeinsel. Auch dass Männer und Frauen im Dampfbad gemeinsam sitzen und schwitzen, gilt jenseits des Bosporus als Verletzung des religiös-sittlichen Gefühls. Erst recht, dass sie ohne „pestemal“-Tuch, sondern nackt erscheinen. Dass schon bis hierhin fast alles anders ist als zwischen Istanbul und Antalya, hat im Grunde keine große Bedeutung. Hamam ist eben ein Direktimport aus der Türkei und wurde deutschen Bedürfnissen angepasst.
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