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Ausstellungsorte in Frankfurt: Deutsches Architekturmuseum / Schirn Kunsthalle / Städel / Jüdisches Museum / MMK / Liebighaus

Frankfurt am Main
Schirn Kunsthalle


EDVARD MUNCH. DAS MODERNE AUGE

9. Februar 2011 bis 6. Mai 2012

Edvard Munch wird für seine ausdrucksstarke symbolistische Malerei gefeiert und gilt als Bahnbrecher des Expressionismus. Die Ausstellung in der Schirn, in Zusammenarbeit mit dem Centre Pompidou Musée National d'Art Moderne in Paris entstanden, bietet eine neue Sicht auf sein Schaffen. Erstmals wird Munchs Auseinandersetzung mit modernen Aufnahme-techniken wie Fotografie und Film oder zeitgenössischen Bühnenbildern in den Fokus der Aufmerksamkeit gestellt. Seine Werke lassen erkennen, in welchem Maß er spezifisch fotografische oder filmische Bau- und Erzählformen, Posen und selbst Effekte in seine Malerei übernimmt. In Ergänzung zu den rund 60 Gemälden und 20 Arbeiten auf Papier ist ein Kapitel Munchs eigenen Versuchen in den Bereichen Fotografie und Film gewidmet. Gezeigt werden 50 Fotografien in zeitgenössischen Abzügen sowie vier Filme Munchs.

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Edvard Munch Weinende Frau, 1907 Öl auf Leinwand 121 x 119 cm © The Munch Museum © The Munch Museum / The Munch Ellingsen Group / VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Edvard Munch wurde 1863 in Løten in der norwegischen Provinz Hedmark geboren. Seine Mutter starb mit 33 Jahren an Tuberkulose, als Munch fünf Jahre alt war; 1877 wurde seine ältere Schwester Sophie Opfer der Schwindsucht. Tod und Krankheit begleiteten die Familie zeit seines Lebens und sollten Munchs Werk ebenso maßgeblich prägen wie seine chronische manisch- depressive Störung. Auf Wunsch des Vaters begann Munch 1879 ein Ingenieurstudium an einer Technischen Schule in Kristiania, dem heutigen Oslo, ein Jahr später wurde er an die Königliche Zeichenschule zugelassen. Mehrere Aufenthalte in Paris führten ab 1885 zu Munchs Bruch mit dem impressionistischen Stil. Nach dem Tod seines Vater 1889 und einer tiefen Depression ent- wickelte Munch in einer Art expressivem Symbolismus Metaphern und Bildformeln für innere Er- lebnisse und wurde zum Wegbereiter des Expressionismus. Munchs zunehmender künstlerischer Erfolg zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging mit ruhelosen Aufenthalten in Paris und Berlin einher und wurde zunehmend von Alkoholproblemen und psychischen Konflikten begleitet. Nach einem Nervenzusammenbruch und einer mehrmonatigen Behandlung im Spätsommer 1908 ließ sich Munch wieder fest in Norwegen nieder. 1916 erwarb Munch das Anwesen Ekely in der Nähe von Kristiania, wo er bis zu seinem Tod am 23. Januar 1944 zurückgezogen, aber überaus produktiv lebte.

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Edvard Munch Weinende Frau, 1906 Bronze 38,2 x 27,5 cm © The Munch Museum © The Munch Museum / The Munch Ellingsen Group / VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Edvard Munch kehrte in Kopien, Neubearbeitungen und Variationen oft nach Jahren und selbst Jahrzehnten immer wieder zu bestimmten Themen zurück. Sechs Versionen von Das kranke Kind, sieben von Mädchen auf der Brücke und zehn von Vampir offenbaren die Wiederholung als eine der wesentlichen Konstanten in Munchs Werk. Besonders obsessiv beschäftigte sich Munch mit dem Motiv einer weinenden, nackt vor einem Bett stehenden Frau. Im Zeitraum zwischen 1906 und 1930 schuf er sechs Gemälde sowie mehrere Zeichnungen, eine Fotografie, einen Druck und eine Skulptur zu diesem Thema. In dieser Art der Wiederholung über die ganze Band- breite der Munch zur Verfügung stehenden Medien hinweg zeigt sich nicht nur eine fast manische Besessenheit von diesem Thema.

Selbstbildnisse ziehen sich wie ein roter Faden durch Edvard Munchs künstlerisches Werk. Von seinen Anfängen bis zu seinem Tod hat sich der Künstler in mehr als 70 gemalten und 20 grafi- schen Arbeiten sowie in über 100 Zeichnungen, Aquarellen und Skizzen intensiv mit der eigenen Person auseinandergesetzt und so eine Art visuelle Autobiografie geschaffen.

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Edvard Munch Rosa Meissner in ihrem Zimmer im Hotel Rhône in Warnemünde, 1907 Silber Ausdruck auf Fotopapier Agfa Lupex 8,7 x 7,3 cm © The Munch Museum © The Munch Museum / The Munch Ellingsen Group / VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Neben Pierre Bonnard, Édouard Vuillard und Alfons Maria Mucha gehört Edvard Munch einer Künstlergeneration an, die sich zur Jahrhundertwende der Fotografie zuwandte. 1902 erwarb er in Berlin eine kleine Kodak-Kamera und begann damit, neben Aufnahmen von Gemälden und Orten, mit denen er Erinnerungen verband, auch verstärkt Selbstbildnisse zu machen. Lange Belichtungszeiten bewirkten eindrückliche Transparenzeffekte. Doch eher als mit den Malern seiner Generation lässt sich Munch mit den Schriftsteller-Fotografen dieser Epoche vergleichen. Seine Fotoarbeiten offenbaren ebenso wie diejenigen eines August Strindberg oder Émile Zola eine Obsession für das Selbstporträt, einen Willen, das eigene Leben in Bildern darzustellen. In Ekely entstanden ab 1930 weitere fotografische Porträts, für die Munch mit einer heute allgemein praktizierten Geste die Kamera wie einen Spiegel seinem Gesicht zugewandt in der ausgestreckten Hand hielt.

Die Ausstellung "Edvard Munch. Der moderne Blick" wurde organisiert vom Centre Pompidou – Musée national d'art moderne in Paris, in Kooperation mit dem Munch-Museum in Oslo und in Zusammenarbeit mit der Schirn Kunsthalle Frankfurt. Im Anschluss wird die Ausstellung vom 28. Juni bis 12. Oktober 2012 in der Tate Modern in London präsentiert.

Berichterstattung folgt

Schirn Kunsthalle Frankfurt
Römerberg
60311 Frankfurt
Öffnungszeiten
Dienstag, Freitag - Sonntag 10 - 19 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 10 - 22 Uhr

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