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Die Schranne lebt!

Ein Besuch in Münchens kulinarischer Kultstätte

Text und Fotos: Judith Weibrecht

Deutschland München Hallendach

Papayas, Mangos, Klebreis, ein exotischer Stand mitten in der Schrannenhalle am Viktualienmarkt in München. Wahrlich, nicht einmal Kao-tai, der Abenteuer liebende Mandarin aus Herbert Rosendorfers „Briefe in die chinesische Vergangenheit“ hätte hier und heute ein Problem damit gehabt, sich zu verpflegen!

Deutschland München MarienplatzDoch gemach, es war schließlich nicht immer so. Einstmals nämlich, genauer gesagt 1853, wurde dieses Schmuckstück von Stadtbaurat und Ingenieur Franz Karl Muffat im Auftrag König Maximilians II. als Getreideumschlagplatz erbaut und eröffnet. Dies kann man auch am Namen erkennen, denn Schranne bedeutet u. a. Getreidemarkt. Der weltberühmte Marienplatz (Foto rechts), der um die Ecke liegt, heißt übrigens auch erst seit 1854 so. Früher war er ganz einfach, gemäß seiner Bestimmung, der Schrannenplatz.

Allein die gusseiserne Konstruktion des Gebäudes, die auf eleganten schlanken Säulen ruht, war eine architektonische Sensation. Dazu die großflächige Verglasung, die viel Helligkeit ins Innere ließ und lässt und aus einer muffigen Markthalle plötzlich ein erhabenes, von Licht durchflutetes Bauwerk machte! Und obendrauf noch die überaus kurze Bauzeit. Denn in nur ein paar Monaten wurde München architektonisch interessant und modern. Diese filigrane Eisen-Glas-Konstruktion, 110 Meter lang und 25 Meter breit, dieser beeindruckende Prachtbau ist eine Sehenswürdigkeit, die mit Pinakothek, Hofbräuhaus, Oktoberfest und Rathaus in einem Atemzug genannt werden darf.

Deutschland München Van Hoi
Zur Abwechslung mal Asiatisches?

Für lange Zeit lag die Halle aber brach und ungenutzt und brannte schließlich im Jahre 1932 weitgehend ab. Doch nach knapp zweieinhalb Jahren Bauzeit erstrahlt sie seit September 2005 in neuem Glanz und ist ein von buntem Leben gefüllter Marktplatz im wahrsten Sinne des Wortes: Mehr als fünfzig Stände finden sich in der Schrannenhalle - exotische und weniger exotische, bayerische und asiatische. Es gibt Handwerker wie Goldschmiede, Kunstglasbläser, Schuhmacher, Kaleidoskope in verschiedenen Ausführungen und Gastronomie wie z.B. die „Heumilchbar“. Weißwurst, Currywurst, Sushi und Brezeln, Omas Strudel und Champagner, buntes Treiben gratis dazu. Tag und Nacht übrigens. Die Halle ist 24 Stunden lang geöffnet, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr.

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