Abschied vom Bumsfallera
Rüdesheim: bemerkenswerter Aufbruch im Rheingau
Text und Fotos: Volker Mehnert
Rüdesheim?
- Das klingt nach süßem Wein in Strömen und Touristenrummel
in der Drosselgasse, nach Kegelbrüder-Wochenenden und Bumsfallera-Gesängen.
Oder doch nicht? Wir waren der Meinung, dass der weltberühmte
Weinort im Rheingau nicht
bloß lärmend-lustiges Trinkvergnügen
bieten könne. Und
unsere Nachforschungen haben ergeben, dass wir mit dieser Vermutung
richtig lagen.
Je weiter man sich von Rüdesheim entfernt, desto besser wird sein Ruf. Die anderen Weinorte im Rheingau würden sich oft genug am liebsten vom ungeliebten Nachbarn distanzieren, und im Rhein-Main-Gebiet hat die Drosselgasse wenig Freunde. Doch schon aus Köln, München und Hamburg kommen viele Stammgäste. Skandinavier, Briten, Spanier und Italiener scheinen sich mit rheinischer Gemütlichkeit besonders gut zu amüsieren, und für Amerikaner und Japaner sind der Rhein und Rüdesheim sowieso unerlässliche Bestandteile ihrer Europa-Reisen. Was ist also dran an dieser deutschen Tourismus-Ikone, dass die einen sie verehren und die anderen sie verachten?
„ Die fröhlichste Gasse der Welt“
Nur drei Meter breit und 144 Meter lang ist die Drosselgasse. Kein Wunder, dass bereits wenige Besucher sie angenehm beleben; ein paar mehr, und schon ist das enge Gässchen gefüllt.

Der Ansturm an einem Sommerwochenende führt unweigerlich zur totalen Verstopfung. In den großräumigen Lokalen und Weingärten soll das Schunkeln erfunden worden sein, und selbst in den etwas anspruchsvolleren Restaurants bekommt die Stimmung im Laufe des Abends Festzeltcharakter.

Dann spielen die Musiker ein Potpourri aus Trinkliedern und deutschen Schnulzen, geben einen Schuss Elvis Presley dazu, und schon ist die internationale Trinkgemeinde in der „fröhlichsten Gasse der Welt“ bestens gelaunt.
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